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Mi, 19:40 Uhr
13.01.2021
Kirchenkreis Bad Frankenhausn - Sondershausen

Kirchgemeinden und Gottesdienste im Lockdown

„Alles dicht, nichts geht mehr!“ so heißt es an vielen Stellen seit Wochen und Monaten. Ein unglaublich anstrengender und oft genug auch nervenaufreibender Zustand. Die Frage der Notwendigkeit stellt sich Pastorin Steffi Wiegleb angesichts der steigenden Zahl der Infizierten nicht...

Ab und an höre ich die Frage: „Kennen Sie denn jemanden, der es hatte?“ Ja, ich kenne mehrere Menschen aus meinem persönlichen Umfeld, die infiziert waren, mit den Folgen kämpfen und auch Familien, die durch Covid-19 bedingt, Verstorbene zu beklagen haben.

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Auch in den Kirchgemeinden ist das Thema ständig gegenwärtig. Die Frage, wie sich Kirchgemeinden in dieser Zeit verhalten sollten, hat uns in der vergangenen Advents- und Weihnachtszeit massiv beschäftigt. Sie alle haben erlebt, dass es zu Heilig Abend fasst flächendeckend in unserem Kirchenkreis keine Gottesdienste gegeben hat. Es gab viele Planungen für Gottesdienste unter freiem Himmel oder auf besondere Weise in den Kirchgebäuden.

Aber sie sind oft sehr kurzfristig noch wenige Tage vor Heilig Abend abgesagt worden. Diese Entscheidung hatten sich die Verantwortlichen in den Kirchgemeinden wahrlich nicht einfach gemacht. Verantwortlich für solche Entscheidungen sind nicht allein die Pfarrer und Pfarrerinnen, sondern im besonderen Maße die ehrenamtlichen Mitglieder der Gemeindekirchenräte. Sie haben viel Engagement, Verantwortungsbereitschaft und Mut aufgebracht, haben die Herausforderungen angenommen und die schwierigen Entscheidungen getroffen, bei denen Sie nicht immer nur Verständnis geerntet haben. Immer im Zwiespalt zu stehen, die Gottesdienste aufrechtzuerhalten oder auszusetzen und Alternativen zu bieten, fordert viel Kraft und Energie.

Abzuwägen war zwischen dem Fortführen der Gottesdienste und somit den Gemeindegliedern und anderen ein kleines Stück Normalität und Kontinuität zu gewährleisten - auch wenn im Gottesdienst mit Abstand und Mundschutz und ohne Gesang alles doch nicht so normal war - und dem Auszusetzen der Gottesdienste und dem Entwickeln und Umsetzen weiterer Alternativangebote. Ab und an hörte man den Satz: „Die Kirche macht nichts.“ Aber, wie man schon seit März 2020 überall sehen und erleben konnten, haben die Kirchgemeinden nicht nichts gemacht, sondern waren trotz allem überall sehr aktiv, kreativ und innovativ und vor allem sichtbar und erlebbar. Und das auch für Menschen, die Kirche sonst eher wenig oder gar nicht wahrnehmen.

Nun stehen die Gemeinden erneut in der Situation zu überlegen, ob Gottesdienste wiederaufgenommen und unter höchsten Hygienemaßnahmen gefeiert werden oder sie mit Blick auf den verschärften Lockdown weiterhin auszusetzen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben alle Kirchgemeinden des Kirchenkreises Bad Frankenhausen-Sondershausen entschieden, alle Gottesdienste und Veranstaltungen vorerst bis zum Ende des Monats weiterhin auszusetzen.

Neben dem grundsätzlichen Infektionsschutz und der Überlegung, niemanden, der sich für einen Gottesdienst nicht angemeldet hatte, an der Kirchentür abzuweisen, war bereits vor Weihnachten auch der Solidaritätsgedanke mit anderen ein Argument dafür. Was ist jetzt so viel anders? Ich persönlich würde noch einen kleinen Schritt weitergehen und sagen, dass es auch etwas mit Respekt zu tun hat, denn das Argument „Wir haben ja ein funktionierendes Hygienekonzept, kann nicht das hauptsächliche Maß der Dinge sein, um jetzt Gottesdienste in den Kirchgebäuden fortzuführen.

