Fr, 19:30 Uhr
23.10.2009
Herbstsymposium fortgesetzt
Wie bereits berichtet, hatte heute Vormittag das Herbstsymposium Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Riesensaal von Schloss Sondershausen begonnen. Welche Themen im Fokus standen, erfahren Sie hier...
Zu Beginn der Veranstaltung wünschte sich Dr. Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, dass der Geist von Hermes und Apoll auf uns einwirken möge, darauf anspielend auf die im Riesensaal auf die Gäste blickenden Skulpturen. Nach der Einführung in das Thema "Denkmalpflege als staatliche Aufgabe " durch Dr. Paulus, folgte der Beitrag "Denkmalpflege in der Diktatur - Denkmalpflege in der Demokratie " von Uwe Hillmer, vom SED-Forschungsverbund Berlin. Rein empirisch betrachtet, so Hillmer, stammt der überwiegende Teil der als schützenswert eingestufter Baudenkmäler aus nichtdemokratischen Zeiten. Das Problemfeld Denkmalpflege kann abgesteckt werden zwischen den Positionen des Ideals "allein die Qualität zählt" und Positionen derer, welche die "politische Herkunft" des Denkmals in den Vordergrund rücken und damit, meist vermischt, politische und ästhetische Gegnerschaften formulieren.
Sabine Ortmann vom Thüringischem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, widmete sich den Beispielen der "Denkmalpflege in Thüringen nach dem Mauerfall". Denkmalpflege als Spiegelbild einer Gesellschaft sei dem Wandel unterworfen, so ihre Aussage, der von Veränderung, Verlust und Gewinn geprägt ist. Angesichts der Rasanz wirtschaftlicher und politischer Änderungsprozesse müssen Denkmalpfleger sich fragen, wie sie das in der Präambel der Charta von Venedig definiertes Ziel, "Denkmäler in der ganzen Fülle ihrer Authentizität zu bewahren", am besten erreichen. Strukturelle, soziale und kulturelle Funktionalität ist die Grundlage für eine intakte Kulturlandschaft und erfolgreiche Denkmalpflege.
Karl Moszner aus Hohlstedt hat sich zeitlebens für Denkmale eingesetzt und ist heute noch Kreisheimatpfleger im Kreis Weimarer Land. Insbesondere die Wasserburg Kapellendorf hat von seinem Engagement profitiert. Moszner sprach zum Thema " Bürgerengagement vor, während und nach dem Mauerfall" und stellte verschiedene Denkmale vor.
Anschließend widmeten sich zwei Thüringer in ihren Vorträgen bestimmten Einzelbeispielen. so dem " Denkmal als Ort des Bürgerengagements und der Erinnerung". Siegfried Neumann, Gründer des Freundeskreises zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach e.V. in Domheim, berichtete über die Traukirche Bachs. Prof. Dr. Kurt Morneweg, Vorsitzender des Kuratoriums zur Erhaltung der Liebfrauenkirche, stellte die vielfältigen Aktivitäten um die Liebfrauenkirche von Arnstadt vor.
Der folgende Vortrag von Prof. Dr. Jörg Haspel, Landesdenkmalamt Berlin, widmete sich dem Thema "Das Denkmal als Standortfaktor". Denkmale stellen auf der einen Seite ein Kulturgut, aber auf der anderen Seite auch ein Wirtschaftsgut dar. Denkmale bieten ökonomisch attraktive Potentiale als weiche Standortfaktoren in der Konkurrenz der Städte und Regionen. Kulturdenkmale und Ensembles müssen sich touristischen Angeboten stellen, bzw. sind eine fremdenverkehrswirtschaftliche Ressource. Sie bieten als Sonderimmobilien ein Alleinstellungsmerkmal, das auch von hohem immobilienwirtschaftlichen Interesse ist. An ausgesuchten Beispielen vor allem aus Berlin zeigte der Beitrag die wirtschaftlichen Potentiale des Kulturguts Denkmal auf.
Wie Schülern der Wert und die Bedeutung des baukulturellen Erbes vermittelt werden kann, darüber berichtet Dr. Susanne Braun, von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz in ihrem Beitrag "Das Schulprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz". Seit 2002 wird jährlich das Schulprogramm "denkmai aktiv - Kulturerbe macht Schule" von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgeschrieben. Im Verlauf der einjährigen "denkmai-aktiv"-Projekte lernen Schüler, sich praxisnah mit den geschichtlichen Wurzeln ihrer Umgebung auseinander zu setzten und die Augen für bisher gar nicht oder nur wenig wahrgenommene Denkmale ihrer Region zu öffnen.
Dr. Susanne Jaeger, Universität Leipzig und Dipl.-Ing. Günther Wölfle, Technische Universität Dresden, referierten gemeinsam zum Thema " Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung in der Denkmalpflege: Beispiel Eigenheimsiedlung Dresden-Briesnitz ". Die Kommunikation zwischen der Denkmalpflege und den Eigentümern der denkmalgeschützten Eigenheimsiedlung Briesnitz im Dresdner Südwesten war ins Stocken geraten. Auf Anregung der Unteren Denkmalschutzbehörde unternahm der postgraduale Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung der Technischen Universität Dresden im Rahmen eines Semesterprojektes den Versuch, die Kommunikation wieder herzustellen. Es wurde ein Bürgerabend organisiert, bei dem die Studenten über die Ziele und Grenzen des Denkmalschutzes informierten und zur Diskussion einluden. Seitens der Bewohner entstand daraus ein neues Verständnis für die kulturgeschichtliche Bedeutung, den Denkmalwert und daraus resultierend eine Identifizierung mit ihrer Siedlung.
