Fr, 07:02 Uhr
30.11.2007
Betrachtet: Wer rettet die Welt?
Wieder mal Glanz und Glamour, diesmal wurden Rehe vergeben. In Düsseldorf. Und es wurde gefeiert. Eigentlich aber feierte man sich selbst – und die Rettung der Welt.
Ich weiß nicht, der wie vielte Fernseh-, Unterhaltungs- oder Medienpreis in diesem Jahr da gestern vergeben wurde. Immerhin hat die Bambi-Verleihung so etwas wie Tradition. Doch es irritiert mich schon ein wenig, wenn ich da im Vorfeld höre, was denen angedichtet wird, die sich dort zur Schau stellen. In zahlreichen Trailern, zu gut deutsch Programmhinweisen, wurde auf das mediale Ereignis, das diese Menschen Deutschland verändern, hingewiesen.
Erinnern Sie sich: Dort, in Düsseldorf, treffe man Menschen, die dieses Land nach vorn bringen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da wird doch allen Ernstes behauptet, eine Verona Pooth, zuvor Feldbusch, würde Deutschland bewegen? Oder können Sie sich vorstellen, dass Olli Dietrich dieses Land auch nur ein Stück nach vorne bringt? Wollen Sie sich eine Jenny Elvers-Elvershagen als Vorbild für Ihre Tochter nehmen oder vielleicht den ewig erfolglosen Boxer mit der Fackelmannmütze auf dem Kopf für Ihren Sohn?
Genau das aber wird suggeriert. Das Bambi für das Comeback des Jahres erhielt übrigens Henry Maske, weil er sich vor lauter Geldgier noch einmal verprügeln ließ und nach etlichen Runden doch gewann. Oder das Reh für den bekennenden Scientologen Tom Cruise, nur weil der gerade 50 Millionen Euro für den Stauffenberg verdient? Und von FAZ-Herausgeber Schirrmacher über alle Maßen laudierend gelobt wurde, der da allen Ernstes meinte: "Ich finde, sie (die Auszeichnung - d. Red.) ist richtig, sie ist zwingend." Sollen das alles unsere Vorbilder sein? Da wird eine Talkerin Namens Illner (übrigens auch aktuelle Rehbesitzerin) eingeblendet, wer allerdings zappt – von ARD zu ZDF – der sieht Frau Illner im Studio über Organspenden plaudern. Die Talkrunde war also aufgezeichnet, was wurde rausgeschnitten?
Ich würde mir wünschen, dass es ähnliche Veranstaltungen auf einem gleichen Sendeplatz in ARD oder ZDF gibt, bei denen Frauen und Männer ausgezeichnet werden, die dieses, unser Land wirklich voranbringen: Die Ingenieure oder Techniker bei Porsche, Siemens oder Schachtbau Nordhausen. Die Forscher in den unterfinanzierten Universitäten und Hochschulen. Die Krankenschwestern und Ärzte in den Operationssälen dieser Republik, die nach mehrstündiger Operation einem Kind das Leben gerettet haben. Die diesjährigen Nobelpreisträger aus Deutschland und die Sieger des Wettbewerbs Jugend forscht.
Sie hätte es verdient, von einem öffentlich-rechtlichen Sender derart gewürdigt zu werden, wie es den vermeintlichen Stars und Deutschlandveränderern immer und immer wieder zugestanden wird. Sie werden sich auch im nächsten Jahr immer und immer wieder feiern - die aufgespritzten Lippen, die silikonverstärkten Brüste, die diamantenbehängten Ohren oder die Machos a la Lauterbach und Ferch. Nur: es sollten weniger hinschauen. Lasst Sie doch in Ihrer Welt und baut einen Zaun darum. Bei soviel Selbstverliebtheit kann das nicht schaden. Nicht denen da drinnen, und vor allem nicht dem Rest hier draußen in der realen Welt.
