Mi, 13:03 Uhr
03.11.2021
Lederbrief
Sopran und Orgel in höchster Qualität vereint!
Kürzlich wurde von der Kirchenmusik zur letzten musikalischen Veranstaltung in Form einer Geistlichen Abendmusik in die Unterkirche Bad Frankenhausen eingeladen. Das Kirchenjahr endet, anders als im weltlichen Bereich, mit dem Ewigkeits- Totensonntag....
Das bedeutet aber nicht, dass es eventuell noch 2 Konzerte mit Beginn des neuen Kirchenjahres, dem 1. Advent, geben wird. Kantorin Schildmann gewann die Sopranistin Ute Engelke, die schon mehrmals zu verschiedenen Gelegenheiten ihr Können in der Unterkirche bewies. Als studierte Kirchenmusikerin hat Ute Engelke noch den Abschluss im Fach Barockgesang".
Entsprechend der vielfältigen Registriermöglichkeiten der Großen Strobel-Orgel stellten die beiden Musikerinnen ein anspruchsvolles Programm zusammen. Als Einstieg" erklang eine Arie aus Händels Oratorium Der Messias, danach folgten von Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Hör mein Bitten", Sei stille dem Herrn" und Meine Seele dürstet nach Gott". Vom gleichen Komponisten spielte Kantorin Schildmann eine Orgelsonate – als Entlastung" für die Sopranistin.
Auch Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) lieferte zwei Lieder: Gib dich zufrieden und Gott lebet noch". Von Heinrich Schütz (1585 – 1672) hörten die Zuhörenden O misericordissime Jesu". Als geistlichen Impuls wählte Pfarrerin Nadine Greifenstein aus dem Alten Testament eine Vers vom Buch Rut: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen...": Geistlicher Impuls zur geistlichen Abendmusik am 21. Oktober.
Tine und Olli sitzen am Wohnzimmertisch. Vor ihnen liegt ein Blatt Papier. In der Mitte längs gefaltet. Deutlich ist der Knick zu sehen, gut so, denn er soll das eine vom anderen sichtbar trennen. Das Blatt ist eine Liste. Auf der einen Seite soll stehen was dafür spricht; auf der anderen Seite, was dagegenspricht. Hierbleiben oder weggehen? Neustart im Unbekannten oder hier weitermachen?
Ein bisschen hatte er sich gefürchtet vor der Liste. Viel zu lang hatte er das Blatt in den Händen gehalten. Immer wieder die Falz in der Mitte durch die Finger gezogen. So als könnte er es damit hinauszögern, dass Klarheit über das Für und Wider offenbar wird. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott." Ein Satz aus dem Buch Rut aus der Bibel.
Gerne wird er bei Hochzeiten zitiert oder als Trauspruch verwendet. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott."
Diese Worte sprechen eine tiefe Zusage aus. Sie singen geradezu von aufrichtiger Zuneigung. Sie erzählen von unverbrüchlicher Loyalität. Man ahnt hinter ihnen einen
unbrechbaren Treueschwur. Starke Sätze sind das. Solche starken Sätze stehen aber auch immer in der Gefahr überdehnt und etwas belächelt und in den Kitsch gezogen zu werden. In der Tat aber: sagt diesen Satz eine moabitische Frau namens Rut zu ihrer Schwiegermutter Noomi, die aus Israel stammte und dorthin zurückkehren wollte.
Und die Schwiegermutterbremse hilft gegen Kitsch und lässt so machen aufhorchen. Wie war das noch?: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott." Rut sagt das zu Noomi. Sie war bereit, alles hinter sich zu lassen: Heimat, Herkunft, Religion. Und sie war bereit, Noomi ins Unbekannte zu folgen. Ihr Versprechen ist erstaunlich. Und wenn man weiterließt, erfährt man: Rut hat wirklich Wort gehalten. Beeindruckend.
