Mo, 17:04 Uhr
18.10.2010
nnz-Bücherkiste: Fußball auf der Scheibenwelt
Terry Pratchett
"Der Club der unsichtbaren Gelehrten"
Ein Scheibenweltroman
(Random House)
scheibe (Foto: verlag)
Terry Pratchett ist ein Mann, der in seiner Heimat England mit Superlativen überhäuft wird. Aufgrund seines Humors, von dem die Briten ja im allgemeinen eine ganze Menge haben sollen. Ebenfalls eine ganze Menge, nämlich 60 Mio. Exemplare, wurden von seinen Büchern weltweit in 37 Sprachen verkauft. Inzwischen hat die Queen ihn zum Ritter geschlagen.
Außer seinem ausgeprägten schwarzen Humor verfügt Sir Terry nach 37 Scheibenweltromanen auch über sehr viel Weisheit. Er wird deshalb von Presseleuten immer wieder gern in eine Traditionslinie mit dem Moralisten Dickens gestellt. Aber von Dickens wurden lange nicht so viele Bücher verkauft (und das versucht man schon wesentlich länger als Pratchett-Bücher an den Leser zu bringen). Ein Moralist ist Pratchett aber doch. Seine Analysen (egal wovon!) sind messerscharf und verblüffend zutreffend.
In seinem neuen Werk Der Club der unsichtbaren Gelehrten philosophiert er kurz über die auf der Scheibenwelt vorherrschenden politischen Systeme Tyrannei und Monarchie und ergänzt als Fußnote Ein dritter Vorschlag, demzufolge die Stadt von einer Auswahl respektabler Gemeindemitglieder regiert werden sollte, die versprechen müssen, sich nicht aufs hohe Ross zu setzen oder das öffentliche Vertrauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu hintergehen, wurde sofort zum Gegenstand von Witzen in allen Varietés der Stadt.
Aber in besagtem Buch geht es nicht um Politik. Naja, abgesehen von ein bisschen Sportpolitik eventuell. Denn der grandiose Erfinder der sehr erdähnlichen Scheibenwelt, der einstmals verkündete: Alles hat einen Sinn. Außer vielleicht Fußball. revidiert seine Aussage. Im Club der unsichtbaren Gelehrten misst er nun dem undurchschaubaren, geheimnisvollen Spiel doch eine Bedeutung bei und so müssen die Professoren der unsichtbaren Universität zu einem Fußballspiel antreten, andernfalls sie finanzielle Vergünstigungen einbüßten, die an ihrem Lebensstandard rühren würden.
Ein No Go ersten Grades, weshalb schnell die uralten Regeln für das Spiel wiedergefunden werden, an die sich in der Praxis niemand mehr gehalten hat. Aber die sich da nicht dran gehalten haben, waren ja auch nur die einfachen Leute. Und die haben ja keine Ahnung. Und richtige Bälle auch nicht. Mit Hilfe des Patriarchen Lord Vetinari wird eine Fußballkultur geschaffen, der die breite Masse zuzustimmen hat.
Natürlich gibt es - wie in den Scheibenweltromanen üblich - noch eine Reihe anderer Nebenhandlungen, die sich immer wieder mit der Haupthandlung treffen. Und liebevoll gezeichnete Figuren, die der Leser sofort ins Herz schließt, wie bspw. die Köchin Glenda oder der arme Mr. Nutt. Und am Ende wird natürlich Fußball gespielt. Und wie!
Dieser neuste Scheibenweltroman ist ein weiteres Meisterwerk, eine furiose Satire auf den Zirkus um das runde Leder, das ins Eckige soll. Ganz leicht auch von Lesern zu verstehen, die überhaupt keine Ahnung von Fußball haben, denn die Protagonisten haben ja auch keine. Und manchmal erkennen wir im Autor Pratchett den einfachen, frustrierten und doch sehnsuchtsvollen englischen Fußballfan. Oder warum sonst ließe er seinen Lord Vetinari sagen: Selbstverständlich spielen die Götter klassischerweise mit dem Schicksal der Menschen, deshalb gibt es wohl auch keinen Grund, warum es nicht Fußball sein sollte. Wir spielen und man spielt mit uns, und letztendlich können wir nur hoffen, dass wir es möglichst stilvoll tun.
Kopf hoch, Sir Terry! Das nächste Elfmeterschießen kommt bestimmt.
