eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mi, 09:44 Uhr
02.09.2020
Appell an Bundestagsabgeordnete

Wildwest-Zustände in der Fleischbranche beenden

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert Bundestagsabgeordnete aus Nordthüringen auf, in Berlin für das geplante Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischwirtschaft zu stimmen. Corona-Ausbrüche in mehreren Fleischunternehmen hätten gezeigt, wohin die Missstände führen können...

„Für die überwiegend osteuropäischen Beschäftigten in Subunternehmen sind extreme Arbeitsbelastung, Lohn-Prellerei und Unterbringung in abrissreifen Wohnungen seit Jahren an der Tagesordnung. Mit solchen Wildwest-Methoden muss endlich Schluss sein“, fordert Jens Löbel, Geschäftsführer der NGG-Region Thüringen.

Anzeige symplr (1)
Das geplante „Arbeitsschutzkontrollgesetz“ könne die Fleischbranche zugleich stärken: Nach Angaben der Arbeitsagentur sank die Zahl der Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe im Freistaat innerhalb von 20 Jahren um 37 Prozent. Von 387 Betrieben im Jahr 1999 gab es im vergangenen Jahr nur noch 244. „Diese Konzentration ist ein bundesweiter Trend, der dazu geführt hat, dass vielerorts reguläre Stellen verloren gingen und Arbeiten an Subunternehmen ausgelagert wurden – häufig zu prekären Bedingungen“, betont Löbel. Mit Hilfe des neuen Gesetzes müssten nun die Stammbelegschaften wieder aufgebaut und die Mitbestimmung gestärkt werden. Das führe zu höheren Löhnen, steigenden Sozialabgaben und Steuereinnahmen.

Nach dem Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums sollen ab 1. Januar 2021 Werkverträge und ab 1. April 2021 Leiharbeit in Fleischbetrieben mit mehr als 49 Personen verboten werden. „In den vergangenen Jahren sind alle Versuche gescheitert, die Branche zum Umdenken zu bewegen – weder durch freiwillige Selbstverpflichtungen und selbst mit dem Gesetz zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten in der Fleischwirtschaft nicht. Das Verbot ist überfällig“, so Löbel.

Der Gewerkschafter warnt jedoch vor Tricksereien. Unternehmen dürften nicht versuchen, das Gesetz durch neu gegründete Tochtergesellschaften oder andere Schlupflöcher zu umgehen: „Vom Schlachten bis zum Verpacken – alle Arbeitsschritte in der Fleischproduktion müssen von Beschäftigten erledigt werden, die direkt beim Unternehmen angestellt sind.“ Das Gesetz zum Verbot von Leiharbeit und Werkvertrag sei der erste Schritt. „Und dann brauchen wir als zweiten Schritt einen Tarifvertrag, der für alle Beschäftigten in den rund 7.700 Unternehmen der Branche gute Löhne und faire Arbeitsbedingungen absichert. Wir sind gespannt, ob die Unternehmen hierzu ernsthaft bereit sind.“

Das Argument von Lobbyverbänden, die Fleischbranche sei auf Werkverträge und Leiharbeit angewiesen, um Auftragsspitzen etwa zur Grillsaison abzufedern, überzeuge nicht. „Möglich wären beispielsweise auch befristete Arbeitsverträge. Besser noch: Arbeitszeiten lassen sich per Tarifvertrag und Arbeitszeitkonten regeln – wie das auch in anderen Bereichen der Lebensmittelbranche seit langem üblich ist“, so Löbel.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Örzi
02.09.2020, 14:45 Uhr
Amerika hat es vorgemacht
Über dem Teich wurde die Sklaverei schon lange abgeschafft. In Deutschland steht sie offensichtlich in voller Blüte. Geknechtete und ausgebeutete Osteuropäer müssen hier unter Menschen unwürdigsten Bedingungen für einen Hungerlohn und eine verwahrloste Unterkunft Tag und Nacht schuften. Lasst diese Menschen endlich frei, damit zurück in ihre Heimat kehren können um dort in Wohlstand und sozialer Sicherheit ein glückliches Leben führen zu dürfen.
Wie Bitte
02.09.2020, 16:12 Uhr
Forderung der Gewerkschaft
Osteuropäer würden wohl kaum unter den genannten Bedingungen bei uns arbeiten, wenn sie "zurück in ihrer Heimat in Wohlstand und sozialer Sicherheit ein glückliches Leben führen" könnten, wie es zuvor formuliert wurde.
Das Problem ist, dass solche typisch osteuropäische "Branchen" von Fleischwirtschaft über Pflege bishin zum Spargelstechen in Bezahlung und Arbeitsumständen für Deutsche "unzumutbar" geworden sind - wieso schreibe ich das eigentlich in Anführungsstrichen?

Die Gewerkschaft fordert, etwas zu ändern, was seit Jahren bekannt ist - auch ihr selbst - bisher aber niemanden gestört hat. Billiges Fleisch, billiger Spargel, und Oma mit sauberem Hintern. Erst im Laufe von Corona spricht man plötzlich darüber. Da hat das Virus ja tatsächlich mal etwas positives bewirkt.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)