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So, 07:01 Uhr
21.11.2010

Harte Arbeit frohe Feste

Die Geschichte des Bergbaus ist immer mit Festen und Feierlichkeiten verbunden. Der Bergmann, der über acht Stunden die Sonne nicht gesehen hatte, freute sich auf die gemütliche Runde im Kreise der Kameraden bei Bier und Musik. Eine Betrachtung aus Sicht des Bergbaurentners...

Die Bergbaugeschichte des Erzgebirges hält dafür viele Beispiele parat. Genannt seien nur die Bergparaden. Es entwickelte sich auch in der Kaliindustrie Traditionen auf diesem Gebiet, obwohl der Kalibergbau noch nicht so geschichtsträchtig gegenüber dem Erzbergbau ist. So gab es am 20.September 1903 ein Knappschaftsfest auf dem Werksgelände. Am frühen Morgen traf sich die Belegschaft auf dem Werksgelände und marschierte geschlossen unter der Leitung des Maschinenmeisters Kunze zum Kirchgang nach Sonderhausen. Nach dem Gottesdienst gab es den Umzug durch die Straßen Sondershausens mit dem Rückmarsch zum Festplatz. Um 12 Uhr hatte sich die Belegschaft zur Parade aufgestellt. Nach Abnahme der Parade und einer Ansprache durch den Bergrat Fuchs, wurde anschließend gemeinsam ein Mittagessen eingenommen. Die Bergmannskapelle spielte dazu. Jeder erhielt 2 Essenmarken. Eine war für das Mittagessen gedacht. Es gab zweierlei Braten mit Kartoffelsalat und Schwarzbrot. Mit der anderen Marke, sie hatte einen Wert von 30 Pfennigen, konnte man sich im Laufe des Tages 2 Brötchen mit ca. 150g Wurst kaufen. Für den Durst gab es Biermarken im Wert von 5 Pfennigen. Die Verheirateten erhielten 20 Marken, die Jugendlichen unter 18 Jahren 10 Stück.

Außerdem bekam jeder Mann 3 Zigarren. Die Musiker wurden mit einer Schicht vergütet und den ganzen Tag verköstigt. Den Kindern wurden Geschenke im Wert von 30 Pfennigen übergeben. Mit Gesprächen und Musik war der Nachmittag ausgefüllt. Ab 19 Uhr gab es ein Feuerwerk und das Tanzbein wurde geschwungen. Da es erfahrungemäß immer zu Unstimmigkeiten kommen kann, stellte die Gewerkschaft entsprechend Wächter für den Abend und die Nacht.

Zu diesen Festen waren die Uniformen, die Ehrenkleider der Bergleute Pflicht. Diejenigen, die noch keine Uniform besaßen, erhielten durch Vermittlung der Gewerkschaft eine solche. Bedingung war dabei eine Mindestzugehörigkeit zur Gewerkschaft von 5 Jahren. Die Kosten für die Betriebsangehörigen betrugen nur 50 %. Sie konnten monatlich mit einem Betrag von 2,- M beglichen werden. Das Tragen der Bergmannsuniform war vor allem zum 25-jährigen Regierungsjubiläum des Fürsten gefragt.

Zum Huldigungsakt vor seiner Durchlaucht dem Fürsten am 17.Juli 1905 versammelte sich die ganze Belegschaft um 10 Uhr auf dem Werksgelände. Nach dem Zug durch die Stadt stand die Belegschaft um 11.30 Uhr in Paradestellung vor dem Direktionsgebäude der Villa "Glück auf", dem späteren Kaliklubhaus und dem heutigen AOK-Gebäude. Mit flatternden Fahnen standen die Belegschaftsmitglieder in Bergmannsuniform in Zweierreihen, gemeinsam mit der Bergmannskapelle vor der Villa.

