Fr, 22:47 Uhr
24.10.2008
Capulet vs. Montague
Ein Klassiker der Weltliteratur hatte heute Abend im Nordhäuser Stadttheater Premiere. Und der ist auch ein Klassiker der Ballettgeschichte. Der große Sergej Prokofjew hatte sich seinerzeit der wohl bekanntesten (und tragischsten) Liebesgeschichte überhaupt angenommen. Zwei Vertreter der Häuser Capulet und Montague prallten da aufeinander. Wie es ausging weiß Olaf Schulze.
Normalerweise geht es mir beim Ballett so wie Woody Allen bei einer Pantomimeaufführung, von der er einmal schrieb: Der Mime machte sich jetzt daran eine Picknickdecke auszubreiten, und sofort ging’s wieder mit meiner alten Verwirrung los. Entweder breitete er eine Picknickdecke aus oder er melkte eine kleine Ziege. Darauf zog er sich umständlich seine Schuhe aus, wenn man davon absieht, dass ich absolut nicht sicher bin, ob es seine Schuhe waren, weil er einen trank und den anderen mit der Post nach Pittsburgh schickte. Ich sage Pittsburgh, aber in Wirklichkeit ist es schwer, den Begriff Pittsburgh zu mimen, und wenn ich es mir recht überlege, glaube ich jetzt, dass das, was er mimte ganz und gar nicht Pittsburgh war, sondern ein Mann, der mit seiner Golfkarre durch eine Drehtür fahren wollte - oder möglicherweise zwei, die ein Druckpresse auseinander nahmen..
Vielleicht wäre Mr. Allen seine Komplexe in der heute Abend erstmalig in Nordhausen aufgeführten Inszenierung des Prokofjewschen Balletts Romeo und Julia losgeworden. Choreograph Steffen Fuchs gelang es im verblüffend einfachen und praktikablen Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning eine klar strukturierte und leicht nachvollziehbare Geschichte zu erzählen. Er benutzte dabei die Ausdrucksformen des modernen Tanztheaters und so wurde dem Premierenpublikum von Capoeira-Einlagen bis inniglich-anschmiegsamen Duetten alles geboten.
Die tragische Geschichte nach Shakespeares großem Klassiker (der hatte die Story vorher aus einer italienischen Renaissance-Novelle geklaut) ist ja hinlänglich bekannt. Ein junges Paar, dass gegen die Widrigkeiten der gesellschaftlichen Zwänge und den unerbittlichen gegenseitigen Hass ihrer Familien in Liebe entbrennt, begeht schlussendlich einen Doppelselbstmord, weil die Liebenden vergaßen, sich richtig abzusprechen und sie dann so gut die Tote mimt, dass er sich vor Verzweiflung selbst entleibt, was ihr wiederum nun wirklich das Herz bricht.
Im Nordhäuser Theater sind es Kathrin Weiss als bezaubernde Julia und Pál Szepesi als wild entschlossener Romeo, die ein leidenschaftliches und dynamisches Ensemble anführen, aus dem noch Aleksandra Wojcik als Lady Capulet und die beiden am Ende ebenfalls hingemeuchelten Kampfhähne Arkadiusz Glebocki (Mercutio)und András Virág (Tybalt) herausragen.
Das Premierenpublikum dankte den Tänzern, Vorständen, Musikern des Loh-Orchesters und dessen heutigem Kapellmeister Generalmusikdirektor Markus L. Frank mit lange anhaltendem begeisterten Applaus. Völlig zu Recht, wie ich meine und das nicht nur, weil ich die Handlung verstanden habe.
Olaf Schulze
Alle Fotos: T. Graner
Autor: nnzNormalerweise geht es mir beim Ballett so wie Woody Allen bei einer Pantomimeaufführung, von der er einmal schrieb: Der Mime machte sich jetzt daran eine Picknickdecke auszubreiten, und sofort ging’s wieder mit meiner alten Verwirrung los. Entweder breitete er eine Picknickdecke aus oder er melkte eine kleine Ziege. Darauf zog er sich umständlich seine Schuhe aus, wenn man davon absieht, dass ich absolut nicht sicher bin, ob es seine Schuhe waren, weil er einen trank und den anderen mit der Post nach Pittsburgh schickte. Ich sage Pittsburgh, aber in Wirklichkeit ist es schwer, den Begriff Pittsburgh zu mimen, und wenn ich es mir recht überlege, glaube ich jetzt, dass das, was er mimte ganz und gar nicht Pittsburgh war, sondern ein Mann, der mit seiner Golfkarre durch eine Drehtür fahren wollte - oder möglicherweise zwei, die ein Druckpresse auseinander nahmen..
Vielleicht wäre Mr. Allen seine Komplexe in der heute Abend erstmalig in Nordhausen aufgeführten Inszenierung des Prokofjewschen Balletts Romeo und Julia losgeworden. Choreograph Steffen Fuchs gelang es im verblüffend einfachen und praktikablen Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning eine klar strukturierte und leicht nachvollziehbare Geschichte zu erzählen. Er benutzte dabei die Ausdrucksformen des modernen Tanztheaters und so wurde dem Premierenpublikum von Capoeira-Einlagen bis inniglich-anschmiegsamen Duetten alles geboten.
Die tragische Geschichte nach Shakespeares großem Klassiker (der hatte die Story vorher aus einer italienischen Renaissance-Novelle geklaut) ist ja hinlänglich bekannt. Ein junges Paar, dass gegen die Widrigkeiten der gesellschaftlichen Zwänge und den unerbittlichen gegenseitigen Hass ihrer Familien in Liebe entbrennt, begeht schlussendlich einen Doppelselbstmord, weil die Liebenden vergaßen, sich richtig abzusprechen und sie dann so gut die Tote mimt, dass er sich vor Verzweiflung selbst entleibt, was ihr wiederum nun wirklich das Herz bricht.
Im Nordhäuser Theater sind es Kathrin Weiss als bezaubernde Julia und Pál Szepesi als wild entschlossener Romeo, die ein leidenschaftliches und dynamisches Ensemble anführen, aus dem noch Aleksandra Wojcik als Lady Capulet und die beiden am Ende ebenfalls hingemeuchelten Kampfhähne Arkadiusz Glebocki (Mercutio)und András Virág (Tybalt) herausragen.
Das Premierenpublikum dankte den Tänzern, Vorständen, Musikern des Loh-Orchesters und dessen heutigem Kapellmeister Generalmusikdirektor Markus L. Frank mit lange anhaltendem begeisterten Applaus. Völlig zu Recht, wie ich meine und das nicht nur, weil ich die Handlung verstanden habe.
Olaf Schulze
Alle Fotos: T. Graner














