Sa, 08:04 Uhr
01.03.2008
Arterner Ansichten (8): Die Veitskirche
In der vorigen Folge haben wir einen Blick in den Oberen Hof geworfen. Heute sind wir nur wenige Meter von ihm entfernt, ebenfalls in der Ritterstraße. Wir besuchen die Veitskirche, eines der ältesten Gebäude der Stadt, wesentlich älter als der Obere Hof.
Sie soll um 1250 entstanden sein. Nachgewiesen ist jedoch, dass an ihrer Stelle vorher bereits ein anderer, wohl hölzerner, Kirchbau stand. Bei ihrer Sanierung in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden zur Geschichte dieses Baus wichtige Funde gemacht und dokumentiert.
Ihren Namen St. Vitus oder Veitskirche, wie die Arterner sagen, erhielt sie nach dem Schutzheiligen vor Wechsel- und Sumpffieber, dem römischen Dulder Vitus. Da um Artern Sumpfgebiet war, war das Sumpffieber hier ein großes Problem. Ihres hohes Alter und der seltene Vierungsturm, der noch dazu ein Satteldach trägt, prägen ihren denkmalschützerischen Wert.
Bis sich die Reformation um 1540 auch in Artern durchsetzte, war die Veitskirche das katholische Gotteshaus des Dorfes Artern, mehr oder weniger der heutigen Altstadt. Danach verlor sie ihre Bedeutung und wurde vorwiegend als Begräbniskirche genutzt, verrät eine Hinweistafel auf dem Kirchplatz. Nur als die Marienkirche bei dem großen Stadtbrand von 1633 stark beschädigt wurde, hielt man in der Veitskirche zeitweilig wieder Gottesdienst ab. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche dann mehr und mehr für andere Zwecke verwendet und von der Kirchgemeinde an die Stadt verkauft. Sie war u. a. für die Armee Heu- und Strohspeicher, Kriegsgefangenenlager während der französischen Besatzung und sogar Turnhalle.
In der Zeit um 1890 bemüht sich die katholische Kirche die Veitskirche, die inzwischen Eigentum der Stadt war, für ihre Gottesdienste zu erwerben, was aber nicht zustande kam. 1937 richtete der Heimatforscher Engelhardt ein Heimatmuseum ein, das er "Nordthüringer Gelteheim" nannte. Das Museum musste aufgegeben werden, da Salpeter und Feuchtigkeit immer mehr zerstörten. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt des Bauwerkes engagierte, aber an Geld-, Material- und Kapazitätenmangel scheiterte. 1991 begannen dann die Sanierungsarbeiten, die sich bis 1999 hinzogen.
In ihrem Rahmen wurde u. a. 1997 eine Gruft, die um 1800 angelegt wurde, entdeckt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde am 5. September 1999 der Öffentlichkeit übergeben, unter dem tollen Namen Gemeindebedarfseinrichtung. Ein eigens gegründeter Kulturverein, der aber leider nicht lange überlebte, wurde gegründet, um das denkmalgeschützte Bauwerk zu beleben. Manche Veranstaltung fand hier inzwischen trotz dem statt. Es könnten mehr sein. Für Eheschließungen, also als Außenstelle des Standesamtes, wird die würdige Kulisse gern genutzt.
Aber auch Besichtigungen sind möglich, was viele offensichtlich nicht wissen. Dazu ist die Kirche laut Amtsblatt gegenwärtig Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr geöffnet. Hier gibt es auch Informationsmaterial über weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung. Ein Hinweis am Gebäude oder an der in dessen Nähe stehenden Tafel fehlt leider.
Vielleicht sollte man die Öffnungszeiten wenigstens in der Sommersaison so verändern, dass auch einige Stunden an den Nachmittagen zu den Wochenenden geöffnet ist. Dann könnten vielleicht mehr Arterner mit ihren Gästen auch mal den Turm besteigen und die schöne Aussicht über die Stadt genießen.
Text und Fotos: Klaus Henze
Autor: nnzSie soll um 1250 entstanden sein. Nachgewiesen ist jedoch, dass an ihrer Stelle vorher bereits ein anderer, wohl hölzerner, Kirchbau stand. Bei ihrer Sanierung in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden zur Geschichte dieses Baus wichtige Funde gemacht und dokumentiert.
Ihren Namen St. Vitus oder Veitskirche, wie die Arterner sagen, erhielt sie nach dem Schutzheiligen vor Wechsel- und Sumpffieber, dem römischen Dulder Vitus. Da um Artern Sumpfgebiet war, war das Sumpffieber hier ein großes Problem. Ihres hohes Alter und der seltene Vierungsturm, der noch dazu ein Satteldach trägt, prägen ihren denkmalschützerischen Wert.
Bis sich die Reformation um 1540 auch in Artern durchsetzte, war die Veitskirche das katholische Gotteshaus des Dorfes Artern, mehr oder weniger der heutigen Altstadt. Danach verlor sie ihre Bedeutung und wurde vorwiegend als Begräbniskirche genutzt, verrät eine Hinweistafel auf dem Kirchplatz. Nur als die Marienkirche bei dem großen Stadtbrand von 1633 stark beschädigt wurde, hielt man in der Veitskirche zeitweilig wieder Gottesdienst ab. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche dann mehr und mehr für andere Zwecke verwendet und von der Kirchgemeinde an die Stadt verkauft. Sie war u. a. für die Armee Heu- und Strohspeicher, Kriegsgefangenenlager während der französischen Besatzung und sogar Turnhalle.
In der Zeit um 1890 bemüht sich die katholische Kirche die Veitskirche, die inzwischen Eigentum der Stadt war, für ihre Gottesdienste zu erwerben, was aber nicht zustande kam. 1937 richtete der Heimatforscher Engelhardt ein Heimatmuseum ein, das er "Nordthüringer Gelteheim" nannte. Das Museum musste aufgegeben werden, da Salpeter und Feuchtigkeit immer mehr zerstörten. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt des Bauwerkes engagierte, aber an Geld-, Material- und Kapazitätenmangel scheiterte. 1991 begannen dann die Sanierungsarbeiten, die sich bis 1999 hinzogen.
In ihrem Rahmen wurde u. a. 1997 eine Gruft, die um 1800 angelegt wurde, entdeckt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde am 5. September 1999 der Öffentlichkeit übergeben, unter dem tollen Namen Gemeindebedarfseinrichtung. Ein eigens gegründeter Kulturverein, der aber leider nicht lange überlebte, wurde gegründet, um das denkmalgeschützte Bauwerk zu beleben. Manche Veranstaltung fand hier inzwischen trotz dem statt. Es könnten mehr sein. Für Eheschließungen, also als Außenstelle des Standesamtes, wird die würdige Kulisse gern genutzt.
Aber auch Besichtigungen sind möglich, was viele offensichtlich nicht wissen. Dazu ist die Kirche laut Amtsblatt gegenwärtig Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr geöffnet. Hier gibt es auch Informationsmaterial über weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung. Ein Hinweis am Gebäude oder an der in dessen Nähe stehenden Tafel fehlt leider.
Vielleicht sollte man die Öffnungszeiten wenigstens in der Sommersaison so verändern, dass auch einige Stunden an den Nachmittagen zu den Wochenenden geöffnet ist. Dann könnten vielleicht mehr Arterner mit ihren Gästen auch mal den Turm besteigen und die schöne Aussicht über die Stadt genießen.
Text und Fotos: Klaus Henze






