So, 07:01 Uhr
01.08.2010
An Gründung erinnert
Vor 117 Jahren wurde die Gewerkschaft "Glückauf Sondershausen" gegründet. Durch Zufall fiel unserem Leser Haus-Jürgen Schmidt neues Historisches Matrial in die Finger...
Ein Grund sich mit den Bedingungen zu dieser Zeit zur Gewinnung des weißen Goldes zu beschäftigen. Manchmal hat man Glück. Aus dem Bestand eines ehemaligen Arbeitskollegen, der leider verstorben ist, habe ich eine Bilderserie, zusammen gefasst in einer Mappe mit dem Titel "Gewerkschaft Glückauf" Sondershausen 1905" erhalten, die verdeutlichen wie damals vor über einhundert Jahren gearbeitet wurde.
Die Gewerkschaft wurde am 9.2.1893 gegründet. Die Schachtabteufarbeiten begann am 1.Mai 1893. Die entgültige Teufe von 670 m wurde am im September 1895 erreicht. Nun galt es das Füllort zu gestalten und die ersten Strecken aufzufahren. Ende Dezember 1895 waren 85 m Strecken aufgefahren. Zur Erklärung: Ein Füllort ist im Bergbau unter Tage die funktionelle Schnittstelle zwischen der meist seigeren (vertikalen) Schachtförderung und der söhligen (horizontalen) Streckenförderung. Es ist so gesehen das untertägige Gegenstück zur Hängebank. Räumlich betrachtet ist das Füllort der Kreuzungspunkt eines Schachtes und einer Strecke.
Mit einer Handbohrmaschine oder Lisbeth`schen Bohrmaschine wurden die Bohrlöcher für die Sprengstoffaufnahme gebohrt. Man brauchte cirka 60 Umdrehungen, um ein Zentimeter Vortrieb zu erreichen, sicherlich abhängig von der jeweiligen Härte des Salzgesteins. (siehe Bild 1).Auf diesem Bild ist auch zu sehen, dass die Förderwagen von Hand gefüllt wurden. Die Schaufel war das "Ladegerät" (siehe auch Bild 1.1). In später Zeit kamen dann elektrische Bohrmaschinen zum Einsatz. Es waren sogenannt Bohrmaschinen mit biegsamer Welle (siehe Bild 2). Die Beleuchtung vor Ort war spärlich. Zunächst war es ein sogenannter offener Frosch, der Licht spendete.
Erst in den später Jahren kamen Karbidlampen zum Einsatz .Die gefüllten Förderwagen wurden dann in der Streckenförderung mit Pferden zum Schacht gefahren (siehe Bild 3). Im Füllort wurden die Förderwagen von Hand auf das Gestell des Förderkorbes geschoben (siehe Bild 4). Am 28.11.1895 wurde eine leistungsstarke Bobinen-Dampfmaschine zum Einsatz gebracht, die die Schachtförderung realisierte (siehe Bilder 4, 5, 5.1). Leergeförderte Abbau wurden wieder versetzt (verfüllt). Dazu wurde Fabrikrückstände und mit Asche aus dem Kesselhaus vermischt und mit Förderwagen in den Abbau gebracht. Hier wurden sei von Hand geleert (siehe Bild 6 ). Übertage wurde das Rohsalz gemahlen und in der Chlorkaliumfabrik letztlich zu Chlorkalium (KCl) durch Löseprozesse verarbeitet.
Dazu wurde Energie für untertage und übertage benötigt. In dem sogenannten Kesselhaus (siehe Bild 7) wurde der elektrische Strom erzeugt, der über Verteileranlagen zu den einzelnen Betriebsorten gesandt wurde (siehe Bild 8 ). In einem Büro wurden alle Fakten vom Lohn bis zu den Betriebsergebnissen zusammen getragen. (siehe Bild 9 ). Im Jahre 1905 gab es ein Regierungsjubiläum des Fürsten. Hier haben sich die Bergleute mit einer Parade und einem Ehrengeschenk beteiligt (siehe Bilder 10,11).
Heute ist der Schacht I oder Brügmanschacht , genannt nach dem Gründer der Gewerkschaft, der ältest befahrbare Kalischacht der Welt und es werden wieder 200 000 t Steinsalz im Jahr gefördert. Im letzten Winter konnte Thüringen davon profitieren.
Wer weitere Angaben haben möchte, der sei auf folgende Ausführungen hingewiesen:
Hans-Jürgen Schmidt, "Die Gewerkschaft "Glückauf" Sondershausen -1893 -1926", Erhältlich unter der Telefonnummer 03632 655280 oder 03632 665201.
