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So, 07:06 Uhr
06.07.2008

Gewerkschaft „Burggraf“ / „Bernsdorf“

In unserer Reihe Schachtgeschichten kommen wir heute ur Gewerkschaft „Burggraf“ / „Bernsdorf“ bei Krahwinkel. Wieder interessant, was Hans-Jürgen Schmidt aus der Bergbaugeschichte holt...

Beide Gewerkschaften wurden am 31.8.1910 gegründet. Die Gerechtsame der Gewerkschaft „Burgraf“ erstreckte sich unter den Gemarkungen von Kahlwinkel, Billroda, Lossa, Zeisdorf, Allerstedt und Bucha. Die Gerechtsame der Gewerkschaft „Bernsdorf“ lag unter dem Gemeindeland von Bernsdorf, Kahlwinkel, Billroda, Tauhardt Wohlmirstedt, Bucha, Saubach, Steinburg, Wallroda, Kalbitz bis Borgau. Beim Abteufen gab es zunächst Schwierigkeiten mit Wasserzuflüssen, so dass der Schachtansatzpunkt mehrmals verlegt wurde. Endgültig lagen die beiden Schachtanlagen nur 75 m von einander entfernt. Die Teufarbeiten bei beiden Schachtanlagen begannen am 5.5.1911. Der Schachrt „Burgraf“ hatte eine Endteufe von 599 m, der Schacht „Bernsdorf“ eine Endteufe von 595,5 m. Als erstes wurde ein Verbindungstrecke zwischen den beiden Schachtanlagen aufgefahren. Im August 1913 waren die Schachtanlagen betriebsbereit. Aus diesem Grund wurde am 7.und 8. 9.1913 in Krahlwinkel ein großes Salzfest gefeiert und gleichzeitig der Bergmannsverein gegründet.
Gewerkschaft Burggraf (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Gewerkschaft Burggraf (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)

Über Tage wurde während der Abteufarbeiten ein Kesselhaus, die Fördermaschinengebäude, ein Elektrozentrale, ein Kaue, Bürogebäude, ein Gebäude für den Grubenlüfter und mehrere Wohnhäuser gebaut. Der Schacht „Burgraf“ wurde der Förderschacht und der Schacht „Bernsdorf“ der Seilfahrts- und Materialschacht.

„In der Gewinnung kamen zunächst Preßluft-, später dann elektrische Drehbohrmaschinen zum Einsatz. Die Streckenförderung wurde mit Förderwagen durchgeführt, die im schachtnahen Bereich und im Abbau von Hand, über größere Entfernungen von Pferden bewegt wurden. Diese blieben nicht in der Grube, sondern wurden nach der Schicht mit nach Übertage genommen. Das Aufschieben und Abziehen der Wagen am Förderkorb geschah von Hand. Mechanische Fördereinrichtungen gab es nicht. Das geförderte Rohsalz wurde ungebrochen aus den Grubenwagen in Muldenkipploren umgeladen und mit einer Feldbahn zur Fabrik Rastenberg transportiert und dort verarbeitet. Die Tagesförderung lag bei ca. 125 Tonnen. Die geförderte Gesamtmenge an Kalisalz dürfte nach vorliegender Hohlraumbilanz von insgesamt 322.800 qm ca. 660.000 teff betragen haben. Im Februar 1921 wurde der Betrieb eingestellt, wobei 180 Arbeiter entlassen wurden. Die Schächte wurden mit einer Betondecke gesichert, die technischen Anlagen über Tage demontiert und zu anderen Werken umgesetzt. Die Gebäude blieben im wesentlichen stehen.“ (Quelle: Autorenkolektiv , „Kalibergbau an Unstrut und Finne“, Seite 39).

Im Jahre 1938 übernahm die Deutsche Wehrmacht die Schachtanlagen.

„IM AUGUST 1944 WURDEN DIE GUSTLOFF?WERKE 11 IN WEIMAR?BUCHENWALD DURCH ALLIIERTE BOMBER ZERSTÖRT. ZUR FORTFÜHRUNG DER RUSTUNGSPRODUKTION SOLLTE DAS WERK IN DIE SALZ?SCHÄCHTE BEI BILLRODA VERLAGERT WERDEN. DIE SCHÄCHTE "BURGGRAF" UND "BERNSDORF" WURDEN 1911 ZUR SALZGEWINNUNG GETÄUFT, ABER SCHON 1922 WIEDER STILLGELEGT. WÄHREND DER ZEIT DES NATIONALSOZIALISMUS WURDE IN DEN SCHÄCHTEN EIN LAGER DES HEERESZEUGAMTES EINGERICHTET. SEIT OKTOBER 1944 MUSSTEN HÄFTLINGE DES KZ BUCHENWALD IM SS- SONDERKOMMANDO BILLRODA, EINEM VON 190 AUSSENLAGERN DES KZ BUCHENWALD, ZWANGSARBEIT VERRICHTEN. SIE MUSSTEN DIE SCHÄCHTE IN 560 METER TIEFE AUSBAUEN, FUNDAMENTE FÜR DIE MASCHINEN HERSTELLEN, VOM BAHNHOF BILLRODA ZU DEN SCHACHTEN GLEISE VERLEGEN. UNTERGEBRACHT WAREN SIE IN EINER SCHEUNE UND EINEM GASTHOF IN KAHLWINKEL, IM KINO IN BILLRODA, IN EINEM BARACKENLAGER AM SCHACHT UND IN EINEM ENDE 1944 ERRICHTETEN BARACKENLAGER AM ORTSRAND VON KAHLWINKEL. ÜBER 500 HÄFTLINGE AUS 10 LÄNDERN EUROPAS ARBEITETEN IM SCHACHT. AUF GRUND DER SCHWEREN LEBENSBEDINGUNGEN WAREN AUCH TODESOPFER ZU BEKLAGEN, AM 8.APRiL1945 WURDEN DIE LAGER GERÄUMT UND DIE HÄFTLINGE IM FUSSMARSCH IN DAS KZ BUCHENWALD ZURÜCKGEFÜHRT. DIE IN BILLRODA UND KAHLWINKEL VERBLIEBENEN HÄFTLINGE WURDEN VON AMERIKANISCHEN SOLDATEN BEFREIT.“ (Der Text wurde von der Interessengruppe „Schacht Burgraf“ in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Buchwald und der Gemeinde Billroda erarbeitet)

Um 1970 wurde auf den Schachtanlagen ein Untergrundspeicher eingerichtet. Die Gruben wurden leergepumpt. Über eine Rohrleitung wurde die Lauge zur Schachtanlage Georg/Unstrut gefördert und im Grubenfeld Roßleben gestapelt. Der Schachtbau Nordhausen versah die Schächte mit einem Propfen und baute die notwendigen technischen Anlagen ein.
Heute befindet sich in den Schächten der Untergrundspeicher Bernsdorf. Ein Erdgaslager der Verbundnetz Gas AG Leipzig.

Text und Bilder: Archiv Hans-Jürgen Schmidt

Bilder:
- Gewerkschaft Bernsdorf – Aufbau
- Lageplan Gewerkschaft Burggraf – Bernsdorf
- Schacht Burggraf, Bernsdorf
- Gedenkstein bei Krahwinkel
- Inschrift auf Gedenkstein
Gewerkschaft Burggraf (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Gewerkschaft Burggraf (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Gewerkschaft Burggraf (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Gewerkschaft Burggraf (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Gewerkschaft Burggraf (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Autor: khh

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