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Di, 13:19 Uhr
18.12.2007

Optimistischer Kammerton

Die Kammern in Thüringen sind selten positiv gestimmt, wenn es um die Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung geht. Bei der Prognose für das kommenden Jahr ist das aus Sicht der Industrie- und Handelskammer in Erfurt ein wenig anders...


Der Wirtschaftsaufschwung in Thüringen erweist sich trotz rasant steigender Energiepreise, hoher Kosten für den Sozialstaat, der weltweiten Finanzmarktkrise und des Euro-Höhenflugs als recht stabil. Zwar blicken die hiesigen Unternehmen zurückhaltender in die Zukunft als zuletzt – von Pessimismus kann aber nicht die Rede sein. Steigende Auftragseingänge, ausgelastete Kapazitäten und eine zufrieden stellende Ertragslage bilden gute Voraussetzungen, dass es auf dem Arbeitsmarkt auch 2008 weiter vorangeht. Für das kommende Jahr rechnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in Thüringen von knapp zwei Prozent und 10.000 neuen Jobs.

„Der Aufschwung verliert zwar leicht an Dynamik und die Zuwachsraten werden etwas niedriger ausfallen, aber die Investitions- und Beschäftigungspläne der Mehrzahl der Thüringer Betriebe für das Jahr 2008 geben durchaus Anlass zu Optimismus“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Die gute Auftragslage und weitgehend ausgelastete Kapazitäten würden auch 2008 für zusätzliche Arbeitsplätze in den Unternehmen sorgen. Nach Prognosen der IHK Erfurt könnten noch einmal rund 10.000 neue Stellen entstehen und so zu einer weiteren Entspannung auf dem Arbeitsmarkt beitragen.

Jobmotor im zu Ende gehenden Jahr sei einmal mehr die Industrie gewesen. So waren allein Ende Oktober in den Thüringer Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes rund 6.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahresmonat registriert, sind die Auftragsbücher vor allem in der Exportindustrie gut gefüllt und verzeichnen einen Zuwachs der Bestellungen im zweistelligen Bereich.

Grusser zieht für das ablaufende Jahr ein erfreuliches Fazit: Die Unternehmen hätten sich weiter stabilisiert, die Erträge wären bei der Mehrzahl der Betriebe deutlich gestiegen und damit die Zahl der Firmeninsolvenzen spürbar gesunken. Davon profitierten auch das Land und die Kommunen mit einem wachsenden Steueraufkommen.

Vorläufige Berechnungen der IHK ergeben für 2007 einen Industrieumsatz von ca. 28,5 Milliarden Euro, immerhin ein Plus gegenüber dem Vorjahr von rund 8 Prozent. Trotz der momentanen Dollarschwäche rechnet der IHK-Hauptgeschäfts-führer auch für das neue Jahr mit einem guten Exportgeschäft. Die verbesserte Wettbewerbssituation der Thüringer Unternehmen in der Euro-Zone, der zunehmende Bedarf an Investitionsgütern in Osteuropa und Asien und der hohe Innovationsgrad heimischer Produkte wären eine solide Basis für die weitere Expansion weltweit. Allerdings bleibe die Binnennachfrage schwach. 2008 belaste die Unternehmensteuerreform viele mittelständische Betriebe zusätzlich. Hier fordert Grusser eine Korrektur, sonst gehe es spätestens 2009 vielen Einzelhändlern an den Kragen.

Schon jetzt seien der Handel, die Gastronomie und das Verkehrsgewerbe die Verlierer des Jahres 2007. Der Einzelhandel könne die negative Umsatzentwicklung der ersten zehn Monate auch mit dem Weihnachtsgeschäft nicht mehr aufholen. „Die Belebung der Nachfrage durch die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt ist längst durch die massive Anhebung der Mehrwertsteuer, die Verteuerung wichtiger Grundnahrungsmittel und steigende Preise für Energie und Kraftstoff kompensiert worden“, urteilt Grusser. Zudem sei das Vertrauen der Konsumenten in die Politik ausgesprochen labil und würden immer neue Belastungen durch erhöhte Beiträge in die sozialen Sicherungssysteme befürchtet.

Gaststättenbetreiber warnten darüber hinaus vor Ertragseinbußen durch das Inkrafttreten des Thüringer Nichtraucherschutzgesetzes und Spediteure litten massiv unter den exorbitant gestiegenen Dieselpreisen, die kaum an die Kunden weitergegeben werden könnten.

„In dieser Situation ist es wichtig, den begonnenen Reformkurs konsequent beizubehalten“, fordert Grusser. Mit den letzten Beschlüssen hätte die Bundesregierung die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt wieder verschlechtert und so das Fundament des Aufschwungs geschwächt. Zu den Projekten die 2008 schnell und unkompliziert angepackt werden müssten zähle eine unbürokratische und Job sichernde Erbschaftsteuer, die schrittweise Umstellung der Pflegeversicherung auf das Kapitaldeckungsverfahren sowie eine Energiepolitik, die die derzeitige Preisexplosion endlich stoppt.
Autor: nnz

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