Sa, 21:09 Uhr
19.09.2009
Schön kann Wahlkampf sein
Kersten Naumann (Linke) hat als Bestandteil ihres Wahlkampfes zur bevorstehenden Bundestagswahl eine "Kultur-Wahltour" im Programm. In deren Rahmen trat am Freitagabend vor linken Buchfreunden der Autor und Liedermacher Reinhold Andert auf. Hierzu ein Bericht unseres Lesers Klaus Henze...
Die Arterner Stadtbücherei hat auf Grund der klammen Stadtkasse Probleme. Das ist kein Geheimnis und Kersten Naumann brachte das auf die Idee das Nützliche mit dem Praktischen zu verbinden und eine Station ihrer "Kultur-Wahltour" in diese Bücherei auf dem Königstuhl zu legen. Reinhold Andert war zu einem "Lesekonzert" angekündigt. Der inzwischen 65jährige wuchs in Sömmerda auf, wollte eigentlich katholischer Priester werden, verkündete er. Nach einem bischöflichen Vorseminar in Schöneiche bei Berlin erlernte er in Gotha den Beruf eines Orgelbauers, studierte von 1964 bis 1969 an der Humboldt-Universität zu Berlin Philosophie und Geschichte und lehrte an der Berliner Musikhochschule "Hanns Eisler" Philosophie.
Als Liedermacher und Mitbegründer des Berliner Oktoberklubs wurde er in Vorbereitung der X. Weltfestspiele zwei Jahre FDJ-Kulturfunktionär. Nach den Weltfestspielen war er als freischaffender Schriftsteller und Liedermacher tätig. Sein Ausschluss aus der SED 1979 war verbunden mit einem Auftritts- und Publikationsverbot. Das brachte ihn dazu seine Geschichtskenntnisse zu vertiefen, auf diesem Gebiet zu forschen, insbesondere in Thüringen. Ergebnisse dieser Zeit waren die beiden Bücher "Der Thüringer Königshort" und "Der Fränkische Reiter". An dem 3. Buch "Die heilige Lanze" schreibt er zur Zeit.
Durch die Bekanntschaft mit der Familie Honecker entstand 1990 (gemeinsam mit Wolfgang Herzberg) das aufsehenerregende Buch "Der Sturz - Honecker im Kreuzverhör", dem im Jahre 2001 die Schilderung der persönlichen Erlebnisse dieser Begegnungen in dem Buch "Nach dem Sturz - Gespräche mit Erich Honecker" folgte. Zu all dem, besonders aber der Thüringer Geschichte wusste Andert viel interessantes zu erzählen. Dabei waren klar Parralelen zur heutigen Politik heraus zu hören. So, dass die bisher geschriebene Thüringer Geschichte eine Geschichte der Eliten sei. Sprachforschungen ergeben jedoch, dass obwohl das eine Prozent der Herrschenden ständig wechselte, die 99 Prozent Volks immer die die gleichen bleiben. Oder, dass Besetzungen auch ihr Positives haben, die Besetzten lernen und es kommt dann immer der Tag, an dem sie ihren Besetzern dann überlegen sind. Es lohnte sich also hinzuhören, wenn der Autor recht humorvoll seine Erkenntnisse wiedergab.
Reinhold Andert bei seinem fesselnden Vortrag.
Es war ein interessanter Abend, unterhaltsam und geschichtlich lehrreich, bei dem Andert leider zu wenig zur Gitarre griff. Trotzdem, so kann Wahlkampf Spaß machen.
Zur Kultur-Wahltour von Kersten Naumann gehörten am 16. September in Sömmerda "Wo wär denn die Heimat" mit Gisela Steineckert, und es folgen am 23. September, 19 Uhr im Thüringer Hof Bad Frankenhausen Peter Sodann "Keine halben Sachen" sowie am 24. September, 19 Uhr Barbara Thalheim und Jean Pacalet mit Lieder und Chancons in der Stadtbibliothek Sondershausen.
