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Fr, 08:15 Uhr
13.05.2022
ThüringenForst

Aussterben des Auerhuhns verhindert

Seit zehn Jahren stützt ThüringenForst die Auerhuhnpopulation in Thüringen und hat sie so vor dem Aussterben bewahrt. Jetzt sollen schwedische Exemplare für Verstärkung sorgen...

Auswilderung von Auerhuhn-Wildfängen aus Schweden im Forstamt Gehre (Foto: Katharina Reffelt) Auswilderung von Auerhuhn-Wildfängen aus Schweden im Forstamt Gehre (Foto: Katharina Reffelt)


Die Landesforstanstalt engagiert sich seit Jahren für den Erhalt des Auerhuhns. Das Aussterben der Art konnte erfolgreich verhindert werden. Forstministerin Susanna Karawanskij setzt dieser Tage Wildfänge aus der nordschwedischen Region Västerbotten aus. Sie sollen das kleine Thüringer Vorkommen stärken und der genetischen Auffrischung dienen. Die Maßnahmen scheinen sich zu bewähren: Monitoringergebnisse stützen die Annahme, dass die Population von ehemals fünf auf aktuell bis zu 30 Tiere angewachsen ist.

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„Mit diesem Artenschutzprojekt wird das Auerhuhn in Thüringen vor dem Aussterben bewahrt. Das Auerhuhn gilt als Schirmart für artenreiche Waldbestände und den Waldnaturschutz mit hohen Ansprüchen an den Lebensraum. Die Erfolge des Auswilderungsprojektes verdeutlichen auch unseren erfolgreichen Waldumbau hin zu artenreichen Mischbeständen", sagt Forstministerin Karawanskij.

Schwedische Wildfänge an Thüringens Mittelgebirgslagen angepasst
„Die Biodiversität unserer heimischen Wälder ist hoch, insbesondere wenn diese unter nachhaltiger Bewirtschaftung stehen. Mit dem Schutzkonzept für das Auerhuhn leisten wir einen weiteren wertvollen Beitrag zu dieser biologischen Vielfalt“, erläutert Jörn Ripken, ThüringenForst-Vorstand. Schweden beherbergt mit ca. 300.000 Brutpaaren die größte Auerhuhnpopulation der EU.

In Zusammenarbeit mit den Experten der Schwedischen Staatsforsten, des polnischen Auerhuhnschutzprojekts Ruszów, des Naturparks Niederlausitz, dem Landesforst Brandenburg und mit Fördermitteln der Europäischen Union (ELER Programm) ist das diesjährige Umsiedlungsvorhaben möglich geworden. Das Artenschutzprojekt wird im September diesen Jahres durch die Auswilderung des eigenen Auerhuhn-Nachwuchses aus Deutschlands einziger staatlicher Aufzuchtsstation in Langenschade (Saalfeld-Rudolstadt) ergänzt, die durch die Landesforstanstalt betrieben wird.

Rückgang des Auerwildes durch dramatischen Lebensraumverlust
Während 1950 noch über 300 Auerhühner in Thüringen lebten, sank der Bestand in den 1970er Jahren dramatisch.

Ursächlich war der durch Schadstoffeinträge verursachte Verlust geeigneter Lebensräume. Im Fokus des forstlichen Rettungsprogramms steht deshalb auch die Verbesserung der Lebensraumqualität, ergänzt um die Bestandesstützung sowie um die lokale Bekämpfung der heimischen und invasiven Fressfeinde des äußerst scheuen Waldhuhns.

Thüringer Auerwildpopulation muss weiterwachsen
In den vergangenen Jahren wurden erfreulicherweise im Thüringer Schiefergebirge im Bereich der Forstämter Gehren, Neuhaus, Sonneberg, Saalfeld-Rudolstadt und Frauenwald immer wieder Nachweise für ein Balzgeschehen gefunden. Auch Hinweise auf in freier Natur erfolgte Reproduktionen lassen die Experten hoffen. Mit der aktuellen Auswilderung schwedischer Wildfänge erhält die heimische Population einen weiteren wichtigen Impuls. Für eine sich selbst erhaltende Auerhuhnpopulation sind allerdings noch weitere Anstrengungen notwendig: Experten gehen von einer Mindestgröße von 100 Tieren aus. Nach dem das Projektziel Arterhaltung erreicht wurde, ist das Projektziel stabile Auerhuhnpopulation zumindest auf gutem Weg.
Autor: emw

Kommentare
Bodo Schwarzberg
26.05.2022, 22.42 Uhr
Auerhuhn-Der Forst lobt eine Katastrophe
Mit derartigen Projekten wird sicher etwas getan, um den Verlust des Auerhuhns in Thüringen zu verhindern.

Dies aber als Erfolg einer tollen Forst- und Naturschutzpolitik und damit sich selbst unkritisch zu loben, geht dann wohl aber doch an der Realität etwas vorbei.

Denn die Realität ist, dass es den Thüringer Auerhühnern kaum aus eigener "Kraft" gelang in den vergangenen Jahrzehnten, zu überleben. Das ist tief traurig, und der dramatische Verlust dieser Art belegt damit, wie sehr der Mensch seine Lebensgrundlagen bereits geschädigt hat.

Die Erhaltung eines verschwindend kleinen Restes zu loben zeigt meines Erachtens, wie sehr die Politik die Bevölkerung an den grassierenden Biodiversitätsverlust gewöhnen will.

Etwas fragwürdig erscheint mir daher auch das Auffrischen der Thüringer Population mit schwedischen Tieren. Ich durfte noch nicht einmal im Zuge eines wissenschaftlichen Projekts herangezogene, autochthone, das heißt einheimische Harzer Arnika zur Stützung der Herkunftspopulation auspflanzen, die wir vom BUND Nordhausen noch dazu pflegen. Die Untere Naturschutzbehörde hat es mir untersagt.

Beim Auerhuhn geht es wohl um nichts anderes, aks dass das eigene Versagen schöngeredet werden soll.

Die Thüringer Politik deutet den fast vollständigen Verlust des Auerhuhns daher noch zu einer Art Erfolg um, und lenkt damit von einer über Jahrzehnte rein profitorientierten Forst- und Wirtschaftspolitik und deren negativen Folgen ab. Besonders schlimm aber finde ich, dass man das Auerhuhn für die positive Darstellung einer Biodiversitätskatastrophe missbraucht.

Und das unter einer recht erfolglosen grünen Umweltministerin.
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