Mi, 07:45 Uhr
11.06.2008
Der Gipfel könnte ein Anfang sein
Für soziale Gerechtigkeit… 1. Gipfel von Thüringer Sozialverbänden und der Landesseniorenvertretung war eine bisher wohl einmalige Veranstaltung im Plenarsaal des Thüringer Landtages am Dienstag überschrieben. Dazu eine Betrachtung von Klaus Henze.
Auch der Sozialverband VdK Nordthüringen war zum Gipfel vertreten, ganz links im Bild Kreisvorsitzender Bernd Reiber
Thema: Teilhabe älterer Menschen in unserer Gesellschaft Gemeinsame Träger der Veranstaltung waren die Volkssolidarität (VS), der Thüringer Seniorenverband BRH, der Sozialverband Deutschland (SoVD), der Sozialverband VdK und die Landesseniorenvertretung. Die Schirmherrschaft hatte Prof. Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski, Präsidentin des Thüringer Landtages übernommen und nach ihrer Eröffnung des Treffens führte keine geringere als die neue Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Christine Lieberknecht (CDU), in die Seniorenpolitik in Thüringen ein.
Die Präsidentin und auch die Ministerin haben kluge und zum Teil engagierte Worte gesprochen. Doch die Beiträge der Landesvorsitzenden der Sozialverbände machten dann doch deutlich, dass zwischen der Sicht der Politiker und der Verbände große Unterschiede bestehen, noch schlimmer zwischen den Erklärungen und dem Handeln der Politik.
Sowohl der SoVD als auch der VdK machten deutlich, dass das Bild, dass Politiker aber auch vieler Presseorgane (woher?) von der älteren Generation, von dem wohlhabenden Rentnern, die den Winter im Süden verleben und nach sich die Sintflut sein lassen (Dr. Junker hatte da noch viel drastischere Zitate), nichts mit der Realität zu tun hat.
Armut per Gesetz wie Hartz IV oder Nullrunden bzw. Rentenerhöhungen für Rentner unter der Inflationsquote führen zwangsläufig zur Altersarmut. Pietsch von der VS unterstrich, dass der demografische Wandel keine Katastrophe oder Bedrohung, sondern eine Chance sei. Das Problem ist nicht, dass die Menschen älter werden, sondern die niedrige Geburtenrate. Man dürfe auch die Leistungen der älteren Menschen nicht aus der Diskussion herausnehmen. So betonte auch Dr. Claus Dieter Junker vom Sozialverband VdK, dass das von vielen Abgeordneten und Manager gezeichnete Bild der Alten nichts mit der Realität zu tun habe.
Der Gipfel hat zumindest viele Denkanstöße gegeben, die hoffentlich in Parteienpolitik nicht zerredet werden. Die Politik wäre gut beraten, an diesen ersten Kontakt anzuknüpfen, die Erfahrungen der Sozialverbände künftig stärker in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen. Der VdK hatte im Rahmen seiner bundesweiten Aktion gegen Armut einen Armutsbericht des Landes Thüringen gefordert. Der wurde vom damaligen Sozialminister Zeh rigoros abgelehnt.
Wie steht die neue Ministerin dazu? Hält sie ihr Wort, dass der erste Gipfel der Sozialverbände im Landtag nicht die letzte Zusammenkunft dieser Art im Plenarsaal des Landtages bleiben wird und vor allem, dass man deren Standpunkte auch ernst nimmt? Die gemeinsame Erklärung der Teilnehmer des Gipfels könnte ein erster Anfang sein für weiteres Handeln.
Text und Foto: Klaus Henze
Autor: nnz/knAuch der Sozialverband VdK Nordthüringen war zum Gipfel vertreten, ganz links im Bild Kreisvorsitzender Bernd Reiber
Thema: Teilhabe älterer Menschen in unserer Gesellschaft Gemeinsame Träger der Veranstaltung waren die Volkssolidarität (VS), der Thüringer Seniorenverband BRH, der Sozialverband Deutschland (SoVD), der Sozialverband VdK und die Landesseniorenvertretung. Die Schirmherrschaft hatte Prof. Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski, Präsidentin des Thüringer Landtages übernommen und nach ihrer Eröffnung des Treffens führte keine geringere als die neue Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Christine Lieberknecht (CDU), in die Seniorenpolitik in Thüringen ein.
Die Präsidentin und auch die Ministerin haben kluge und zum Teil engagierte Worte gesprochen. Doch die Beiträge der Landesvorsitzenden der Sozialverbände machten dann doch deutlich, dass zwischen der Sicht der Politiker und der Verbände große Unterschiede bestehen, noch schlimmer zwischen den Erklärungen und dem Handeln der Politik.
Sowohl der SoVD als auch der VdK machten deutlich, dass das Bild, dass Politiker aber auch vieler Presseorgane (woher?) von der älteren Generation, von dem wohlhabenden Rentnern, die den Winter im Süden verleben und nach sich die Sintflut sein lassen (Dr. Junker hatte da noch viel drastischere Zitate), nichts mit der Realität zu tun hat.
Armut per Gesetz wie Hartz IV oder Nullrunden bzw. Rentenerhöhungen für Rentner unter der Inflationsquote führen zwangsläufig zur Altersarmut. Pietsch von der VS unterstrich, dass der demografische Wandel keine Katastrophe oder Bedrohung, sondern eine Chance sei. Das Problem ist nicht, dass die Menschen älter werden, sondern die niedrige Geburtenrate. Man dürfe auch die Leistungen der älteren Menschen nicht aus der Diskussion herausnehmen. So betonte auch Dr. Claus Dieter Junker vom Sozialverband VdK, dass das von vielen Abgeordneten und Manager gezeichnete Bild der Alten nichts mit der Realität zu tun habe.
Der Gipfel hat zumindest viele Denkanstöße gegeben, die hoffentlich in Parteienpolitik nicht zerredet werden. Die Politik wäre gut beraten, an diesen ersten Kontakt anzuknüpfen, die Erfahrungen der Sozialverbände künftig stärker in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen. Der VdK hatte im Rahmen seiner bundesweiten Aktion gegen Armut einen Armutsbericht des Landes Thüringen gefordert. Der wurde vom damaligen Sozialminister Zeh rigoros abgelehnt.
Wie steht die neue Ministerin dazu? Hält sie ihr Wort, dass der erste Gipfel der Sozialverbände im Landtag nicht die letzte Zusammenkunft dieser Art im Plenarsaal des Landtages bleiben wird und vor allem, dass man deren Standpunkte auch ernst nimmt? Die gemeinsame Erklärung der Teilnehmer des Gipfels könnte ein erster Anfang sein für weiteres Handeln.
Text und Foto: Klaus Henze

