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Di, 19:35 Uhr
09.11.2021
Siegfried Simon war ein Sondershäuser Bürger

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Am heutigen 9. November wurden zum Gedenken an die Pogromnacht im Jahr 1938, welche sich zum 83. Mal jährt, Gebinde auf dem Jüdischen Friedhof in Sondershausen niedergelegt. Bürgermeister Steffen Grimm und Vertreter des Landratsamtes sowie Bürgerinnen und Bürger, nahmen an der Gedenkstunde teil…

v.l.Dr. Thiele, Bürgermeister Steffen Grimm (Foto: Eva Maria Wiegand) v.l.Dr. Thiele, Bürgermeister Steffen Grimm (Foto: Eva Maria Wiegand)


Wir haben für Sie Ausschnitte aus der Gedenkrede des Bürgermeisters Steffen Grimm:

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„Zum Gedenken an die während der NS Herrschaft verfolgten und ermordeten jüdischen Bürger unserer Stadt versammeln wir uns, wie jedes Jahr auf dem Jüdischen Friedhof als einen der letzten noch authentischen Orte jüdischen Gemeindelebens in Sondershausen. Die 1699 angelegte Begräbnisstätte, auf der Grabstellen aus drei Jahrhunderten erhalten sind, spiegelt auch die Geschichte des gewaltsamen Endes der Sondershäuser Gemeinde wider. Die letzte Beisetzung fand hier 1939 statt. Vom Frühjahr 1942 an wurden die in der Stadt verbliebenen Juden deportiert. 1943 stand das Gelände als Berggarten zum Verkauf, fand aber bis Kriegsende keinen Käufer und blieb deshalb zum Glück erhalten. Auf den unbelegten Areal im Osten (Hinter den Fundermenten der Begräbnishalle), das nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vom Friedhof abgetrennt wurde, fehlen die Grabstellen derjenigen, die das Land auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Terror verließen und auch derjenigen, die das sogenannte „Dritte Reich" nicht überlebten. An sie wollen wir an dieser Stelle erinnern", betonte Bürgermeister Steffen Grimm.

„Es ist mir ein anliegen dabei nicht allgemein zu bleiben. Der Tag soll vielmehr ein Anlass sein, genauer hinzuschausen und sich mit den Ereignissen in Sondershausen und mit dem Schicksal der jüdischen Familien unserer Stadt auseinanderzusetzen. Was hier geschah, ist Teil unserer eigenen Geschichte und wird es, trotz des wachsenden zeitlichen Abstands, auch immer beiben. Wir übernehmen damit die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten - und wichtiger noch - dass sie sich niemals, in welcher Form auch immer, wiederholen."

„Mit den Exzessen der Pogromnacht endete die Phase scheinbarer Rechtsstaatlichkeit, in der Verdrängung der deutschen Juden aus praktisch allen Bereichen des öffentlichen Lebens durch eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen „legitimiert" worden war, und mündete in organisierter, offener Gewalt. Der als Ausdruck „spontanen Volkszorns" verschleierte Überfall auf Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnhäuser war von langer Hand und oberster Stelle vorbereitet und diente letztendlich dazu, den Auswanderungsdruck auf die Juden zu erhöhen und durch die „Arisierung" in jüdischer Vermögenswerte die Kriegskasse zu füllen."

In jedem Jahr gedenkt die Stadt Sondershausen unterschiedlichen jüdischen Familien, welche dem Terror des nationalsozialistischen Regimes ausgesetzt waren. Zu ihnen gehörte auch die Familie von Siegfried Simon, an deren Schicksal Bürgermeister Grimm am heutigen 9. November erinnerte.

„Die Familie Siegfried Simon war 1903 aus Nordhausen nach Sondershausen eingewandert, wo sie sich als Kaufleute in der Lohstraße unweit der Synagoge, niederließen. Samuel Simon, der Vater Siegfried Simons liegt hier auf dem jüdischen Friedhof begraben, ebenso einer seiner Brüder Max Simon, der als Frontkämpfer im 1.Weltkrieg schwer verwundet wurde und 1931 an den Folgen einer Giftgasverletzung verstorben war."

„Siegfried Simon betrieb mit seiner Frau Rosa, geborene Edelmuth, ein Schuhgeschäft in der Lohstraße 26/27 und war Vorstand der jüdischen Gemeinde. 1931 kam ihr Sohn Heinz auf die Welt. Im Schicksalsjahr 1939 war er gerade eingeschult.“

Bürgermeister Grimm verlas einen bewegenden Erinnerungsbericht einer ehemaligen Mitschülerin, Waltraud Groß, die mit Heinz Simon befreundet war. Der kleine Junge war Beschimpfungen, Schlägen und Bestrafungen durch Missachtung seiner Schüler und Lehrer ausgesetzt. Am 10. Mai 1942 wurden Siegfried, Rosa und Heinz Simon, nach Internierung im provisorischen Sammellager der Weimarer Viehauktionshalle, zusammen mit 510 weiteren "Thüring Juden" per Bahn in das Ghetto Belzyce verbracht, wo sie verschollen sind.

Bürgermeister Grimm und Dr. Thiele, in Vertretung der Landrätin Antje Hochwind-Schneider, legten Gebinde nieder und baten die Anwesenden um eine Schweigeminute.

Wer mehr über die Familie Simon und weitere Schiksale Sondershäuser Juden wissen möchte, hat noch bis Anfang des nächsten Jahres die Möglichkeit eine besonders gelungene Ausstellung im Schlossmuseum Sondershausen zu besichtigen.

Die von Bettina Bärnighausen, Kuratorin der Sonderausstellung, gestaltete Ausstellung zeigt die jüdische Geschichte vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Eindrucksvoll ausgeleuchtet und arrangiert zeigen sich Thora-Rolle, Thora-Vorhang und Bima-Decke, Leihgaben aus Rudolstadt, in würdiger Form. Wandtafeln mit historischen Fotos und Berichten lassen den Betrachter durch die Zeitgeschichte reisen und das jüdische Leben lebendig werden.
Eva Maria Wiegand
Gedenken an die Pogrome vom 9.11. auf den 10.11.1938 (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gedenken an die Pogrome vom 9.11. auf den 10.11.1938 (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gedenken an die Pogrome vom 9.11. auf den 10.11.1938 (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gedenken an die Pogrome vom 9.11. auf den 10.11.1938 (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gedenken an die Pogrome vom 9.11. auf den 10.11.1938 (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gedenken an die Pogrome vom 9.11. auf den 10.11.1938 (Foto: Eva Maria Wiegand)
Bürgermeister Steffen Grimm gedenkt den Opfern des Nationalsozialismus (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gedenken an die Pogrome vom 9.11. auf den 10.11.1938 (Foto: Eva Maria Wiegand)
Autor: emw

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