Di, 13:49 Uhr
24.08.2010
Buchlesungen werden forgesetzt
Auf die Fortsetzung der Ebelebener Werkstattlesungen, dieses Mal mit Erika Riemann, weist Ebelebens Bürgermeister Uwe Vogt (SPD) hin. Wer Erika Riemann noch nicht kennt erfährt es hier, genauso wie den Termin der Lesung...
Die Reihe der Ebelebener Werkstattlesungen wird mit der nun schon vierten Lesung fortgesetzt werden. Nachdem bereits der Berliner Autor David Ensikat mit "Kleines Land, große Mauer" gastierte, die einheimischen Autoren Uwe Vogt und Helmut Röttig aus dem zweiten Band von "Geschichte & Geschichten aus Ebeleben" lasen und zuletzt Freya Klier mit ihrem Buch "Michael Gartenschläger- Kampf gegen Mauer und Stacheldraht" für Aufsehen sorgte, wird nun eine weitere Lesung stattfinden. Im großen Saal der Mühlhäuser Werkstätten für Behinderte e.V. im Teichmühlenweg 1 a wird am Mittwoch, den 27. Oktober 2010, 19 Uhr, die Autorin Erika Riemann aus ihrem neuen Buch "Stalins Bart ist ab- Von Bautzen zum Bundesverdienstkreuz" lesen. Dieses Buch ist in diesem Jahr im Verlag "Hoffmann und Campe" erschienen.
Erika Riemann wurde 1930 in Mühlhausen geboren. Frau Riemann war von 1945 bis 1954 in verschiedenen sowjetischen Speziallagern inhaftiert. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem erfolgreichen Buch "Die Schleife an Stalins Bart" publiziert. Sie besuchte bis zum Alter von 14 Jahren die Schule in ihrer Heimatstadt. Zur Inhaftierung wegen "antisowjetischer Aktivitäten" kam es, nachdem sie ein Porträt Stalins mit einem Lippenstift bemalt hatte. Sie hatte nach Kriegsende mit ein paar anderen Jugendlichen ihre gerade wieder hergerichtete Schule besichtigt. Ihr Blick fiel auf ein Stalin-Bild genau an der Stelle, an der bis vor kurzem ein Hitler-Porträt hing. "Mit dem Spruch, Du siehst ja ziemlich traurig aus", schreibt sie, "trat ich an das Bild heran und malte mit dem Lippenstift eine kecke Schleife um den Schnauzbart."
Dabei wurde sie beobachtet und angezeigt und schon kurze Zeit später beginnt für sie eine achtjährige Haft in verschiedenen Zuchthäusern und Lagern mit Stationen wie Bautzen, Sachsenhausen (in das berüchtigte Speziallager Nr.7) und Hoheneck. Im ersten Buch beschreibt Frau Riemann, was es für sie bedeutete, eine ganze Jugend hinter Mauern zu verbringen, Prügel, Schikane, Hunger und Depression durchzustehen. Während ihrer Haft wurde sie über einen längeren Zeitraum psychisch gefoltert. So kam es z.B. zu einer Scheinhinrichtung, bei der sie mit anderen in einen Duschraum des Speziallagers geführt wurde. Dort drohten die Bewacher, man werde den Häftlingen das Gleiche antun wie den Opfern des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen, auf dessen Gelände das Speziallager betrieben wurde, denn aus den Duschen komme kein Wasser sondern Gas.
Nach der Entlassung war Erika Riemann zutiefst traumatisiert und ging in den Westen Deutschlands. Mit über siebzig Jahren verfasste sie das Buch, in dem sie ihr Schicksal darstellt. Die Schleife an Stalins Bart hat Erika Riemann zu einer öffentlichen Person gemacht, die seit Erscheinen des Buches zu zahllosen Veranstaltungen, Lesungen, Talkshows eingeladen wurde, Berge von Briefen erhalten hat und im November 2009 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Sie ist zu einer Dauerreisenden in Sachen Vergangenheitsbewältigung geworden, der es gelingt, die Menschen aus ihrem Schweigen über eigene traumatische Erfahrungen zu locken. Ihr Motto: "Die Wahrheit muss raus." In ihrem neuen Buch berichtet sie über die so schwierige wie lohnende Arbeit sich den jahrzehntelang verdrängten Erinnerungen an erlittenes SED-Unrecht zu stellen. Sie spricht von sich, aber für viele. "Ich stelle mich der Verpflichtung, über diese Zeit zu sprechen", sagt Erika Riemann. Noch heute warnt sie davor, die Vorkommnisse der Stalin-Ära zu verharmlosen.
