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Sa, 14:51 Uhr
06.11.2010

Aus Geschichte Berkas

Im Zusammenhang mit den Sprengarbeiten im Wolfstal in den vergangenen Tagen (Beseitigung von Munition) schaut unserer Leser Hans-Jürgen Schmidt noch mal in die Geschichte Berkas, die ebenfalls mit Munition zusammenhing...

Rolf Michel erinnert sich noch an die Zeit, zumal er als ehemaliger Wehrleiter im ehemaligen IKA von Sondershausen mit Katastrophen vertraut ist. Das Unglück soll sich wie folgt entwickelt haben: In einem Raum von zirka 100 m Länge und 25 m Breite, im Steinsalz aufgefahren, der durch 6 Lampenreihen erleuchtet war, waren die Arbeiter damit beschäftigt, restliche Munition aufzuarbeiten. Als Sprengstoff wurde vermutlich Pikrinsäure verwandt. Als Säure vermag das Substrat z. B. mit Wollstoffen oder Seide salzartige Verbindungen eingehen, die sich auf Schlag explosionsartig zersetzen können. Man spricht dann von Ammoniumpikrat, welches als Sprengstoff zur Anwendung kommt. Deshalb wurden das Substrat in Pulversäckchen aus Seide gefüllt, welche die Frauen nähen mussten.

Die Pikrinsäure war in Wasser getaucht und in Alubehälter verpackt worden. Die Aufsichtsführenden der sowjetische Besatzungsmacht zu dieser Zeit, kamen entsprechend ihrer Mentalität auf die Idee den Inhalt der Alubehälter in leere Hunte, Förderwagen zu kippen, um diese dann über Tage gegen Schnaps einzutauschen.

Der Inhalt in den Förderwagen, die zu einem Zug zusammen gestellt waren, entzündetet sich. Eine Explosion kam nicht in Frage, da die entstehenden Gase sich ausdehnen konnten. Sie waren aber hoch giftig. Die Betroffenen konnten zwar noch nach über Tage gebracht werden aber verstarben an der Rauchvergiftung. So gab es trotz Beendigung des Krieges noch Tote, die das Resultat eines wahnwitzigen Krieges waren.

An folgende Fakten zur Entwicklung der Munitionsanlage erinnert sich noch Rolf Michel: Der Raudeschacht in Berka wurde 1924 still gelegt. 1936 wurde als erstes der Schornstein der KCl-Fabrik gesprengt. Danach wurde das Gerücht gestreut, es solle eine Bonbonfabrik gebaut werden. 1937/38 wurden über Tage die ersten Gebäude für eine Munitionsfabrik errichtet. Beton und grüne Ziegel waren die Markenzeichen.

Geschichte Berkas (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Geschichte Berkas (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)

Ehrentafel in der Nähe der Kirche in Berka. Es war allerdings kein Grubenunglück im herkömmlichen Sinn, sondern ein Brand von Stoffen zur Munitionsherstellung

1940 bauten kriegsgefangene Franzosen eine Gleisanlage vom Schacht zur sogenannten „MUNI“ am Fuße der Hainleite. Später kamen Ostarbeiter hinzu. Sie trugen auf ihrer Kleidung ein Zeichen mit den Namen „OST“. Sie wurden in Baracken untergebracht. Heute stehen dort Depots der Getreidewirtschaft. Die Betreuung war miserabel. Sie trugen die gleiche Kleidung zur Arbeit und in der Freizeit. Die sogenannten „Landesschützen“ (Männer über 60 Jahre) waren als Wachmannschaft eingeteilt.

Die Oberaufsicht hatten 20 Offiziere, die von ihrer Ausbildung alle Feuerwerker waren. 1938 wurde noch ein „Maidenlager“ eingerichtet. Es waren Frauen des weiblichen Arbeitsdienstes. Dazu kamen noch Dienstverpflichtete, unter anderen auch
Prostituierte, sodass man in Berka von einer „Reeperbahn“ sprach. Insgesamt sollen im Rüstungsunternehmen ca.. 1000 Personen gearbeitet haben. Nach 1945 wurden die noch vorhanden Granaten ausgehangen. Die Bauern aus Berka wurden verpflichtet, sie 1946/47 in das Wolfstal und andere Täler im Bereich der sogenannten „Bratwurst“ zu transportieren. Dort wurden sie gesprengt. Nicht alle Granaten explodierten, so dass die Bereiche des Wolfstal sowie Teile des Roß- bzw. Habichtstal in der Wind- und Hainleite noch heute Sperrgebiete sind.
Hans-Jürgen Schmidt, Sondershausen
Autor: khh

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