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Sa, 14:00 Uhr
06.02.2021
CDU kritisiert Ausweitung des Naturschutzgebiets Hohe Schrecke

Keine Schnellschüsse in der Coronazeit

Der bewaldete Höhenzug Hohe Schrecke im Dreieck zwischen Kölleda, Artern und Bad Bibra ist das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet in Thüringen. Seit 2004 umfasst es etwa 35 Quadratkilometer. Nun soll diese Fläche fast verdoppelt werden, was den Unmut der Thüringer CDU hervorruft …

Urwüchsiger Wald in der Hohen Schrecke (Foto: nnz-Archiv) Urwüchsiger Wald in der Hohen Schrecke (Foto: nnz-Archiv)


Der Verordnungsentwurf aus dem Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz sieht künftig eine Fläche von 68 Quadratkilometern für das Naturschutzgebiet vor. Waldbesitzer und Landwirte, die in dem Gebiet engagiert sind, hätten eigener Einlassung zufolge erst sehr spät von den Plänen in Erfurt erfahren und fürchteten nun, dass die Nutzung ihrer Flächen stark eingeschränkt oder womöglich ganz verboten wird, behaupten die Thüringer Christdemokraten in einer Pressemitteilung. Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag stellt sich deshalb gegen die Eil-Ausweisung eines vergrößerten Naturschutzgebiets in der Hohen Schrecke und fordert, dass es keine Erweiterung des Naturschutzgebietes Hohe Schrecke mitten im Lockdown geben soll.

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„Aus unserer Sicht hat Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) ein seltsames Verfahren gewählt, indem sie mitten im Lockdown einer Corona-Krise die flächenmäßige Verdoppelung des Schutzgebietes durch die Instanzen peitschen will“, erklärte dazu der forstpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Marcus Malsch. Seine Fraktion stelle sich nicht grundsätzlich gegen die Vergrößerung des Naturschutzgebiets, habe aber in dieser Woche während einer Sondersitzung des zuständigen Fachausschusses deutlich gemacht, dass Bürger und Waldbesitzer in diesen Prozess einbezogen werden müssen. „Dieses ist umso dringlicher, als dass wir nicht den Eindruck hatten, dass das Ministerium grundlegende Fragen vor dem Start des Ausweisungsverfahrens geklärt hat“, so Malsch weiter.

Weder wolle oder könne das Umweltministerium zur besonderen Schutzwürdigkeit einer derart übergroßen Fläche Auskunft geben, noch wurden konkrete Gefährdungen und Bedrohungen relevanter Güter der Natur angeführt. Schuldig bliebe das Umweltministerium auch, mit welchem Ergebnis geprüft wurde. Ob und wie naturschutzfachliche Zielstellungen vorrangig mit freiwilligen Leistungen, z.B. über den Vertragsnaturschutz als milderes Mittel, erreicht werden können, stünde nicht in dem Papier. „Die Vergrößerung des Naturschutzgebiet ist ein grünes Prestigeprojekt“, sagte Malsch. „Dieses kann man auch nach Corona in Angriff nehmen, in einem geordneten Verfahren unter fairer Beteiligung aller Interessengruppen in- und außerhalb der Region.“

Wie wir bereits berichteten, hatte der Verein Hohe Schrecke "Alter Wald mit Zukunft" am Donnerstag ein Gespräch zwischen dem Umweltministerium, der verfahrensführenden Landesanstalt für Umwelt in Jena und den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben sowie deren Verpächter organisiert, um die Diskussion zum Verordnungsentwurf zu versachlichen. Wie man der Verlautbarung der CDU jetzt entnehmen kann, war dieses Treffen offensichtlich nicht von durchschlagendem Erfolg gekrönt.
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