So, 11:29 Uhr
28.03.2010
Kn Kommentar: DNA-Datenbank Hunde
Eigentlich hielt es kn für einen Joke des Bürgermeister von Sondershausen, als er Überlegungen zu einer DNA-Datenbank für Hunde anstellte. Aber in der Stadtverwaltung Sondershausen scheint man tatsächlich fragwürdige Wege gehen zu wollen ...
Bürger Ferifried K. geht im Gottesacker mit seinem Hund Bello spazieren. Geribald S. ist schon oft vom Gebell des Hundes seines Nachbarn Ferifried K, genervt worden. Beschwerden bei seinem Nachbarn verliefen ergebnislos. Aber jetzt schien die Stunde für Geribald S. gekommen zu sein. Bello hinterließ auf dem Gottesacker seine große Hinterlassenschaft.
Mist, jetzt nimmt Ferifried K. tatsächlich eine Plastiktüte und sammelt die Hinterlassenschaft ein. Aber jetzt ein fataler Fehler von Ferifried K. er wirft die Tüte mit der Hinterlassenschaft seines Hundes in einen Abfallbehälter nahe der Trinitatiskirche. Welch ein verhängnisvoller Fehler. Geribald S. nutzt die Gunst der Stunde, angelt sich die Tüte aus dem Abfallbehälter und eilt zum nahegelegenen Rathaus von Sonderhausen und platziert den Haufen geschickt auf dem Markt von Sonderhausen.
Und der Plan geht auf. Die Häscher des Bürgermeisters entdecken den Kot entnehmen kurz eine Probe und schon bald Ferifried K. ein Schreiben der Stadtverwaltung Sondershausen mit einem saftigen Bußgeld. Ferifried K. kann sich die Sache nach Wochen nicht erklären und wenn es Geribald S. erfahren würde, rieb er sich vor Freude die Hände.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist es noch eine fiktive Geschichte. Aber in der Stadtverwaltung Sondershausen stellt man wirklich Überlegungen an, einen DNA-Datenbank für Hunde zu schaffen. Wer seinen Hund zukünftig anmeldet, muss einen Gentest seines Hundes zulassen und die Daten werden erfasst. Werden dann im Stadtgebiet von Sondershausen Hinterlassenschaften eines Hundes gefunden, wird mit der Datenbank verglichen uns Frauchen oder Herrchen bekommen einen Bußgeldbescheid.
Auch wenn Bürgermeister Joachim Kreyer auf der letzten Stadtratsitzung die Sache relativierte, in absehbarer Zeit wolle man es noch nicht gleich einführen, bestätigte er doch, dass es ernsthafte Überlegungen gibt. Allein diese Tatsache ist schon besorgniserregend.
Bei Einführung einer DNA-Datenbank für Hunde würde sich die Stadtverwaltung der Beihilfe schuldig machen, wenn man sich die obige fiktive Geschichte betrachtet. Es muss aber nicht nur der böse Nachbar sein. Auch Streiche von Kinder und Jugendlichen sind nicht auszuschließen. Wie will die Stadtverwaltung ausschließen, dass man sich nicht unbewusst zu einem Handlager macht? Hat man so eine Möglichkeit gedacht? Wahrscheinlich mit Sicherheit nicht.
Selbst in Kriminalistikkreisen zählt ein einfacher Gen-Test nicht als alleiniges Indiz. Wenn nicht geschlampert wird, erfolgen immer umfangreiche Untersuchungen darüber, ob nicht hier mit Absicht eine falsche Fährte gelegt wurde. Will die Stadtverwaltung den Bürgern wirklich weiß machen, dass man dazu in der Lage ist, vorher alles so abchecken zu können? Neben den immensen Kosten für die Erstellung der Datenbank, will man etwa noch ein ganzes Kriminallabor einrichten, um wirklich rechtssicher agieren zu können?
Es könnte vielleicht gar erforderlich sein, den Kot eine Zeit lang aufzuheben, zumindest solange bis die Einspruchsfrist abgelaufen ist. Da braucht man womöglich noch geruchsdichte Aktenschränke. Auch über diese Regelungen kann man gespannt sein.
Vielleicht sollen die Bürger sogar den Gentest selbst bezahlen, mit einem ordentlichen Aufschlag, damit auch etwas fürs Stadtsäckel übrig bleibt? Soll so schon den Bürgern der Besitz eines Hundes vermiest werden? Steckt wirklich nur der Wunsch nach Sauberkeit in der Stadt dahinter oder geht es doch nur um das Kassieren von Bußgeldern? Diese Fragen muss sich Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) schon mal gefallen lassen.