Olaf Schulze
Autor: nnz"Der Club der unsichtbaren Gelehrten"
Ein Scheibenweltroman
(Random House)
scheibe (Foto: verlag)
Terry Pratchett ist ein Mann, der in seiner Heimat England mit Superlativen überhäuft wird. Aufgrund seines Humors, von dem die Briten ja im allgemeinen eine ganze Menge haben sollen. Ebenfalls eine ganze Menge, nämlich 60 Mio. Exemplare, wurden von seinen Büchern weltweit in 37 Sprachen verkauft. Inzwischen hat die Queen ihn zum Ritter geschlagen. Außer seinem ausgeprägten schwarzen Humor verfügt Sir Terry nach 37 Scheibenweltromanen auch über sehr viel Weisheit. Er wird deshalb von Presseleuten immer wieder gern in eine Traditionslinie mit dem Moralisten Dickens gestellt. Aber von Dickens wurden lange nicht so viele Bücher verkauft (und das versucht man schon wesentlich länger als Pratchett-Bücher an den Leser zu bringen). Ein Moralist ist Pratchett aber doch. Seine Analysen (egal wovon!) sind messerscharf und verblüffend zutreffend.
In seinem neuen Werk Der Club der unsichtbaren Gelehrten philosophiert er kurz über die auf der Scheibenwelt vorherrschenden politischen Systeme Tyrannei und Monarchie und ergänzt als Fußnote Ein dritter Vorschlag, demzufolge die Stadt von einer Auswahl respektabler Gemeindemitglieder regiert werden sollte, die versprechen müssen, sich nicht aufs hohe Ross zu setzen oder das öffentliche Vertrauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu hintergehen, wurde sofort zum Gegenstand von Witzen in allen Varietés der Stadt.
Aber in besagtem Buch geht es nicht um Politik. Naja, abgesehen von ein bisschen Sportpolitik eventuell. Denn der grandiose Erfinder der sehr erdähnlichen Scheibenwelt, der einstmals verkündete: Alles hat einen Sinn. Außer vielleicht Fußball. revidiert seine Aussage. Im Club der unsichtbaren Gelehrten misst er nun dem undurchschaubaren, geheimnisvollen Spiel doch eine Bedeutung bei und so müssen die Professoren der unsichtbaren Universität zu einem Fußballspiel antreten, andernfalls sie finanzielle Vergünstigungen einbüßten, die an ihrem Lebensstandard rühren würden.
Ein No Go ersten Grades, weshalb schnell die uralten Regeln für das Spiel wiedergefunden werden, an die sich in der Praxis niemand mehr gehalten hat. Aber die sich da nicht dran gehalten haben, waren ja auch nur die einfachen Leute. Und die haben ja keine Ahnung. Und richtige Bälle auch nicht. Mit Hilfe des Patriarchen Lord Vetinari wird eine Fußballkultur geschaffen, der die breite Masse zuzustimmen hat.
Natürlich gibt es - wie in den Scheibenweltromanen üblich - noch eine Reihe anderer Nebenhandlungen, die sich immer wieder mit der Haupthandlung treffen. Und liebevoll gezeichnete Figuren, die der Leser sofort ins Herz schließt, wie bspw. die Köchin Glenda oder der arme Mr. Nutt. Und am Ende wird natürlich Fußball gespielt. Und wie!
Dieser neuste Scheibenweltroman ist ein weiteres Meisterwerk, eine furiose Satire auf den Zirkus um das runde Leder, das ins Eckige soll. Ganz leicht auch von Lesern zu verstehen, die überhaupt keine Ahnung von Fußball haben, denn die Protagonisten haben ja auch keine. Und manchmal erkennen wir im Autor Pratchett den einfachen, frustrierten und doch sehnsuchtsvollen englischen Fußballfan. Oder warum sonst ließe er seinen Lord Vetinari sagen: Selbstverständlich spielen die Götter klassischerweise mit dem Schicksal der Menschen, deshalb gibt es wohl auch keinen Grund, warum es nicht Fußball sein sollte. Wir spielen und man spielt mit uns, und letztendlich können wir nur hoffen, dass wir es möglichst stilvoll tun.
Kopf hoch, Sir Terry! Das nächste Elfmeterschießen kommt bestimmt.
Olaf Schulze