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Di, 22:17 Uhr
22.06.2021
Vertreterversammlung der Nordthüringer Volksbank

Bankgeschäft bleibt ein Gemeinschaftswerk

Dr. Karl-Ernst Heerwagen, langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrates der Nordthüringer Volksbank, hat schon einiges in und mit der Bank, vor allem aber im Umfeld miterlebt. Doch die pandemische Zeit, in der wir uns vermutlich immer noch befinden, die ist auch für ihn neu...

Vertreterversammlung der Nordthüringer Volksbank (Foto: nnz) Vertreterversammlung der Nordthüringer Volksbank (Foto: nnz)
Im Burghof auf dem Kyffhäuser fand am Abend die Vertreterversammlung der Bank statt. Hier sollte das genossenschaftliche Gremium die Rechenschaft von Aufsichtsrat und Bank-Vorstand zu Gehör bekommen. Heerwagen eröffnete nach dem hygienetypischen Einlass die Versammlung in der ihm eigenen Art.

"Das Jahr 2020 war, wie Sie alle wissen, ein außergewöhnliches Jahr. In sehr kurzer Zeit brachte es viele gravierende Veränderungen mit sich. Die Corona-Pandemie ist und bleibt eine gesundheitliche und ökonomische Herausforderung für uns als Bank, für die Unternehmen in unserer Region und wohl auch für uns alle persönlich. Wenn man in der Historie weiter zurückgeht, verändert sich die Perspektive.

Bekanntlich reichen die Wurzeln unserer Genossenschaftsbank zurück bis ins Jahr 1861. Unser Institut überstand etliche Pandemien und viele Infektionskrankheiten. Manchmal scheint es so, als würde sich die Geschichte wiederholen: Natürlich hat sich Deutschland seit dieser Zeit verändert. Das gilt ebenso für unsere Genossenschaftsbank."

Eine gute Ausstattung mit Eigenkapital und das grundsolide Geschäftsmodell seien die Voraussetzungen gewesen, auch in dieser ungewöhnlichen Zeit allen Kunden und Genossenschaftsmitgliedern, als Partner und Kreditgeber zur Seite zu stehen. Heerwagen weiter: "Das genossenschaftliches Bankgeschäft ist ein Gemeinschaftswerk. Ohne Mitglieder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vorstand und Aufsichtsrat geht es nicht."

Nach der Erläuterung von notwendigen Formalien, ging Vorstand Peter Herbst auf aktuelle Zahlen der Bank in den drei Nordthüringer Landkreisen ein. Stand Ende vergangenen Jahres gab es 16.606 Mitglieder, also Eigentümer der Bank. Und die mussten eine Phase miterleben, die es so noch nicht gegeben habe.

Peter Herbst: "Eine Pandemie in diesem Ausmaß kannten wir alle bisher nicht. Während in den ersten zwei Monaten unser Kundengeschäft gut angelaufen ist, kam die für uns alle unbekannte Situation. Schließung der Geschäfte von Handel und Gewerbe, geschlossene Schulen und Kindergärten, teilweise Stilllegung der Industrie. Somit ergab sich für uns folgende Situation: Unsere Kunden aus dem Einzelhandel, aus der Gastronomie und aus der Dienstleistung hatten keinen Geschäftsbetrieb mehr. Viele unserer Privatkunden waren in Kurzarbeit oder gar arbeitslos. Unser Kundengeschäft war stark eingeschränkt.

Ein Großteil unserer Mitarbeiter konnte die Kinderbetreuung nur sehr schwer organisieren. In dieser Situation haben wir 12 von 16 Filialen für zwei Monate geschlossen.Gemeinsam mit unserem Betriebsrat haben wir eine Kurzarbeit- und eine HomeOffice – Vereinbarung getroffen, bei der eine Fortführung der notwendigen Geschäftstätigkeit gewährleistet war. Als wir dann zum Sommer dachten, wir können den Normalbetrieb wieder aufnehmen, kam dann Anfang November ein neuer Lockdown."

Heute ist ein halbes Jahr um und man habe ein Viertel der Bevölkerung vollständig geimpft. In diesem Rahmen ist Herbst ein besonderer Satz aufgefallen, der ihm gut gefallen habe. Irgendjemand hat gesagt:
„Lasst es Lidl und Aldi organisieren, dann klappt es..."
Den Nachsatz über die Kompetenz zu den Politikern wollte sich der Vorstand ersparen.