Man könnte meinen, Rut hätte ihre Identität völlig aufgegeben, doch Ruts Identität ist gewachsen. Dazu gab es Notwendigkeit und Raum und Bereitschaft zur Veränderung. So etwas gibt es im Leben. Manchmal helfen Listen mit den Fürs und Widers dabei. Man sieht daran konkret vor sich, was einem eigentlich schon klar ist. Und dann kommt der Zuspruch, der Einfluss aufs ganze Leben hat und sich in keine der zwei Spalten einer Liste quetschen lässt.
Tine und Olli sitzen noch immer am Wohnzimmertisch. Vor ihnen liegt ein Blatt Papier. In der Mitte längs gefaltet. Deutlich ist der Knick zu sehen. Das Blatt ist eine Liste. Auf der einen Seite soll stehen, was dafür spricht; auf der anderen Seite, was dagegen spricht.
Ein bisschen fürchtet sich Tine, als sie den Stift zu Hand nimmt und die Kappe abzieht. Dann fängt sie an zu schreiben. Sie schreibt einen Satz, den sie schon mal in die engere Auswahl genommen hatte, obwohl er ein bisschen kitschig rüberkommen könnte. Sie schreibt quer übers Blatt und lässt sich von dem hart gefalteten Knick in der Mitte überhaupt nicht beeindrucken. Und dann stehen da Worte, die eine tiefe Zusage sind; Worte, die aufrichtige Zuneigung ausdrücken und von unverbrüchlicher Loyalität erzählen. So etwas gibt es im Leben, manchmal ist das so: Da sind wir so eng miteinander verbunden und da ist Gott so eng mit uns verbunden, da passt kein Blatt Papier dazwischen. Auch kein Blatt, auf dem die Fürs und die Widers stehen und was in der Mitte sauber gefaltet ist.
Zum Abschluss erklang von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) Tu virginum corona–Alleluja" aus der Messe Exsultate jubilate", dieses Werk erklang in seiner Gesamtheit schon vor Jahren in der Unterkirche, mancher wird sich erinnert und erfreut haben! Kantorin Schildmann lieferte eine einfühlsame Begleitung. Die wunderbare klare
Sopranstimme kam so sehr gut zur Geltung. Es war ein ausgeglichener Balanceakt zwischen Orgelbegleitung und Gesang. Die Konzertbesucher danken mit viel Beifall.
Peter Zimmer Bad Frankenhausen
Autor: emwDas bedeutet aber nicht, dass es eventuell noch 2 Konzerte mit Beginn des neuen Kirchenjahres, dem 1. Advent, geben wird. Kantorin Schildmann gewann die Sopranistin Ute Engelke, die schon mehrmals zu verschiedenen Gelegenheiten ihr Können in der Unterkirche bewies. Als studierte Kirchenmusikerin hat Ute Engelke noch den Abschluss im Fach Barockgesang".
Entsprechend der vielfältigen Registriermöglichkeiten der Großen Strobel-Orgel stellten die beiden Musikerinnen ein anspruchsvolles Programm zusammen. Als Einstieg" erklang eine Arie aus Händels Oratorium Der Messias, danach folgten von Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Hör mein Bitten", Sei stille dem Herrn" und Meine Seele dürstet nach Gott". Vom gleichen Komponisten spielte Kantorin Schildmann eine Orgelsonate – als Entlastung" für die Sopranistin.
Auch Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) lieferte zwei Lieder: Gib dich zufrieden und Gott lebet noch". Von Heinrich Schütz (1585 – 1672) hörten die Zuhörenden O misericordissime Jesu". Als geistlichen Impuls wählte Pfarrerin Nadine Greifenstein aus dem Alten Testament eine Vers vom Buch Rut: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen...": Geistlicher Impuls zur geistlichen Abendmusik am 21. Oktober.
Tine und Olli sitzen am Wohnzimmertisch. Vor ihnen liegt ein Blatt Papier. In der Mitte längs gefaltet. Deutlich ist der Knick zu sehen, gut so, denn er soll das eine vom anderen sichtbar trennen. Das Blatt ist eine Liste. Auf der einen Seite soll stehen was dafür spricht; auf der anderen Seite, was dagegenspricht. Hierbleiben oder weggehen? Neustart im Unbekannten oder hier weitermachen?
