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Sa, 17:40 Uhr
22.05.2010

Tragödie in Sachsenburg (2)

In der Polizeidirektion Nordhausen stand das Telefon heute nicht still. Nach dem tragischen Tod eines 3-jährigen Mädchens in Sachsenburg im Kyffhäuserkreis wurde am Nachmittag eine Pressekonferenz einberufen, dabei wurden die bisherigen Erkenntnisse erläutert.


Uwe Köppel und Komissar Becker (Foto: Angelo Glashagel) Uwe Köppel und Komissar Becker (Foto: Angelo Glashagel)

Auch überregionale Medienvertreter hatten sich eingefunden, um dem Leiter der Polizeidirektion Uwe Köppen, dem leitenden Ermittlungsbeamten Kriminaloberkomissar Becker, der Staatsanwältin Sandra Bock aus Mühlhausen, einem Vertreter des der Verwaltung des Kyffhäuserkreises sowie dem Amtstierarzt Fragen zu stellen.

Viele neue Erkenntnisse traten dabei nicht zutage. Aber zumindest in der Kette der Ereignisse herrscht jetzt mehr Klarheit. Zwischen 17 Uhr und 17:30 Uhr betrat die Urgroßmutter, anscheinend mit dem Mädchen auf dem Arm, das Haus der Tante. Im Haus fielen die vier Staffordshire Bullterrier sofort das Kind an, und verletzten es tödlich am Kopf. Die 70-jährige Großmutter versuchte noch das Kind zu schützen und wurde dabei selber schwer, jedoch nicht lebensgefährlich, verletzt. Das Mädchen wäre am 31. Mai vier Jahre alt geworden, die Urgroßmutter befindet sich im Krankenhaus.

Die Hundehalterin befand sich derweil im Garten und bemerkte nichts von der Tragödie, die sich in ihrem Haus abspielte. Als einer ihrer Hunde mit Blutflecken am Hals in den Garten gelaufen kam, dachte sie zuerst die Hunde hätten ein anderes Tier, eine Katze etwa, verletzt. Als sie die beiden Opfer fand, schaffte sie es die Hunde unter Kontrolle zu bringen, und sperrte sie im Untergeschoss des Hauses ein.

Aufgrund der traumatischen Erlebnisse können sich jedoch weder die Hundehalterin, noch die Uroma an den genauen Ablauf der Ereignisse erinnern. Die Befragungen wurden deshalb unter Vorbehalt geführt. Die Betroffenen sowie die anderen Familienangehörigen werden vom Kriseninterventionsteam der Nordhäuser Polizei betreut. Doch selbst an den eingesetzten Beamten geht die Tragik der Ereignisse nicht spurlos vorüber, einige Rettungskräfte mussten wegen der psychischen Belastung ersetzt werden.

Die Hunde wurden aus diagnostischen Gründen eingeschläfert, da manche Krankheiten, insbesondere solche die das zentrale Nervensystem betreffen, nur am toten Tier festgestellt werden können, so der Amtstierarzt des Kyffhäuserkreises, Dr. Wolf.
Darüber, was ihr "abnormales", aggressives Verhalten ausgelöst haben mag, kann aber bis zum Abschluss der Untersuchungen nur spekuliert werden.

Über die Tiere, die sich frei im Haus bewegen konnten, lagen bei den Behörden des Landkreises keinerlei Informationen vor. Lediglich ein Nachbar hatte sich bereits einmal beschwert und seinen Zaun erneuert, weil er etwaiges aggressives Verhalten der Tiere befürchtete.

Gegen die 44-jährige Hundehalterin, die seit 20 Jahren verschiedene Hunderassen besessen hat, wird wegen fahrlässiger Tötung und Fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.
Angelo Glashagel
Autor: agl

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Kommentare
Copello
23.05.2010, 01:07 Uhr
Echt super
Jetzt sind wieder die Tiere dran Schuld.
Erst heißt es von der Polizei 3 Stafford Terrier und 1 Husky und das Mädchen wäre allein gewesen mit den Hunden. Jetzt Heißt es 4 Stafford Terrier und alles ganz anders ausgelegt, wirklich sehr glaubwürdig unserer Polizei. Das wird doch alles so ausgelegt das die armen Tiere dran Schuld sind. Ich finde das ist Tierquälerei!!
Man sollte doch mal bei den Haltern nachfragen, aber das wird ja nie gemacht. Tiere können sich ja nicht wehren, also sind immer die Schuld. Eine Schande sowas.
Real Human
23.05.2010, 12:41 Uhr
Tiere nicht vermenschlichen!
Die Hauptübeltäter sind meiner Meinung nach die Züchter und die Politiker, die es verabsäumt haben, Gesetze zu erlassen, die solche quasi Qualzüchtungen zu verbieten. Natürlich ist ein Markt für solche Kampfhunderassen vorhanden. Es sind vor allem Kriminelle und Machtmenschen, die sich mit solchen biologischen Kampfmaschinen als „legale Waffe“ versorgen.

Für Leute, die sich damit nur vor Einbrechern oder „böswilligen Nachbarn“ schützen wollen, stellen sie eher eine Gefahr dar. Dafür könnte die Tragödie selbst ein Beispiel sein. (Ausnahmen bestätigen die Regel!)

Natürlich sind die Tiere selbst nicht schuldfähig. Sie haben aber auch kein Bewusstsein über ihren eigenen Tod. Sie sind bis auf einen kleinen Pikser fast schmerzlos eingeschläfert worden. Das ist meiner Meinung nach mit Abstand das kleinere Übel gegenüber ihrem Weiterleben als (erwiesenermaßen) potenzielle Gefahr.

Viele Bürger gehen leider ihrem (verständlichen) Wunschdenken auf den Leim, indem sie in ihren Haustieren so etwas Ähnliches wie kleine Kinder sehen. Dieses Denken ist (vom Niveau her) nicht weit von dem entfernt, was sich die vier Staffordshire Bullterrier über das kleine Mädchen „gedacht“ haben. Sie haben es wohl als Eindringling in ihr Rudel aufgefasst und ohne zu bellen (mit auf Grund ihrer von Menschen angezüchteten Aggressivität) gleich einen tödlichen Biss ausgeführt.

Übrigens ist auch von „Menschenkindern“ bekannt, dass sie gegen konkurrierende Geschwister manchmal mit tödlicher Aggressivität vorgehen – z.B. weil sie die Liebe ihrer Mutter plötzlich mit einem Neugeborenen mehr als hälftig teilen müssen.
Georg66
23.05.2010, 13:49 Uhr
Schuld?
Die Hunde haben einen Menschen getötet! Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Die Hunde, welche sofort auf das Mädchen losgegangen sind, haben auch sofort den Tod verdient und nicht erst nach der gnädigen Zustimmung der Hundehalterin.

Oder sollen diese weiterleben, während das Kind unter der Erde liegt? Die Anzahl der Hunde und warum und weshalb ist dabei völlig egal. Wer einen Menschen getötet hat muss weg. Ein Menschenleben steht über allem!

Wer das nicht begreift, dem ist nicht zu helfen. Was hat wohl das Kind in der Sekunde des Todes durchmachen müssen!? Grauenvoll......
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