Natürlich nicht, wird mit Sicherheit die Reaktion sein. Oder versteckt sich hinter dem Plan des Bürgermeisters gar ein Konjunkturprogramm für Rechtsanwälte? Wer sich auf so dünnes juristische Eis begibt, muss damit rechnen schnell verklagt zu werden. Da könnte es dann für die Rechtsanwälte viel zu tun geben.
Und wie sieht man die Sache beim Stadtnachbarn? Am Rande der Baumpflanzung hat kn mit Bad Frankenhausens Bürgermeister Matthias Strejc (SPD) zum Thema DNA - Datenbank für Hunde gesprochen. Zwar hat auch in Bad Frankenhausen massive Probleme mit Hundekot, als Kurstadt sicher noch unangenehmer, aber über eine DNA - Datenbank für Hunde haben wir noch nicht nachgedacht so der Bürgermeister. Wir setzen auf verstärkte Aufklärung und bessere Kontrollen, wie Anfang März (hier gab es auch etliche Strafen).
Es gibt, glaube ich in Sondershausen wichtigere Probleme, als über eine fragwürdige DNA - Datenbank für Hunde nachzudenken. Die Menschen brauchen Arbeitsplätze und darüber sollte man Tag und Nacht Überlegungen anstellen. Für Experimente mit einer DNA - Datenbank für Hunde, die selbst in juristischer und finanzieller Sicht recht fragwürdig ist, sollte man andere Kommunen den Vorreiter spielen lassen.
Auch bei einer anderen Sache in diesem Zusammenhang sollte man aufpassen. Wenn Stadtrat Hartmut Thiele in der letzten Stadtratsitzung von der Stadtverwaltung forderte, das Ordnungsamt solle erst mal eine Konzeption erarbeiten wie man das Problem Hundekot wirklich angehen will, so ist das sehr richtig. Aber schon seine Formulierung, man solle Bestrafungen der Hundebesitzer öffentlich machen, war doch hoffentlich ein Versprecher? Will Stadtrat Thiele etwa, dass die Leute gar öffentlich an den Pranger gestellt werden, wie zu Zeiten des Mittelalters? Oder gar noch schlimmer im Heimatecho der Stadt Sondershausen mit Bild vorgeführt werden? Da es vom Heimatecho auch eine PDF-Datei im Internet gibt, würden die Leute sogar weltweit an den Pranger gestellt werden. Will man hier mit Interkontinentalraketen gar auf Spatzen schießen?
Wenn man das Ganze so mal aus dieser Richtung in Ruhe betrachtet, scheint Sondershausen in eine ungute Richtung zu marschieren. Man sollte wohl doch mal einen Blick auf den Kompass wagen, um nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren.
Karl-Heinz Herrmann
Autor: khhBürger Ferifried K. geht im Gottesacker mit seinem Hund Bello spazieren. Geribald S. ist schon oft vom Gebell des Hundes seines Nachbarn Ferifried K, genervt worden. Beschwerden bei seinem Nachbarn verliefen ergebnislos. Aber jetzt schien die Stunde für Geribald S. gekommen zu sein. Bello hinterließ auf dem Gottesacker seine große Hinterlassenschaft.
Mist, jetzt nimmt Ferifried K. tatsächlich eine Plastiktüte und sammelt die Hinterlassenschaft ein. Aber jetzt ein fataler Fehler von Ferifried K. er wirft die Tüte mit der Hinterlassenschaft seines Hundes in einen Abfallbehälter nahe der Trinitatiskirche. Welch ein verhängnisvoller Fehler. Geribald S. nutzt die Gunst der Stunde, angelt sich die Tüte aus dem Abfallbehälter und eilt zum nahegelegenen Rathaus von Sonderhausen und platziert den Haufen geschickt auf dem Markt von Sonderhausen.
Und der Plan geht auf. Die Häscher des Bürgermeisters entdecken den Kot entnehmen kurz eine Probe und schon bald Ferifried K. ein Schreiben der Stadtverwaltung Sondershausen mit einem saftigen Bußgeld. Ferifried K. kann sich die Sache nach Wochen nicht erklären und wenn es Geribald S. erfahren würde, rieb er sich vor Freude die Hände.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist es noch eine fiktive Geschichte. Aber in der Stadtverwaltung Sondershausen stellt man wirklich Überlegungen an, einen DNA-Datenbank für Hunde zu schaffen. Wer seinen Hund zukünftig anmeldet, muss einen Gentest seines Hundes zulassen und die Daten werden erfasst. Werden dann im Stadtgebiet von Sondershausen Hinterlassenschaften eines Hundes gefunden, wird mit der Datenbank verglichen uns Frauchen oder Herrchen bekommen einen Bußgeldbescheid.
Auch wenn Bürgermeister Joachim Kreyer auf der letzten Stadtratsitzung die Sache relativierte, in absehbarer Zeit wolle man es noch nicht gleich einführen, bestätigte er doch, dass es ernsthafte Überlegungen gibt. Allein diese Tatsache ist schon besorgniserregend.
