So, 07:00 Uhr
22.06.2008
Zur Gewerkschaft Unstrut und Georg
In der Reihe der Schachtgeschichten führt uns heute der Autor Hans-Jürgen Schmidt wieder in den östlichen Teil des Kyffhäuserkreises, bzw. auch schon darüber hinaus...
Zur Gründung und zur Geschichte dieser Schachtanlagen in ersten 30 Jahren ihres Bestehens gibt die Festschrift "50Jahre Consolidierte Alkallwerke VVesteregeln" wie
folgt Auskunft:
"Die Gewerkschaften Georg und Unstrut sind in den Jahren1911 und 1912 als tausendteilige preußische Gewerkschaft gegründet worden. Ihre Kuxe befinden sich im
der Consolidierten Alkallwerke Westeregeln. Ihre Gerechtsame ist in den Jahren 1902, 1904, 1906 und 1907 gemutet und vom Oberbergamt Halle a. d. S. verliehen worden.
Sie liegt in den Gemarkungen Großwangen, Kleinwangen, Reinsdorf, Nebra, Zingst, Vitzenburg, Liederstedt, Forstbezirk Ziegelroda, Wendelstein, Wippach, Altenroda, Birkigt, Wennungen, Memleben, Bucha und in den Kreisen Querfurt und Eckartsberga. Nach der am 24? August 1911 erfolgten Konsolidation der Felder Der Kalte Haase, Viktor, Großwangen, Großwangen II, Bucha V Nebra II, Nebra III, Nebra V, Roßleben III, Besiegter Fuchs, Emil I. Zingst, Liederstedt, Vitzenburg?Reinsdorf, entstand zunächst das Bergwerk "Unstrut" mit einem Flächeninhalt 31 350 823 qm; diese Konsolidation wurde unter dem 23. Dezember 1911 vom Oberbergamt Halle a. d. S. bestätig."
Schacht Georg und Wangen (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt und Rolf Bosmann)
Der Beginn der Abteufarbeiten war gleichzeitig am 12.1.1912. Ende Juli 1914 waren die Abteufarbeiten beendet. Das Hartsalzlager wurde im Schacht Unstrut bei 522 m und beim Schacht Georg bei 513 m erreicht.
Beide Schachtanlagen besaßen außer einer leistungsfähigen Hauptfördermaschine je eine eigene Rohsalzmühle mit zwei kompletten Mahlsystemen, die das Mahlgut in Transportschnecken zunächst nach einem in der Mitte zwischen beiden Schächten errichteten eisernen Verladesilo befördern. Dieser Silo wurde zwecks Aufspeicherung verschiedener Salzsorten in vier Hauptabteilungen geteilt und fasste insgesamt 15 000 dz Rohsalz. Das Silo wurde an eine nach der Hauptverladestation in Kleinwangen führende, von der Firma Heckel, Saarbrücken, erbaute Drahtseilbahn von 1000 dz Stundenleistung angeschlossen. Die Verladeanlage nebst den beiden großen Salzspeichern in Kleinwangen (40000 t) wurde nach Stilllegung der Gewerkschaften Orlas und Nebra auf Grund eines Interessenvertrages von den Gewerkschaften Georg und Unstrut benutzt.
Die Tagesanlagen beider Schächte wurden äußerlich nahezu gleich gestaltet und symmetrisch angeordnet. Das Ensemble aus beiden Schachtanlagen ergab dadurch ein architektonisch außergewöhnlich schönes Bergwerk. Die sehr schönen Fördermaschinengebäude besaßen mehrere Gruppen von vertikal angeordneten Fenstern, ein mit Schindeln gedecktes Walmdach und jeweils ein spitz zulaufendes Türmchen. Das Fördermaschinenhaus vom Schacht Unstrut kann man im Jahr 2008 noch besichtigen.
Die Gewerkschaften Georg und Unstrut waren von 1926 bis 1939 als Reserve? und Bereitschaftswerke vorübergehend stillgelegt. Alle Betriebseinrichtungen über und unter Tage wurden in einem Zustande gehalten, der eine sofortige Aufnahme des Betriebes ermöglicht hätte.
Bedeutung erlangten die Schachtanlagen im Jahre 1939. Nach dem Laugeneinbruch in der Schachtanlage in Roßleben im Jahre 1939 wurde die Förderung wieder auf Schacht "Unstrut" wieder aufgenommen. Schacht "Georg" wurde Material- und Seilfahrtsschacht. Das geförderte Rohsalz wurde zunächst über die die Reichsbahn zur KCL-Fabrik nach Roßleben gefahren. Später erfolgte der Transport über eine 7.5 km lange Seilbahn durch den Ziegelrodaer Forst zur Fabrik in Roßleben.