Text und Fotos: Klaus Henze
Bilder
Autor: khhDie Arterner Stadtbücherei hat auf Grund der klammen Stadtkasse Probleme. Das ist kein Geheimnis und Kersten Naumann brachte das auf die Idee das Nützliche mit dem Praktischen zu verbinden und eine Station ihrer "Kultur-Wahltour" in diese Bücherei auf dem Königstuhl zu legen. Reinhold Andert war zu einem "Lesekonzert" angekündigt. Der inzwischen 65jährige wuchs in Sömmerda auf, wollte eigentlich katholischer Priester werden, verkündete er. Nach einem bischöflichen Vorseminar in Schöneiche bei Berlin erlernte er in Gotha den Beruf eines Orgelbauers, studierte von 1964 bis 1969 an der Humboldt-Universität zu Berlin Philosophie und Geschichte und lehrte an der Berliner Musikhochschule "Hanns Eisler" Philosophie.
Als Liedermacher und Mitbegründer des Berliner Oktoberklubs wurde er in Vorbereitung der X. Weltfestspiele zwei Jahre FDJ-Kulturfunktionär. Nach den Weltfestspielen war er als freischaffender Schriftsteller und Liedermacher tätig. Sein Ausschluss aus der SED 1979 war verbunden mit einem Auftritts- und Publikationsverbot. Das brachte ihn dazu seine Geschichtskenntnisse zu vertiefen, auf diesem Gebiet zu forschen, insbesondere in Thüringen. Ergebnisse dieser Zeit waren die beiden Bücher "Der Thüringer Königshort" und "Der Fränkische Reiter". An dem 3. Buch "Die heilige Lanze" schreibt er zur Zeit.
Durch die Bekanntschaft mit der Familie Honecker entstand 1990 (gemeinsam mit Wolfgang Herzberg) das aufsehenerregende Buch "Der Sturz - Honecker im Kreuzverhör", dem im Jahre 2001 die Schilderung der persönlichen Erlebnisse dieser Begegnungen in dem Buch "Nach dem Sturz - Gespräche mit Erich Honecker" folgte. Zu all dem, besonders aber der Thüringer Geschichte wusste Andert viel interessantes zu erzählen. Dabei waren klar Parralelen zur heutigen Politik heraus zu hören. So, dass die bisher geschriebene Thüringer Geschichte eine Geschichte der Eliten sei. Sprachforschungen ergeben jedoch, dass obwohl das eine Prozent der Herrschenden ständig wechselte, die 99 Prozent Volks immer die die gleichen bleiben. Oder, dass Besetzungen auch ihr Positives haben, die Besetzten lernen und es kommt dann immer der Tag, an dem sie ihren Besetzern dann überlegen sind. Es lohnte sich also hinzuhören, wenn der Autor recht humorvoll seine Erkenntnisse wiedergab.
Reinhold Andert bei seinem fesselnden Vortrag.
Es war ein interessanter Abend, unterhaltsam und geschichtlich lehrreich, bei dem Andert leider zu wenig zur Gitarre griff. Trotzdem, so kann Wahlkampf Spaß machen.
Zur Kultur-Wahltour von Kersten Naumann gehörten am 16. September in Sömmerda "Wo wär denn die Heimat" mit Gisela Steineckert, und es folgen am 23. September, 19 Uhr im Thüringer Hof Bad Frankenhausen Peter Sodann "Keine halben Sachen" sowie am 24. September, 19 Uhr Barbara Thalheim und Jean Pacalet mit Lieder und Chancons in der Stadtbibliothek Sondershausen.
Text und Fotos: Klaus Henze
Bilder
- Reinhold Andert mit der Gitarre und seinen erfolgreichen Songs
- Nicht nur mit seinen Songs lockte Andert zum Schmunzeln heraus.
- Natürlich war Kersten Naumann glücklich über die gelungene Veranstaltung. Ob es sich wirklich gelohnt hat, wird sich in einer Woche zeigen.



