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Mi, 17:36 Uhr
09.11.2022
Leipziger Autoritarismus-Studie:

Deutsche sind zufriedener mit Demokratie

Die Zufriedenheit der Bürger mit der Demokratie in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, die rechtsextremen Einstellungen sind zum Teil deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig angestiegen und weit verbreitet ist der Hass auf Migranten, Frauen, Muslimen und andere Gruppen in Deutschland. Zudem lassen sich in Folge der Pandemie verstärkte Wünsche nach Autorität feststellen. Das sind zentrale Ergebnisse der repräsentativen „Leipziger Autoritarismus-Studie“...


Prof. Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig präsentierten die Studienergebnisse heute (9. November) in der Bundespressekonferenz in Berlin. Die Studie, in der auch Einstellungen zu politischen Entscheidungen im Hinblick auf die COVID-19-Pandemie und den Krieg gegen die Ukraine thematisiert werden, entstand in Kooperation mit der Heinrich-Böll- und der Otto Brenner Stiftung.

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Laut Studie zeigen nur noch 2 Prozent der Ostdeutschen ein geschlossenes, rechtsextremes Weltbild. 2020 waren es noch rund 10 Prozent. „Die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen nimmt nicht nur im gesamten Bundesgebiet ab, sondern insbesondere in Ostdeutschland. Das ist eine gute Nachricht, aber nur das halbe Bild“, sagt Studienleiter Professor Oliver Decker. „Während Elemente einer Neo-NS-Ideologie seltener sind, haben die Ressentiments gegen jene, die als ‚anders‘ empfunden werden, sogar zugenommen“, ergänzt der zweite Studienleiter Professor Elmar Brähler.

Der Prozentsatz der laut Studie „manifest ausländerfeindlich Eingestellten“ ist im Vergleich zu 2020 in Ostdeutschland von 27,8 Prozent auf 31 Prozent gestiegen, während sie in Westdeutschland von 13,7 Prozent auf 12,6 Prozent gesunken ist. 40 Prozent der Ostdeutschen geben an, Deutschland sei aus ihrer Sicht „durch die vielen Ausländer überfremdet“, auch 23 Prozent der Westdeutschen stimmen dieser Aussage zu.

Der Anteil der Menschen, die mit der verfassungsmäßigen Demokratie zufrieden sind, steigt in Ostdeutschland von 65 Prozent auf 90 Prozent, bundesweit erfährt sie zu 82 Prozent Zustimmung. „Im Vergleich mit autoritären Systemen gewinnt die Staatsform Demokratie an Attraktivität“, kommentiert Oliver Decker diesen Wert. Aber: Nur gerade die Hälfte der Befragten ist mit der demokratischen Alltagspraxis einverstanden. Die hohe Zufriedenheit mit der Staatsform geht offenbar mit dem Gefühl einher, dennoch keinen politischen Einfluss haben.

Aus Sicht der beiden Wissenschaftler fügt sich dies in das Krisen-Bild während der Pandemie und des gegenwärtigen Kriegs ein: Die Exekutive ist gestärkt, ihr Handeln findet breite Zustimmung, aber diese autoritäre Sicherheit hat ihren Preis. Die Ohnmachtsgefühle und die Einschränkungen des eigenen Lebens werden akzeptiert, führen aber auch zu einer Steigerung der Aggressionen. „Deshalb hat die Neo-NS-Ideologie und damit Elemente rechtsextremer Einstellungen gegenwärtig an Bedeutung verloren. Aber nun treten andere antidemokratische Motive in den Vordergrund“, erklärt Professor Elmar Brähler, „es sind Vorurteile, der Hass auf ‚Andere‘, und der ist nicht seltener und wird ebenso von rechtsextremen Parteien bedient“.

So ist die Ablehnung von Muslimen in Ostdeutschland im Vergleich zu 2020 gestiegen, 46,6 Prozent stimmten der Aussage „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden“ zu, in Westdeutschland sind es 23,6 Prozent. Sinti und Roma erfahren ebenfalls eine Ablehnung durch 54,9 Prozent der Ostdeutschen und 23,6 Prozent der Westdeutschen. Währenddessen bleibt der Schuldabwehrantisemitismus die meistverbreitete Ausdrucksmöglichkeit für den Antisemitismus in ganz Deutschland, knapp die Hälfte der Befragten stimmte entsprechenden Aussagen zu. Seit 2020 ist auch die Zustimmung zu antifeministischen Aussagen gestiegen. 27 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Frauen, „die mit ihren Forderungen zu weit gehen, sich nicht wundern müssen, wenn sie wieder in ihre Schranken gewiesen werden.“.

