Mo, 07:04 Uhr
18.10.2010
kn Kommentar: Politiker machen Druck
Es wird recht deutlich, die Politiker versuchen in der Thematik neuer (alter) Kalistandort Roßleben Druck zu machen. Was steckt dahinter und wie sinnvoll ist das? Hierzu einige Anmerkungen...
Mit viel Vehemenz und Einsatz hat u.a. der Bürgermeister von Roßleben, Rainer Heuchel (SPD), nach der Schließung und Verwahrung des alten Standortes DDR- Kalistandortes Roßleben einen Neuaufschluss der Lagerstätte Roßleben ins Spiel gebracht, mit dem Resultat, dass die großflächigen Lagerstätten von Kalivorräten im Nordosten von Thüringen, bzw. auch zu einem überwiegenden Teil im angrenzenden Sachsen-Anhalt wieder ausgeschrieben wurden.
Die GVV, Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben, von der Sache her ein bundeseigene Gesellschaft hatte die Lagerstätte ausgeschrieben und sieben Bewerber hatten sich gemeldet. Aber schon im April 2008 wurde klar, dass viele Bewerber mit den möglichen Finanzierungen völlig überlastet gewesen wären, und wurden dann auch von der GVV aus dem Bewerberrennen genommen. Letztendlich blieben nur noch die Bewerber Florett S.A. und K+S Kali GmbH als ernsthafte Gesprächspartner übrig.
Seit Beginn der Ausschreibungen hat sich in der Weltlage aber einiges getan. Es gab und gibt sie noch immer, die schwere Finanzkrise, auch wenn scheinbar in Deutschland die Konjunktur wieder anzieht. Die Mittel wurden rar, der der Weltmarktpreis für Kali hat sich halbiert. Die Banken sind zögerlich mit Krediten. Erst recht wahrscheinlich an Kalifirmen, bei denen sich ja die Erlöse stark reduziert haben. Und die Finanzkrise ist offensichtlich lange noch nicht ausgestanden. In China soll schon wieder ein "Immobilienblase" vor dem platzen stehen. Und China ist im Kaligeschäft ein riesiger Absatzmarkt, der maßgeblich den Kalipreis mitbestimmen dürfte.
Unter diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, das am Dienstag, den 17.August 2010, 10:32 Uhr die offizielle Pressemeldung
Vertagung auf 2011 der GVV erschien, dass sich GVV und die beiden Mitbewerber einvernehmlich auf eine Verschiebung weiterer Verhandlungen geeinigt hätten. Bei einem geschätzten Finanzvolumen von ca. 500 bis 750 Millionen Euro ist nachvollziehbar, dass sich private Firmen in kein Finanzabenteuer stürzen wollen.
Das sollten die Politiker aber auch akzeptieren, denn aus einigen Gesprächen hat kn unterschwellig herausgehört, man sei mit dem Tempo der Verhandlungen nicht so recht zufrieden. Die Kaliproduzenten sind nicht in der komfortablen Lage, wie zum Beispiel die Bahn AG, mal so einfach über zwei Milliarden Euro (!) für einen Bahnhof (Stuttgart21) auszugeben. Und wenn das Ding vielleicht doch vor den Baum geht und gar drei Milliarden kostet, nun ja, als quasi Monopolist erhöht man mal schnell die Ticketpreise, die Bahnkunden können sich eh nicht ernsthaft wehren.
Anders sieht es bei den Kaliproduzenten aus, gerade wegen der niedrigen Weltmarktpreise stehen die sowieso schon unter Druck. Da sollten die Politiker nicht auch noch mit zuviel Druck die Firmen in Abenteuer stürzen wollen! Selbst nach einer Vergabe der Konzession kann es bis zu 10 Jahre dauern, ehe die Kaliproduktion wirklich läuft. Da braucht man einen langen Atem und geduldige Geldgeber, denn wer hat soviel Geld schon in der Portokasse. Denn es bringt absolut nichts ein, wenn sich ein Investor verhebt und vielleicht noch bestehende Arbeitsplätze gefährdet. Bei aller Euphorie der örtlichen Politiker, schließlich winken ja rund 700 Arbeitsplätze in der Region, sollten auch die anderen Arbeitsplätze nicht außer acht gelassen werden.
