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Mo, 11:14 Uhr
01.02.2010

nnz-Wetterrückblick: Strenger Januar

Ein blockierendes Hoch mit dem Namen Bob, eine Vb-Wetterlage und ein weibliches Tief mit Namen Keziban – der Monat Januar lieferte diesmal zwar auch ruhiges Winterwetter, aber daneben viele interessante meteorologische Phänomene. Mit den exakten Zahlen und Vergleichen wartet wie immer Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp auf.


Wetter-Expertin (Foto: privat) Wetter-Expertin (Foto: privat) Aber: Es waren nicht ganz so tiefe Temperaturen wie im Januar 2009. Zur Erinnerung: -21,1°C war der Spitzenreiter im vergangenen Jahr, diesmal waren es „nur“ -18,1°C. Interessant ist der Tagesverlauf der Temperatur im Januar 2010: An insgesamt 21 Tagen herrschte Dauerfrost, die Temperaturen kletterten nicht über 0°C (sog. Eistage). In 2009 gab es davon nur sieben. Die maximale Temperatur (+4,4°C) wurde am Nachmittag des 18. Januar erreicht. Die Schwankungsbreite zwischen minimaler und maximaler Lufttemperatur lag bei 22,5°C, der Mittelwert im Januar bei -3,8°C. Insgesamt war nur die Monatsmitte ein wenig wärmer. Der kälteste Januar in Nordhausen war der im Jahr 1963, hier betrug die mittlere Temperatur -8,5°C, der wärmste ist gerade drei Jahre her: 5,4°C waren es 2007 im Mittel.

Der Niederschlag (in Form von Schnee) fiel in den ersten Tagen des neuen Jahres, dann um den 10. und den 18. Januar herum und nochmals ergiebig gegen Monatsende. Die Auswertung der Windrichtungs- und Luftdruckdaten zeigt genau: Der Schnee kam mit den Tiefdruckgebieten und überwiegend aus dem Westen. Die Vb-Wetterlage zu Monatsbeginn und Tief Keziban am Monatsende waren die Verantwortlichen für häufiges Schneeräumen. Die Vb-Wetterlage kennen wir aus den Sommermonaten, diese war auch verantwortlich für die Hochwässer von Oder und Elbe.

Diese Wetterlage beschreibt nach Wilhelm Jacob van Bebber seit Ende des 19. Jahrhunderts die Zugbahn eines Tiefs vom Mittelmeer über Österreich, Tschechien und Polen gen Norden. Dabei entstehen verstärkt Aufgleitprozesse, die Lufttemperatur sinkt dabei ab, die Luftfeuchtigkeit kondensiert zu Regen. In der Folge können andauernde und ergiebige Niederschläge auftreten – wie passiert. Warum nimmt das Tief den Weg „unten rum“? Diesmal wegen Bob. Bob war ein über Russland liegendes kaltes Hoch, welches sehr stabil war – und uns auch die kalte Luft beschert hat.

Ein Hoch dreht sich auf der Nordhalbkugel mit dem Uhrzeigersinn und an seiner Südflanke floss so die kalte Luft aus Russland nach Ostdeutschland. Bob war ein blockierendes Hoch. Er hat den direkten Weg von West nach Ost, den die Tiefs sonst bevorzugen, verstellt. Ergebnis: Die Tiefs mussten die südliche Umleitung nehmen (eben Vb). Bobs Luftdruck reichte übrigens sehr nah an den bisherigen Rekordwert für Luftdruck von 1083,8 hPa, gemessen am 31.12.1968 in Sibirien, heran: Bob brachte es immerhin auf 1072 hPa.

Die Sonne schien in Nordhausen trotz Hochdruckeinfluss gerade mal 19,2 Stunden. Damit liegt Nordhausen unter dem Thüringen-Mittel des DWD (42 Stunden). Unüblich ist wenig Sonne trotz Hoch im Winter allerdings nicht.

Die Messeinrichtung für Niederschlag liefert im Januar knapp 16 Liter/m². Der Hellmann-Regenmesser ist beheizt, so dass der gefallene Niederschlag vor dem Messen erst mal aufgetaut wird. Die Schneehöhe wird an der Campus-Station nicht erfasst.

Fazit zu dem Januar 2010: Ein sehr kalter Monat mit vielen Eis- und wenig Frosttagen mit Temperaturen über Null. Die Schneedecke blieb erhalten, nur die Sonne hätte die Wolkenschleier etwas häufiger durchbrechen können.

Ausblick in den Februar: Eine schnelle Auftauphase wünscht sich sicherlich keiner, wird aber derzeit prognostiziert. Besser wäre sonnenscheinreiches, kaltes und trockenes Hochdruckwetter. Dann verdunstet nämlich ein Teil des Schnees direkt in die Atmosphäre und ohne flüssigen Umweg über Bäche und Flüsse – die Hochwassergefahr wäre geringer.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz/kn

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