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Mi, 08:38 Uhr
09.12.2020
Vaporizer:

Die gesunde Alternative zum Rauchen?

In den 2010er-Jahren erlebten die Vaporizer einen regelrechten Boom. Jedes Jahr gewannen die Anbieter Heerscharen an Neukunden dazu. Von jährlichen Zuwachsraten von rund 25 % können andere Branchen nur träumen. In Deutschland sind es bereits über 2,5 Millionen Menschen, die es vorziehen, elektrisch zu rauchen und sich über die Auswahl zahlreicher Aromen erfreuen...


Möglich wurde dieser Boom durch eine intelligente Verkaufsstrategie, die wunderbar zum smarten Zeitgeist zu passen schien. In diesem Sinne wurden Vaporizer, auch Verdampfer genannt, von den Herstellern als ideale Alternative zum Rauchen angepriesen. Doch sind die Produkte wirklich so unbedenklich wie es uns die Hersteller Glauben machen möchten? Ist der Vaporizer gesund? Zahlreiche Studien, in denen der Effekt von E-Zigaretten auf die Gesundheit untersucht wurde, lassen bereits vorsichtige Rückschlüsse zu.

Wesentlich geringere Krebsgefahr
Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede zum traditionellen Rauchen von Pfeifen, Zigarren und Zigaretten. Unabhängig von der Art des Verdampfers ob elektronisch oder mit Gas und auch unabhängig davon, ob es sich beim Gerät um einen Konvektions- oder Konduktionsvaporizer handelt, die Verwertung der Substanzen findet nicht auf Basis eines Verbrennungsprozesses, sondern der Verdampfung statt.

Verdampfung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass für den Genuss eine geringere Temperaturentwicklung erforderlich ist. Zahlreiche gesundheitsschädigende Verbrennungsstoffe, sogenannte Toxine, von denen beim Rauchen Teer, Kohlenmonoxid und Benzol nur die Spitze des Eisbergs sind, können folglich gar nicht erst freigesetzt werden. Ganz frei von krebserregenden Substanzen sind Vaporizer freilich nicht. Es sind nur deutlich weniger Stoffe als die 90, die bislang beim herkömmlichen Rauchen entdeckt worden sind.

Nach Auswertung von Metastudien lautet heute die offizielle deutsche Sprachregelung, dass Vaporizer im Vergleich zum traditionellen Rauchen mit einer „wahrscheinlich geringeren Krebsgefahr“ verbunden seien. In England dagegen hat man sich schon festgelegt. Auf der Insel verkündete der National Health Service, die Vapes seien um 95 % weniger gesundheitsschädlich und sogar um 99,5 % weniger krebserregend.

Dafür höhere Lungenbelastung
Die Metaanalyse zum Thema Vaporizer und Gesundheit förderte allerdings einen anderen Effekt zutage, dass nämlich dafür die Belastung für Lunge und Atmungswege beim Vapen im Vergleich zum Rauchen erhöht sei. Für schwere Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale, Bronchitis und die Herausbildung von Emphysemen konnten Vapes als Ursache bereits festgemacht werden. Eruiert wurde außerdem, dass bestimmte Stoffe wie Glycerin und Prophylenglykol, die beim Einatmen der verdampfenden Stoffe in das Atemsystem gelangen, die Atemwege irritieren, die Schleimhäute reizen, die Bronchien entzünden und oxidativen Stress hervorrufen. Asthmatiker spüren unmittelbar die höhere Lungenbelastung durch E-Zigaretten infolge verstärkt auftretender Hustenreize.

Erst kürzlich wurden in einer US-Studie, veröffentlicht am 7.6.2019 im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, bedenkliche Befunde ans Licht geführt. Die Wissenschaftler fanden nämlich heraus, dass die beim Vapen eingeatmeten Liquids dem natürlichen Schutzfilm in den Atemwegen Feuchtigkeit entzögen. Dieser verliere dadurch einen Teil seiner Schutzfunktion. Der natürliche Selbstreinigungsmechanismus in den Lungen Mediziner sprechen hierbei von der mukoziliaren Clearance werde beeinträchtigt. Dies geschehe auch deshalb, weil sich durch die Prozesse beim Vapen die Schlagfrequenz der Zilien genannten Flimmerhärchen verlangsamen, die für den Abtransport von Staubteilchen, Schadstoffen und Erregern zuständig sind.

Fazit: Gesund sind auch E-Zigaretten nicht
Als Resultat aus den Studien, die immer mehr im Zusammenhang mit den Auswirkungen der E-Zigaretten auf die Gesundheit ins Leben gerufen werden, kann nicht mehr von der von den Herstellern einst postulierten Unbedenklichkeit ausgegangen werden. Die deutlich geringere Krebsgefahr wird wenigstens zum Teil durch die noch größere Belastung für Lunge und Bronchien ausgeglichen. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte dies folglich konsequent tun und nicht dadurch, dass er dem Teufel mit dem Beelzebub zu Leibe rückt.
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