Do, 08:33 Uhr
21.08.2025
Konzertrezension
Strömkarlen im Panorama Museum
Am Freitagabend, dem 15. August bot das Panorama Museum in seiner Eingangshalle kurz vor Ende seines Teils der Landesausstellung mit dem Titel Der Welt Lauf noch ein weiteres thematisches Konzert mit dem Dresdner Quartett STRÖMKARLEN...
...das sich nicht nur der nordeuropäischen und keltischen Musiktradition verpflichtet fühlt, sondern sich mit ebenso großer Begeisterung und äußerst kenntnisreich den hochmittelalterlichen Dichtungen vom Hildebrantslied, über die Merseburger Zaubersprüche bis hin zur Sagenwelt der Edda widmete.
Es ging also überwiegend um die vorchristlich-germanischen Traditionen, die bis ins Spätmittelalter hinein wirkten und das Denken der einfachen Landbevölkerung beeinflussten, denn ungeachtet des Anfang des 16. Jahrhunderts dominierenden Christentums war die Welt der Bauern immer noch besiedelt von Feen, Geistern und Dämonen.
Das Quartett nutzte ein Instrumentarium, das einerseits in der jüngeren Folktradition, zum Teil auch in der mittelalterliche Musikwelt beheimatet war. Und schon die Vielfalt der Instrumente faszinierte das Konzertpublikum. Zu diesem instrumental und gesanglich virtuos agierenden Ensemble gehören der überaus vielseitige und umtriebige Musiker und Bandleader Guido Richarts, der größtenteils auch die Stücke ansagte und etwas zu diesen in Altisländisch, Norwegisch oder Althochdeutsch vorgetragenen Stücken erzählte.
Darin übernahm er einen wichtigen Gesangspart neben Christina Lutter und steuerte die instrumentale Begleitung entweder auf dem Kontrabass, der Bodhrán-Trommel oder der Drehleier bei. Bemerkenswert auch sein Instrumentalpart auf einer Art arabischer Zither und dem selbstgefertigten Bukkehorn, ein aus einem Ziegenhorn gefertigtes Blasinstrument, auf dem er Klänge, die an eine Art Waldhorn oder Saxophon erinnerten, produzierte.
Dieses zu spielen, verlangte ihm einiges ab. Mit dabei auch Daniel Nikolas Wirtz, ein virtuoser Gitarrist, der an dieser Stelle bereits mehrfach auch in anderen Besetzungen zu erleben war, zum Beispiel mit Alejandro Leon oder dem Trio Ziganimo und dieses Mal durch zurückhaltende aber sehr pointierte Gitarrenbegleitung auffiel und auch einige kleinere Vokalparts mit übernahm.
Überragend auch die die Gesangspassagen von Christina Lutter, die mit einer sehr schönen klaren Sopranstimme die kongeniale Gesangspartnerin für Guido Richarts darstellte, ansonsten instrumental verschiedene Flöten spielte, angefangen von der Tin-Whistle bis zu einem Stück Wasserrohr, dem sie mit einem aufgesetzten Mundstück überraschende Flötenklänge entlockte und ansonsten im Zusammenspiel auf ihrer Geige mit Caterina Other an der Nyckelharpa brillierte.
Der Vielfalt der Instrumente entsprach auch der musikalischen Facettenreichtum der Stücke, die in ihren Arrangements dann meist weniger an Alte Musik erinnerten, denn die war überwiegend vokalistisch und äußerst sparsam instrumentiert, nein die Stücke wurzelten eher in der jüngeren Folktradition Nord- und Nordwesteuropas und klangen mitunter ungeachtet des Instrumentariums ziemlich modern.
Insofern gaben sie diesen Geschichten von Odin, Thor, Wotan, den Riesen und Zwergen und deren ewigen Streitereien ein äußerst atmosphärisches musikalisches Gewand. Und wie schön war es, wenn der gekonnte Zusammenklang ihrer vier Stimmen in der Stille verhallte und das Publikum erst gebannt diesen Tönen nachlauschte, bevor es wagte diese Stille mit seinem Applaus zu stören.
Es war ein ungewohnter musikalischer Spaziergang in die Welt des Mittelalters mit diesem Quartett, das musikalisch den Bauern und Handwerkern des 16. Jahrhunderts wie der Gegenwart näher war als denen des Hochmittelalters und so gesehen bot dieses Konzert einen sehr schönen Abschluss zu dieser kleinen Veranstaltungsreihe aus Anlass der Thüringer Landesausstellung Freiheyt 1525 - 500 Jahre Bauernkrieg.