Im Jahre 1965 wurde die Förderung eingestellt. Der Schacht wurde jetzt als Wetterschacht für die seit 1967 durchschlägigen Grubenfelder Roßleben und Georg/ Unstrut genutzt. Der Schacht Unstrut wurde jetzt ausziehender Schacht und erhielt einen neuen Hauptgrubenlüfter unter Tage. Die ausziehende Wettermenge erhöhte sich in den Folgejahren bis auf rd. 10000 qm/min, was zu Wettergeschwindigkeiten von über 12 m/s führte. Die Abgasanteile der Kfz in den Wettern führten dazu, dass der Schacht einschließlich seiner Einbauten mehr auf einen Steinkohlen?, als auf einen Kalischacht schließen ließ. 1972 entschied sich die Grubenleitung, den Schacht als Seilfahrtsschacht für die mittlerweile im alten Grubenfeld Georg/Unstrut operierende Produktionsabteilung 4 zu nutzen, wodurch sich nicht nur die Wegezeiten der dort Beschäftigten reduzierten, sondern auch die Aufwände für den übertägigen An -und Abtransport der überwiegend dort wohnenden Bergleute geringer wurden.
Die Schächte Georg und Unstrut wurden 1993 bzw. 1994 verwahrt. Die Fördermaschine Unstrut wurde bisher noch nicht demontiert und steht deshalb noch im Fördermaschlnengebäude. Nach 1994 wurden die übrigen Tagesanlagen abgebrochen.
Es ist eine Schande, dass im noch erhaltenen Fördermaschinenhaus randaliert wurde. Vieles wurde zerstört. Die Himmelscheibe hat einen würdigen Platz in der sogenannten Arche Nebra, obwohl in Wangen aufgebaut, gefunden. Das Fördermaschinenhaus wurde allerdings museal nicht genutzt. Vielleicht nehmen die Politiker ihre Verantwortung wahr, wenn in dieser Gegend wieder Bergbau betrieben wird.
Text und Bilder Hans-Jürgen Schmidt und Bilder von Rolf Bosmann
Autor: khhZur Gründung und zur Geschichte dieser Schachtanlagen in ersten 30 Jahren ihres Bestehens gibt die Festschrift "50Jahre Consolidierte Alkallwerke VVesteregeln" wie
folgt Auskunft:
"Die Gewerkschaften Georg und Unstrut sind in den Jahren1911 und 1912 als tausendteilige preußische Gewerkschaft gegründet worden. Ihre Kuxe befinden sich im
der Consolidierten Alkallwerke Westeregeln. Ihre Gerechtsame ist in den Jahren 1902, 1904, 1906 und 1907 gemutet und vom Oberbergamt Halle a. d. S. verliehen worden.
Sie liegt in den Gemarkungen Großwangen, Kleinwangen, Reinsdorf, Nebra, Zingst, Vitzenburg, Liederstedt, Forstbezirk Ziegelroda, Wendelstein, Wippach, Altenroda, Birkigt, Wennungen, Memleben, Bucha und in den Kreisen Querfurt und Eckartsberga. Nach der am 24? August 1911 erfolgten Konsolidation der Felder Der Kalte Haase, Viktor, Großwangen, Großwangen II, Bucha V Nebra II, Nebra III, Nebra V, Roßleben III, Besiegter Fuchs, Emil I. Zingst, Liederstedt, Vitzenburg?Reinsdorf, entstand zunächst das Bergwerk "Unstrut" mit einem Flächeninhalt 31 350 823 qm; diese Konsolidation wurde unter dem 23. Dezember 1911 vom Oberbergamt Halle a. d. S. bestätig."
