Sa, 07:02 Uhr
25.07.2009
Steinkohlenbergbau auf Spitzbergen
In unserer Reihe zu Themen des Bergbaus war unserer Leser Hans-Jürgen Schmidt hoch im Norden von Europa und berichtet über Ny Alesund und den Steinkohlenbergbau auf Spitzbergen...
Als Bergbauinteressierter kommt man nicht umhin zum Steinkohlenbergbau auf Spitzbergen zu recherchieren, zumal wir im Juni 2009 vor Ort waren. Hier ist zunächst einmal die Frage zu klären, wie ist hier die Steinkohle entstanden? In der Literatur gab es dazu folgenden Hinweis:
Grönland und Svalbard (Spitzbergen) waren im Tertiär noch zusammen, weshalb hier die gleichen Gesteinsschichten zu finden sind wie in Grönland. Auffällig ist außerhalb von Ny-Ålesund am Kongsfjordneset und am Brøggerbreane (Brøgger-Gletscher) im Süden der rötliche Sandstein aus der Wüste. Dieser Sand ist aus der Zeit, als Svalbard (Spitzbergen) auf dem gleichen Breitengrad lag wie die Wüstenregionen Nord-Afrikas. Der rötliche Sandstein ist die Ursache dafür, dass die Gletscherflüsse in der Region eine stark rötliche Farbe haben. Das hat wohl etwas mit der Verschiebung der Kontinentalplatten zu tun.
Die ersten Kohlevorkommen am Kingsfjorden hatte 1610 der englische Walfänger Jonas Poole entdeckt. Es sollte jedoch noch mehr als dreihundert Jahre dauern, bis diese wieder entdeckt wurden. Peter S. Brandal gründete zusammen mit drei Partnern 1916 die Kings Bay Kull Company in Ny-Ålesund, auf dem norwegischen Festland, um Kohle für seine Dampfschiffe abzubauen. Die Firma gründete die Siedlung Ny-Ålesund (deutsch: Neu-Ålesund) und begann mit dem Kohlebergbau am Kingsfjorden im Jahre 1917.
Wegen der sehr billigen Kohle musste die Firma sehr bald um Hilfe beim Staat ersuchen. 1929 wurden sämtliche Bergbauarbeiten eingestellt und 1933 übernahm der norwegische Staat sämtliche Aktien der Kings Bay Kull Company. In den folgenden Jahren blieben nur noch einige Arbeiter in Ny-Ålesund zurück, die für den Unterhalt der Gebäude und der Ausrüstung sorgten. Erst 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die Gruben wieder in Betrieb genommen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach Kohle hoch, was entsprechend für hohe Preise sorgte. Der Bergbau in Ny-Ålesund wurde daher im Jahre 1945 wieder aufgenommen und bald lag die Produktion bei 60.000 Tonnen jährlich, aber die Bedingungen für den Abbau waren schwierig, da die Bergleute mit diversen geologischen Problemen zu kämpfen hatten. Im Jahre 1948 traf Ny-Ålesund das erste Bergbauunglück, das 15 Personen das Leben kostete.
Bei insgesamt sechs Unfälle mussten viele Bergleute ihre Tätigkeit mit das Leben bezahlen. Daraufhin wurden die Sicherheitseinrichtungen in den Gruben verbessert, was die Unfälle reduzierte. Diese kosteten den Staat jedoch allein 1961 21.7 Millionen Norwegische Kronen, und dies zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn die Kohlepreise waren 1957 deutlich gesunken. Die endgültige Einstellung des Kohlebergbaus folgte 1963 nach einem weiteren Grubenunglück.
Nun wurde im Storting (Norweg. Parlament) offen darüber diskutiert, ob der Regierung von Einar Gerhardsen das Vertrauen entzogen werden sollte, weil sie ihre Aufsicht über die Aktivitäten der Kings Bay nicht genügend wahrgenommen hatte. Eine Untersuchung beschuldigte dann auch mindestens einen Minister schwer. Der Misstrauensantrag war erfolgreich und Gerhardsen musste zurücktreten. Die Kings-Bay-Affäre war der größte politische Skandal Norwegens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Nach dem Unfall im Bergbau im Jahr 1962 wurde bundesweit für die Überlebenden gesammelt. Kings Bay eröffnete eine Stiftung, die Renten an die Witwen und die noch nicht volljährigen Kinder der Opfer auszahlte. In Ny-Ålesund steht ein Denkmal zur Erinnerung an die Minenopfer. In Ny-Ålesund wurde die Kohle mit Zügen zum Hafen transportiert. Nach dem Ende des Bergbaus wurden die Züge als Schrott abtransportiert. Ein Zug wurde jedoch vergessen, er wurde 1980 restauriert und dient als Museumsbahn.
