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Di, 17:30 Uhr
13.01.2026
Erste Bilanz am Hexenreich

Besen, Besen! Seid’s gewesen!

Vor gut drei Monaten öffnete das „Harzer Hexenreich“ seine Pforten und lud dazu ein, den weltgrößten Hexenbesen zu erklimmen. In diesen Wintertagen liegt der Turm nun ruhig aber nicht verlassen da und die Betreiber ziehen eine erste, vorsichtige Bilanz…

Das schneebedeckte "Harzer Hexenreich" am vergangenen Freitag (Foto: J. Piper) Das schneebedeckte "Harzer Hexenreich" am vergangenen Freitag (Foto: J. Piper)

Bei Sonnenschein und mit gutem, weiten Blick auf den herbstlichen Harz wurde Ende September vergangenen Jahres das „Harzer Hexenreich“ eröffnet. Rund 18 Millionen Euro wurden insgesamt in das Großprojekt investiert, mit dem Ziel, ein touristisches Highlight in der Region zu setzen.

Nach einigem Tohuwabohu rund um die Eröffnung und ersten Highlights wie dem Kostüm-Hindernislauf zu Halloween oder dem Kugelstoß vom Hexenbesen bei frostigen Temperaturen steht der Turm nun still da im schneebedeckten Harz. Der Besucherstrom der ersten Tage ist vorübergegangen, aber einsam ist der Besen nicht, mit dem Schnee der letzten Tage haben vor allem Wintersportler ihren Weg zur Thüringer Landesgrenze gefunden, berichteten die Verantwortlichen heute in Nordhausen. Das Team am Turm hat per Loipenspur den Anschluss an die Nachbarn aus Benneckenstein gesucht und die war dem Benehmen nach am Wochenende gut befahren.

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Ein kleines Puzzleteil im touristischen Großprojekt Hexenreich, dem in den nächsten Monaten noch viele Folgen sollen. Die Eventplanung für 2026 ist noch nicht abgeschlossen, berichtet Projektleiterin Veronika Töpfer. „Wir sind da noch in der Abstimmung, aber es wird einige größere Events und kleinere, gastronomische Highlights geben. Zu Walpurgis wollen wir selbstverständlich groß aufspielen, zu Ostern wird es ein Frühlingserwachen geben, vielleicht mit Ostereiersuche und wir planen Angebote für Himmelfahrt, Muttertag und Pfingsten. Im Sommer hoffen wir Rothesüttes Hackespänchenfest gemeinsam bei uns feiern zu können, wir haben Ideen für einen Treppenlauf, freuen uns auf den 3. Halloweenlauf im Oktober und natürlich auch auf unseren Geburtstag“, so die erste Hexe am Platz.

Das Hexenreich soll nun auch über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht werden, zu eben diesem Zwecke wird man sich denn auch bei der „Grünen Woche“ in Berlin präsentieren, unter anderem mit einem 2,6 Meter hohen Modell des Hexenbesens und digitalen Hinguckern für das jüngere Publikum.

Die ersten Zahlen sehen gut aus
„Das Ziel des Hexenbesens ist es, ein touristisches Highlight zu schaffen, dass nicht nur Tagestouristen aus Nordhausen und Umgebung lockt, sondern für die Gäste im Harz ein Tor nach Thüringen aufschlägt und der Region insgesamt zu Gute kommt.“, erläutert Gunnar Reuter, Geschäftsführer der Service Gesellschaft und damit Bauherr des Turmes. Rund 10.000 Gäste habe man im Oktober zählen können, berichtet Reuter heute, das anvisierte Ziel für den Startschuss habe man damit erreicht. Genauer wolle man erst nach einem Jahr auf die Zahlen blicken, das Hexenreich solle Zeit zum wachsen haben. „Wenn wir am Ende des ersten Jahres 100.000 Besucher zählen konnten, dann ist das gut. Gut für das Team, gut für die Region und gut für das Harzplateau“, sagt Reuter.

Die ersten Besucher waren Ende September bei bestem Wetter auf den Turm geklettert (Foto: agl) Die ersten Besucher waren Ende September bei bestem Wetter auf den Turm geklettert (Foto: agl)

Einen Eindruck von den ersten Wochen gibt ein Blick auf die Auswertung des digitalen Parkplatzsystems. Rund ein Viertel der Gäste, die den Parkplatz direkt am Hexenreich nutzten, kamen demnach aus dem Nordhäuser Kreis, gefolgt von Besuchern aus Wernigerode, dem Landkreis Harz und dem Eichsfeld. Knapp unter 50 Prozent liegt die Kategorie „Weitere Kennzeichen“, also Fahrzeuge, die nicht aus der näheren Umgebung stammten, darunter auch Reisende aus den Niederlanden, Belgien und Dänemark, den traditionell größten, ausländischen Gästegruppen im Harzer Tourismus. Und noch eine andere Zahl hat man parat: an guten Tagen mit vielen Gästen macht der Fahrstuhl im Turm rund 3.000 Fahrten.