Nach der Begrüßung durch den Werkleiter erfolgte die Abnahme der Parade und Überreichung einer Ehrengabe, die von den Bergleuten gestiftet wurde. Der Bildhauer Hidding aus Berlin gestaltete eine auf einem Marmorsockel stehende Bronzegruppe und eine lithografische Darstellung des Werkes "Glück auf" mit allen Betriebsanlagen, einschließlich der Wohnkolonie, die zu Ehren der Fürstin Marienhall genannt wurde und dem Direktionsgebäudes. Über dem Direktionsgebäude war die Inschrift: "Es grüne die Tanne, es wachse das Salz, Gott erhalt`s !" Und über Marienhall war der Text: "Recht auf Arbeit, Haus und Herd, macht die Arbeit lieb und wert. Halt für Fürst und Vaterland kampfbereit die schwiel'ge Hand" angebracht. Für die Huldigung an diesem Tage erhielt die Belegschaft einen vollen Schichtlohn. Die Musiker wurden mit einem doppelten Schichtlohn geehrt. Außerdem wurden je nach Lohnklasse 4-6 Essenmarken im Wert von 30 Pfennigen und 6-20 Biermarken im Wert von 12 Pfennigen überreicht. Der darauffolgende 18.Juli war eine Freischicht, so dass man ausgiebig feiern konnte.

Aber nicht nur über Tage wurde gefeiert. Im Jahre 1908 wurde durch den Fürst Carl-Günther von Schwarzburg-Sonderhausen und Heinrich Leopold Brügman der Festsaal in der Nähe des Füllortes des Schachtes I eingeweiht. Es ist kein Festsaal aus steinernen Quadern und hohen Fenstern, durch die Sonnenlicht dringt. Es ist vielmehr ein großes, kuppelartiges Gewölbe, das in mühsamer Arbeit mit der Hacke bearbeitet wurde, um die Menschen gegenüber herabfallenden Salzbrocken zu schützen. Als einziger Schmuck hängt in der Mitte der Halle ein Leuchter, der den Raum bei festlichen Gelegenheiten sein Licht spendet.

Seit dieser Zeit gab es viele Anlässe den Saal aufzusuchen. Selbst die Musikanten ließen es sich nicht nehmen, die Akustik ihrer Instrumente unter Tage zu prüfen. In den 40-iger Jahren geriet der Festsaal in Vergessenheit. Erst im Jahre 1985 wurde auf Initiative des damaligen Grubendirektors Dr. Helmut Springer der Raum wieder zu einem Festsaal hergerichtet.

Nach der Einstellung der Kaliproduktion am 21.6.1991 wurde der Festsaal zur Attraktion des jetzigen Besucherbergwerks. Beliebt sind zur Zeit die Trauungen unter Tage. Doch die Grube bietet noch andere Sehenswürdigkeiten. In den Werkstätten und Hallen, wo einst die Bohrwagen, Tiefschaufellader, Besetzerfahrzeuge, Sohlenfräsen, Ankerbohrwagen und andere Fahrzeuge gewartet wurden, stehen diese Geräte und zeugen vom Fleiß der Bergleute. Die Sportler tragen ihre Wettkämpfe jetzt unter Tage aus. Der Kristalllauf und Mountainbike-Rennen, Kegeln und Kulturveranstaltungen unter Tage sind dabei gefragt.

So schließt sich der Kreis. Dort, wo einst der Schweiß der Bergleute vergossen wurde, um das weiße Gold zu fördern, rinnt jetzt der Schweiß der Sportler in der ältesten noch befahrbaren Kaligrube der Welt. Inzwischen sind über 117 Jahre Bergbaugeschichte in Sondershausen geschrieben.
Hans-Jürgen Schmidt, Sondershausen
Bildtexte:
  • Bild1: Aufmarsch der Bergleute zur Parade im Jahre 1905 – auf dem Schachtgelände , ungefähr im Bereich des Kraftwerkes.
  • Bild 2/3: Ehrungen des Fürsten zum Regierungsjubiläum im Jahr 1905 – vor der Villa der Gewerkschaft, zu DDR-Zeiten das Kaliclubhaus
  • Bild 4: Geschenk der Gewerkschaft „Glückauf“ Sondershausen an den Fürsten anlässlich seines Regierungsjubiläums
  • Bild 5: Fahne der Gewerkschaft
  • Bild 6: Bergparade des Bergmannsvereins in Sondershausen im Jahr 1993
  • Bild 7: Bergparade anlässlich des 2. Thüringer Bergmannstages
  • Bild 8: Im Jahre 1904 wurde die Villa gebaut. Hier wohnte auch Generaldirektor Baer Baumeister Wilhelm Thein errichtete Bergratsvilla nach Plänen des Berliner Architekten Theodor Ferber Zu DDR - Zeiten war es dann das Kaliklubhaus. Heute
  • gehört das Gebäude der AOK.


Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Frohe Feste (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Autor: khh

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