Heute gibt es vorwiegend Forschungsstationen, so zum Bespiel wurde 1991 das deutsche Alfred-Wegener-Institut und das japanische National Institut of Polar Research und 2004 das Polar Research Institute of China. Im Jahre 2003 gab es noch einen Versuch Gold anzubauen, dass aber untersagt wurde, da Umweltschäden befürchtet wurden.
Aus der Geschichte des Ortes sind noch von Interesse: Im Jahre1926 verwendete Roald Amundsen den Ort als Ausgangspunkt für eine Luftschiff Reise zum Nordpol. Analog hat Umerto Nobile von diem Ort eine Luftschifffahrt zum Nordpol unternommen. 1936 wurde das Nordpol-Hotel wieder eröffnet, in dem man noch heute Quartier beziehen kann. Damit ist gesagt, dass der Ort heute neben den Forschern vorwiegend von Touristen besucht wird. Im Jahre 2006 waren es 26 000 Touristen, die meist mit Kreuzfahrschiffen anreisten, obwohl es einen Flugplatz gibt.
Ny Ålesund liegt 78 Grad N und 12 Grad O und ist somit die nördlichste Siedlung der Welt.. 2007 gab es 120 Einwohner. Bis zum Nordpol sind es noch 1231 km.
Text und Bilder: Hans-Jürgen Schmidt
Bildtexte:
Das Å wir wie O gesprochen. Dies zur Information.
Autor: khhAls Bergbauinteressierter kommt man nicht umhin zum Steinkohlenbergbau auf Spitzbergen zu recherchieren, zumal wir im Juni 2009 vor Ort waren. Hier ist zunächst einmal die Frage zu klären, wie ist hier die Steinkohle entstanden? In der Literatur gab es dazu folgenden Hinweis:
Grönland und Svalbard (Spitzbergen) waren im Tertiär noch zusammen, weshalb hier die gleichen Gesteinsschichten zu finden sind wie in Grönland. Auffällig ist außerhalb von Ny-Ålesund am Kongsfjordneset und am Brøggerbreane (Brøgger-Gletscher) im Süden der rötliche Sandstein aus der Wüste. Dieser Sand ist aus der Zeit, als Svalbard (Spitzbergen) auf dem gleichen Breitengrad lag wie die Wüstenregionen Nord-Afrikas. Der rötliche Sandstein ist die Ursache dafür, dass die Gletscherflüsse in der Region eine stark rötliche Farbe haben. Das hat wohl etwas mit der Verschiebung der Kontinentalplatten zu tun.
Die ersten Kohlevorkommen am Kingsfjorden hatte 1610 der englische Walfänger Jonas Poole entdeckt. Es sollte jedoch noch mehr als dreihundert Jahre dauern, bis diese wieder entdeckt wurden. Peter S. Brandal gründete zusammen mit drei Partnern 1916 die Kings Bay Kull Company in Ny-Ålesund, auf dem norwegischen Festland, um Kohle für seine Dampfschiffe abzubauen. Die Firma gründete die Siedlung Ny-Ålesund (deutsch: Neu-Ålesund) und begann mit dem Kohlebergbau am Kingsfjorden im Jahre 1917.
Wegen der sehr billigen Kohle musste die Firma sehr bald um Hilfe beim Staat ersuchen. 1929 wurden sämtliche Bergbauarbeiten eingestellt und 1933 übernahm der norwegische Staat sämtliche Aktien der Kings Bay Kull Company. In den folgenden Jahren blieben nur noch einige Arbeiter in Ny-Ålesund zurück, die für den Unterhalt der Gebäude und der Ausrüstung sorgten. Erst 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die Gruben wieder in Betrieb genommen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach Kohle hoch, was entsprechend für hohe Preise sorgte. Der Bergbau in Ny-Ålesund wurde daher im Jahre 1945 wieder aufgenommen und bald lag die Produktion bei 60.000 Tonnen jährlich, aber die Bedingungen für den Abbau waren schwierig, da die Bergleute mit diversen geologischen Problemen zu kämpfen hatten. Im Jahre 1948 traf Ny-Ålesund das erste Bergbauunglück, das 15 Personen das Leben kostete.
