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Mo, 10:40 Uhr
28.06.2021
Feuerwehr-Großübung der Feuerwehr Kyffhäuserland

Gelungener Einsatz mit Nachspiel

Wer kennt das nicht? Die Feuerwehr wird zu einem Gebäude-/Wohnhausbrand gerufen, die Einsatzfahrzeuge nehmen rund um das Brandobjekt Aufstellung und beginnen mit einer gezielten - eventuell erforderlichen - Menschenrettung und der parallel dazu eingeleiteten Brandbekämpfung...

Immer gute erkennbar waren die Funktionsträger (Foto: A.Becht) Immer gute erkennbar waren die Funktionsträger (Foto: A.Becht)

Keineswegs jedoch sind - insbesondere in ländlichen Regionen - zu denen das Kyffhäuserland gehört, Brandobjekte immer über Straßen und Wege schnell zu erreichen. Nicht wenige Wohnhäuser und Gehöfte liegen eingebettet in der freien Natur und sind sehr oft nur über weitgehend nicht immer befestigte Wege erreichbar. Einige solcher Anwesen liegen sogar in Waldgebieten. Hierbei sind meist auch Witterungswidrigkeiten im Winter mit Schnee und Matsch oder im Sommer mit sengender Hitze äußerst unangenehme Wegbegleiter in solchen Einsätzen.
Für die Feuerwehr bedeutet dies - auch im Hinblick auf große und wasserführende Lösch-Fahrzeuge - eine ganz besondere und sehr anstrengende, teils auch gefährliche Anforderung, die besonderes fachliches "knowhow", taktisches Sachvermögen und immens schwere - auch körperliche Belastungen von den Einsatzkräfte abverlangen, da gerade solche schwierigen Einsätze auch Ideenreichtum, Initiative und in Einzelfällen auch das eventuelle Abweichen bekannter Einsatznormen mit sich führen.

Die Feuerwehr Kyffhäuserland - unterteilt in acht Ortsfeuerwehren (Badra, Bendeleben, Göllingen, Günserode, Hachelbich, Rottleben, Seega und Steinthaleben) - ist sich solcher schwierigen Einsatzörtlichkeiten bewusst und stellt sich diesen Anforderungen, zu denen neben Gebäudebränden auch Flächen-und Waldbrände in unwegsamen Terrain gehören.

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Die diesjährige "Auftaktveranstaltung" für gezielte Brandbekämpfungen im schwierigen Gelände war ein Wohnanwesen mitten in umwaldetem Gebiet im Ortsbereich Hachelbich, unterhalb des Bendelebener Berges. Initiator dieser Großübung war der Wehrführer der Ortsteilfeuerwehr Hachelbich, Christian Engel. Gemeinsam mit einer kleinen Führungsgruppe seiner Feuerwehr arbeitete er diese Einsatzübung aus; mit eingebunden in diese Vorplanung war lediglich noch der Führungsdienst der Feuerwehr Kyffhäuserland, vertreten durch den Ortsbrandmeister, seinen Stellvertreter, den Wehrführerstab und den Fachberater.

Am Samstag, dem 26.Juni gegen neun Uhr morgens war es dann soweit : Mit der Einsatzinformation über einen (angenommenen), ausgedehnten Wohnhausbrand mit Übergriff der Flammen auch auf Nebengebäude informierte der Ortsbrandmeister, Stefan Buder, die
mit 11 Fahrzeugen angerückten 71 Einsatzkräfte. Der örtliche, für diesen Einsatz vorgesehene Einsatzleiter aus Hachelbich, Sven Wreden, wies die Einsatzkräfte in die grundsätzliche Lage ein und dislozierte hierbei gleichzeitig die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner
zu unterschiedlichen Aufgaben-und Einsatzörtlichkeiten; hierzu wurden drei Abschnitte gebildet und mit erfahrenen Abschnittsleitern beauftragt.