Aelfi fliegt digital zum Brocken
Rund um den Aussichtsturm ist „Aelfi“ allgegenwärtig, die Comicfigur ist das Maskottchen des Hexenreichs. Wenn sich der Winter verabschiedet, soll „Aelfi“ auch zur digitalen Begleiterin für die Besucher werden und mittels „Augmented Reality“ - also der digital „erweiterten Realtität“, per App auf dem Handybildschirm über das Gelände fliegen. Neun Stationen wird der Rundgang umfassen, zur Zeit befinde man sich in der Feinabstimmung der Animationen. Digital kommt die junge Hexe auch auf die Grüne Woche und zwar im Postkartenformat. Die Karten können individuell bemalt werden, die bunte „Aelfi“ wird dann per Scanner auf die Leinwand gebannt und fliegt hier um den Hexenbesen herum.

Weltrekord auf dem Harzer Hexenbesen: David Storl stößt 43 Meter tief und 29,94 Meter weit (Foto: Eva Maria Wiegand) Weltrekord auf dem Harzer Hexenbesen: David Storl stößt 43 Meter tief und 29,94 Meter weit (Foto: Eva Maria Wiegand)

Angepasste Preise und neue Angebote
Die Rückmeldungen der Turm-Besucher seien bisher in der Mehrzahl positiv ausgefallen, sagt Töpfer, Frustration komme dann auf, wenn die Rutschen witterungsbedingt gesperrt werden müssen. Das ist vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit der Fall, wird es in der Rutsche zu nass, kann die Geschwindigkeit nicht mehr reguliert werden und rauscht man zu schnell oder zu langsam durch die Röhre, wird es problematisch. Am Turm hat man deswegen „Trockenrutschsäcke“, erzählt Töpfer, die Mitarbeiter sind also mitunter selber zum rutschen verpflichtet. Ein Allheilmittel ist das aber nicht, gerade bei feuchtkalter Witterung wie in diesen Tagen müssen die Rutschen geschlossen bleiben. Ist das der Fall, reduziert sich das Tagesticket von 16 Euro für Erwachsene um 20 Prozent, wenn auch der Turm nicht begehbar ist, dann sind es 40 Prozent, erläutert Töpfer.

Soweit die Schlechtwettervariante. An der Preisschraube will man im neuen Jahr vor allem für die Einheimischen noch einmal drehen und plant ein Jahresticket zum Preis von 36 Euro für Erwachsene (32 Euro für Senioren, 26 Euro für Kinder bis 18 Jahre) um wiederholte Besuche für die Menschen aus der näheren Umgebung attraktiver zu machen. Wer an seinem Geburtstag zum „Hex“ kommt (und das auch entsprechend nachweisen kann) der kommt übrigens kostenlos auf den Turm.

Weiter sind Paket-Angebote für (Kinder-) Geburtstag im Gespräch, wie auch eine Stempelstelle der Wandernadel und der Ausbau der Rad- und Wanderwege rund um den Turm und das Dreiländer-Eck. Zudem soll das Restaurant „Blocksberg“ zum inklusiven Betrieb ausgebaut werden und Menschen mit Behinderungen Beschäftigung bieten. Viele größere und kleinere Puzzleteile also, die das gesamte Bild des „Harzer Hexenreichs“ komplett machen sollen. Wie weit man damit kommt, wie viele Puzzleteile man noch finden kann und wie die Besucherzahlen nach einem Jahr über das Nordhäuser Großprojekt urteilen, wird man im Oktober sehen müssen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
13.01.2026, 23:40 Uhr
Hexenbesen: keine Werbung für Thüringen und den Harz...
...-denn es ist dem Normalbürger nicht zu vermitteln, in Zeiten knapper Kassen, gebeutelter mittelständischer Unternehmen, fehlender oder maroder Schwimmbäder, eines ruinierten Bildungssystems und eines kaputten Harzwaldes Millionen für einen Turm auszugeben. Die Verantwortlichen hierfür hätten sich wahrlich etwas Besseres einfallen lassen können.

Aber so war das schon immer in der Menschheitsgeschichte: Hat man keine geeigneten Lösungen für grundlegende gesellschaftliche Probleme, wird in Äußerlichkeiten und Fassaden investriert. Das war schon bei Erich so.

Die Prioritäten wurden hier völlig falsch gesetzt. Natürlich kommen dort auch ein paar Leute hin, und sie werden die 16 Euro für die Besteigung klaglos zahlen. Für die Entwicklung der Region aber ist das Monstrum bedeutungslos.
anno domini
13.01.2026, 23:53 Uhr
Auskunft aus dem öffentlichen Unternehmensregister:
Jahresverlust 2024 -131.971,19 Euro

Am Leben gehalten durch ein Gesellschafterdarlehen der Servicegesellschaft des Landkreises Nordhausen von 125.000 Euro

Was für eine Verschwendung von Steuergeldern!

