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Do, 07:04 Uhr
30.04.2009

Kyffhäuserbahn-Ist Frankenhausen allein?

Der Deutsche Bahnkundenverband und die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE) hatten am Dienstag, gemeinsam mit dem Bürgermeister von Bad Frankenhausen, Matthias Strejc zu einer Regionalkonferenz nach Bad Frankenhausen geladen. Thema Kyffhäuserbahn. Warum die Industrie fehlte ist unverständlich, läuft doch die Zeit davon...

Der Präsident des Bahnkundenverbandes, Gerhardt Curth, stellte dabei kurz zwei mögliche Versionen zum Betreiben einer solchen Bahnlinie vor. Einmal in Form einer Bürgerbahn (nur Tourismus am Wochenende) in der Niederlausitz und in Form eines Schienenersatzverkehrs auf Schienen, wie es bereits in der Nähe von Wittenberg in Sachsen-Anhalt funktioniert. Dort betreibt ein Busunternehmen die Bahnlinie. Das sei, so Curth auch hier das Ziel, weil man kein Busunternehmen verdrängen möchte.

Allerdings steht jetzt schon fest, dass man beim derzeitigen Stand der Dinge nicht auf die Hilfe des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Medien zählen könne. Curth erhielt mit Schreiben vom 23.April 2009 von Hans-Jürgen Hummel eine klare Absage, da am 30. November 2008 die Kyffhäuserbahn durch das Eisenbahn-Bundesamt die Strecke Bretleben Sondershausen stillgelegt wurde, und es aus Sicht des Landes keinen erkennbaren Grund gibt, über eine Reaktivierung dieser stillgelegten Strecke zu beraten.

Hinsichtlich der Kyffhäuserbahn gibt es zwar viele Lippenbekenntnisse, aber von den eigentlichen Einheimischen wurde die Kyffhäuserbahn zu wenig genutzt. Auf der anderen Seite musste man besonders in Bad Frankenhausen registrieren, dass einen deutlichen Rückgang an Besucherzahlen gab, der besonders auf das Fehlen eines Bahnanschlusses zurückzuführen sei. Unterstützung erhielt Strejc Unterstützung von einem Vertreter der Reha-Klinik dass es durchaus Probleme wegen des fehlenden Bahnanschlusses gebe. Ein Viertel der Reha-Gäste reist mit dem Zug an und muss mit Shuttle-Bussen in Artern abgeholt und wieder hingebracht werden. Auch Tourismus-Chef Herbert Knischka bestätigte den Rückgang, ohne aber die Zahlen detailliert nachweisen zu können, wie er selbst betonte.

Einer der Hauptansätze sollte jedoch die Bundeswehr sein. Die sollte der Bürgermeister versuchen ins Boot zu holen. Ein Vertreter der Bundeswehr sagte, dass jedes Wochenende ca. 400 Rekruten am Freitag abfahren und am Sonntag zurückkommen, und der Busverkehr nicht immer alle Touren fahren können und fehle Rekruten deshalb mit eigenen Fahrzeugen anreisen. Als Logistik- Bataillon müssen viele Transporte mit privaten Schwerlasttransportern nach Bad Frankenhausen gebracht werden und auch selbst muss man bei notwendigen Fahrten mit der Bahn immer erst mit Schwerlasttransportern nach Sondershausen. Gerade am Bundeswehrstandort Bad Frankenhausen hat sich seit dem Stilllegungsbeschluss einiges getan, da ja auch die Standortstärke sich deutlich erhöht hat.

Eigentlich hätte man bei so einer Veranstaltung mehr Betriebe erwartet. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel die Glückauf Sondershausen Entwicklungs- und Sicherungsgesellschaft mbH (GSES) eventuell ein Kaliwerk eröffnen will und dabei auch der Name Hachelbich als möglicher Schacht fiel, könnte man auf die Idee kommen, da wäre doch ein Bahnanschluss ganz hilfreich. Bedenken sollten die Betriebe, dass die DER die stillgelegte Strecke nicht mehr lange vorhalten kann, denn auch eine stillgelegte Strecke verursacht Kosten! Ist erst mal die Entwidmung perfekt (könnte schon 2011 passieren), wird es schwierig, so eine Strecke wieder zu eröffnen. Und mit jedem Monat wird es schwieriger, denn schon jetzt ist die Strecke in einem erbarmungswürdigen Zustand.

