Mo, 08:25 Uhr
28.12.2020
Menschen im Corona-Jahr
Einsicht und Rücksichtnahme sind wichtig
In unserer Reihe Menschen im Corona-Jahr wollen wir Ihnen hier bis zum Jahresende täglich Südharzerinnen und Südharzer aus den verschiedensten Lebens- und Arbeitsumständen vorstellen und nach ihrer rückblickenden Sicht auf dieses ganz spezielle Jahr 2020 befragen…
Anja Zickenrott ist Krankenschwester im Heiligenstädter Krankenhaus. Hier arbeitet sie in der Radiologie. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie erlebte auch sie eine Achterbahn der Gefühle. Die Situation im ersten Lockdown hat dazu geführt, dass ich plötzlich mehr Zeit hatte. Ich konnte zu mir selbst finden, wir haben in Familie mehr Zeit miteinander verbracht. Und es wurde auch schnell klar, wer wirkliche Freunde sind und wer nicht.
Sie bedauert es, wenn die Meinungen so unversöhnlich aufeinanderprallen, es nur schwarz oder weiß, gut oder böse gibt und alle Zwischentöne verloren gehen. Natürlich gefallen mir die Maßnahmen auch nicht und wenn ich zu Hause bin, dann ärgern mich all die Beschränkungen. Aber wenn ich jetzt auf meiner Arbeit sehe, wie Menschen an dem Virus leiden müssen, dann bin ich lieber heute als morgen für einen harten Lockdown.
Auch in Heiligenstadt sind übers Jahr vorsorglich Operationen verschoben worden und es gab Phasen, an denen kaum etwas zu tun war und keine Patienten kamen. Jetzt im zweiten Lockdown haben wir als Angestellte eine Mischung aus Existenzangst und Überbelastung. Viele Leute haben inzwischen Angst zum Arzt zu gehen und wir sehen andererseits wie sich die Stationen mit Corona-Patienten füllen. Da fühle ich oft Hilflosigkeit, sagt Anja Zickenrott und gibt zu, dass es ihr oft schwer fällt einzuschätzen, was gerade richtig und was falsch ist.
Im Vergleich zum Frühjahr sind die Therapiemethoden den gemachten Erfahrungen mit der Krankheit angepasst worden. Es kann heute besser abgeklärt werden, wer welche Behandlung benötigt. Der Umgang mit dem Virus hat sich verändert, berichtet die Krankenschwester. Unter den Mitarbeitern herrscht weniger Besorgnis als im Frühjahr, weil sich das Personal nun besser ausgerüstet fühlt und mit mehr Schutzmaßnahmen versehen ist. Viele Sachen, die im Frühjahr neu waren, sind inzwischen Routine. Auch Anja Zickenrott glaubt, dass wir noch länger mit dem Virus werden leben müssen. Doch die Krise hat auch angenehme Seiten. Im Team auf ihrer Station verspürt sie einen größeren Zusammenhalt unter den Kollegen als noch vor einem Jahr. Das funktioniert echt gut, es wird überall mehr Rücksicht genommen, die Krise hat uns zusammengeschweißt.
Sie weiß um ihre gesellschaftliche Verantwortung und auch um die Gefahren, die eine Überlastung des Gesundheitssystems darstellen können. Doch die junge Frau bleibt optimistisch. Sie vertraut auf die Einsicht der Menschen und eine gesteigerte Rücksichtnahme untereinander. Die Anstandsregeln und die Maskenpflicht haben bisher wenigstens schon einen positiven Nebeneffekt aufgezeigt: wir haben viel weniger Grippekranke als in den letzten Jahren.
Olaf Schulze
Autor: oschAnja Zickenrott ist Krankenschwester im Heiligenstädter Krankenhaus. Hier arbeitet sie in der Radiologie. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie erlebte auch sie eine Achterbahn der Gefühle. Die Situation im ersten Lockdown hat dazu geführt, dass ich plötzlich mehr Zeit hatte. Ich konnte zu mir selbst finden, wir haben in Familie mehr Zeit miteinander verbracht. Und es wurde auch schnell klar, wer wirkliche Freunde sind und wer nicht.
Sie bedauert es, wenn die Meinungen so unversöhnlich aufeinanderprallen, es nur schwarz oder weiß, gut oder böse gibt und alle Zwischentöne verloren gehen. Natürlich gefallen mir die Maßnahmen auch nicht und wenn ich zu Hause bin, dann ärgern mich all die Beschränkungen. Aber wenn ich jetzt auf meiner Arbeit sehe, wie Menschen an dem Virus leiden müssen, dann bin ich lieber heute als morgen für einen harten Lockdown.
Auch in Heiligenstadt sind übers Jahr vorsorglich Operationen verschoben worden und es gab Phasen, an denen kaum etwas zu tun war und keine Patienten kamen. Jetzt im zweiten Lockdown haben wir als Angestellte eine Mischung aus Existenzangst und Überbelastung. Viele Leute haben inzwischen Angst zum Arzt zu gehen und wir sehen andererseits wie sich die Stationen mit Corona-Patienten füllen. Da fühle ich oft Hilflosigkeit, sagt Anja Zickenrott und gibt zu, dass es ihr oft schwer fällt einzuschätzen, was gerade richtig und was falsch ist.
Im Vergleich zum Frühjahr sind die Therapiemethoden den gemachten Erfahrungen mit der Krankheit angepasst worden. Es kann heute besser abgeklärt werden, wer welche Behandlung benötigt. Der Umgang mit dem Virus hat sich verändert, berichtet die Krankenschwester. Unter den Mitarbeitern herrscht weniger Besorgnis als im Frühjahr, weil sich das Personal nun besser ausgerüstet fühlt und mit mehr Schutzmaßnahmen versehen ist. Viele Sachen, die im Frühjahr neu waren, sind inzwischen Routine. Auch Anja Zickenrott glaubt, dass wir noch länger mit dem Virus werden leben müssen. Doch die Krise hat auch angenehme Seiten. Im Team auf ihrer Station verspürt sie einen größeren Zusammenhalt unter den Kollegen als noch vor einem Jahr. Das funktioniert echt gut, es wird überall mehr Rücksicht genommen, die Krise hat uns zusammengeschweißt.
Sie weiß um ihre gesellschaftliche Verantwortung und auch um die Gefahren, die eine Überlastung des Gesundheitssystems darstellen können. Doch die junge Frau bleibt optimistisch. Sie vertraut auf die Einsicht der Menschen und eine gesteigerte Rücksichtnahme untereinander. Die Anstandsregeln und die Maskenpflicht haben bisher wenigstens schon einen positiven Nebeneffekt aufgezeigt: wir haben viel weniger Grippekranke als in den letzten Jahren.
Olaf Schulze