Restaurants, Läden, Schulen … haben auch Hygienekonzepte, viel investiert und dürfen dennoch nicht öffnen. Sie kämpfen oft genug um die Existenz.
Man kann dem entgegenhalten, als Kirche haben wir aber das Recht, Gottesdienste weiterhin zu feiern. Ja, aber wir haben auch das Recht, das auf alternative Art und Weise zu tun und auf gewohnte und historische Formate zu verzichten. Wir haben die Möglichkeit, entscheiden zu können, auf ein Öffnen der Kirchgebäude für Gottesdienste zu verzichten.

Andere habe keine Möglichkeit frei zu entscheiden, ob sie ihre Räumlichkeiten für ihre Angebote öffnen.
Mit und wegen unseren Alternativangeboten, die von Ehrenamtlichen und hauptamtlichen getragen und realisiert werden, müssen wir uns keine zu großen Sorgen um die Existenz der Kirchgemeinden machen. Vielerorts ist es so, dass deutlich mehr Menschen diese Alternativangebote via Internet, Gemeindebriefe, Briefpredigten, Telefon, Radiobeiträge, WhatsApp, offene Kirchen zum stillen Gebet, in die Kirche verlegte persönliche Probenzeiten der Kirchenmusiker … nutzen. Die Alternativen kommen an. Vielleicht auch gerade weil allgemein nicht damit gerechnet wird, dass Kirche so überraschend anders sein kann.

Was genau wo angeboten wird, erfahren Sie durch die ortsüblichen Informationswege, wie z.B. Gemeindebriefe, Aushänge an Kirchen oder Gemeindehäusern. Schauen Sie einfach mal im Internet und geben den Namen Ihrer Kirchgemeinde oder Ihres Pfarrers / Ihrer Pfarrerin bei YouTube ein. Z.B wird mittwochs im Bereich Allstedt “Mit(t)gedacht“ und jeden Mittwoch neu eingestellt. Unter „Evangelisch - in und um Sondershausen“ finden Sie die Möglichkeit „10 Minuten mit Gott“ zu verbringen. Haben Sie bitte dafür Verständnis, dass wir momentan auf der Homepage des Kirchenkreises auch „nur“ auf die ortsüblichen Informationswege der einzelnen Kirchgemeinden verweisen. In der jetzigen Situation wollen wir vermeiden, dass sich Menschen auf die „Reise“ in andere Kirchgemeinden begeben. Virtuelle Reisen sind uneingeschränkt machbar. Sie finden auf er Homepage unter anderem auch Links z.B. zu Wohnzimmerandachten aus dem Bereich Helbe-Notter, also Schlotheim, Menteroda, Ebeleben, Holzthaleben, Körner … oder …

Am Ende können Sie sicher sein, dass auch ohne Gottesdienste in den Kirchgebäuden viele Angebote da sind und Menschen auch dafür beten, dass Sie und wir verschont bleiben und bald wieder mehr „normale“ Normalität erleben. Aber auch für die, die in den Ämtern in diesen Zeiten immer wieder schwierige und unangenehme Entscheidungen für viele Menschen treffen müssen; für die, die z.B. an der Bürgerhotline des Landkreises viele Stunden Informationen und Erklärungen weitergeben und ein offenes Ohr für die vielen Fragen, Nöte, die Wut und den Ärger der Menschen haben; für die, die in der Pflege und beim Testen und - Gott sei’s gedankt – auch beim Impfen, in den Hilfs- und Rettungsdiensten ihren Teil beitragen und Dienst tun; für die, die um ihre Existenz bangen; für die, die beim ständigen Organisieren von Betreuung und Hilfe bei Schulaufgaben an den Rand ihrer Möglichkeiten und Kräfte gelangen; für die, die an und mit den technischen Gegebenheiten das Lehren und Lernen aufrechterhalten wollen … wird vielerorts für Kraft, Durchhaltevermögen und eine baldige Besserung der allgemeinen Lage gebetet.

Haben Sie einen wohlwollenden Blick auf die anderen. Keiner macht es sich mit solchen schwerwiegenden Entscheidungen leicht und trägt auch selbst schwer daran.

Halten Sie sich bitte an die Reglungen, auch wenn sie total nervig, hart und manchmal schwer nachvollziehbar sind. Aber nur so können wir diese Zeiten bewältigen, verkürzen und möglichst ohne noch größere Verluste überstehen. Die jetzigen Verluste an Lebensqualität und von Angehörigen sind für uns alle bereits groß genug. Bleiben Sie zu Hause und gesund (oder werden Sie es schnell wieder).

Bei weiteren Nachfragen wenden Sie sich bitte an die amtierende Superintendentin Steffi Wiegleb: Tel.: 034671.62614 bzw. buero@suptur-bad-frankenhausen.de
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