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Di, 13:46 Uhr
27.10.2009

Ein Jahr gemeinsam ausgewertet

In den vergangenen Tagen hatte die nnz darüber berichtet, dass die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt in Nordthüringen seit einem Jahr tätig ist. Aus diesem Anlass trafen sich am vergangenen Freitag Vertreter der Polizeidirektion Nordhausen mit den Beraterinnen der Interventionsstelle. Inhalt der Begegnung war die Auswertung des vergangenen Jahres.

Ausgewertet (Foto: Caritas) Ausgewertet (Foto: Caritas)

Das Gebiet der ein Jahr tätigen Beratungsstelle umfasst die vier Nordthüringer Landkreise (Kyffhäuser, Nordhausen, Eichsfeld und Unstrut-Hainich) und ist nicht zufällig deckungsgleich mit dem Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Nordhausen. Das ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich häusliche Gewalt.

In vielen Fällen liegt der „Mantel des Schweigens“ über Jahre hinweg über der Gewaltbeziehung. Nichts dringt nach außen und niemand hat Einblick. Doch die Abstände zwischen den Eskalationen verkürzen sich und die Gewalt nimmt in den meisten Fällen zu. In größter Not, Ausweglosigkeit und oft sogar Todesangst schaffen es die Opfer oft erst, sich Hilfe zu holen und die Polizei anzurufen. Die Polizei trifft bei Einsätzen häuslicher Gewalt auf mit Emotionen, Ängsten und Aggressionen aufgeladene Situationen. Die Deeskalation der Gewaltsituation steht im Mittelpunkt der Arbeit der Polizei. Um weitere Gewalt zu verhindern und eine direkte Konsequenz spürbar zu machen, kann der Täter durch die Polizisten für 10 Tage des Platzes verwiesen werden.

Allein in der Wohnung, kommen die Fragen und vor allem die Ängste bei den Opfern. Während die nächsten Schritte und Schutzmaßnahmen für die Opfer in dieser Situation noch im erlebten Gewaltchaos verschwinden ist ihnen die vom Täter bei Gegenwehr angedrohte Gewalt noch deutlich im Ohr.

Um Betroffenen genau in dieser Situation nicht allein zu lassen und die Schutzmaßnahmen der Polizei nicht durch die Angst und Unwissenheit der Opfer verpuffen zu lassen, wurde vor einem Jahr die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt eröffnet. Nach der Deeskalation und dem Platzverweis des Täters, informiert die Polizei das Opfer über die kostenlose und vertrauliche Beratungsmöglichkeit der Interventionsstelle. Mit dem Einverständnis des Opfers, kann die Polizei durch ein Fax die Interventionsstelle informieren und die Beraterinnen setzten sich zeitnah mit den Betroffenen in Verbindung.

Im Beratungsverlauf geht es um die Stabilisierung des Opfers, um Verständnis für die Situation der Betroffenen, das Aufzeigen verschiedener Wege und vor allem um gemeinsame Überlegungen weitere Gewalt durch persönliche oder zivilrechtliche Schutzmöglichkeiten zu verhindern.

Um diese Schnittstelle zwischen Polizeiintervention und der Arbeit der Interventionsstelle ging es im Treffen am vergangenen Freitag. Beteiligt waren neben den Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle, Vertreter der Polizeidirektion Nordhausen, der Kriminalpolizei und aus den Polizeiinspektionen Eichsfeld und Kyffhäuser.

Ausgewertet (Foto: Caritas) Ausgewertet (Foto: Caritas)

Die Erfahrungen der Interventionsstellen-Mitarbeiterinnen mit dieser Art der zugehenden Beratung waren sehr positiv. In 123 Fällen erfolgten Beratungen, Begleitungen und Hilfekoordinierungen. Für die Polizisten war es in vielen Fällen ein besseres Gefühl nach dem Einsatz das Opfers allein in der Wohnung zwar zurücklassen zu müssen, aber dabei zu wissen, das zeitnah die Beraterinnen der Interventionsstelle Kontakt aufnehmen werden. Die Auswertungen der Interventionsstelle machten deutlich, dass es viele der Betroffenen schafften sich durch die Beratung zur wehr zu setzen, sich trennten und/oder andere Schutzmaßnahmen einleiteten.

So beantragten mindestens 37 Betroffene ein Kontakt- und Näherungsverbot für den Täter oder eine Wohnungszuweisung der gemeinsam genutzten Wohnung an den zuständigen Amtsgerichten. Das machte noch einmal deutlich, wie richtig die Intentionen waren: Interventionsstellen mit dieser zugehenden Beratungsmöglichkeit und dieser Zusammenarbeit mit der Polizei zu schaffen. Die Vertreter der Polizei und die Mitarbeiter der Interventionsstellen lobten den guten Start und die gute Zusammenarbeit des vergangenen Jahres.

Gewalt ist kein normaler Bestandteil einer Beziehung und ist inner- und außerhalb des privaten Bereichs eine strafbare Handlung. Opfer haben deshalb das Recht auf Schutz vor Gewalt, denn die Wohnung ist kein rechtsfreier Raum. Darin waren und sind sich die Vertreter der Polizei und die Interventionsstellen –Mitarbeiter einig und werden auch in Zukunft den Beginn einer Interventionskette gegen häusliche Gewalt bilden.
Steffi Mayer
Autor: nnz/kn

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