So war Zugführer Roger Lemke für die Wasserversorgung zuständig, Maik Günther als Wehrführer Bendeleben und stv. Ortsbrand- meister für die Brandbekämpfung und KBM Bernd Schuller für den Bereitstellungsraum.

Mittels eines technisch ergänzten MTW wurde in der Nähe der Einsatzstelle eine Einsatzleitung eingerichtet, die die Dokumentation der gesamten Einsatzabläufe übernahm und mittels zusätzlich ergänzter Sprechfunktechnik den Funksprechverkehr koordinierte und dem Einsatzleiter als Kommunikations-"Brücke" für die gesamte, großflächige Einsatz- stelle diente.

Stationiert wurde bei der Einsatzleitung auch eine spezielle Feuerwehrdrohne, ausgerüstet mit einer hochwertigen Wärmebildkamera und wahlweise mit einer 4-K-Kamera. Drohnenführerin Julia-Nofke-Engel überflog flächenweise die Einsatzörtlichkeiten und schickte von "oben" wertvolle Informationen auf den großen Monitor der Einsatzleitung.

Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, dass Drohnen vor einigen Jahren noch ausnahmsweise Einzelfälle im privaten und dienstlichen Bereich waren, während sie heute längst insbesondere im Feuerwehrdienst zum Standard und zum unverzichtbaren Führungsmittel geworden sind. Speziell im Feuerwehrdrohnendienst sind alle Drohnenführer besonders geschult und haben eine entsprechende Drohnenführer-Prüfung abgelegt. Im Kyffhäuserland existiert bei der Ortsfeuerwehr Hachelbich eine dort stationierte, jederzeit alarmierbare "Drohnen"-Gruppe mit Drohnenführern/innen und Drohnen mit Spezialkameras.

Parallel zu den begonnenen Einsatzmaßnahmen war längst eine Löschwasserversorgung
unter besonders schwierigen Voraussetzungen in vollem Gange. Sehr erschwerend hierbei war das Realisieren einer Wasserversorgung mit kontinuierlich ausreichendem Druck. Weitaus schwieriger gestaltete sich dabei die über 700 Meter lange Schlauchleitung in teils völlig unwegsamen und nur äußerst schwierig begehbarem Gelände, zudem mussten noch über
100 Meter Höhenunterschied bewältigt werden.

Beginnend von einer Wasserentnahmestelle mittels Saugschlauch aus der parallel zum Radweg führenden "Wipper" über die Pumpe eines Löschfahrzeuges musste Löschwasser in die Schlauchleitung bis hin zur Einsatzstelle gebracht werden. Hierzu war es erforderlich, mehrere zentnerschweren Tragkraftspritzen, die nunmehr als Verstärkerkraftspritzen dienten und das Wasser nach oben pumpten, zu Fuß an unterschiedlichen Örtlichkeiten mitten im steilen Wald-und Feldgelände zu bringen. Hinzu kamen unzählige und keineswegs leichte Schlauchlängen und das Verteilerequipment.

Alleine diese Tätigkeiten versetzten die vielen weiblichen und männlichen Einsatzkräfte in körperliche Hochleistungserfordernisse, zumal sich mittlerweile zumindest unter freiem Himmel Temperaturen von über 28 Grad Hitze entwickelt hatten und während allen Einsatztätigkeiten das Tragen kompletter - vorgeschriebener - Einsatzbekleidung inklusiv
des Feuerwehrhelms ein ausnahmsloses "Muss" ist.
Von der oberen Waldseite wurde die angenommene Brandstelle parallel mit Löschwasser aus zwei Tanklöschfahrzeugen bekämpft, die hierzu zeitweise auch Monitore einsetzten, die dem Laien auch als "Wasserkanonen" oder "Wasserwerfer" bekannt sind.