Fakt ist, vier Monate Lockdown im Jahr 2020 sind nicht spurlos an der Bank vorbei gegangen. Trotzdem sei ein gutes Ergebnis erzielt worden. In diesem Jahr habe der Vorstand jedoch auch einige neue Erkenntnisse gesammelt. Als Beispiel führte Peter Herbst das Home Office an: "Überall da, wo wir Kundenkontakt haben und – das darf nicht vergessen werden – unser Kunde steht für uns immer im Mittelpunkt – ist kein HomeOffice möglich. Der persönliche Kundenkontakt in unserer Geschäftsphilosophie ist durch nichts zu ersetzen. Er kann zwar auch per E-Mail, per Telefon oder per Chat erfolgen, aber die Beratung an sich, egal ob Finanzierungs- oder Anlagegeschäft, ist im persönlichen Kontakt für beide Seiten die erfolgreichste.

Und wir haben gelernt, Politik spricht gern über den Erfolgsfaktor „HomeOffice“, hat aber Rahmenbedingungen, Definitionen und Sicherheitsbedürfnisse noch nicht ansatzweise geklärt. Ich nenne nur ein Beispiel: Die Definition HomeOffice ist meist falsch – richtig heißen muss es: mobiles und agiles Arbeiten. Die Begriffe sind noch nicht sauber definiert. In unserer Branche kommt neben dem Thema Datenschutz verstärkt das Thema Bankgeheimnis hinzu. Hier gibt es zwingend strenge Anforderungen, die bisher noch nicht abschließend geklärt sind."

Die Bilanzsumme, als Summe aller Aktivitäten, hat sich durch ein lebhaftes Kredit- und Einlagengeschäft auf 870 Millionen Euro erhöht. Die Entwicklung unseres Kreditgeschäftes zeigt, dass die Nordthüringer Volksbank ein verlässlicher Partner für den gewerblichen Mittelstand und unsere Privatkunden ist. Sowohl im Wohnungsbaufinanzierungsgeschäft, als auch bei den Gewerbekrediten konnten wiederum Steigerungen verzeichnet werden.

Nach dem Rückblick folgte am Ende des Rechenschaftsberichtes der Blick in die Zukunft des genossenschaftlichen Bankensektors. "Wir werden zukünftig exorbitante Steigerungen in der Technik und in den Betriebskosten verzeichnen. Die Frage wird sein, wie lange kann eine Regionalbank in dieser Größe, wie wir es sind, den Anforderungen der Bundesbank, dem Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen, der Europäischen Zentralbank, dem Verbraucherschutz und den politischen Anforderungen finanziell abbilden.

Wir alle wissen, Deutschland reguliert sich in den Stillstand
Gefühlt bekommen wir jeden Tag ein neues Gesetz, eine neue Regulierung, eine neue Gerichtsentscheidung. Und jede Neuerung gilt für alle Bankengruppen. Das heißt die Deutsche Bank und die Commerzbank macht dies einmal – in den Volks- und Raiffeisenbanken beschäftigen sich 800 Banken mit dem gleichen Thema und bei den Sparkassen sind es noch 300.

Dies führt automatisch dazu, dass wir über größere Einheiten in der Genossenschaftlichen Bankengruppe sprechen müssen. Der Trend ist schon sichtbar. Während die kleinen Genossenschaftsbanken heute schon keine Chance mehr haben, den technischen Fortschritt mit ihren Kapazitäten zu bewältigen, so müssen auch wir uns – als mittelgroße Genossenschaftsbank – in der Perspektive Gedanken, zumindest über Kooperationen - mit den Nachbarbanken machen."

Nach dem Bericht des Aufsichtsrates, in dem Vorstand sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bank für ihre Arbeit gedankt wurde, wurde mehrere weitere Berichte und Formalien beschlossen. So wurde festgelegt, dass es eine Dividende von zwei Prozent geben werde. Anschließend wurden Jens Diethold und Uwe Vogt erneut in den Aufsichtsrat der Volksbank gewählt.
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Kommentare

23.06.2021, 19.24 Uhr
Wolfi65 | Ist ja besser, wie gar nichts
Bei aller Selbstbeweihräucherung.
Zehn Euro pro Genossenschaftsmitglied, ist ja besser wie nix.
Da ist man ja gerne Genosse!

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