Di, 11:23 Uhr
03.03.2026
Rezension
Friedericke zum Konzert
Friedericke ist eine deutschsprachige Liedermacherin und lebt seit einigen Jahren in einem kleinen Dorf Nordthüringens, weswegen sie am vergangenen Freitagabend bei ihrem nun schon zweiten Konzertauftritt auf der kleinen Bühne in der Eingangshalle des Panorama Museums gewissermaßen Heimvorteil genoss...
Die Stühle waren dieses Mal fast alle besetzt und es war ein anderes Publikum als sonst, denn zahlreiche Freunde, Bekannte von ihr und eine Reihe Mitglieder des von ihr in Oberheldrungen geleiteten Chors waren gekommen, sie hier zu erleben. Dementsprechend war sie dieses Mal besonders aufgeregt. Und mit einer freundlich-ironischen Plauderei über Vorschusslorbeeren, die ihr in Form eines Begrüßungsapplauses dargebracht wurden, begann sie ihr Konzert.
Es waren vor allem Stücke ihrer zweiten CD Im Grunde ist es einfach, die sie an diesem Abend zu Gehör brachte. Sie saß am Klavier, begleitete sich mit perlenden Klavierläufen und sang dazu mit einer schönen vollen Frauenstimme mal ruhig melodiös dann wieder expressiv und kraftvoll und stets in der Grundstimmung Moll, also hoffnungsvoll verzweifelt oder verzweifelt hoffnungsvoll und oft auch irgendwie dunkel.
So erzählte sie diese Geschichten von prekärem Beisammensein, von sich anbahnender Trennung, Sehnsucht, Einsamkeit und Wutgelüsten oder kleine Alltagsgeschichten, die das Leben schreibt. Sie nennt das Liedermacher-Soul. Wie anders der Ton ihrer Plaudereien zwischen den Stücken, die Farbe heller, witzelnd leicht voller Selbstironie, die nur bei wenigen ihrer Lieder so aufschien. Sie beschreibt die Welt aus ihrer konsequent persönlichen Perspektive in Blues-Stimmung, ohne ein Zwölftaktschema bemühen zu müssen, mit schlichten Melodien, die sich im Gehörgang festhaken und den Hörer sogartig in dieses Gefühl hineinziehen.
Da braucht es nicht die kecken Erlösungssprüche danach, die nur signalisieren sollen: Ist ja gar nicht so schlimm, wie es klingt. So im zweiten, zutiefst melancholischem Stück über einen einsamen, alten Nachbarn, der eine goldene Vergangenheit angesichts der kleinen und größeren Katastrophen beschwört, die ihn im Alltag ereilen und sich an dieser so viel schöneren Erinnerung aufrichtet und die ihm Mut zum Weiterleben macht:
Die Geldbörse verlor er schon, / samt den Monatslohn in bar. / Was auch kam und ging, / es war des Lebens Lauf. / Doch auf die Idee, dass früher alles besser war, / passt er heut´ gut auf.
Aber auch Reminiszenzen auf die dunklen Momente unserer Gegenwart scheinen in Textzeilen auf wie:
Ich hab´ gehört, / der Mensch verfüge über Intelligenz, / wüsste, dass man sich an Feuer / nicht zweimal verbrennt. / Doch die Stimmen hier am Tresen / lassen mich zweifeln / an unserem intelligenten Wesen…
und im Refrain heißt es:
Denn wir laufen / wieder und wieder… / gegen die Wand. / Und weil es immer wieder weh tut, / reden wir uns ein, wir hätten was getan…
Und gelten diese Zeilen nicht im Kleinen wie im Großen? Dabei lässt sie es offen, genau zu benennen, wen und was sie meint, weil das dem Hörer sofort klar ist.
Es ist dieser immer wiederkehrende Grundton der Dummheit, den sie beklagt vorgestern wie auch heute, ohne sich zur allwissenden Richterin aufzuschwingen. Und doch will sie diese Düsternis nicht, will Optimist sein, was ihr ihre übergroße Skepsis nicht gestatten will. Fragt sogar ihr Publikum, wer sich von den Anwesenden selbst dafür hält. Nur wenige Finger gehen hoch und singt dann ihr ironisches Lied Einfach Optimist:
Es fällt mir häufig leicht, / das Schlechte zu erwarten. / Im Mau-Mau-Spiel des Lebens / seh ich nicht viele gute Karten. / Wirklich unwahrscheinlich, / dass es für das Beste reicht. / Wer glaubt schon, dass sein Leben einem / Happy-End-Film gleicht?
