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Mi, 15:18 Uhr
01.09.2010

"Leckerbissen" für Volleyball-Fans

Neben den Fans des Kugelstoßens, des Fußballs und den Handballs kommen in diesem Jahr auch die Anhänger des Volleyballs auf ihre Kosten. Am Freitag treffen die Nationalteams von Russland und Deutschland in der Nordhäuser Wiedigsburghalle aufeinander. nnz stellt beide Teams vor...

Russland (Foto: FIVB) Russland (Foto: FIVB)

Seit Jahrzehnten gehört die russische Nationalmannschaft zu den dominierenden Teams in Europa und der gesamten Volleyballwelt. Zu Zeiten der Sowjetunion war Platz eins bei Europameisterschaften eine Selbstverständlichkeit. Man beherrschte in den siebziger und achtziger Jahren den kontinentalen Volleyball nach Belieben. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks riss allerdings die Siegesserie der Volleyballer aus dem Osten – die Zugehörigkeit zur Weltspitze blieb jedoch auch nach den Wirren des politischen Wandels erhalten. Der gewohnte Platz 1 und die damit verbundenen Goldmedaillen gab es jedoch nicht mehr. Die Konkurrenz wurde größer, Italien und vor allem Olympiasieger Jugoslawien (Serbien & Montenegro bzw. Serbien) nahmen den Russen in Europa die Federführung ab. Und weltweit beißen sich alle europäischen Teams seit mittlerweile knapp zehn Jahren die Zähne an den Brasilianern aus.

Plakat (Foto: Agentur) Plakat (Foto: Agentur) Sicherlich existiert nicht mehr die Dominanz der russischen Nationalmannschaft. Doch die Erfolge der Russen hätten andere Nationen gerne: Zuletzt gab es Olympia-Bronze 2008, Platz vier bei der EM 2009 sowie einen enttäuschenden siebten Platz bei der WM 2006. Hoffnung macht der zweite Platz (natürlich hinter Brasilien) in der Weltliga 2010. Im Finale zeigten die Russen, dass sie mit dem weltbesten Team mehr als nur mithalten können, unterlagen jedoch am Ende knapp in vier Sätzen. Die nächste Medaille – und eigentlich zählt nur die Goldmedaille – soll bei der WM in Italien gewonnen werden. Dafür wird die Mannschaft des italienischen Trainers Daniele Bagnoli alles tun.

Die Spielweise des russischen Nationalteams wird den Zuschauern schnell deutlich werden, hoch, athletisch und hart heißt die Devise. Beispielhaft steht hierfür der 2,17 Meter Hüne Alexei Kazakov, der allerdings zuletzt nur zweite Wahl in der Mitte war. Grund: Mit Dmitriy Muserskiy (2,15 m) und Alexander Volkov (2,10 m) setzt Bagnoli auf die „kleinen“ Leute im Mittelblock. Der erst 21-jährige Muserskiy war bei der World League die Entdeckung und avancierte zum besten Blockspieler. Hauptangreifer ist Maxim Mikhaykov, der in der World League punktbester Akteur der Finalrunde und bester Angreifer war.

In der FIVB-Weltrangliste wird die russische Nationalmannschaft auf Platz 2 geführt. Mit diesen Voraussetzungen gehen die russischen Spieler sicherlich als Favorit in die Länderspiele gegen die deutsche Mannschaft, die bei den letzten Vergleichen stets gut mithalten konnte.

Der letzte Vergleich aus deutscher Sicht
7.8.2009 WM-Qualifikation in Tampere/FIN: GER – RUS 1:3 (20-25, 25-19, 18-25, 19-25)

Die Bilanz der deutschen Mannschaft gegen die Russland*
86 Spiele – 25 Siege – 61 Niederlagen
*inklusive der Spiele der DDR

Deutschland (Foto: Conny Kurth) Deutschland (Foto: Conny Kurth)

Für Deutschlands Männer war die Teilnahme an der World League 2010 die Erfüllung eines Traums, den sie sich redlich verdient hatten. Die starke Saison 2009 begann mit dem überraschenden Gewinn der European League und der erfolgreichen WM-Qualifikation und endete mit Platz sechs bei der EM sowie der gelungenen World League Qualifikation.

Und das Comeback auf der großen Volleyball-Bühne verlief glänzend: Deutschland wies am Ende der World League eine 7:5-Bilanz gegen die Top-Nationen Kuba, Polen und Argentinien auf und schob sich durch die erarbeiteten Weltranglistenpunkte bis auf Platz elf in der Weltrangliste vor – so gut stand eine deutsche Männer-Auswahl noch nie da.

Einen großen Anteil daran hat Neu-Bundestrainer Raúl Lozano, der der DVV-Auswahl nach den Olympischen Spielen 2008 ein neues Gesicht und eine neue Struktur gab und damit großen Erfolg hatte. Den eingeschlagenen Weg will seine Mannschaft mit starken Auftritten gegen die aktuell weltbesten Teams Brasilien und Russland in Länderspielen vor der WM-Endrunde fortsetzen.

Dabei stimmt auch 2010 die „Mischung“ aus jung und alt: Erfahrene Spieler wie Jochen Schöps (Odintsovo/RUS), Björn Andrae (Kemerovo/RUS) oder Robert Kromm (Ural Ufa/RUS) übernehmen Verantwortung, die „jungen Wilden“ wie Patrick Steuerwald, Sebastian Schwarz (Perugia/ITA) oder Ferdinand Tille, Denis Kaliberda (Generali Haching) spielten unbeschwert auf und glänzen mit starken Leistungen. Zudem spielte sich Diagonalangreifer Georg Grozer (Rszeszow/POL) in einen „Rausch“ und eroberte Platz zwei in der Liste der besten Punktesammler. Und mit Rückkehrer Stefan Hübner (evivo Düren) hat Lozano auch im Mittelblock mehrere Alternativen.

Auch nach der World League soll dieser Erfolgsweg weiter gegangen werden. Die Teilnahme an diesem Premium-Wettbewerb wie auch Spiele gegen weitere Top-Teams sieht Bundestrainer Lozano als Schlüssel, um weiter an die Weltklasse heran zu rücken: „Ich wollte gegen die besten Teams spielen, weil die Mannschaft dann merkt, woran sie ist. Sie braucht die Spiele, um auf längerem Niveau gegen diese Top-Teams zu spielen, auch in Vorbereitung auf die WM. Wir versuchen natürlich, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen, das ist auch wichtig für das Selbstvertrauen.“

Selbstvertrauen tanken, Siege feiern, Begeisterung wecken – das waren die Ziele, die das DVV-Team in der World League anstrebte und erfüllte, die aber auch beim absoluten Höhepunkt auf der Agenda stehen: Die WM-Endrunde in Italien (25. September bis 10. Oktober) dürfte auch für die deutschen Spieler zu einem echten Leckerbissen werden, denn in Italien ist der Volleyballsport sehr hoch angesehen. Damit die deutsche Auswahl möglichst lange dabei ist und die WM genießen kann, ist eine starke Leistung von Nöten, denn die Vorrundengegner in Triest haben es in sich: Serbien, Polen und Kanada zählen allesamt zur Weltspitze und können nur an einem guten Tag bezwungen werden.
Angriff von Muserski (Foto: Agentur)
Grozer jubelt (Foto: Agentur)
Russischer Monsterblock (Foto: Agentur)

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