Schacht Georg und Wangen (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt und Rolf Bosmann)
Der Beginn der Abteufarbeiten war gleichzeitig am 12.1.1912. Ende Juli 1914 waren die Abteufarbeiten beendet. Das Hartsalzlager wurde im Schacht Unstrut bei 522 m und beim Schacht Georg bei 513 m erreicht.Beide Schachtanlagen besaßen außer einer leistungsfähigen Hauptfördermaschine je eine eigene Rohsalzmühle mit zwei kompletten Mahlsystemen, die das Mahlgut in Transportschnecken zunächst nach einem in der Mitte zwischen beiden Schächten errichteten eisernen Verladesilo befördern. Dieser Silo wurde zwecks Aufspeicherung verschiedener Salzsorten in vier Hauptabteilungen geteilt und fasste insgesamt 15 000 dz Rohsalz. Das Silo wurde an eine nach der Hauptverladestation in Kleinwangen führende, von der Firma Heckel, Saarbrücken, erbaute Drahtseilbahn von 1000 dz Stundenleistung angeschlossen. Die Verladeanlage nebst den beiden großen Salzspeichern in Kleinwangen (40000 t) wurde nach Stilllegung der Gewerkschaften Orlas und Nebra auf Grund eines Interessenvertrages von den Gewerkschaften Georg und Unstrut benutzt.
Die Tagesanlagen beider Schächte wurden äußerlich nahezu gleich gestaltet und symmetrisch angeordnet. Das Ensemble aus beiden Schachtanlagen ergab dadurch ein architektonisch außergewöhnlich schönes Bergwerk. Die sehr schönen Fördermaschinengebäude besaßen mehrere Gruppen von vertikal angeordneten Fenstern, ein mit Schindeln gedecktes Walmdach und jeweils ein spitz zulaufendes Türmchen. Das Fördermaschinenhaus vom Schacht Unstrut kann man im Jahr 2008 noch besichtigen.
Die Gewerkschaften Georg und Unstrut waren von 1926 bis 1939 als Reserve? und Bereitschaftswerke vorübergehend stillgelegt. Alle Betriebseinrichtungen über und unter Tage wurden in einem Zustande gehalten, der eine sofortige Aufnahme des Betriebes ermöglicht hätte.
Bedeutung erlangten die Schachtanlagen im Jahre 1939. Nach dem Laugeneinbruch in der Schachtanlage in Roßleben im Jahre 1939 wurde die Förderung wieder auf Schacht "Unstrut" wieder aufgenommen. Schacht "Georg" wurde Material- und Seilfahrtsschacht. Das geförderte Rohsalz wurde zunächst über die die Reichsbahn zur KCL-Fabrik nach Roßleben gefahren. Später erfolgte der Transport über eine 7.5 km lange Seilbahn durch den Ziegelrodaer Forst zur Fabrik in Roßleben.
Im Jahre 1965 wurde die Förderung eingestellt. Der Schacht wurde jetzt als Wetterschacht für die seit 1967 durchschlägigen Grubenfelder Roßleben und Georg/ Unstrut genutzt. Der Schacht Unstrut wurde jetzt ausziehender Schacht und erhielt einen neuen Hauptgrubenlüfter unter Tage. Die ausziehende Wettermenge erhöhte sich in den Folgejahren bis auf rd. 10000 qm/min, was zu Wettergeschwindigkeiten von über 12 m/s führte. Die Abgasanteile der Kfz in den Wettern führten dazu, dass der Schacht einschließlich seiner Einbauten mehr auf einen Steinkohlen?, als auf einen Kalischacht schließen ließ. 1972 entschied sich die Grubenleitung, den Schacht als Seilfahrtsschacht für die mittlerweile im alten Grubenfeld Georg/Unstrut operierende Produktionsabteilung 4 zu nutzen, wodurch sich nicht nur die Wegezeiten der dort Beschäftigten reduzierten, sondern auch die Aufwände für den übertägigen An -und Abtransport der überwiegend dort wohnenden Bergleute geringer wurden.
Die Schächte Georg und Unstrut wurden 1993 bzw. 1994 verwahrt. Die Fördermaschine Unstrut wurde bisher noch nicht demontiert und steht deshalb noch im Fördermaschlnengebäude. Nach 1994 wurden die übrigen Tagesanlagen abgebrochen.
Es ist eine Schande, dass im noch erhaltenen Fördermaschinenhaus randaliert wurde. Vieles wurde zerstört. Die Himmelscheibe hat einen würdigen Platz in der sogenannten Arche Nebra, obwohl in Wangen aufgebaut, gefunden. Das Fördermaschinenhaus wurde allerdings museal nicht genutzt. Vielleicht nehmen die Politiker ihre Verantwortung wahr, wenn in dieser Gegend wieder Bergbau betrieben wird.
Text und Bilder Hans-Jürgen Schmidt und Bilder von Rolf Bosmann
