Friedericke bot ein Konzert, das Kopf und Herz gleichermaßen berührte, bei dem sie sehr schnell einen Gleichklang mit ihrem Publikum spürte und das sie erst nach ihrem Schlaflied diesen schönen Konzertabend beenden ließ.
Fred Böhme
Autor: redDie Stühle waren dieses Mal fast alle besetzt und es war ein anderes Publikum als sonst, denn zahlreiche Freunde, Bekannte von ihr und eine Reihe Mitglieder des von ihr in Oberheldrungen geleiteten Chors waren gekommen, sie hier zu erleben. Dementsprechend war sie dieses Mal besonders aufgeregt. Und mit einer freundlich-ironischen Plauderei über Vorschusslorbeeren, die ihr in Form eines Begrüßungsapplauses dargebracht wurden, begann sie ihr Konzert.
Es waren vor allem Stücke ihrer zweiten CD Im Grunde ist es einfach, die sie an diesem Abend zu Gehör brachte. Sie saß am Klavier, begleitete sich mit perlenden Klavierläufen und sang dazu mit einer schönen vollen Frauenstimme mal ruhig melodiös dann wieder expressiv und kraftvoll und stets in der Grundstimmung Moll, also hoffnungsvoll verzweifelt oder verzweifelt hoffnungsvoll und oft auch irgendwie dunkel.
So erzählte sie diese Geschichten von prekärem Beisammensein, von sich anbahnender Trennung, Sehnsucht, Einsamkeit und Wutgelüsten oder kleine Alltagsgeschichten, die das Leben schreibt. Sie nennt das Liedermacher-Soul. Wie anders der Ton ihrer Plaudereien zwischen den Stücken, die Farbe heller, witzelnd leicht voller Selbstironie, die nur bei wenigen ihrer Lieder so aufschien. Sie beschreibt die Welt aus ihrer konsequent persönlichen Perspektive in Blues-Stimmung, ohne ein Zwölftaktschema bemühen zu müssen, mit schlichten Melodien, die sich im Gehörgang festhaken und den Hörer sogartig in dieses Gefühl hineinziehen.
Da braucht es nicht die kecken Erlösungssprüche danach, die nur signalisieren sollen: Ist ja gar nicht so schlimm, wie es klingt. So im zweiten, zutiefst melancholischem Stück über einen einsamen, alten Nachbarn, der eine goldene Vergangenheit angesichts der kleinen und größeren Katastrophen beschwört, die ihn im Alltag ereilen und sich an dieser so viel schöneren Erinnerung aufrichtet und die ihm Mut zum Weiterleben macht:
Die Geldbörse verlor er schon, / samt den Monatslohn in bar. / Was auch kam und ging, / es war des Lebens Lauf. / Doch auf die Idee, dass früher alles besser war, / passt er heut´ gut auf.
Aber auch Reminiszenzen auf die dunklen Momente unserer Gegenwart scheinen in Textzeilen auf wie:
Ich hab´ gehört, / der Mensch verfüge über Intelligenz, / wüsste, dass man sich an Feuer / nicht zweimal verbrennt. / Doch die Stimmen hier am Tresen / lassen mich zweifeln / an unserem intelligenten Wesen…
und im Refrain heißt es:
Denn wir laufen / wieder und wieder… / gegen die Wand. / Und weil es immer wieder weh tut, / reden wir uns ein, wir hätten was getan…
Und gelten diese Zeilen nicht im Kleinen wie im Großen? Dabei lässt sie es offen, genau zu benennen, wen und was sie meint, weil das dem Hörer sofort klar ist.
Es ist dieser immer wiederkehrende Grundton der Dummheit, den sie beklagt vorgestern wie auch heute, ohne sich zur allwissenden Richterin aufzuschwingen. Und doch will sie diese Düsternis nicht, will Optimist sein, was ihr ihre übergroße Skepsis nicht gestatten will. Fragt sogar ihr Publikum, wer sich von den Anwesenden selbst dafür hält. Nur wenige Finger gehen hoch und singt dann ihr ironisches Lied Einfach Optimist:
Es fällt mir häufig leicht, / das Schlechte zu erwarten. / Im Mau-Mau-Spiel des Lebens / seh ich nicht viele gute Karten. / Wirklich unwahrscheinlich, / dass es für das Beste reicht. / Wer glaubt schon, dass sein Leben einem / Happy-End-Film gleicht?
Friedericke bot ein Konzert, das Kopf und Herz gleichermaßen berührte, bei dem sie sehr schnell einen Gleichklang mit ihrem Publikum spürte und das sie erst nach ihrem Schlaflied diesen schönen Konzertabend beenden ließ.
Fred Böhme

