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Mi, 15:41 Uhr
10.12.2008

Ausstellung eröffnet

Eine neue Ausstellung mit Arbeiten der Nordhäuser Künstlerin Erika Schirmer zeigt die Galerie der Kreissparkasse. Zu jeder ordentlichen Ausstellungseröffnung gibt es auch eine Laudatio.


ksk (Foto: ksk)

Sehr geehrte Frau Schirmer,
werte Gäste,

ich begrüße sie recht herzlich im Namen des Vorstandes der Kreissparkasse Nordhausen hier in unserer Galerie.

Ich denke, das Engagement unseres Hauses für Kunst und Kultur ist allen hier Anwesenden hinlänglich bekannt. Ich möchte aber kurz einmal zurückblicken und einen Ausblick für den Bereich der Ausstellungen geben. Hier in unserer Galerie hatten wir in diesem Jahr Ausstellungen von Frau Karin Kisker, Herrn Jumtow, Herrn Niemeyer, Frau Ihmann und zuletzt Herrn Allf zu Gast. Kontrovers wurde die Kunstdarbietung von Herrn Riebel diskutiert.

Im Jahr 2009 haben wir wieder zahlreiche Highlights hier zu bieten, allen voran die Ausstellungen von Herrn Mackensen und Herrn Scharr sowie von Herrn Figulla, Herrn Schirmer oder Herrn Sonntag.

Nun aber zur heutigen Ausstellerin, Frau Erika Schirmer. Eigentlich braucht man Frau Schirmer in Nordhausen für Nordhäuser kaum vorzustellen. Ich habe trotz allem einige Details zusammengetragen, um ihr Wirken und ihre Arbeiten zu würdigen:

Erika Schirmer, wurde im Jahr 1926 in Schlesisch-Nettkow, Kreis Grünberg/Schlesien geboren.


Nach der Ausbildung zur Kindergärtnerin kam sie mit 19 Jahren nach Thüringen und übernahm Ende der 40’er Jahre den Kindergarten in Nordhausen Salza. Durch ihren Mann entdeckte sie ihre Begeisterung zur Lehrertätigkeit und nahm darauf hin das Lehrerstudium auf. Nach dem Examen arbeitete sie dann in der Grundschule in Salza.

Frau Schirmer erarbeitete in ihrer Lehrerzeit drei Pädagogische Lesungen:
1. Bildfolgen zur Ausdrucksschulung im Deutschunterricht
2. Differenzierte Anleitungen zur Leistungsförderung
3. Lieder und Spiele für sprachgehemmte Kinder

Seit 1972 war sie Pädagogin für behinderte Kinder und Jugendliche.

Schon früh begann Erika Schirmer kleine Gedichte und Geschichten zu schreiben. 1948 wurde ihr erstes Kinderlied „Der Winter ist gekommen..." veröffentlicht.

Angeregt von Picassos Friedenstaube entstand im Jahr 1948 ihr weltweit bekanntes Lied „Kleine weiße Friedenstaube". Zudem schrieb Erika Schirmer viele weitere Kinderlieder, die in pädagogischen Zeitschriften und Musikbüchern veröffentlicht wurden.

Eine weitere Leidenschaft von Frau Erika Schirmer sind die Scherenschnitte. An dieser Stelle möchte ich Ihnen auf Bitte von Frau Schirmer einen kleinen Hintergrund zu dieser Kunstform darlegen:

Die Kunst des Scherenschnitts ist sehr alt. Die erste schriftliche Erwähnung führt in das alte China, wo Papierschnitte als Wand- und Geschenkschmuck sowie als Bestattungsgabe Verwendung fanden.

Im 16. Jh. tauchten die ersten Belege von Scherenschnitten in der Türkei auf. Doch erst um 1750 sind sie im alten Europa zu finden.

Silhouetten, meist Porträts, kamen im 18. Jh. vor allem in Frankreich in Mode. Das lag daran, dass Schwarz – Weiß – Schnitte preiswerter waren als die teuren Porträtminiaturen.

In Deutschland wurde der Scherenschnitt u.a. besonders im Kreis von Johann Wolfgang v. Goethe gepflegt. Dort erfreuten sich Silhouetten–Schnitte großer Beliebtheit:

Erst im 19. Jh. wurden mit dieser Technik Tiere, Pflanzen und dem Leben nachempfundene Szenen dargestellt.

Allen Arten des Scherenschnitts ist die Fertigung aus einem einzigen Blatt Papier gemeinsam. Er verlangt außerordentliches Gefühl für Relation und Detail. Die Schwarz–Weiß–Kunst reduziert die Darstellung auf das Wesentliche - ihr stehen keine Farbabstufungen zur Verfügung. Der Blick des Betrachters kann sich völlig in das eindeutige Thema vertiefen. Eine besonders in der heutigen Zeit andere Art der Wahrnehmung, wo überall bunte Bilder den Alltag überfluten.

Der schlichte Schwarz – Weiß – Schnitt überlässt es dem Betrachter, in seiner Fantasie die buntesten Farben blühen zu lassen.

Die Anfertigung eines Scherenschnitts ist eine aussterbende Art der künstlerischen Gestaltung.

In mehr als 800 Arbeiten hat Erika Schirmer literarische Vorwürfe von Eduard Mörike, Joseph v. Eichendorff, Ludwig Bechstein, Hans Sachs, Holbein, Spitzweg, Theodor Storm, Cervantes Saavedra und anderen Dichtern in bildhafte Darstellungen umgewandelt.

Für ihr Schaffen wurden Frau Schirmer mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt: Zu den Ostdeutschen Kulturtagen 1998 erhielt sie den Kunstpreis des Landesverbandes aus den Händen der damaligen Bundesministerin Claudia Nolte für den Gedichtband „Heimat, die ich meine.." und für ihre Scherenschnitte „Schlesische Kostbarkeiten".

2004 erhielt sie zum zweiten Mal den Kunstpreis für ihre Werke. Die Vielseitigkeit ihres künstlerischen Schaffens beweist sie in Lyrik und Prosa, mit ihren wundervollen Scherenschnitten, mit Liedtexten und Kompositionen. Zahlreiche Arbeiten wurden durch renommierte Verlage publiziert oder sind in vielen Ausstellungen zu sehen. So zum Beispiel bereits mehrfach in Nordhausen, auch bei der Sparkasse, in Ostrow Polen, in Weimar, Gera, Quedlinburg, Mühlhausen, Bad Oeynhausen, Duderstadt, Herzberg, Rudolstadt, Sondershausen u.a.

1996 wurde Erika Schirmer vom Bundesministerium des Innern unter Leitung von Prof. Dr. Rita Süssmuth für „Vorbildliche Integration von Aussiedlern in der BRD" ausgezeichnet.

Weiterhin wurde Frau Schirmer beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Horst Köhler im Schloss Bellvue für ihr großes ehrenamtliches Engagement geehrt.

Wichtig sind ist für Erika Schirmer ihre Familie, die Natur, Bücher und gute Freunde. Und was wünscht sie sich: Die Menschen sollten achtsamer und rücksichtsvoller miteinander umgehen. Vernunft und Humanismus möge das Weltgeschehen zum Wohle aller Menschen leiten.

Ich glaube, diese Wünsche passen auch hervorragend in die Weihnachtszeit und dem ist kaum mehr etwas hinzuzufügen. Ich wünsche Frau Schimer und ihrer Ausstellung zahlreiche interessierte Besucher.

Ihnen allen, meine sehr verehrten Damen und Herren, wünsche ich zudem ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2009.

Sebastian Gräser

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