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So, 07:04 Uhr
13.07.2008

Bergbau zwischen Bendeleben und Steinthaleben

Am Freitag jährt sich zum 165. Mal der Tag, an dem eine kurze Bergbauzeit zwischen Bendeleben und Steinthaleben begann. Die wenigsten werden wissen, dass in unserer Region auch mal Braunkohle gefördert wurde...


Am 18. Juli 1843 ertönten in Bendeleben Böllerschüsse und die Musikanten aus diesem Ort spielten zu einem Ereignis auf, das eine Braunkohelenära von zirka 40 Jahren einläutete. Genau an diesem Tag war der Beginn des Abteufens eines Schachtes. „Auf einer Veranstaltung des Baron Otto von Uckermann war an der Landesgrenze nach Thaleben zu nach Braunkohlen gesucht und in der That ein scheinbar ergiebiges Lager entdeckt.“

Der Schacht erhielt den Namen„Constitution“. Unter Anwesenheit der Majorin VON UCKERMANN, der Gebrüder OTTO, ROBERT und GUSTAV VON UCKERMANN, der Gemahlin des Baron ROBERT, aus Dresden, der Ortsvormundschaft und der Lehrer gab es die Einweihungsfeierlichkeiten. Pastor CANNABICH hielt die Einweihungsrede. Aus den umliegenden Ortschaften waren zu der Einweihungsfeier viele Menschen gekommen. Dieser Schacht hatte aber keinen langen Bestand.

Unzureichende Ausrüstungen, um die Wasserzuflüsse zu beherrschen, und Absatzprobleme führten zu einer Einstellung des Braunkohlenabbaus. Erst im Jahre 1853 wurde wieder Braunkohle abgebaut.

Der Rittergutsbesitzer VON KRAUSE in Bendeleben, er war 1852 vom regierenden Fürsten in den Adelsstand erhoben, ließ auf dem sogenannten Mittelberg bei Steinthaleben Schächte teufen. Sie erhielten zu Ehren der Gemahlin den Namen „Luisengrube“. Diese Schächte befanden sich nicht weit von der ehemaligen Grube „Constitition“. Es waren 5 Schächte an der Zahl. Dazu heißt es in der Ortschronik zu Bendeleben: „Als Steiger war während der ersten 2 Jahre seines Bestehens ein gewisser Meyer aus den Mansfeld`schen Schieferwerken thätig, später, von 1855 ab, trat Friedrich Huth von ebendaher als Obersteiger an seine Stelle.

Das neu eröffnete Bergwerk hatte 5 Schächte, welche von sehr gut funktionierenden Maschinen von 5 Pferdekräften bedient und von Wasser freigehalten wurde. Die Aussichten dieses Unternehmens waren ungleich günstiger als beim ersten Versuche. Das Bedürfnis nach Kohle hatte sich während dieser Zeit bedeutend vergrößert, einmal durch mehrere Zuckerfabriken, die in der Nähe entstanden waren, zum anderen durch die beträchtliche Preissteigerung, welche das Brennholz damals erfahren hatte. Die zu Tage geförderten Kohlen fanden um so rascher Absatz, als hinsichtlich ihrer Qualität nicht zu wünschen übrig ließen.“

Braunkohlenabbau in Bendeleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Braunkohlenabbau in Bendeleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Dies wird auch im einzig erhaltenen Dokument aus dem Jahre 1863 belegt. Im „Schichtbuch von der Braunkohlengrube Louise bei Bendeleben“ wird nachgewiesen, dass bei der Bilanz der Ausgaben zu den Einnahmen immer ein Gewinn ausgewiesen wurde, auch wenn er nicht enorm war. Leider war bis zum jetzigen Zeitpunkt aus den Quellen nichts über Grubenrisse, Abbauverfahren und sonstige bergmännische Arbeiten zu erfahren. Anhand des Schichtbuches aus dem Jahre 1863, in dem über die Materialausgaben bilanziert wurde, ist zu schlussfolgern, dass es einen Pfeilerbruchbau gegeben haben muss.

Heute beweist das Übertagegelände dies ebenfalls. Aussagen zu Belegschaft lassen sich ebenfalls aus dem Schichtbuch entnehmen. Es waren im Schnitt 25 Bergleute tätig Verwaltet wurde die Grube von Rittergutsbesitzer VON KRAUSE persönlich. Nach seinem Tode im Oktober 1873 wurde der Grubenbetrieb an den „Commerzienrath Hornung in Frankenhausen“ verpachtet. Der Braunkohlenabbau wurde bis 1878 betrieben. Die Vorräte an Braunkohle waren erschöpft. Steiger HUTH hatte bereits im Jahre 1874 sein Amt niedergelegt. Gefördert wurden in den Jahren pro Monat 1.000 t bis maximal 2.000 t, die täglich mit Fuhrwerken abtransportiert wurden, so dass es einen lebhaften Verkehr im Ort gab.

Der Versuch, durch die Gewerkschaft „Güthershall“ im Jahre 1919 durch Schürfschächte neue Braunkohlenvorkommen zu erschließen, scheiterte an zu geringer Flözmächtigkeit, so dass sich ein Bergbau nicht gelohnt hätte. So war das Ergebnis des Schürfschachtes bei Steinthaleben wie folgt:
0 – 1 m Mutterboden
1 – 4 m grober Sand
4 – 8 m feiner weißer Sand
8 - 8,5 m erdige Braunkohle
8,5 – 12 m weißer Sand
12 – 15 m Schwimmsand (nach FULDA –bergbaulicher Teil, Blatt Frankenhausen –Gradabteilung 56/41)

Braunkohlenabbau in Bendeleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Braunkohlenabbau in Bendeleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)

Heute hat sich auf dem ehemaligen Schachtgelände ein Biotop entwickelt, das zur Heimat von vielen Vogelarten und Amphibien wurde. An der Stelle, an der einst ein Schacht geteuft wurde, ist ein schilfbewachsener Teich zu sehen, in dem viel geangelt wurde, wie der Zeitzeuge WERNER GOTHE aus Bendeleben berichtete. Die anstehenden Sande in diesem Feldesteil wurden späterhin gefördert und fanden in der Bauindustrie Verwendung. In den Sanden kann man noch heute Braunkohlenstücke finden. In diesen Kiesgruben wurde auch im Mai 1979 der erste pleistozäne Säugerrest gefunden. Es handelt sich um Fragmente eines sehr starken Stoßzahnes vom Mammuthus primigenius (Mammut). Die aufgeschlossenen Schotter wurden im Bereich der Ur-Wipper abgelagert. Die Altersstellung der Schotter ist noch nicht bekannt. Das in Frage kommende Alter kann saalezeitlich bis frühweichselzeitlich sein.

(Quelle: Hans-Jürgen Schmidt, „Der Bergbau im Kyffhäuserkreis“ – Eine historische Betrachtung)
Hans-Jürgen Schmidt
Autor: khh

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