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Mi, 14:25 Uhr
15.09.2010

Ausstellung und Zeitzeugengespräch

Die Frage nach dem Wegfall der Wehrpflicht war heute in einem Forum recht brisant beantwortet worden. „Entfernung von der Truppe“ – Kriegsdienstverweigerung und Desertion im Dritten Reich, unter diesem Thema beginnt heute eine Ausstellung und lief ein Zeitzeugengespräch in der Zivildienstschule Sondershausen...

Eine Fotoausstellung zur Geschichte und Bedeutung von Kriegsdienstverweigerung und Desertion ist seit heute in der Zivildienstschule Sondershausen zu besichtigen. Die Wanderausstellung der Berliner Friedensbibliothek zeigt - illustriert mit 250 schwarz-weiß Fotografien - die Lebensläufe von 42 Wehrmachtsdeserteuren, unter ihnen Heinrich Böll.

Biografische Daten und Briefe dokumentieren, wie diese Männer den Krieg erlebt haben. Zur Eröffnung der Ausstellung besuchte Ludwig Baumann (Foto) – als ehemaliger Wehrmachtsdeserteur – die Zivildienstschule, um als Zeitzeuge mit mehr als 130 anwesenden Zivildienstleistenden über seine Lebensgeschichte zu sprechen.

Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Baumann, Jahrgang 1921, war 1942 als Wehrmachtssoldat desertiert, auf der Flucht jedoch verhaftet und später zum Tode verurteilt worden. Nach Haft und Folter konnte er aber durch glückliche Umstände der Todesstrafenvollstreckung entrinne. Nachdem Baumann sich in den 1980er Jahren der damaligen Friedensbewegung angeschlossen hatte, gründete er Anfang der 1990er Jahre die Bundesvereinigung Opfer der NS- Militärjustiz e.V. Seither hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für die Rehabilitation der ehemaligen Wehrmachtsdeserteure einzutreten.

Im Mai 2002 hob der Deutsche Bundestag die Gerichtsurteile gegen Deserteure auf - ein Erfolg
von Ludwig Baumanns politischer Arbeit.
Schulleiter Ulrich Fuchs bezeichnete Baumann als einen „sehr mutigen Mann, dessen Tun und Wirken ein eindrucksvolles, vorbildliches Beispiel für Zivilcourage darstellt“.
Noch bis zum 8. Oktober ist die Ausstellung Montags, Mittwochs und Donnerstags jeweils von 9 bis 17 Uhr sowie Freitags von 9 bis 14 Uhr sowohl für die breite Öffentlichkeit als auch Schulen der Region zugänglich. Zur besseren Koordinierung bittet die in der Panzerstraße gelegene Zivildienstschule alle Interessenten, sich telefonisch unter der Rufnummer03632/711717 anzumelden.

Nach den Ausführungen von Ludwig Baumann hatten die Zivildienstleistenden im Forum die Möglichkeit Fragen an Ludwig Baumann zu stellen. Dabei fiel auch die Frage, was Baumann von dem Wegfall der Wehrpflicht halte. Interessant dabei die Antwort. Bei einer reinen Berufsarmee besteht nach Baumann eine größere Gefahr, weil es leichter sei Kriegsverbrechen zu vertuschen. In der Diskussion ins Feld geführt wurde dabei, dass eine reine Berufsarmee nicht mehr dem Parlamentsvorbehalt unter stehe. Ein Antwort, die sicher recht viel Brisanz enthält.

Definitionen von Parlamentsvorbehalt in Wikipedia:
Der Parlamentsvorbehalt bedingt, dass alle Entscheidungen, die von substantiellem Gewicht für das Gemeinwesen sind, eine direkte parlamentarische Zustimmung brauchen und nicht der Entscheidungsmacht anderer Organe der Staatsgewalt anvertraut werden dürfen.


Eng im Zusammenhang mit der Frage des Wegfalls der Wehrpflicht kam auch die Frage nach der Zukunft der Zivildienstschule hoch. Schulleiter Ulrich Fuchs sagte da recht diplomatisch, man müsse erst die tatsächlichen politischen Entscheidungen abwarten, ehe hier über den Fortbestand oder eine andere Ausrichtung der Zivildienstschule gesprochen wird.

Auch nach dem Forum wurde noch weiter diskutiert. So kam an Baumann die Frage, was er von den Soldaten hielt, die trotzdem mit der Truppe weitergekämpft haben. „Ich kann nicht alle verurteilen, die den Krieg mitgemacht haben,“ so Baumann in seiner Antwort.

Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Zum Abschluss bekam Ludwig Baumann vom Schulleiter einen Bildband über Sondershausen überreicht. Wer mehr zum Thema Ludwig Baumann wissen möchte, sollte sich im „Spiegel“ vom 26. Januar 2009 informieren.

Infos zur Zivildienstschule Sondershausen:
Die Zivildienstschule Sondershausen ist die jüngste von siebzehn Zivildienstschulen in der Bundesrepublik Deutschlands. Hier finden regelmäßig viertägige politische Bildungsseminare für Zivildienstleistende statt, die in der Regel aus Thüringen, Teilen Sachsen-Anhalts und Sachsens, Niedersachsens, Hessens sowie aus den nördlichen Regionen Bayerns kommen. In 2009 waren es fast 5.500 Teilnehmer.

Die Seminare bieten politische Themen an, die den Zivis Einblicke in komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge geben. Zugleich sollen sie sich in den Seminaren aktiv mit ihrer Rolle als Zivildienstleistender und Staatsbürger auseinandersetzen, um so ihr Engagement in Dienststelle und Gesellschaft zu festigen. Aufgearbeitet wird auch das Spannungsfeld zwischen persönlicher Entfaltung und staatlichen Anforderungen, aber auch aktuelle tagespolitische Fragen. Themen sind beispielsweise: „’Hilfe! Ich will sterben’ – Das Problem der Sterbehilfe", Stürzt die Welt ins Energie- und Klimachaos?", "Wir Medienmenschen", "Freiheit und Sicherheit: ein unauflösbarer Widerspruch?", "Jung und Alt – Miteinander der Generationen" oder "Zivilcourage", „Der Islam oder: Was man über den Islam wissen sollte“.

Infos zum Bundesamt für den Zivildienst:
Das Bundesamt für den Zivildienst (BAZ) in Köln ist für die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer und die Durchführung des Zivildienstes zuständig. Deshalb begleitet es jeden Kriegsdienstverweigerer von der Anerkennung über die Einberufung bis zur Entlassung. Auch politische Bildung und Heilfürsorge sind Aufgabe des Bundesamtes. Mit 17 Zivildienstschulen, acht Zivildienstgruppen sowie 94 Regionalbetreuerinnen und Regionalbetreuern ist das BAZ bundesweit direkt vor Ort vertreten.
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausstellung und Zeitzeugengespräch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Autor: khh

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