Und noch eins: Wenn Henry Maske oder Johannes B. Kerner, Veronica Ferres oder Verona Pooth dieses Land oder vielleicht gar diese Welt schon retten sollen, dann will ich lieber untergehen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psgIch weiß nicht, der wie vielte Fernseh-, Unterhaltungs- oder Medienpreis in diesem Jahr da gestern vergeben wurde. Immerhin hat die Bambi-Verleihung so etwas wie Tradition. Doch es irritiert mich schon ein wenig, wenn ich da im Vorfeld höre, was denen angedichtet wird, die sich dort zur Schau stellen. In zahlreichen Trailern, zu gut deutsch Programmhinweisen, wurde auf das mediale Ereignis, das diese Menschen Deutschland verändern, hingewiesen.
Erinnern Sie sich: Dort, in Düsseldorf, treffe man Menschen, die dieses Land nach vorn bringen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da wird doch allen Ernstes behauptet, eine Verona Pooth, zuvor Feldbusch, würde Deutschland bewegen? Oder können Sie sich vorstellen, dass Olli Dietrich dieses Land auch nur ein Stück nach vorne bringt? Wollen Sie sich eine Jenny Elvers-Elvershagen als Vorbild für Ihre Tochter nehmen oder vielleicht den ewig erfolglosen Boxer mit der Fackelmannmütze auf dem Kopf für Ihren Sohn?
Genau das aber wird suggeriert. Das Bambi für das Comeback des Jahres erhielt übrigens Henry Maske, weil er sich vor lauter Geldgier noch einmal verprügeln ließ und nach etlichen Runden doch gewann. Oder das Reh für den bekennenden Scientologen Tom Cruise, nur weil der gerade 50 Millionen Euro für den Stauffenberg verdient? Und von FAZ-Herausgeber Schirrmacher über alle Maßen laudierend gelobt wurde, der da allen Ernstes meinte: "Ich finde, sie (die Auszeichnung - d. Red.) ist richtig, sie ist zwingend." Sollen das alles unsere Vorbilder sein? Da wird eine Talkerin Namens Illner (übrigens auch aktuelle Rehbesitzerin) eingeblendet, wer allerdings zappt – von ARD zu ZDF – der sieht Frau Illner im Studio über Organspenden plaudern. Die Talkrunde war also aufgezeichnet, was wurde rausgeschnitten?
Ich würde mir wünschen, dass es ähnliche Veranstaltungen auf einem gleichen Sendeplatz in ARD oder ZDF gibt, bei denen Frauen und Männer ausgezeichnet werden, die dieses, unser Land wirklich voranbringen: Die Ingenieure oder Techniker bei Porsche, Siemens oder Schachtbau Nordhausen. Die Forscher in den unterfinanzierten Universitäten und Hochschulen. Die Krankenschwestern und Ärzte in den Operationssälen dieser Republik, die nach mehrstündiger Operation einem Kind das Leben gerettet haben. Die diesjährigen Nobelpreisträger aus Deutschland und die Sieger des Wettbewerbs Jugend forscht.
Sie hätte es verdient, von einem öffentlich-rechtlichen Sender derart gewürdigt zu werden, wie es den vermeintlichen Stars und Deutschlandveränderern immer und immer wieder zugestanden wird. Sie werden sich auch im nächsten Jahr immer und immer wieder feiern - die aufgespritzten Lippen, die silikonverstärkten Brüste, die diamantenbehängten Ohren oder die Machos a la Lauterbach und Ferch. Nur: es sollten weniger hinschauen. Lasst Sie doch in Ihrer Welt und baut einen Zaun darum. Bei soviel Selbstverliebtheit kann das nicht schaden. Nicht denen da drinnen, und vor allem nicht dem Rest hier draußen in der realen Welt.
Und noch eins: Wenn Henry Maske oder Johannes B. Kerner, Veronica Ferres oder Verona Pooth dieses Land oder vielleicht gar diese Welt schon retten sollen, dann will ich lieber untergehen.
Peter-Stefan Greiner