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So, 06:01 Uhr
04.05.2008

Schachtgeschichte (6): Erinnerungen eines Zeitzeugen

Über die Erinnerungen des Zeitzeugen Ralf Michel aus Berka zu den Vorgängen um den Raudeschacht Berka berichtet Hans-Jürgen Schmidt...

Fabrikruine Berka (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Fabrikruine Berka (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Der Raudeschacht in Berka wurde 1924 still gelegt. 1936 wurde als erstes der Schornstein der KCL-Fabrik gesprengt. Danach wurde das Gerücht gestreut, es solle eine Bonbonfabrik gebaut werden. Dies entsprach aber nicht den Tatsachen, denn 1937/38 wurden über Tage die ersten Gebäude für eine Munitionsfabrik errichtet. Beton und grüne Ziegel waren die Markenzeichen. 1940 bauten kriegsgefangene Franzosen eine Gleisanlage vom Schacht zur sogenannten „MUNI“ am Fuße der Hainleite. Später kamen Ostarbeiter hinzu. Sie trugen auf ihrer Kleidung ein Zeichen mit den Namen „OST“. Sie wurden in Baracken untergebracht. Heute stehen dort Depots der Getreidewirtschaft. Die Betreuung war miserabel. Sie trugen die gleiche Kleidung zur Arbeit und zur Freizeit. Die sogenannten „Landesschützen“ (Männer über 60 Jahre) waren als Wachmannschaft eingeteilt. Die Oberaufsicht hatten 20 Offiziere, die von ihrer Ausbildung alle Feuerwerker waren.

Im Jahre 1938 wurde noch ein „Maidenlager“ eingerichtet. Es waren Frauen des weiblichen Arbeitsdienstes. Dazu kamen noch Dienstverpflichtete, unter anderen auch Prostituierte, so das man in Berka von einer „Reeperbahn“ sprach. Insgesamt sollen im Rüstungsunternehmen ca. 1000 Personen gearbeitet haben. Am 28.12.1945 kam es unter Tage zu einem Unfall. 16 Frauen davon 8 Frauen aus Berka kamen dabei zu Tode. Die Namen sind am Kriegerdenkmal an der Kirche zu Berka mit der Inschrift: „Grubenunglück Dezember 1945 in der Munitionsanstalt Schacht Berka“ verewigt.. Es soll sich wie folgt abgespielt habe: In Alubehältern wurde eine Art Stoff unter Wasser aufbewahrt, der laut Aussage als Sprengstoff galt. Vermutlich war es Pikrinsäure, denn die wurde in Verbindung mit Wollstoffe als Sprengstoff verwandt (Ammoniumpikrat oder „Melinit“). Die Russen, die die Aufsicht führten, haben den „Stoff“ in leere Hunte gekippt, da sie die Alubehälter als Tauschgegenstände verwandt haben, um z.B. Schnaps zu erhandeln. Der „Stoff“ in den Hunten, die zu einem Zug zusammengestellt waren entzündete sich und brannte. Es kam zu keiner Explosion. Die Frau wurden nach über Tage gebracht. Hier verstarben sie. Vermutlich an den Giftwolken des Feuers.
Grubenunglück Berka (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Grubenunglück Berka (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)

Der Raudeschacht war mit einem Querschlag mit dem Müserschacht in Hachelbich verbunden. Eine Verbindung zum Brügmannschacht bestand zu dieser Zeit noch nicht. Der Zeitzeuge entsinnt sich, dass unter anderen Strecken in Richtung Hachelbich und unter den Hühnerberg aufgefahren waren. Die Munitionsproduktionstelle war einen Raum von ca.
100 m Länge und 25 m Breite. Auf jeden Fall gab es 6 Lampenreihen. Es wurden Granaten für die Flagg zu Land und für die Geschütze auf Schiffen gefüllt. Es wurde gesagt, die Frauen hätten Pulversäckchen genäht, die in die Granten gefüllt wurden, was auf Kampfstoffe hindeutet. Nach 1945 wurden die noch vorhanden Granaten ausgehangen. Die Bauer aus Berka wurden verpflicht, sie 1946/47 in das Wolfstal und andere Täler, so im Bereich der sogenannten „Bratwurst“ zu transportieren. Dort wurden sie gesprengt. Nicht alle Granaten explodierten, so dass es im Bereich des Wolfstal noch Sperrgebiete gibt.

Insgesamt wurden in der Zeit von 1938 bis 1945 unter Tage Munition produziert. Ab 1947 wurde die Schachtanlage demontiert. Die demontierten Materialien wurden nach Niederschlema zur Wismut gebracht, um den Uranabbau zu forcieren. Der Zeitzeuge Ralf Michel (38 Jahre Wehrleiter im IKA Sondershausen) erinnerte sich, das der Schacht einen Wasserzufluss von 5 l/min. hatte, sodass am Tage 2 Wasserfahrten gemacht werden mussten, wo ca.1000 l nach über Tage gefördert wurden. Der Backsteinausbau der Röhre war zum Teil zerfroren. Die Förderung wurde mit 18 m/s gefahren. Die Seilfahrt mit 8 m/s. Er war der Letzte, der aus der Grube fuhr. Er musste die 629 m klettern. Dazu wurden 2,5 Stunden benötigt, mit anschließend weichen Knien. Ein Grubenlampe mit der Nr. 1 die zur Kletterpartie mitgenommen wurde, steht heute als Souvenir in seiner Küche. Ansonsten gab es als Geleucht zum Klettern nur die Karbidlampe.

Aufgeschrieben von Hans-Jürgen Schmidt
Bilder: Archiv Hans-Jürgen Schmidt
Autor: khh

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