Als Außenstehender hatte man allerdings den Eindruck, dass die beiden Vertreter (Wirtschaftsförderung und ÖPNV) des Landratsamtes kein sonderliches Interesse mehr hatten, einen wirklichen Beitrag zu einer möglichen Wiedereröffnung zu tun. Zwar hatte Landrat Peter Hengstermann (CDU) gegenüber Curth bekundet, dass man an einer Wiedereröffnung interessiert sei, dann muss man aber auch etwas konkret dafür tun. Allerdings dürfte der finanzielle Spielraum des Kreises sehr gering sein, so dass man selbst beim ÖPNV nicht ein Experiment wagen möchte. Interessanterweise scheint das Land Sachsen-Anhalt mehr Interesse an einer Wiederöffnung der Unstrutbahn/Kyffhäuserbahn zu haben, als man es hier in Thüringen selbst hat. Wie anders ist zu verstehen, wenn sich Gerhardt Curth dahingehend äußerte, das der dortige Verkehrsminister, Dr. Karl-Heinz Daehre, das Gespräch mit Thüringens Verkehrsminister Gerold Wucherpfennig (CDU) suchen will. Der Grund ist sicherlich klar. Er will auch aus westlicher Richtung Besucher zu seiner Himmelsscheibe nach Nebra / Wangen karren.

Bei aller Euphorie für so einen Wiedereröffnung der Kyffhäuserbahn, gibt es doch eine ganze Reihe objektiver Gründe, warum gerade die Kyffhäuserbahn nicht gerade attraktiv ist. Viele Bahnhöfe liegen weit an vom Schuss (ob Ort oder Sehenswürdigkeit). Typisch dafür Bad Frankenhausen selbst, oder Rottleben, denn der Weg zur Barbarossahöhle ist doch ganz heftig. Gerade durch die Abgelegenheit der Bahnhöfe wird der Schülerverkehr nicht gerade entlastet, weil die Schüler dann oft weite Wege hätten.Und auch ein neues Kaliwerk in Roßleben wird nicht viel ändern, denn die paar Kilometer bis Wangen sind schnell überbrückt.

Problematisch war es auch, dass es Gerhardt Curth nicht gelungen ist, die beiden Busgesellschaften auf seine Seite zu ziehen. Er sollte mal mit Vertretern der beiden Busgesellschaften nach Sachsen-Anhalt fahren, um vor Ort zu zeigen, wie das dortige Busunternehmen von der Bahn profitiert.

Auch politisch scheint das Interesse an der Kyffhäuserbahn nicht groß gewesen zu sein. Gerade Mal zwei Kreistagsmitglieder, Torsten Blümel (Die Linke) und Klaus Bierbach (VIBT), waren zu dieser Konferenz gekommen. Wenn Bad Frankenhausen wieder einen Bahnanschluss haben möchte, wird wohl dessen Bürgermeister Matthias Strejc sich selbst Verbündete suchen müssen, um wenigsten eine Testphase heraus schinden zu können. Mit Christel Reinboth (VG Mittelzentrum Artern) und Holger Häßler (VG An der Schmücke) waren ja interessierte Nachbarn gekommen. Ansonsten muss man wohl bald feststellen, dass die Kyffhäuserbahn endgültig Geschichte.

Bleibt also abzuwarten, wie sich das Problem weiter entwickelt. Zum jetzigen Zeitpunkt liegt der schwarze Peter in Bad Frankenhausen, denn nur dort hauptsächlich gibt es ein punktuell starkes Interesse an der Wiedereröffnung der Kyffhäuserbahn. Denn dieser Punkt ist dahin gehend traurig, denn spricht man nämlich mit Privatpersonen über die Kyffhäuserbahn, sind alle Feuer und Flamme, nur mitfahren wollte kaum einer!
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