Und wenn man sieht, wie viel Politikerbesuche sich in letzter Zeit mit Kali Roßleben beschäftigt haben, besonders bei Besuchen in der GVV und bei GSES Sondershausen, dann dürften die beiden Bewerber schon mitbekommen haben, wie politisch erwünscht ein neues Kaliwerk in der Region ist. Deshalb sollte man mit dem Druck den Bogen nicht überspannen. Auch sollten die Politiker gegenüber der Bevölkerung klar machen, schnelle neue Arbeitsplätze sind nicht sofort zu erwarten. Hier sollte nicht eine zu große Erwartungshaltung geschürt werden, so wichtig neue Arbeitsplätze sind.
Und trotzdem muss deshalb ein Umstand verwundern. Da war am letzten Donnerstag viel politische Prominenz aus vielen Parteien Thüringens und Sachsen-Anhalts in Roßleben vereint, und keiner hat zu so einer Veranstaltung einen der wichtigsten aussagekräftigen Partner eingeladen. Der Geschäftsführer der GVV, Hans-Joachim Hartwig, hat erst aus der Pressemeldung bei kn von der Veranstaltung in Roßleben erfahren, wie er in einem Gespräch mit kn bestätigte. Und auch den beiden Mitbewerber um die Lagerstätte hatte man nicht die Gelegenheit eingeräumt, sich direkt bei den Politikern zu informieren. Vielleicht hätten die etwas über Fördermöglichkeiten hören wollen? Da wären sie allerdings leer ausgegangen, denn wie kn auf Nachfrage erfuhr, ist über mögliche finanzielle Förderung überhaupt nicht gesprochen worden.
Wenn die Politiker zum Ausdruck gebracht haben, man will sich demnächst wieder zusammensetzen, dann sollte man wohl doch mal näher ins Kalkül ziehen, auch die einzuladen, die es im Wesentlichen betrifft. Denn nichts geht über eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit potentiellen Investoren und eines sollten die Politiker nicht aus den Augen verlieren: Die Bewerber für die Kalilagerstätte Roßleben stehen nicht Schlange! Denn wenn auch nur einer der Bewerber aussteigt, könnten die möglichen Erlöse für die GVV, und damit für den Staat, ins Bodenlose fallen. Aber einen Trost gibt es. Die Entwicklung der Weltvorräte wird trotzdem dafür sorgen, dass die Lagerstätte Roßleben früher oder später aufgewältigt wird.
Karl-Heinz Herrmann
Autor: khhMit viel Vehemenz und Einsatz hat u.a. der Bürgermeister von Roßleben, Rainer Heuchel (SPD), nach der Schließung und Verwahrung des alten Standortes DDR- Kalistandortes Roßleben einen Neuaufschluss der Lagerstätte Roßleben ins Spiel gebracht, mit dem Resultat, dass die großflächigen Lagerstätten von Kalivorräten im Nordosten von Thüringen, bzw. auch zu einem überwiegenden Teil im angrenzenden Sachsen-Anhalt wieder ausgeschrieben wurden.
Die GVV, Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben, von der Sache her ein bundeseigene Gesellschaft hatte die Lagerstätte ausgeschrieben und sieben Bewerber hatten sich gemeldet. Aber schon im April 2008 wurde klar, dass viele Bewerber mit den möglichen Finanzierungen völlig überlastet gewesen wären, und wurden dann auch von der GVV aus dem Bewerberrennen genommen. Letztendlich blieben nur noch die Bewerber Florett S.A. und K+S Kali GmbH als ernsthafte Gesprächspartner übrig.
Seit Beginn der Ausschreibungen hat sich in der Weltlage aber einiges getan. Es gab und gibt sie noch immer, die schwere Finanzkrise, auch wenn scheinbar in Deutschland die Konjunktur wieder anzieht. Die Mittel wurden rar, der der Weltmarktpreis für Kali hat sich halbiert. Die Banken sind zögerlich mit Krediten. Erst recht wahrscheinlich an Kalifirmen, bei denen sich ja die Erlöse stark reduziert haben. Und die Finanzkrise ist offensichtlich lange noch nicht ausgestanden. In China soll schon wieder ein "Immobilienblase" vor dem platzen stehen. Und China ist im Kaligeschäft ein riesiger Absatzmarkt, der maßgeblich den Kalipreis mitbestimmen dürfte.
