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21.01.2008

IHK: Start geglückt, aber...

Der Start ins Jahr 2008 ist den Unternehmen geglückt. Die Geschäfte gehen gut, die Auftragslage ist stabil und der Jobmotor läuft rund. Noch befinden sich die Firmen auf der konjunkturellen Sonnenseite. Licht und Schatten liegen allerdings dicht beieinander...


Trotz derzeit guter Stimmungslage beurteilen die Thüringer Unternehmer die Entwicklung in den kommenden Monaten wieder etwas verhaltener. So fällt der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, um sieben Punkte zur vorhergehenden Analyse und erreicht 114 von 200 möglichen Prozentpunkten. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 1.000 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen.

Steigende Energiepreise, angespannte Finanzmärkte, höhere Inflation – die Schlagzeilen werden zunehmend von Konjunkturrisiken beherrscht. „Panik ist jedoch fehl am Platz, der Aufschwung hat nach wie vor Substanz und die Mehrzahl der Unternehmen zeigt sich mit ihrer aktuellen Situation zufrieden“, wertet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser die Konjunkturanalyse.

Branchenübergreifend würden 86 Prozent der Betriebe die Geschäftslage gut bis befriedigend beurteilen. Lediglich 14 Prozent der Befragten könnten vom Aufschwung noch nicht profitieren. „Ein solider Auftragsbestand und weitgehend ausgelastet Kapazitäten sorgen weiterhin für eine positive Ertragslage. 88 Prozent der Firmen schreiben schwarze Zahlen“, so Grusser. Beim Blick auf die kommenden Monate regiert bei den Managern allerdings zunehmend die Vorsicht. Zu groß sind inzwischen die Unsicherheiten über die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Nichtsdestotrotz hoffen die Unternehmer, dass der Aufschwung auch 2008 seine Fortsetzung findet. Immerhin erwarten 84 Prozent einen gleich bleibenden bzw. positiven Geschäftsverlauf.

Für den Arbeitsmarkt bleiben die Zeichen somit hoffnungsvoll. Die Einstellungsbereitschaft der Firmenchefs ist immer noch hoch, obwohl die Beschäftigungsdynamik etwas nachlässt. Branchenübergreifend wollen 14 Prozent ihren Personalbestand erweitern, die Mehrzahl plant mit der aktuellen Mitarbeiterzahl.

Industrie ist Jobmotor
Vorreiter beim Beschäftigungsaufbau bleibt die Industrie, die Ende 2007 thüringenweit eine neue Rekordmarke mit 125.000 Arbeitern und Angestellten erzielte. „Zukunftsbranchen wie die Mikrotechnologie, die Solarindustrie oder auch der optische Gerätebau sind auf dem Vormarsch. Darüber hinaus hat sich der Freistaat als Logistikstandort weiter profilieren können, wie jüngste Ansiedlungserfolge zeigen“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Laut Umfrage beabsichtigt auch 2008 jeder fünfte Manager zusätzliche Stellen zu schaffen. Basis dafür sind die nach wie vor gesunde Auftragslage und die gute Kapazitätsauslastung. 88 Prozent der Unternehmer berichten über gestiegene bzw. konstante Auftragseingänge, bei fast ebenso vielen sind die Kapazitäten zu 80 Prozent und mehr ausgeschöpft. Dementsprechend positiv wird auch die Geschäftslage eingeschätzt. Der Hälfte der Befragten geht es gut. 41 Prozent urteilen zumindest mit befriedigend.

Dem allgemeinen Trend folgend fällt aber der Ausblick der Industriebetriebe auf die nächsten Monate nicht ganz ungetrübt aus. Zwar rechnet jeder Fünfte mit einer Verbesserung der Situation, in der vorhergehenden Umfrage war dies jedoch noch jeder vierte Manager. Das stabile Exportgeschäft in den vergangenen Jahren wird nach Einschätzung der Unternehmer auch 2008 die treibende Kraft der Konjunkturentwicklung bleiben. Mehr als zwei Drittel erwarten eine stabile oder sogar erweiterte Auslandstätigkeit. Das Jahr 2007 konnte überaus erfolgreich abgeschlossen werden. Nach vorläufigen Berechnungen der Industrie- und Handelskammer Erfurt erhöhte sich der Industrie-Export gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf den Rekordwert von 9 Milliarden Euro. Die Exportquote liegt inzwischen bei knapp 35 Prozent.

Neben der Industrie bestechen auch die unternehmensnahen Dienstleistungen mit hervorragenden Umfragewerten. Fast zwei Drittel der Servicebetriebe beurteilen ihre derzeitige Lage mit gut und bewegen sich in der Gewinnzone. Die überwiegende Mehrzahl der Unternehmer erwartet auch zukünftig einen besseren oder zumindest gleich bleibenden Geschäftsverlauf. Jeder Fünfte plant deshalb mehr Personal einzustellen.

Private Verbraucher verunsichert
Die Binnennachfrage kann nach wie vor die Erwartungen nicht erfüllen, worunter insbesondere die konsumabhängigen Bereiche leiden. Beschäftigung und Erwerbseinkommen sind zwar gestiegen, der Einkommenszuwachs hat jedoch einen großen Teil der privaten Haushalte noch nicht erreicht. Die teils drastische Verteuerung von Grundnahrungsmitteln, Energie und Kraftstoff haben die Verbraucher verunsichert und trotz Lohnsteigerungen in den meisten Fällen das Realeinkommen weiter sinken lassen.

„Mehr als eine Stabilisierung der Lage auf niedrigem Niveau ist beim Handel und im Gastgewerbe daher nicht auszumachen“, bedauert Gerald Grusser. Ungeachtet des Weihnachtsgeschäftes habe sich der Thüringer Einzelhandelsumsatz erneut um rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr verringert und damit bei 41 Prozent der Einzelhändler die Ertragslage verschlechtert.

Auch im Gastgewerbe fiel bei 27 Prozent der Befragten der Umsatz niedriger aus. Mehr als die Hälfte beklage eine weiter zurückgehende Ausgabefreude der Verbraucher. Jeder fünfte Gastronom stecke bereits in den roten Zahlen. Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation hätten die Firmen jedoch nicht aufgegeben. Jeder zehnte Einzelhändler und jeder fünfte Gastronom erwarte ein Anziehen der Binnenkonjunktur und ein Abflachen der negativen Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung. Die durch vorgezogene Käufe bis heute deutlich spürbare Konsumlücke bei preisintensiven Produkten dürfte sich nun langsam schließen. Zudem sollte der weitere Beschäftigungsaufbau in Verbindung mit den angekündigten Tariflohnabschlüssen den Kunden zu mehr Geld in der Tasche verhelfen.

Gefahr politischer Lähmung
Fazit: Der Aufschwung setzt sich auch 2008 fort, allerdings mit gedrosseltem Tempo. Gegenwind bekommt die Konjunktur in Form einer Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Entwicklung, hoher Öl- und Energiepreise sowie instabiler Finanzmärkte. „Von Seiten der Politik sollten diese Negativeffekte nicht noch mehr verstärkt werden.

Die wirtschaftlichen Erfolge bieten derzeit eine gute Grundlage, um das Erreichte auszubauen. Aktuell geschieht jedoch eher das Gegenteil. Nicht nur der Reformdruck, sondern auch der Reformwille hat spürbar nachgelassen. Zu hoffen ist, dass Deutschland in den folgenden zwei Jahren nicht durch Wahlkampf und Parteienstreit blockiert ist“, warnt der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Autor: nnz

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