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Di, 12:54 Uhr
10.02.2009

Die Raffer aus dem Bundestag

Sie wollen die Selbstbedienungsmentalität rechtlich verbriefen. Bei ihrer Raffgier ist einigen Bundestagsabgeordneten jedes Mittel und jede Begründung gerade recht. Ein Polit-Magazin hat recherchiert...


Union, SPD und FDP sollen sich in der Rechtsstellungskommission des Bundestags für eine Lockerung der Spendenregeln für Bundestagsabgeordnete ausgesprochen haben. Laut Teilnehmern soll ein Entwurf der Bundestagsverwaltung, der dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ exklusiv vorliegt, in dem Gremium auf breite Zustimmung gestoßen sein.

Darin heißt es: „Geldwerte Zuwendungen für Reisen in Ausübung des Mandats gelten nicht als Spenden.“ Somit könnten Abgeordnete künftig Zuwendungen – auch von Unternehmen in Staatshand - in unbegrenzter Höhe annehmen, ohne dass dies veröffentlicht werden müsste. Auch „Zuwendungen zur Teilnahme an Veranstaltungen zur politischen Information“ oder „als Repräsentanten des Deutschen Bundestags“ sollen nach dem Entwurf künftig nicht mehr als Spenden gelten.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen, begründet die vorgeschlagene Änderung damit, dass es Abgeordneten seit einigen Jahren verboten sei, kostenlose Parktickets an Flughäfen anzunehmen. Mit der vorgeschlagenen Formulierung solle das wieder erlaubt werden. Wörtlich sagte van Essen: „Diese Möglichkeit ist auch noch von niemanden bisher in Frage gestellt worden. Das ist nichts neues, sondern eine rechtliche Absicherung dessen, was seit Bestehen des Bundestags immer gewährt worden ist.“

Der Staatsrechtler Professor Hans Herbert von Arnim erklärte dazu gegenüber REPORT MAINZ: „Das läuft darauf hinaus, dass man Abgeordneten unbeschränkt viel Geld oder Geldwertes zuwenden darf, man muss es nur als Erstattung für Reise- oder Informationskosten etikettieren. Selbst Korruption, die eigentlich verboten ist, wird hier durch Außerkrafttreten dieser Vorschrift erlaubt.“ Der Staatsrechtler Professor Ulrich Battis von der Humboldt-Universität kritisierte ebenfalls den Entwurf gegenüber dem ARD-Politikmagazin: „Dann könnte man auch sagen, wenn ein Bundestagsabgeordneter drei Monate eine Kreuzfahrt machte, und dann auf dieser Kreuzfahrt einmal in der Woche die Politik des Bundestags erklärt, dann fiele das auch unter diese Vorschrift. Das ist viel zu vage und es kommt auch hinzu, dass die Transparenz nicht wirklich gewahrt ist.“

Dass keine Obergrenzen in der Regelung, etwa bei Einladungen, vorgesehen ist, begründet van Essen folgendermaßen: „Weil man ja die Preise, zu denen das Getränk oder das Häppchen eingekauft worden ist, das bei der Gelegenheit gereicht wird, nicht kennt und auch gar nicht prüfen kann.“

Der Kommission gehören unter anderen auch die Abgeordneten Norbert Röttgen von der CDU, Thomas Oppermann von der SPD und Wolfgang Götzer von der CSU an. Sie waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der der Kommission als Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion angehört, sagte dazu gegenüber REPORT MAINZ: „Wir als Grüne haben gesagt, wir wollen da keine Änderung vornehmen und die vorgelegten Formulierungen überzeugen uns auch nicht von einer anderen Position. [...] Wir waren damit in der Kommission ziemlich einsam.
Autor: nnz/kn

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Kommentare
H.Buntfuß
10.02.2009, 18:07 Uhr
Raffen, wie lange noch?
Man glaubt es kaum genau die Parteien die den Volk Mitnahmementalität vorwerfen, bekommen den Hals nicht voll genug. Dabei tun sie noch so als ob sie die Zuwendungen nur im Interesse des Volkes annehmen.

Was ich von diesen Vorstoß, bei dem die SPD wieder einmal mit im Boot ist halte, möchte ich hier lieber nicht erläutern. Es wäre schön, wenn mir ein Genosse der SPD diese „Philosophie“ erläutern würde. Die anderen beteiligten Parteien muss man nicht erst fragen.
Heike
11.02.2009, 13:24 Uhr
Moral und Anstand
So langsam wird es wohl Zeit, dass wir gerade im Bereich der Politik mehr und intensiver über Moral und Anstand diskutieren. Wie kann es sein, dass gerade in Zeiten der Krise einige Politiker durch eine veränderte Gesetzeslage versuchen ihre Taschen noch mehr zu füllen?

Auch die Art und Weise, wie im Moment mit unserem Ministerpräsidenten umgegangen wird, fällt in diese Kategorie. Mir als Sympathisantin der Linkspartei gefällt weder die CDU Politik im Allgemeinen, noch das politische Agieren des Herrn Althaus im Besonderen, aber was die Partei mit dem "c" im Namen hier bietet ist unter den gegebenen Umständen völlig inakzeptabel. Wie kann es sein, dass am Tage der Beerdigung seines Vaters die Frage nach der politischen Zukunft des Herrn Althaus von eigenen Parteikollegen aufgeworfen wird?

In solchen Fällen bin ich froh, dass es Presse und kritische Politmagazine gibt, die derartiges Fehlverhalten öffentlich machen.
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