„Der gleichzeitige Anstieg des Antifeminismus, von Schuldabwehrantisemitismus und auch des Hasses auf Muslime, Sinti und Roma, zeigt eine Verschiebung der Motive antidemokratischer Einstellung an, nicht eine Stärkung der Demokratie“, meint Professor Oliver Decker. „Neben der Ausländerfeindlichkeit haben Rechtsextreme heute viel mehr Möglichkeiten, in der Mitte der Gesellschaft Anschluss zu finden, nicht weniger“.

Zudem ist die Gesellschaft immer noch durch die Pandemie polarisiert. Eine positive Entwicklung ist zwar, dass der Anteil der Befragten mit einer Verschwörungsmentalität seit 2020 deutlich zurückgegangen ist, von 38,4 Prozent im Jahr 2020 auf 25 Prozent im Jahr 2022. „Nicht zuletzt durch das Internet wird der politische Diskurs von zwei Gruppen dominiert: einer verfestigten Gruppe von 13 Prozent Impfgegnern stehen 19 Prozent gegenüber, die starke Ressentiments wiederum gegen Impfgegner haben“, sagt Professor Oliver Decker. „In beiden Gruppen sind die Ressentiments nicht nur gegeneinander, sondern auch gegen viele ‚Andere‘ gleichermaßen stark ausgeprägt.“

Eine ähnliche Fragmentierung der Gesellschaft beobachten Decker und Brähler zum Teil auch in den Reaktionen auf den Ukraine-Krieg. Ausdrückliche Bellizisten, also Befürworter des Krieges, finden sich nicht, aber die Unterstützer:innen von Waffenlieferungen an die Ukraine auf der einen Seite und die Russlandsympathisant:innen auf der anderen eint ebenfalls eine generell höhere Neigung zu autoritären Aggressionen. „Auch hier zeigt sich, dass das autoritäre Mobilisierungspotenzial weiterhin besteht, es kann aber derzeit mit gesellschaftlich konformen Zielen befriedigt werden“, so Professor Elmar Brähler.

Über die Leipziger Autoritarismus-Studie
Seit 2002 beobachten die beiden Wissenschaftler der Universität Leipzig die Entwicklung autoritärer und rechtsextremer Einstellungen in Deutschland. Von 2006 bis 2012 entstanden Studien in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, bekannt als „Mitte-Studien“. Seit 2016 erfolgt die Veröffentlichung der Leipziger Studien in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Otto Brenner Stiftung.

In der nunmehr elften Welle wurden zwischen Anfang März und Ende Mai 2022 im Auftrag der Universität Leipzig bundesweit im Paper-Pencil-Verfahren 2.522 Menschen vom Meinungsforschungsinstitut USUMA befragt. Um die Einstellung zum Krieg in der Ukraine analysieren zu können, wurde nach Beginn der repräsentativen Erhebung eine Online-Befragung mit 4.000 Probanden beim Meinungsforschungsinstitut Bilendi & respondi in Auftrag gegeben.

Alle Ergebnisse der aktuellen Autoritarismus-Studie sind soeben im Buch "Autoritäre Dynamiken in unsicheren Zeiten. Neue Herausforderungen – alte Reaktionen?“ im Psychosozial-Verlag erschienen.
Autor: psg