Unter diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, das am Dienstag, den 17.August 2010, 10:32 Uhr die offizielle Pressemeldung
Vertagung auf 2011 der GVV erschien, dass sich GVV und die beiden Mitbewerber einvernehmlich auf eine Verschiebung weiterer Verhandlungen geeinigt hätten. Bei einem geschätzten Finanzvolumen von ca. 500 bis 750 Millionen Euro ist nachvollziehbar, dass sich private Firmen in kein Finanzabenteuer stürzen wollen.
Das sollten die Politiker aber auch akzeptieren, denn aus einigen Gesprächen hat kn unterschwellig herausgehört, man sei mit dem Tempo der Verhandlungen nicht so recht zufrieden. Die Kaliproduzenten sind nicht in der komfortablen Lage, wie zum Beispiel die Bahn AG, mal so einfach über zwei Milliarden Euro (!) für einen Bahnhof (Stuttgart21) auszugeben. Und wenn das Ding vielleicht doch vor den Baum geht und gar drei Milliarden kostet, nun ja, als quasi Monopolist erhöht man mal schnell die Ticketpreise, die Bahnkunden können sich eh nicht ernsthaft wehren.
Anders sieht es bei den Kaliproduzenten aus, gerade wegen der niedrigen Weltmarktpreise stehen die sowieso schon unter Druck. Da sollten die Politiker nicht auch noch mit zuviel Druck die Firmen in Abenteuer stürzen wollen! Selbst nach einer Vergabe der Konzession kann es bis zu 10 Jahre dauern, ehe die Kaliproduktion wirklich läuft. Da braucht man einen langen Atem und geduldige Geldgeber, denn wer hat soviel Geld schon in der Portokasse. Denn es bringt absolut nichts ein, wenn sich ein Investor verhebt und vielleicht noch bestehende Arbeitsplätze gefährdet. Bei aller Euphorie der örtlichen Politiker, schließlich winken ja rund 700 Arbeitsplätze in der Region, sollten auch die anderen Arbeitsplätze nicht außer acht gelassen werden.
Und wenn man sieht, wie viel Politikerbesuche sich in letzter Zeit mit Kali Roßleben beschäftigt haben, besonders bei Besuchen in der GVV und bei GSES Sondershausen, dann dürften die beiden Bewerber schon mitbekommen haben, wie politisch erwünscht ein neues Kaliwerk in der Region ist. Deshalb sollte man mit dem Druck den Bogen nicht überspannen. Auch sollten die Politiker gegenüber der Bevölkerung klar machen, schnelle neue Arbeitsplätze sind nicht sofort zu erwarten. Hier sollte nicht eine zu große Erwartungshaltung geschürt werden, so wichtig neue Arbeitsplätze sind.
Und trotzdem muss deshalb ein Umstand verwundern. Da war am letzten Donnerstag viel politische Prominenz aus vielen Parteien Thüringens und Sachsen-Anhalts in Roßleben vereint, und keiner hat zu so einer Veranstaltung einen der wichtigsten aussagekräftigen Partner eingeladen. Der Geschäftsführer der GVV, Hans-Joachim Hartwig, hat erst aus der Pressemeldung bei kn von der Veranstaltung in Roßleben erfahren, wie er in einem Gespräch mit kn bestätigte. Und auch den beiden Mitbewerber um die Lagerstätte hatte man nicht die Gelegenheit eingeräumt, sich direkt bei den Politikern zu informieren. Vielleicht hätten die etwas über Fördermöglichkeiten hören wollen? Da wären sie allerdings leer ausgegangen, denn wie kn auf Nachfrage erfuhr, ist über mögliche finanzielle Förderung überhaupt nicht gesprochen worden.
Wenn die Politiker zum Ausdruck gebracht haben, man will sich demnächst wieder zusammensetzen, dann sollte man wohl doch mal näher ins Kalkül ziehen, auch die einzuladen, die es im Wesentlichen betrifft. Denn nichts geht über eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit potentiellen Investoren und eines sollten die Politiker nicht aus den Augen verlieren: Die Bewerber für die Kalilagerstätte Roßleben stehen nicht Schlange! Denn wenn auch nur einer der Bewerber aussteigt, könnten die möglichen Erlöse für die GVV, und damit für den Staat, ins Bodenlose fallen. Aber einen Trost gibt es. Die Entwicklung der Weltvorräte wird trotzdem dafür sorgen, dass die Lagerstätte Roßleben früher oder später aufgewältigt wird.
Karl-Heinz Herrmann