Und das ist nur der Anfang...
RWE
14.01.2026, 10:02 Uhr
Gebt dem Teil doch eine Chance
Wenigstens ein Jahr, wenn das Wetter schön werden schon ein paar mehr Leute kommen. Und die Leute essen ind trinken usw. Wenn ich mich entscheiden müsste würde ich wahrscheinlich den Turm Torfhaus vorziehen, aber interssant sieht das Teil schon aus.
Und jeder Euro, der dort in Thüringen, in unserem Landkreis, ausgegeben wird, kann nicht mehr in Sachsen Anhalt und Niedersachsen umgesetzt werden.
Es wird doch immer von zu wenig Touristen geredet., Ja, da muss man selber etwas machen. Wir stehen in Konkurenz mit dem Wurmberg (ganzjährig) sowie den anderen Skipisten in Niedersachen, mit Thale, Qudlinburg, dem Brocken, Wernigerode usw. Warum sollte denn sonst einer nach Nordhausen kommen? Wegen des Rolandes? Davon gibt es Dutzende. Sicher zieht die Traditionsbrennerei auch Menschen von außerhalb an. Ich denke aber, unsere Museen sind defizitär. Deutschlandweit einen guten Ruf hat nur der Tauchersee.
Mensch, direkt neben dem Turm, nur etwas höher, liegt Sophienhof. Top Gastronomie mit Craft Bier und der Ziegenalm. Ja, das könnte was gehen.
Gebt dem Turm doch eine Chance. Ja, die Möglichkeit dauerhafter roter Zahlen ist da. Aber vielleicht ist das Geld in 6 oder 7 Jahren wie drin und dieses Geld kann dann auch anderswo eingesetzt werden.
Irrenhaus
14.01.2026, 11:23 Uhr
Sinnlos
So eine sinnlose Anschaffung aber da sieht man das es der sogenannten Firma noch zu gut geht weil sicher an einer anderen Stelle gespart wird. Fast jeder ist erstmal neugierig aber das lässt bald nach wenn die Eintrittspreise steigen. Dieses Geld was da verbraucht wurde fehlt an anderer Stelle.
RWE
14.01.2026, 16:47 Uhr
Es geht nicht um die paar Hanseln im Landkreis Nordhausen
Die Einheimischen schauen sich das Ding sicher auch einmal an und das wars. Ein Pariser besucht auch nicht jedes Jahr den Eifelturm.
Es geht um die 8 Millionen Touristen aus dem In-und Ausland, welche Jahr für Jahr den Harz besuchen. Urlaubern sitzt das Geld schon lockerer in der Tasche. Wäre doch schön, wenn etwas davon in der Region bleibt. Und egal wie es läuft, der Hexenbesen wir mehr einspielen das wie das Theater oder der AKS.
Einfach mal ein paar Monate abwarten.
Wyatt Earp
14.01.2026, 20:12 Uhr
Wer soll da wegen was kommen?
Natürlich basieren die bis jetzt mehr schlechten als rechten Besucherzahlen auf neugierigen Menschen der Region. Das ebbt ab und überregional ist das ein Ding eins von ganz vielen. Sehe das genau so wie Bodo Schwarzberg. Für die Region, das Dorf mal ausgenommen, ist das absolut bedeutungslos. Und die Totschlag-Nummer, lieber bei uns in Nonsens investiert als in Sachsen Anhalt oder anderswo gelandet, zieht bei mir nicht mehr. Am Ende müssen wir hier vor Ort es über Verluste der Servicegesellschaft subventionieren und können Dinge, die wirklich wichtig sind nicht finanzieren.
Gehard Gösebrecht
14.01.2026, 21:22 Uhr
Millionengrab
Wie will man es dem Steuerzahler noch erklären?
Eine Fehlinvestition bleibt eine Fehlinvestition.
RWE
15.01.2026, 09:07 Uhr
Ja,
vielleicht hätte die Servigesellschaft auch das Salzabad übernehmen sollen und statt des Hexenreiches dort investieren sollen. Ja, vielleicht sollte man das Unternehmertum Leuten wie Herrn Heck überlassen. Vielleicht steht der ganze Komplex auch ander falschen Stelle.
Ich warte mit meinen Besuch bis zum Frühjahr. Ich habe Bedenken wegen der Sichtachse, aber es geht ja wohl nicht nur um den Turm bzw. die aussicht. Hat das Ding Erfolg, dann wird die Servicegesellschaft dauerhaft Einnahmen haben und es werden dauerhaft Gewerbesteuern gezahlt.
Vielleicht wird das Ding aber auch ein Millionengrab, in einem Jahr wissen wir in etwas wie es laufen wird.
Mich stört diese permanente Antistimmung gegen jede Investition. Egal ob Türme, Serverparks, oder Countryfeste. Wir sollten über jeden Arbeitsplatz und jeden Euro Steuereinnahmen froh sein. Uns geht es noch zu gut.
So das war es erst mal alles von mir zum Bauwerk.
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