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Kommentare
Paul
09.11.2022, 20:47 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Echt jetzt, Meinungsdiktatur? Da machen wir doch mal mit. :-)
grobschmied56
10.11.2022, 01:24 Uhr
Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden ...
... und ich bin nicht allein! Man muß sich nur mal die Menge der Menschen ansehen, welche GEGEN die Regierungspolitik auf die Straße gehen!
Wie viele haben denn wohl in den letzten Monaten FÜR diese Ampelmännchen demonstriert?
Für ihre unsinnige Energie-Politik, ihre unsäglichen Corona-Maßnahmen, für ihre Politik der unbegrenzten Einwanderung (Herein, herein, wir laden ALLE ein!).
Man muß sich schon einen sehr dicken Kaffee-Kannen-Wärmer über den Dez stülpen, (am besten aus Schwerbeton oder Blei) um hier noch eine große ZUFRIEDENHEIT mit unseren abgehobenen und realitäts-ausblendenden Polit-Kleindarstellern zu erkennen.
Papagei
10.11.2022, 08:23 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Verstoß gegen AGB
Paulinchen
10.11.2022, 09:06 Uhr
Wer mit dem Hick hack zufrieden ist,
.... Der hat offenbar schon darunter gelitten. Ich habe an der derzeitigen Form der Demokratie, welche angeblich im Moment bei uns herrscht, meine Zweifel.
Die Bürger sind auf der Straße und rufen Scholz muss weg, der Kanzler vollzieht eine Politik, welche durchaus Züge einer Diktatur haben. Mal ganz abgesehen davon, dass er sich über das Elend welches er mit seinem ungebildeten Club über das Land verteilt, auch noch lustig macht. Auch das hatten wir schon einmal, bei einem Möchtegernkanzler. Das aber die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz auch schon so unwissend ist, hat mich etwas überrascht. Sie fragt im Kollegenkreis nach Beispielsaetzen, um ihr spätes Mitgefühl den Flutopfern vom Ahrtal auszudrücken. Aus meiner Sicht stellt sich immer mehr heraus, je komplizierter eine Situation ist, desto ratloser werden die Politiker. Sie sind unsicher gegenüber dem eigenen Volk geworden. Als die neue Innenministerin ihr Amt übernommen hat, sicherte sie uns zu, dass jetzt mit ihrem Engagement eine Vielzahl von Flüchtlingen abgeschoben wird, welche keine Aussicht auf ein Bleiberecht haben. Ja wieviel sind nun abgeschoben worden? 1 oder 2? Der Wirtschaftsminister entscheidet über seib oder nichtsein der Energiesicherheit in Deutschland ganz allein. Und denkt nicht an die gravierenden Folgen. Und was die Demonstranten rufen und auf ihren Plakaten mitführen :Wir sind das Volk " darauf reagieren sie zum Teil sehr allergisch, weil - das gehört in einen anderen Teil der deutschen Geschichte.... Jetzt, wo die letzte Generation aus der demokratischen Form mit ihren Sachbeschädigungen und zum Teil schon kriminellen Handlungen aufwarten, trauen sie nicht nicht mehr aus der Deckung. Die arme Polizei soll es richten. Sie sind nicht mehr in der Lage, solche anderen Meinungen weder durch Worte noch durch entsprechende Handlungen zu unterbinden. Das Volk muss sehen, wie es damit zurecht kommt. Ist das nicht schon eine Art von Staatsversagen? Aber wenn aus Qatar böse Sprüche über die Homosexualität kommen, da bricht hier die Welt zusammen...... Warum fahren wir dann hin? Das war doch schon vorher bekannt? Demokratie ist nicht nur bunt, sie muss gelebt werden können und da klemmt es hier gewaltig.
DonaldT
10.11.2022, 09:34 Uhr
Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung
Diese "Forschung" ist soch wohl sehr einseitig.
Hier fehlt der Linke Extremismus und die Klimaextremisten, die fehlen auch.
Warum wohl?
A-H-S
10.11.2022, 17:14 Uhr
Schuldig des "Schuldabwehrantisemitismus"
Wieder ein neues Wort kennengelernt und damit gleichzeitig eine Verfehlung, an der wohl ein großer Teil der Bürger leidet: "Schuldabwehrantisemitismus".

Was mich beruhigt, nicht mal die Berufsbetroffenen haben es geschafft, dazu einen Artikel auf Wikipedia zu verfassen. Letztendlich scheint es sich um sogenannten sekundären Antisemitismus zu handeln. Dieser zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass man PERSÖNLICHE Schuld- oder Schamgefühle bezüglich des Holocaust nicht entwickeln kann.

Tja, bis eben hätte ich nicht gedacht ein Antisemit zu sein. Die Theorie des "Schuldabwehrantisemitismus" hat mich eines Besseren belehrt - aber zum Glück nur sekundärer Antisemitismus. Vielleicht können diesbezüglich Überführte auf mildernde Umstände hoffen.

PS: wer jetzt fordert, einen Schlußstrich unter die Diskussion zu ziehen, erfüllt ein weiteres Kriterium des "Schuldabwehrantisemitismus".

PS: ich würge jegliche öffentliche Diskussion bzgl. dieser Thematik rigoros ab. Das Institut des "Schuldabwehrantisemitismus" zeigt mir, warum das richtig ist.
Determinante
10.11.2022, 21:02 Uhr
... Meinungsdiktatur? Da machen wir doch mal mit. :-)
ich mag diese Art der Moderation. TOP
geloescht.20250302
11.11.2022, 09:27 Uhr
Ja, die Herren Schulze, Glashagel und Franke...
...haben ein gesundes Humorverständnis.

Monty Pythons Flying Moderatoring ;)

Ich habe auch manche Deaktivierung nicht verstanden und dann auf höfliche Nachfrage eine seriöse Antwort bekommen und würde hier nichts von Meinungsdiktatur behaupten.

Zum Thema: Beleidigungen schreiben zu dürfen ist sicherlich eine Art von Meinungsfreiheit, und die Grenzen dafür zieht nicht das persönliche Empfinden, sondern das Strafgesetz.

Aber Paragraphenänderei, um "Die Regierung nicht zu verunglimpfen" um 23:45 Uhr bei einer Anwesenheitsquote von 30 Prozent der MdB ist dieser sogenannten freiheitlichen Demokratie (Das verlogene Gelaber vom "Besten Deutschland aller Zeiten" verpacke ich als Nebensätzlichkeit) nicht würdig.


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