Bei insgesamt sechs Unfälle mussten viele Bergleute ihre Tätigkeit mit das Leben bezahlen. Daraufhin wurden die Sicherheitseinrichtungen in den Gruben verbessert, was die Unfälle reduzierte. Diese kosteten den Staat jedoch allein 1961 21.7 Millionen Norwegische Kronen, und dies zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn die Kohlepreise waren 1957 deutlich gesunken. Die endgültige Einstellung des Kohlebergbaus folgte 1963 nach einem weiteren Grubenunglück.
Nun wurde im Storting (Norweg. Parlament) offen darüber diskutiert, ob der Regierung von Einar Gerhardsen das Vertrauen entzogen werden sollte, weil sie ihre Aufsicht über die Aktivitäten der Kings Bay nicht genügend wahrgenommen hatte. Eine Untersuchung beschuldigte dann auch mindestens einen Minister schwer. Der Misstrauensantrag war erfolgreich und Gerhardsen musste zurücktreten. Die Kings-Bay-Affäre war der größte politische Skandal Norwegens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Nach dem Unfall im Bergbau im Jahr 1962 wurde bundesweit für die Überlebenden gesammelt. Kings Bay eröffnete eine Stiftung, die Renten an die Witwen und die noch nicht volljährigen Kinder der Opfer auszahlte. In Ny-Ålesund steht ein Denkmal zur Erinnerung an die Minenopfer. In Ny-Ålesund wurde die Kohle mit Zügen zum Hafen transportiert. Nach dem Ende des Bergbaus wurden die Züge als Schrott abtransportiert. Ein Zug wurde jedoch vergessen, er wurde 1980 restauriert und dient als Museumsbahn.
Heute gibt es vorwiegend Forschungsstationen, so zum Bespiel wurde 1991 das deutsche Alfred-Wegener-Institut und das japanische National Institut of Polar Research und 2004 das Polar Research Institute of China. Im Jahre 2003 gab es noch einen Versuch Gold anzubauen, dass aber untersagt wurde, da Umweltschäden befürchtet wurden.
Aus der Geschichte des Ortes sind noch von Interesse: Im Jahre1926 verwendete Roald Amundsen den Ort als Ausgangspunkt für eine Luftschiff Reise zum Nordpol. Analog hat Umerto Nobile von diem Ort eine Luftschifffahrt zum Nordpol unternommen. 1936 wurde das Nordpol-Hotel wieder eröffnet, in dem man noch heute Quartier beziehen kann. Damit ist gesagt, dass der Ort heute neben den Forschern vorwiegend von Touristen besucht wird. Im Jahre 2006 waren es 26 000 Touristen, die meist mit Kreuzfahrschiffen anreisten, obwohl es einen Flugplatz gibt.
Ny Ålesund liegt 78 Grad N und 12 Grad O und ist somit die nördlichste Siedlung der Welt.. 2007 gab es 120 Einwohner. Bis zum Nordpol sind es noch 1231 km.
Text und Bilder: Hans-Jürgen Schmidt
Bildtexte:
- Bild 1 Steinkohle aus Spitzbergen
- Bild 2 + 3 Häuser in Ny-Ålesund
- Bild 4 Das nördlichste Postamt der Welt
- Bild 5,6,7 Bilder aus dem Museum in Ny-Ålesund zum Bergbaugeschehen
- Bild 8,9 In diesem Bereich wurde Steinkohle abgebaut
- Bild 10,11 Die nördlichste Eisenbahn der Welt zur Zeit der Förderung von Steinkohle
- Bild 12 - Der Amundsen-Mast, an dem die Luftschiffe vertäut wurden
- Bild 13 Gedenktafel zur Luftschifffahrt im Jahre 1926
- Bild 14 Infotafel zu Roald Amundsen. Rechts auf der Karte ist der Weg beschrieben den man durch den Ort gehen soll. Außerhalb besteht die Gefahr eines Eisbärenangriffs.
- Bild 15 Amundsendenkmal. Der Autor lehnt sich ans Denkmal
- Bild 16 Die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea). Ein Partner sitzt auf dem Nest. Das Paar kann sehr angrifflustig sein, wenn man in die Nähe des Nestes kommt. Sie hacken mit den Schnabel auf dem Kopf, wenn man nicht aufpasst.
- Bild 17 Der Hafen von Ny-Ålesund
- Bild 18 Ein blühendes Polster. Der Name ist mir leider nicht bekannt.
- Bild 19 Huskies sind eingezäunt, um Eisbärengriffe zu vermeiden.
- Bild 20 Eine Forschungsstation
- Bild 21 Ein Gletscher kalbt in den Königsfjord
Das Å wir wie O gesprochen. Dies zur Information.




