Uwe Vogt
Autor: khhDie Reihe der Ebelebener Werkstattlesungen wird mit der nun schon vierten Lesung fortgesetzt werden. Nachdem bereits der Berliner Autor David Ensikat mit "Kleines Land, große Mauer" gastierte, die einheimischen Autoren Uwe Vogt und Helmut Röttig aus dem zweiten Band von "Geschichte & Geschichten aus Ebeleben" lasen und zuletzt Freya Klier mit ihrem Buch "Michael Gartenschläger- Kampf gegen Mauer und Stacheldraht" für Aufsehen sorgte, wird nun eine weitere Lesung stattfinden. Im großen Saal der Mühlhäuser Werkstätten für Behinderte e.V. im Teichmühlenweg 1 a wird am Mittwoch, den 27. Oktober 2010, 19 Uhr, die Autorin Erika Riemann aus ihrem neuen Buch "Stalins Bart ist ab- Von Bautzen zum Bundesverdienstkreuz" lesen. Dieses Buch ist in diesem Jahr im Verlag "Hoffmann und Campe" erschienen.
Erika Riemann wurde 1930 in Mühlhausen geboren. Frau Riemann war von 1945 bis 1954 in verschiedenen sowjetischen Speziallagern inhaftiert. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem erfolgreichen Buch "Die Schleife an Stalins Bart" publiziert. Sie besuchte bis zum Alter von 14 Jahren die Schule in ihrer Heimatstadt. Zur Inhaftierung wegen "antisowjetischer Aktivitäten" kam es, nachdem sie ein Porträt Stalins mit einem Lippenstift bemalt hatte. Sie hatte nach Kriegsende mit ein paar anderen Jugendlichen ihre gerade wieder hergerichtete Schule besichtigt. Ihr Blick fiel auf ein Stalin-Bild genau an der Stelle, an der bis vor kurzem ein Hitler-Porträt hing. "Mit dem Spruch, Du siehst ja ziemlich traurig aus", schreibt sie, "trat ich an das Bild heran und malte mit dem Lippenstift eine kecke Schleife um den Schnauzbart."
Dabei wurde sie beobachtet und angezeigt und schon kurze Zeit später beginnt für sie eine achtjährige Haft in verschiedenen Zuchthäusern und Lagern mit Stationen wie Bautzen, Sachsenhausen (in das berüchtigte Speziallager Nr.7) und Hoheneck. Im ersten Buch beschreibt Frau Riemann, was es für sie bedeutete, eine ganze Jugend hinter Mauern zu verbringen, Prügel, Schikane, Hunger und Depression durchzustehen. Während ihrer Haft wurde sie über einen längeren Zeitraum psychisch gefoltert. So kam es z.B. zu einer Scheinhinrichtung, bei der sie mit anderen in einen Duschraum des Speziallagers geführt wurde. Dort drohten die Bewacher, man werde den Häftlingen das Gleiche antun wie den Opfern des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen, auf dessen Gelände das Speziallager betrieben wurde, denn aus den Duschen komme kein Wasser sondern Gas.
Nach der Entlassung war Erika Riemann zutiefst traumatisiert und ging in den Westen Deutschlands. Mit über siebzig Jahren verfasste sie das Buch, in dem sie ihr Schicksal darstellt. Die Schleife an Stalins Bart hat Erika Riemann zu einer öffentlichen Person gemacht, die seit Erscheinen des Buches zu zahllosen Veranstaltungen, Lesungen, Talkshows eingeladen wurde, Berge von Briefen erhalten hat und im November 2009 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Sie ist zu einer Dauerreisenden in Sachen Vergangenheitsbewältigung geworden, der es gelingt, die Menschen aus ihrem Schweigen über eigene traumatische Erfahrungen zu locken. Ihr Motto: "Die Wahrheit muss raus." In ihrem neuen Buch berichtet sie über die so schwierige wie lohnende Arbeit sich den jahrzehntelang verdrängten Erinnerungen an erlittenes SED-Unrecht zu stellen. Sie spricht von sich, aber für viele. "Ich stelle mich der Verpflichtung, über diese Zeit zu sprechen", sagt Erika Riemann. Noch heute warnt sie davor, die Vorkommnisse der Stalin-Ära zu verharmlosen.
Uwe Vogt
