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Di, 13:59 Uhr
30.03.2010

„Das ist doch ganz normal“

Grundschule Ebeleben und Finneck-Schule praktizieren erfolgreich integrative Beschulung. Hierzu erreichte uns ein Bericht der Finneck-Stiftung, den sich wohl einige Behörden ernsthaft durchlesen sollten...

Eigentlich kann Antonio Mädchen nicht leiden, sagt er jedenfalls. Doch er fühlt sich wohl in der 2a der Adolf-Diesterweg-Grundschule Ebeleben. Antonio gehört zu den 9 Mädchen und Jungen, die derzeit trotz einer geistigen und/oder Mehrfachbehinderung gemeinsam mit anderen Kindern ihres Alters an einer staatlichen Grundschule lernen, leben und aufwachsen.

2003 war es, als Eltern aus Ebeleben eine Möglichkeit suchten, ihre behinderten Kinder integrativ beschulen zu lassen. Die Adolf-Diesterweg-Grundschule bot sich als Partner an und so etablierte man mit der Stiftung Finneck Rastenberg das Projekt „Lernen unter einem Dach“ vor Ort. Seitdem hat es sich zu einer Erfolgsgeschichte „gemausert“.

In jeder Altersgruppe gibt es eine integrative Klasse, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam den Unterricht erleben. Die Förderkinder bringen sich dabei entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse ein. Unterstützt und betreut werden sie jeweils von einer sonderpädagogischen Fachkraft und einem Integrationshelfer. Sie planen und führen den Unterricht gemeinsam durch.

Unterstützt werden die Förderkinder auch von ihren Mitschülern. In der 2a hilft Tischnachbar Leon Antonio zum Beispiel beim Stuhl hochstellen. Leon findet Antonio „cool“. „Der macht tolle Sprüche und ist immer lustig.“ Hilfe bekommt Antonio auch von Mia. Das gibt er nicht gern zu, weil sie ja ein Mädchen ist. Kein Geheimnis aus ihrer Freundschaft machen hingegen Mia und Silvana. Nicht nur im Unterricht, sondern auch in den Hofpausen, im Hort oder bei Veranstaltungen sind die beiden zusammen.

Gleiches Bild in der 3a. Beim Thema „Gesunde Ernährung“ legen alle Hand an, auch die mehrfach behinderte Vanessa. Mit einem Spezialmesser schneidet sie, wie die anderen, frisches Obst und Gemüse und verkostet es mit. Geht es in die Turnhalle oder ins Freie wird gewetteifert, wer Vanessa im Rollstuhl fahren darf. Meist gewinnt Dominique. Samantha und Angelique sind auch voll in die Klasse integriert. „Das ist doch ganz normal“, meinen die Grundschülerinnen Laura und Carla. Die vier verbindet über die Schule hinaus eine echte Mädchenfreundschaft.

Integrative Schule (Foto: Stiftung Finneck) Integrative Schule (Foto: Stiftung Finneck) „Eric ist lustig und lieb. Wir sind traurig, wenn er nicht da ist“, sagt Franziska aus der 4a. Sie ist genauso für den 10-Jährigen geistig behinderten Jungen im Unterricht und in den Pausen da, wie Ricki. Wie ein großer Bruder passt er auf den zarten Jungen auf, nimmt ihn mit auf den Pausenhof und stellt sich im Sport vor ihn, um ihn vor den harten Bällen zu schützen. Auf die Frage, warum er sich so um Eric kümmert, antwortet er: „Erich ist cool“.

Sachkunde ist Pascal sein Ding. Hier weiß er Bescheid und schreibt sogar die gleichen Arbeiten, wie die Grundschüler. „Der gemeinsame Unterricht hilft nicht nur den „normalen“ Kindern, mit Menschen mit Behinderung vorurteilsfrei und offen umzugehen. Auch die behinderten Kinder lernen mehr, werden gefordert und mehr in den Alltag integriert als in einer klassischen Förderschule“, erzählt Manuela Fischer, Sonderpädagogische Fachkraft. Für sie ist die Arbeit in diesem integrativen Projekt ein Glücksfall. Dafür nimmt sie sogar täglich einen ziemlich weiten Arbeitsweg auf sich. Auch das Pädagogenteam der Grundschule möchte das Projekt nicht missen und ist engagiert dabei.

Integrative Schule (Foto: Stiftung Finneck) Integrative Schule (Foto: Stiftung Finneck)

Das integrative Projekt „Lernen unter einem Dach“ steht an der Grundschule Ebeleben also auf gesunden Füßen. Ziel ist, dass die Förderkinder ihre 12 Schulpflichtjahre möglichst an einer staatlichen Schule integrativ verbringen können.
Text und Bilder: Finneck-Stiftung
Integrative Schule (Foto: Stiftung Finneck)
Integrative Schule (Foto: Stiftung Finneck)
Integrative Schule (Foto: Stiftung Finneck)
Autor: khh

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