Bei Einführung einer DNA-Datenbank für Hunde würde sich die Stadtverwaltung der Beihilfe schuldig machen, wenn man sich die obige fiktive Geschichte betrachtet. Es muss aber nicht nur der böse Nachbar sein. Auch Streiche von Kinder und Jugendlichen sind nicht auszuschließen. Wie will die Stadtverwaltung ausschließen, dass man sich nicht unbewusst zu einem Handlager macht? Hat man so eine Möglichkeit gedacht? Wahrscheinlich mit Sicherheit nicht.
Selbst in Kriminalistikkreisen zählt ein einfacher Gen-Test nicht als alleiniges Indiz. Wenn nicht geschlampert wird, erfolgen immer umfangreiche Untersuchungen darüber, ob nicht hier mit Absicht eine falsche Fährte gelegt wurde. Will die Stadtverwaltung den Bürgern wirklich weiß machen, dass man dazu in der Lage ist, vorher alles so abchecken zu können? Neben den immensen Kosten für die Erstellung der Datenbank, will man etwa noch ein ganzes Kriminallabor einrichten, um wirklich rechtssicher agieren zu können?
Es könnte vielleicht gar erforderlich sein, den Kot eine Zeit lang aufzuheben, zumindest solange bis die Einspruchsfrist abgelaufen ist. Da braucht man womöglich noch geruchsdichte Aktenschränke. Auch über diese Regelungen kann man gespannt sein.
Vielleicht sollen die Bürger sogar den Gentest selbst bezahlen, mit einem ordentlichen Aufschlag, damit auch etwas fürs Stadtsäckel übrig bleibt? Soll so schon den Bürgern der Besitz eines Hundes vermiest werden? Steckt wirklich nur der Wunsch nach Sauberkeit in der Stadt dahinter oder geht es doch nur um das Kassieren von Bußgeldern? Diese Fragen muss sich Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) schon mal gefallen lassen.
Natürlich nicht, wird mit Sicherheit die Reaktion sein. Oder versteckt sich hinter dem Plan des Bürgermeisters gar ein Konjunkturprogramm für Rechtsanwälte? Wer sich auf so dünnes juristische Eis begibt, muss damit rechnen schnell verklagt zu werden. Da könnte es dann für die Rechtsanwälte viel zu tun geben.
Und wie sieht man die Sache beim Stadtnachbarn? Am Rande der Baumpflanzung hat kn mit Bad Frankenhausens Bürgermeister Matthias Strejc (SPD) zum Thema DNA - Datenbank für Hunde gesprochen. Zwar hat auch in Bad Frankenhausen massive Probleme mit Hundekot, als Kurstadt sicher noch unangenehmer, aber über eine DNA - Datenbank für Hunde haben wir noch nicht nachgedacht so der Bürgermeister. Wir setzen auf verstärkte Aufklärung und bessere Kontrollen, wie Anfang März (hier gab es auch etliche Strafen).
Es gibt, glaube ich in Sondershausen wichtigere Probleme, als über eine fragwürdige DNA - Datenbank für Hunde nachzudenken. Die Menschen brauchen Arbeitsplätze und darüber sollte man Tag und Nacht Überlegungen anstellen. Für Experimente mit einer DNA - Datenbank für Hunde, die selbst in juristischer und finanzieller Sicht recht fragwürdig ist, sollte man andere Kommunen den Vorreiter spielen lassen.
Auch bei einer anderen Sache in diesem Zusammenhang sollte man aufpassen. Wenn Stadtrat Hartmut Thiele in der letzten Stadtratsitzung von der Stadtverwaltung forderte, das Ordnungsamt solle erst mal eine Konzeption erarbeiten wie man das Problem Hundekot wirklich angehen will, so ist das sehr richtig. Aber schon seine Formulierung, man solle Bestrafungen der Hundebesitzer öffentlich machen, war doch hoffentlich ein Versprecher? Will Stadtrat Thiele etwa, dass die Leute gar öffentlich an den Pranger gestellt werden, wie zu Zeiten des Mittelalters? Oder gar noch schlimmer im Heimatecho der Stadt Sondershausen mit Bild vorgeführt werden? Da es vom Heimatecho auch eine PDF-Datei im Internet gibt, würden die Leute sogar weltweit an den Pranger gestellt werden. Will man hier mit Interkontinentalraketen gar auf Spatzen schießen?
Wenn man das Ganze so mal aus dieser Richtung in Ruhe betrachtet, scheint Sondershausen in eine ungute Richtung zu marschieren. Man sollte wohl doch mal einen Blick auf den Kompass wagen, um nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren.
Karl-Heinz Herrmann