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So, 11:10 Uhr
05.12.2010

"Sonderbares aus Sondershausen" (8)

Unser Leser Eric Sommer nimmt in seinem neuen satirischen Beitrag das Thema Weihnachtsbaueinkauf aufs Korn und reagiert da bereits auf die nun wieder auftauchenden Verkaufsstände an Weihnachtsbäumen...

Dieses Jahr kaufe ich nicht wieder die letzte Krücke von Weichnachtsbaum, soviel steht fest, denn ich habe keine Lust am Morgen des Heiligabends mit dem Akkuschrauber Löcher in den Stamm der krummen Lastminute-Nordmanntanne zu bohren, um dann die vom Grab meines Urgroßonkels ausgeliehenen Fichtenzweige dort hineinzukleben, nur um dem Baum die Illusion eines halbwegs symmetrischen Wuchses zu verleihen. Damit der Betrug nicht gleich auffliegt, hatte ich letztes Jahr die Fichtennadeln mit Wimperntusche verlängert und anschließend mit Wasserfarbe aus dem Schulmalkasten meiner Tochter wieder grün eingefärbt. Grüne Wimperntusche ließ sich partout nicht auftreiben. Nordmanntannengrün bekommt man, indem man Grasgrün mit ein wenig Hellbraun und etwas Weiß mischt. Den darauffolgenden Ärger mit der Tochter kann man vernachlässigen, wenn man weiß, dass meine Gefährtin die an sich lobenswerte Angewohnheit kultiviert, den Weihnachtsbaum wegen der prognostizierten Verlängerung der Haltbarkeit regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu besprühen. Wie sich Wasserfarbe unter der fortgesetzten Einwirkung von Wasser verhält, muss ich nicht näher erläutern. Man konnte es deutlich auf dem schafwollweißen Teppich ablesen.

Jedenfalls mache ich mich beizeiten auf den Weg, klappere die einschlägigen Verkaufsareale ab, verschaffe mir einen Sortimentsüberblick und erkundige mich bei den Baumverkäufern im Weihnachtsmannkostüm nach den Meterpreisen. Dabei bekomme ich allmählich das Gefühl zum Weihnachtsbaumkauffachexperten zu avancieren und bevor mich dieses Gefühl gänzlich zu übermannen droht, entschließe ich mich, zur Tat zu schreiten.

Ich verwickle den Baumverkäufer, der vom Weihnachtsmannkostümtragen schon eine rote Knollennase und einen wuchernden Vollbart bekommen hat, in weitausholende Fachgespräche, in denen ich mein gesammeltes Wissen stolz zur Schau stelle. Der Weihnachtsmann schiebt bereits den dritten Baum in seine Einwickelkanone, aber ich habe jedes Mal etwas auszusetzen. Wenn schon, denn schon. Es soll in diesem Jahr etwas ganz besonderes sein. Hinter mir hat sich mittlerweile eine kaufwillige Schlange gebildet, was mich in der Überzeugung bestärkt, gerade noch den richtigen Zeitpunkt für meine Transaktion gewählt zu haben. Aber es wird wohl noch dauern, den Baum unter den Bäumen zu finden.

Ein Passant mit einer grünen Jacke, grünen Reiterhosen und einem grünen Mützchen auf dem Kopf, an dem ein kleiner Rasierpinsel festgemacht ist, spricht mich an. Der würdevolle Herr sieht in etwa so aus, wie man sich einen Weihnachtsbaumverkäufer im Grunde vorstellt oder von früher her in Erinnerung hat, also aus der Zeit, als es noch keine Weihnachtsmannkostüme für 9,99 Euro im Baumarkt zu kaufen gab. Er nimmt mich beiseite und flüsterte mir schmunzelnd ins Ohr, er habe unsere Auseinandersetzung jetzt eine Weile beobachtet und wenn er mir einen Rat geben dürfe, so solle ich eine Lärche nehmen, die habe anmutige Zweige und vor allem hätte ich keinen Ärger mit den Nadeln.

Ich bin zutiefst dankbar für den Tipp. Lärche klingt gut, denke ich, irgendwie so leicht und luftig, so nach Müßiggang und wenig Arbeit, nicht so düster wie Tanne, nicht so schneidend wie Fichte, nicht so schmerzhaft wie Kiefer und nicht so albern wie Douglasie. Warum also nicht.

Ich beschließe Leistungsfähigkeit und Service dieses Weihnachstbaumverkaufsstützpunktes zu testen und frage den inzwischen recht ungeduldig wirkenden Verkäufer, ob ich denn auch eine Lärche bestellen könne und ob er die dann zum Heiligabend frisch anliefern würde. Ohnehin fiele es mir jetzt schwer, das Gestrüpp in meinem Wagen zu verstauen und dann wochenlang irgendwo geschützt vor frühzeitiger Austrocknung durch die Wintersonne zu lagern. Er sieht mich verdutzt an, aber nach einem kurzen Blickwechsel mit dem Rasierpinselhut macht sich ein undurchschaubares Grinsen auf seinem Gesicht breit und er sagt zu.

Somit ist dann der vorweihnachtliche Stress um eine wesentliche Komponente reduziert. Auf dem Heimweg kaufe ich vorsichtshalber noch eine Dose Fichtennadelspray und eine Büchse grüne Acrylfarbe. Sicher ist sicher, man kann ja nie wissen.

Zuhause werde ich so tun, als hätte ich den Baum wieder mal vergessen…

Auf die erstaunten Gesichter bin ich jetzt schon gespannt, wenn es am Heiligmorgen klingelt und der Weihnachtsmann mit einer wunderbar gewachsenen, nach frischem Grün duftenden Lärche vor der Tür steht.
© Eric Sommer
Autor: khh

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