Den Abschluss des Vortragtages bildet der Festvortrag von Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel, Mitglied der Konrad Adenauer Stiftung e.V.
Autor: khhZu Beginn der Veranstaltung wünschte sich Dr. Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, dass der Geist von Hermes und Apoll auf uns einwirken möge, darauf anspielend auf die im Riesensaal auf die Gäste blickenden Skulpturen. Nach der Einführung in das Thema "Denkmalpflege als staatliche Aufgabe " durch Dr. Paulus, folgte der Beitrag "Denkmalpflege in der Diktatur - Denkmalpflege in der Demokratie " von Uwe Hillmer, vom SED-Forschungsverbund Berlin. Rein empirisch betrachtet, so Hillmer, stammt der überwiegende Teil der als schützenswert eingestufter Baudenkmäler aus nichtdemokratischen Zeiten. Das Problemfeld Denkmalpflege kann abgesteckt werden zwischen den Positionen des Ideals "allein die Qualität zählt" und Positionen derer, welche die "politische Herkunft" des Denkmals in den Vordergrund rücken und damit, meist vermischt, politische und ästhetische Gegnerschaften formulieren.
Sabine Ortmann vom Thüringischem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, widmete sich den Beispielen der "Denkmalpflege in Thüringen nach dem Mauerfall". Denkmalpflege als Spiegelbild einer Gesellschaft sei dem Wandel unterworfen, so ihre Aussage, der von Veränderung, Verlust und Gewinn geprägt ist. Angesichts der Rasanz wirtschaftlicher und politischer Änderungsprozesse müssen Denkmalpfleger sich fragen, wie sie das in der Präambel der Charta von Venedig definiertes Ziel, "Denkmäler in der ganzen Fülle ihrer Authentizität zu bewahren", am besten erreichen. Strukturelle, soziale und kulturelle Funktionalität ist die Grundlage für eine intakte Kulturlandschaft und erfolgreiche Denkmalpflege.
Karl Moszner aus Hohlstedt hat sich zeitlebens für Denkmale eingesetzt und ist heute noch Kreisheimatpfleger im Kreis Weimarer Land. Insbesondere die Wasserburg Kapellendorf hat von seinem Engagement profitiert. Moszner sprach zum Thema " Bürgerengagement vor, während und nach dem Mauerfall" und stellte verschiedene Denkmale vor.
Anschließend widmeten sich zwei Thüringer in ihren Vorträgen bestimmten Einzelbeispielen. so dem " Denkmal als Ort des Bürgerengagements und der Erinnerung". Siegfried Neumann, Gründer des Freundeskreises zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach e.V. in Domheim, berichtete über die Traukirche Bachs. Prof. Dr. Kurt Morneweg, Vorsitzender des Kuratoriums zur Erhaltung der Liebfrauenkirche, stellte die vielfältigen Aktivitäten um die Liebfrauenkirche von Arnstadt vor.
Der folgende Vortrag von Prof. Dr. Jörg Haspel, Landesdenkmalamt Berlin, widmete sich dem Thema "Das Denkmal als Standortfaktor". Denkmale stellen auf der einen Seite ein Kulturgut, aber auf der anderen Seite auch ein Wirtschaftsgut dar. Denkmale bieten ökonomisch attraktive Potentiale als weiche Standortfaktoren in der Konkurrenz der Städte und Regionen. Kulturdenkmale und Ensembles müssen sich touristischen Angeboten stellen, bzw. sind eine fremdenverkehrswirtschaftliche Ressource. Sie bieten als Sonderimmobilien ein Alleinstellungsmerkmal, das auch von hohem immobilienwirtschaftlichen Interesse ist. An ausgesuchten Beispielen vor allem aus Berlin zeigte der Beitrag die wirtschaftlichen Potentiale des Kulturguts Denkmal auf.
Wie Schülern der Wert und die Bedeutung des baukulturellen Erbes vermittelt werden kann, darüber berichtet Dr. Susanne Braun, von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz in ihrem Beitrag "Das Schulprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz". Seit 2002 wird jährlich das Schulprogramm "denkmai aktiv - Kulturerbe macht Schule" von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgeschrieben. Im Verlauf der einjährigen "denkmai-aktiv"-Projekte lernen Schüler, sich praxisnah mit den geschichtlichen Wurzeln ihrer Umgebung auseinander zu setzten und die Augen für bisher gar nicht oder nur wenig wahrgenommene Denkmale ihrer Region zu öffnen.
Dr. Susanne Jaeger, Universität Leipzig und Dipl.-Ing. Günther Wölfle, Technische Universität Dresden, referierten gemeinsam zum Thema " Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung in der Denkmalpflege: Beispiel Eigenheimsiedlung Dresden-Briesnitz ". Die Kommunikation zwischen der Denkmalpflege und den Eigentümern der denkmalgeschützten Eigenheimsiedlung Briesnitz im Dresdner Südwesten war ins Stocken geraten. Auf Anregung der Unteren Denkmalschutzbehörde unternahm der postgraduale Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung der Technischen Universität Dresden im Rahmen eines Semesterprojektes den Versuch, die Kommunikation wieder herzustellen. Es wurde ein Bürgerabend organisiert, bei dem die Studenten über die Ziele und Grenzen des Denkmalschutzes informierten und zur Diskussion einluden. Seitens der Bewohner entstand daraus ein neues Verständnis für die kulturgeschichtliche Bedeutung, den Denkmalwert und daraus resultierend eine Identifizierung mit ihrer Siedlung.
Den Abschluss des Vortragtages bildet der Festvortrag von Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel, Mitglied der Konrad Adenauer Stiftung e.V.