Fred Böhme
Autor: emw...das sich nicht nur der nordeuropäischen und keltischen Musiktradition verpflichtet fühlt, sondern sich mit ebenso großer Begeisterung und äußerst kenntnisreich den hochmittelalterlichen Dichtungen vom Hildebrantslied, über die Merseburger Zaubersprüche bis hin zur Sagenwelt der Edda widmete.
Es ging also überwiegend um die vorchristlich-germanischen Traditionen, die bis ins Spätmittelalter hinein wirkten und das Denken der einfachen Landbevölkerung beeinflussten, denn ungeachtet des Anfang des 16. Jahrhunderts dominierenden Christentums war die Welt der Bauern immer noch besiedelt von Feen, Geistern und Dämonen.
Das Quartett nutzte ein Instrumentarium, das einerseits in der jüngeren Folktradition, zum Teil auch in der mittelalterliche Musikwelt beheimatet war. Und schon die Vielfalt der Instrumente faszinierte das Konzertpublikum. Zu diesem instrumental und gesanglich virtuos agierenden Ensemble gehören der überaus vielseitige und umtriebige Musiker und Bandleader Guido Richarts, der größtenteils auch die Stücke ansagte und etwas zu diesen in Altisländisch, Norwegisch oder Althochdeutsch vorgetragenen Stücken erzählte.
Darin übernahm er einen wichtigen Gesangspart neben Christina Lutter und steuerte die instrumentale Begleitung entweder auf dem Kontrabass, der Bodhrán-Trommel oder der Drehleier bei. Bemerkenswert auch sein Instrumentalpart auf einer Art arabischer Zither und dem selbstgefertigten Bukkehorn, ein aus einem Ziegenhorn gefertigtes Blasinstrument, auf dem er Klänge, die an eine Art Waldhorn oder Saxophon erinnerten, produzierte.
Dieses zu spielen, verlangte ihm einiges ab. Mit dabei auch Daniel Nikolas Wirtz, ein virtuoser Gitarrist, der an dieser Stelle bereits mehrfach auch in anderen Besetzungen zu erleben war, zum Beispiel mit Alejandro Leon oder dem Trio Ziganimo und dieses Mal durch zurückhaltende aber sehr pointierte Gitarrenbegleitung auffiel und auch einige kleinere Vokalparts mit übernahm.
Überragend auch die die Gesangspassagen von Christina Lutter, die mit einer sehr schönen klaren Sopranstimme die kongeniale Gesangspartnerin für Guido Richarts darstellte, ansonsten instrumental verschiedene Flöten spielte, angefangen von der Tin-Whistle bis zu einem Stück Wasserrohr, dem sie mit einem aufgesetzten Mundstück überraschende Flötenklänge entlockte und ansonsten im Zusammenspiel auf ihrer Geige mit Caterina Other an der Nyckelharpa brillierte.
Der Vielfalt der Instrumente entsprach auch der musikalischen Facettenreichtum der Stücke, die in ihren Arrangements dann meist weniger an Alte Musik erinnerten, denn die war überwiegend vokalistisch und äußerst sparsam instrumentiert, nein die Stücke wurzelten eher in der jüngeren Folktradition Nord- und Nordwesteuropas und klangen mitunter ungeachtet des Instrumentariums ziemlich modern.
Insofern gaben sie diesen Geschichten von Odin, Thor, Wotan, den Riesen und Zwergen und deren ewigen Streitereien ein äußerst atmosphärisches musikalisches Gewand. Und wie schön war es, wenn der gekonnte Zusammenklang ihrer vier Stimmen in der Stille verhallte und das Publikum erst gebannt diesen Tönen nachlauschte, bevor es wagte diese Stille mit seinem Applaus zu stören.
Es war ein ungewohnter musikalischer Spaziergang in die Welt des Mittelalters mit diesem Quartett, das musikalisch den Bauern und Handwerkern des 16. Jahrhunderts wie der Gegenwart näher war als denen des Hochmittelalters und so gesehen bot dieses Konzert einen sehr schönen Abschluss zu dieser kleinen Veranstaltungsreihe aus Anlass der Thüringer Landesausstellung Freiheyt 1525 - 500 Jahre Bauernkrieg.
Fred Böhme