Sa, 14:32 Uhr
08.08.2026
Exot wandert nach Norden
Männerfresserin auf dem Vormarsch
Einige Männchen werden nach oder während der Paarung verspeist – die Rede ist von den Europäischen Gottesanbeterinnen. Berühmt und berüchtigt sind sie vor allem wegen ihres Paarungsverhaltens, dem sexuellen Kannibalismus. In Thüringen breitet sich diese Art verstärkt wieder aus...
Seit 2018 erreichen den NABU Thüringen immer wieder Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern zu dieser Fangschrecke. Die Schwerpunkte der bisherigen Nachweise liegen im Kyffhäuserkreis, im Mittleren Saaletal und im Landkreis Sömmerda. Dieses ursprünglich aus Afrika stammende Insekt, mit seinen imposanten Fangarmen, fühlt sich in sonnigen, trockenwarmen, meist in Südlage gelegenen Gras- und Buschlandschaften, Halbtrockenrasen und Ruderalflächen mit lockerer Vegetation wohl, berichtet Ronald Bellstedt, ein Insektenexperte des NABU Thüringen. Lange Zeit kamen diese Fangschrecken die ihren Namen ihren zwei Fangbeinen, die sie in Ruhestellung vor dem Körper hält und damit an zum Gebet erhobene Arme erinnert, in Deutschland nur in Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl bei Freiburg vor. Aufgrund der zunehmend steigenden Temperaturen und warmen Sommer breiten sie sich seit einigen Jahren auch in Thüringen aus, allerdings sind sie nicht überall zu finden. Gute Bedingungen hätten Gottesanbeterinnen zum Beispiel rund um die Burgen Drei Gleichen im Landkreis Gotha, sagt der NABU-Insektenexperte. Jedoch konnten wir bis heute dort noch keine Exemplare feststellen. Auch machen sich die Tiere zum Beispiel im Thüringer Wald rar. Dort könnten sie aber in den Offenlandflächen irgendwann auftauchen.
Blitzschnelles Töten
Zu ihrem Beutespektrum gehören vor allem Heuschrecken, Fliegen und diverse Hautflügler. Mit ihren kräftigen, bedornten Fangarmen lauern Gottesanbeterinnen oft über Stunden unbemerkt in der hohen Vegetation. Ist die Beute in Reichweite, wird sie zuerst mit den großen Facettenaugen fixiert.
Der tödliche Zugriff, der sogenannte Fangschlag, dauert nur 50 bis 60 Millisekunden. Aus den kräftigen Fangarmen mit zahlreichen Dornen gibt es dann kein Entkommen mehr für die Beute. Doch auch die kleineren Männchen der Gottesanbeterinnen müssen auf der Hut sein. In freier Natur wird etwa ein Drittel von ihnen nach der Paarung verspeist.
Für den Menschen besteht keine Gefahr
Für uns Menschen sind Gottesanbeterinnen relativ ungefährlich, sie sind weder giftig noch können sie stechen, erklärt Ronald Bellstedt. Es ist allerdings spannend, mehr über die Vorkommen der Fangschrecke in Thüringen zu erfahren. Das ist auch mit Blick auf den voranschreitenden Klimawandel interessant. Wir erwarten, dass die Tiere vor allem im Offenland mit lückigen Vegetationsstrukturen, wo es zunehmend heißer und trockener wird, in Zukunft mehr werden. Wer im Freistaat Gottesanbeterinnen in der freien Natur entdeckt, kann diese dem NABU Thüringen melden. Wichtig ist, die Tiere beim Beobachten nicht zu stören und ihre Lebensräume zu schonen. Für die sichere Bestimmung eignen sich am besten ein Bildnachweis und die Ortsangabe darf auch nicht fehlen. Kontakt für Meldungen: Lgs@NABU-Thueringen.de
Bis vor einigen Jahrzehnten galt die auch Mantis genannte Gottesanbeterin als Exotin und kam fast nur am Kaiserstuhl im äußersten Süden der Republik vor. Im Zug des Klimawandels hat sich das Areal gewaltig vergrößert. Heute gibt es ein Westvorkommen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie ein deutlich davon getrenntes Ostvorkommen von Thüringen bis zur Lausitz und hoch nach Berlin. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die Ost-Gottesanbeterinnen auch Tschechien und Polen eingewandert sind.