Text +Bilder: Hans-Jürgen Schmidt, Sondershausen
Autor: khhEin Grund sich mit den Bedingungen zu dieser Zeit zur Gewinnung des weißen Goldes zu beschäftigen. Manchmal hat man Glück. Aus dem Bestand eines ehemaligen Arbeitskollegen, der leider verstorben ist, habe ich eine Bilderserie, zusammen gefasst in einer Mappe mit dem Titel "Gewerkschaft Glückauf" Sondershausen 1905" erhalten, die verdeutlichen wie damals vor über einhundert Jahren gearbeitet wurde.
Die Gewerkschaft wurde am 9.2.1893 gegründet. Die Schachtabteufarbeiten begann am 1.Mai 1893. Die entgültige Teufe von 670 m wurde am im September 1895 erreicht. Nun galt es das Füllort zu gestalten und die ersten Strecken aufzufahren. Ende Dezember 1895 waren 85 m Strecken aufgefahren. Zur Erklärung: Ein Füllort ist im Bergbau unter Tage die funktionelle Schnittstelle zwischen der meist seigeren (vertikalen) Schachtförderung und der söhligen (horizontalen) Streckenförderung. Es ist so gesehen das untertägige Gegenstück zur Hängebank. Räumlich betrachtet ist das Füllort der Kreuzungspunkt eines Schachtes und einer Strecke.
Mit einer Handbohrmaschine oder Lisbeth`schen Bohrmaschine wurden die Bohrlöcher für die Sprengstoffaufnahme gebohrt. Man brauchte cirka 60 Umdrehungen, um ein Zentimeter Vortrieb zu erreichen, sicherlich abhängig von der jeweiligen Härte des Salzgesteins. (siehe Bild 1).Auf diesem Bild ist auch zu sehen, dass die Förderwagen von Hand gefüllt wurden. Die Schaufel war das "Ladegerät" (siehe auch Bild 1.1). In später Zeit kamen dann elektrische Bohrmaschinen zum Einsatz. Es waren sogenannt Bohrmaschinen mit biegsamer Welle (siehe Bild 2). Die Beleuchtung vor Ort war spärlich. Zunächst war es ein sogenannter offener Frosch, der Licht spendete.
Erst in den später Jahren kamen Karbidlampen zum Einsatz .Die gefüllten Förderwagen wurden dann in der Streckenförderung mit Pferden zum Schacht gefahren (siehe Bild 3). Im Füllort wurden die Förderwagen von Hand auf das Gestell des Förderkorbes geschoben (siehe Bild 4). Am 28.11.1895 wurde eine leistungsstarke Bobinen-Dampfmaschine zum Einsatz gebracht, die die Schachtförderung realisierte (siehe Bilder 4, 5, 5.1). Leergeförderte Abbau wurden wieder versetzt (verfüllt). Dazu wurde Fabrikrückstände und mit Asche aus dem Kesselhaus vermischt und mit Förderwagen in den Abbau gebracht. Hier wurden sei von Hand geleert (siehe Bild 6 ). Übertage wurde das Rohsalz gemahlen und in der Chlorkaliumfabrik letztlich zu Chlorkalium (KCl) durch Löseprozesse verarbeitet.
Dazu wurde Energie für untertage und übertage benötigt. In dem sogenannten Kesselhaus (siehe Bild 7) wurde der elektrische Strom erzeugt, der über Verteileranlagen zu den einzelnen Betriebsorten gesandt wurde (siehe Bild 8 ). In einem Büro wurden alle Fakten vom Lohn bis zu den Betriebsergebnissen zusammen getragen. (siehe Bild 9 ). Im Jahre 1905 gab es ein Regierungsjubiläum des Fürsten. Hier haben sich die Bergleute mit einer Parade und einem Ehrengeschenk beteiligt (siehe Bilder 10,11).
Heute ist der Schacht I oder Brügmanschacht , genannt nach dem Gründer der Gewerkschaft, der ältest befahrbare Kalischacht der Welt und es werden wieder 200 000 t Steinsalz im Jahr gefördert. Im letzten Winter konnte Thüringen davon profitieren.
Wer weitere Angaben haben möchte, der sei auf folgende Ausführungen hingewiesen:
Hans-Jürgen Schmidt, "Die Gewerkschaft "Glückauf" Sondershausen -1893 -1926", Erhältlich unter der Telefonnummer 03632 655280 oder 03632 665201.
Text +Bilder: Hans-Jürgen Schmidt, Sondershausen