Ein bisschen hatte er sich gefürchtet vor der Liste. Viel zu lang hatte er das Blatt in den Händen gehalten. Immer wieder die Falz in der Mitte durch die Finger gezogen. So als könnte er es damit hinauszögern, dass Klarheit über das Für und Wider offenbar wird. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott." Ein Satz aus dem Buch Rut aus der Bibel.
Gerne wird er bei Hochzeiten zitiert oder als Trauspruch verwendet. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott."
Diese Worte sprechen eine tiefe Zusage aus. Sie singen geradezu von aufrichtiger Zuneigung. Sie erzählen von unverbrüchlicher Loyalität. Man ahnt hinter ihnen einen
unbrechbaren Treueschwur. Starke Sätze sind das. Solche starken Sätze stehen aber auch immer in der Gefahr überdehnt und etwas belächelt und in den Kitsch gezogen zu werden. In der Tat aber: sagt diesen Satz eine moabitische Frau namens Rut zu ihrer Schwiegermutter Noomi, die aus Israel stammte und dorthin zurückkehren wollte.
Und die Schwiegermutterbremse hilft gegen Kitsch und lässt so machen aufhorchen. Wie war das noch?: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott." Rut sagt das zu Noomi. Sie war bereit, alles hinter sich zu lassen: Heimat, Herkunft, Religion. Und sie war bereit, Noomi ins Unbekannte zu folgen. Ihr Versprechen ist erstaunlich. Und wenn man weiterließt, erfährt man: Rut hat wirklich Wort gehalten. Beeindruckend.
Man könnte meinen, Rut hätte ihre Identität völlig aufgegeben, doch Ruts Identität ist gewachsen. Dazu gab es Notwendigkeit und Raum und Bereitschaft zur Veränderung. So etwas gibt es im Leben. Manchmal helfen Listen mit den Fürs und Widers dabei. Man sieht daran konkret vor sich, was einem eigentlich schon klar ist. Und dann kommt der Zuspruch, der Einfluss aufs ganze Leben hat und sich in keine der zwei Spalten einer Liste quetschen lässt.
Tine und Olli sitzen noch immer am Wohnzimmertisch. Vor ihnen liegt ein Blatt Papier. In der Mitte längs gefaltet. Deutlich ist der Knick zu sehen. Das Blatt ist eine Liste. Auf der einen Seite soll stehen, was dafür spricht; auf der anderen Seite, was dagegen spricht.
Ein bisschen fürchtet sich Tine, als sie den Stift zu Hand nimmt und die Kappe abzieht. Dann fängt sie an zu schreiben. Sie schreibt einen Satz, den sie schon mal in die engere Auswahl genommen hatte, obwohl er ein bisschen kitschig rüberkommen könnte. Sie schreibt quer übers Blatt und lässt sich von dem hart gefalteten Knick in der Mitte überhaupt nicht beeindrucken. Und dann stehen da Worte, die eine tiefe Zusage sind; Worte, die aufrichtige Zuneigung ausdrücken und von unverbrüchlicher Loyalität erzählen. So etwas gibt es im Leben, manchmal ist das so: Da sind wir so eng miteinander verbunden und da ist Gott so eng mit uns verbunden, da passt kein Blatt Papier dazwischen. Auch kein Blatt, auf dem die Fürs und die Widers stehen und was in der Mitte sauber gefaltet ist.
Zum Abschluss erklang von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) Tu virginum corona–Alleluja" aus der Messe Exsultate jubilate", dieses Werk erklang in seiner Gesamtheit schon vor Jahren in der Unterkirche, mancher wird sich erinnert und erfreut haben! Kantorin Schildmann lieferte eine einfühlsame Begleitung. Die wunderbare klare
Sopranstimme kam so sehr gut zur Geltung. Es war ein ausgeglichener Balanceakt zwischen Orgelbegleitung und Gesang. Die Konzertbesucher danken mit viel Beifall.
Peter Zimmer Bad Frankenhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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