Autor: redSeit 2018 erreichen den NABU Thüringen immer wieder Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern zu dieser Fangschrecke. Die Schwerpunkte der bisherigen Nachweise liegen im Kyffhäuserkreis, im Mittleren Saaletal und im Landkreis Sömmerda. Dieses ursprünglich aus Afrika stammende Insekt, mit seinen imposanten Fangarmen, fühlt sich in sonnigen, trockenwarmen, meist in Südlage gelegenen Gras- und Buschlandschaften, Halbtrockenrasen und Ruderalflächen mit lockerer Vegetation wohl, berichtet Ronald Bellstedt, ein Insektenexperte des NABU Thüringen. Lange Zeit kamen diese Fangschrecken die ihren Namen ihren zwei Fangbeinen, die sie in Ruhestellung vor dem Körper hält und damit an zum Gebet erhobene Arme erinnert, in Deutschland nur in Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl bei Freiburg vor. Aufgrund der zunehmend steigenden Temperaturen und warmen Sommer breiten sie sich seit einigen Jahren auch in Thüringen aus, allerdings sind sie nicht überall zu finden. Gute Bedingungen hätten Gottesanbeterinnen zum Beispiel rund um die Burgen Drei Gleichen im Landkreis Gotha, sagt der NABU-Insektenexperte. Jedoch konnten wir bis heute dort noch keine Exemplare feststellen. Auch machen sich die Tiere zum Beispiel im Thüringer Wald rar. Dort könnten sie aber in den Offenlandflächen irgendwann auftauchen.
Blitzschnelles Töten
Zu ihrem Beutespektrum gehören vor allem Heuschrecken, Fliegen und diverse Hautflügler. Mit ihren kräftigen, bedornten Fangarmen lauern Gottesanbeterinnen oft über Stunden unbemerkt in der hohen Vegetation. Ist die Beute in Reichweite, wird sie zuerst mit den großen Facettenaugen fixiert.
Der tödliche Zugriff, der sogenannte Fangschlag, dauert nur 50 bis 60 Millisekunden. Aus den kräftigen Fangarmen mit zahlreichen Dornen gibt es dann kein Entkommen mehr für die Beute. Doch auch die kleineren Männchen der Gottesanbeterinnen müssen auf der Hut sein. In freier Natur wird etwa ein Drittel von ihnen nach der Paarung verspeist.
Für den Menschen besteht keine Gefahr
Für uns Menschen sind Gottesanbeterinnen relativ ungefährlich, sie sind weder giftig noch können sie stechen, erklärt Ronald Bellstedt. Es ist allerdings spannend, mehr über die Vorkommen der Fangschrecke in Thüringen zu erfahren. Das ist auch mit Blick auf den voranschreitenden Klimawandel interessant. Wir erwarten, dass die Tiere vor allem im Offenland mit lückigen Vegetationsstrukturen, wo es zunehmend heißer und trockener wird, in Zukunft mehr werden. Wer im Freistaat Gottesanbeterinnen in der freien Natur entdeckt, kann diese dem NABU Thüringen melden. Wichtig ist, die Tiere beim Beobachten nicht zu stören und ihre Lebensräume zu schonen. Für die sichere Bestimmung eignen sich am besten ein Bildnachweis und die Ortsangabe darf auch nicht fehlen. Kontakt für Meldungen: Lgs@NABU-Thueringen.de
Bis vor einigen Jahrzehnten galt die auch Mantis genannte Gottesanbeterin als Exotin und kam fast nur am Kaiserstuhl im äußersten Süden der Republik vor. Im Zug des Klimawandels hat sich das Areal gewaltig vergrößert. Heute gibt es ein Westvorkommen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie ein deutlich davon getrenntes Ostvorkommen von Thüringen bis zur Lausitz und hoch nach Berlin. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die Ost-Gottesanbeterinnen auch Tschechien und Polen eingewandert sind.