Parallel zur Gesamtlöschwasserversorgung wurde vom Einsatzleiter eine zweite, als Redundanz gedachte Wasserversorgung geplant. Das gesamte Einsatzszenario und die unterschiedlichen Stationen der Wasserversorgung von der Wipper aufwärts bis zum Bendelebener Berg sowie alle weiteren Feuerwehrtätigkeiten dieser knapp dreistündigen Großübung wurden vom Bürgermeister Kyffhäuserland, Knut Hoffmann, dem Ortsbrandmeister Stefan Buder und dem Fachberater, Alexander Becht, mehrfach besichtigt.

Geradezu "erlösend" erschien dann gegen 12.00 Uhr der Funkspruch des Einsatzleiters mit dem Hinweis: "Übungsende". Dies bedeutet jedoch nicht unmittelbares Einsatzende, sondern führt schwierigstes und zeitaufwändiges Rückbauen und Zurückbringen allen eingesetzten Materials zu den Einsatzfahrzeugen mit sich, damit schnellstmöglich eine grundsätzliche Wiedereinsatzbereitschaft für reale Einsätze gewährleistet ist.

Nach Wiederherstellung dieser Einsatzbereitschaft, die eine weitere knappe, intensive Arbeitszeit für die Frauen und Männer der Einsatzabteilung bedeuteten, lud der Bürgermeister zu einem kleinen Imbiss am Hachelbicher Sportplatz ein.

Zuvor nahm sich der Ortsbrandmeister, zusammen mit dem Einsatzleiter die Zeit, allen Einsatzkräften für ihr absolut hohes Leistungsniveau zu danken. Es erfolgte dann auch keine Manöver-"Kritik", sondern ein fachlich fundamentiertes Austauschen von Erkenntnissen, die aus dem Übungsszenario gewonnen wurden. Hierzu gehört auch die Planung weiterer Übungen an Objekten, die über ähnliche Erreichbarkeits- und Wasserversorgungsschwierigkeiten verfügen.

Nicht zuletzt gehört hierzu auch das Wissen, dass - immer lagebedingt - das unterstützende Miteinbeziehen
von Einsatzkräften und Einsatzmitteln aus den Nachbarbereichen der Stützpunkt- Feuerwehren Sondershausen und Bad Frankenhausen unverzichtbar sein kann. Entsprechende Absprachen und dienstliche Vereinbarungen mittels stets aktualisierten Ausrückordnungen zur gegenseitiger Unterstützung sind längst - unter fachlicher Miteinbeziehung des Kreisbrandinspektors, Jonas Weller, mit den Feuerwehr-"Nachbarn" getroffen.

Abschließend stellte sich nach dieser Übung die Frage, was ein kleines, zweijähriges, an Leukämie schwer erkranktes Mädchen namens " Elsa" aus dem Nachbarlandkreis Sömmerda mit der geschilderten Feuerwehrgroßübung zu tun hat. Wehrführer Maik Günther aus Bendeleben unterstützt maßgeblich zusammen mit seiner Frau Nadja (auch eine Feuerwehrfrau) wichtigste Typisierungsaktionen des "VKS", dem "Verein für Knochenmark-und Stammzellspenden". Bevor sich alle nach der Übung auf den Nachhauseweg freuenden Feuerwehrfrauen-und männer verabschiedeten, bat Maik Günther mit kurzen, jedoch bewegenden Worten um Hilfe für "Elsa", die lebensbedrohlich erkrankt ist und einer dringenden Stammzellenbehandlung bedarf.

Was lag also näher, als dass sich zahlreiche Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner aus dem Kyffhäuserland trotz zunehmender Mittagstemperatur spontan registrieren ließen und mittels "Stäbchen" eine Speichelprobe bei Nadja Günther ablieferten, die sich zuvor mit entsprechenden Unterlagen für diese hervorragende und außergewöhnliche Aktion vorbereitet hatte.
Alexander Becht
Feuerwehrübung im Kyffhäuserland (Foto: A.Becht)
Feuerwehrübung im Kyffhäuserland (Foto: A.Becht)
Feuerwehrübung im Kyffhäuserland (Foto: A.Becht)
Feuerwehrübung im Kyffhäuserland (Foto: A.Becht)
Autor: red

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