eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
So, 10:12 Uhr
15.03.2009

Ab das so klappen wird?

Im Hauptausschuss der Stadt Sondershausen wurde auch erstmals das schon mit einem Preis versehene Projekt des Cafes Pille vorgestellt. Es ist ein interessantes Konzept mit allerdings noch vielen „aber“ ...

Im Februar verlieh Thüringens Bauminister Gerold Wucherpfennig (CDU) Preise an fünf Thüringer Städte für innovative Projektideen. Unter dem Thema „Genial zentral“ konnte Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) immerhin schon mal einen Scheck in Höhe von wohl 6.000 Euro verbuchen, der aber noch nicht da ist. Lange wird das Geld aber nicht reichen. Ist aber auch nicht notwendig, denn die Stadt wird das Projekt nicht selbst durchführen und sucht noch nach einem geeigneten Betreiber. Und auch in anderer Hinsicht wird Kreyer sicht nicht unrecht haben wenn er prophezeite, nur weil wir einen Preis gewonnen haben, fließen noch lange nicht die Fördergelder. Und die werden reichlich notwendig sein, um die ersten Vorstellungen zu realisieren.

Cafe Pille (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Cafe Pille (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Das Projekt des Cafes Pille (früher hieß es mal Cafe Schwarzburg) lief übrigens unter dem Projektnamen Quartier mit Herz. Das Projekt stellte Christoph Hanske (Sanierungsbüro) jetzt im Hauptausschuss vor und erinnerte dabei nochmals an die Geschichte des Cafes, dass schon 1837 begann. Erst mit dem Kauf von Alfred Pille (1912) begann die Ära des Cafes Pille. Besonders mit der Umgestaltung 1929 im Art deco Stil nahm das Cafe die Form an, wie es ältere Einwohner noch kannten, bis der Cafebetrieb im Jahre 2006 endgültig eingestellt wurde. Da traten auch schon erhebliche Schäden am Gebäude ein und im Keller stand das Wasser über einen halben Meter hoch. 1991 fand allerdings die erste Denkmalsausweisung stand.

Interessant an der ganzen Sache ist, dass zwar schon ein Preis gewonnen wurde, aber noch nicht mal die Projektdurchführung genau feststeht. Es gibt nämlich zwei Konzepte mit möglichen unterschiedlichen Betreibern.

Für das erste Konzept ist sogar schon ein Betreiber im Gespräch, das Jugendzentralwerk Nordhausen. Nach diesem Konzept soll das Cafe Pille eine komplexe Wohn- und Arbeitsstätte für rüstige Rentner (später korrigiert auf aktive Rentner) werden. Es sollen also Wohnen und Betreiben des Cafes verbunden werden. Auch eine Bewirtschaftung der Hauptstraße ist angedacht. Es soll aber nicht vordergründig ein Cafehaus sein, sondern mehr eine Begegnungsstätte. Das Cafehaus soll dabei eine Größe von ca. 200 m2 und die altersgerechte Wohnfläche ca. 600 m2 betragen (12 unterschiedlich große Wohneinheiten). Selbst an einen Sandkasten im Innenhof wurde gedacht.

Klingt erst mal recht interessant, aber der Teufel steckt mit Sicherheit im Detail. Unklar ist noch die Betreiberform der Wohnungen. Es fiel das Wort von einer Art Genossenschaft. Was aber wenn die Leute, die dann später mal eingezogen sind älter werden. Sicher gibt es rüstige und aktive Rentner mit 65 bis 70 Jahren. Auch wenn Christoph Hanske das Problem selbst erkannt hat, ist es doch etwas bizarr, dass Problem mit den Worten zu beschreiben, die Projektidee muss noch verfeinert werden. Es sollte eigentlich schon im Vorfeld so eines Projektes recht klare Vorstellungen geben, was mit den dann nicht mehr rüstigen Rentnern geschehen soll, bevor man so einen Ballon wirklich startet. Es ist natürlich einfacher so ein Projekt erst mal zu planen und zu realisieren und hinterher wird man schon sehen, wie man die alten Leute wieder los wird. Hier sollte die Stadt bald klare Prämissen setzen.

Das zweite Konzept, was nicht so von den Planern favorisiert wird, ist eine Variante mit Wohnen und Ausbildung mit dem Ziel behinderte Menschen wieder ins Berufsleben einzuführen. Hier soll es wohl schon lose Gespräche mit dem Berufsbildungswerk gegeben haben.

In einer Sache ist man sich allerdings klar. Man will das Projekt so gestalten, das eine maximale Förderung erreicht wird. Das wird auch notwendig sein, denn die Kosten werden nach erster Schätzung in der Höhe von ca. 2 Millionen Euro liegen, nur errechnet aus den Durchschnittskosten des umbauten Raumes. Durch Fördermittel will die Stadt den Anteil auf 25 % senken und hofft durch die Einbeziehung der Denkmalspflege den Wert gar auf 5 % senken zu können. Und wo liegt die große Gefahr des Projektes? Wenn die Bewohner in den Wohnungen sitzen und das Cafe nicht mehr betreiben können, könnte es vielleicht doch mal zu einer Privatisierung des Cafes kommen, mit dem Bumerang, dass sämtliche Fördermittel eventuell zurückgezahlt werden müssen. Im Volksmund nennt man so eine Gefahr, sich schon jetzt ein Kuckucksei ins Nest zu legen.

So wie Christoph Hanske den Stand beschrieb, soll die derzeitige Grobplanung nur die Grundlage bilden überhaupt Partner für das Projekt zu finden. Verbindliche Gespräche habe es noch nicht gegeben. Bleibt abschließend erst mal festzustellen, dass das Projekt sicher nicht ohne Reiz ist, aber noch einige „wenn und aber“ enthält, bis hin zu sozialen „Sprengstoff“, wenn vielleicht Experten mal in vielen Jahren zur Meinung kommen, wir werden die alten Leutchen schon noch rausbekommen. Es wäre nicht das erste mal in der Welt, dass man alte Leute vor die Tür setzt, nur um ein Projekt zu retten. Da kann man nur jetzt schon sagen, wehret den Anfängen!

Autor: khh

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)