Fr, 21:00 Uhr
21.01.2011
kn-Doku: Rede von Landrat Hengstermann
Während des Neujahrsempfangs von Landatsamt Kyffhäuserkreis, Kyffhäusersparkasse und Bundeswehrstandort Sondershausen sprach auch der Landrat Peter Hengstermann zu den Gästen. Hier seine Rede in Auszügen innerhalb unserer doku-Reihe...
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,
mit unserem Neujahrsempfang, zu dem ich Sie herzlich begrüße, pflegen wir eine schöne Tradition, und dies seit Bestehen des Kyffhäuserkreises nun schon zum 17. Mal.
Deshalb freue ich mich sehr, dass Sie heute hier sind. Mit mir freuen sich, dies nun auch schon traditionell, der Vorstand unserer Kyffhäusersparkasse, Herr Heilmann und Herr Warnecke sowie Oberstleutnant Klaus Glaab als Chef des hiesigen Bundeswehrstandortes. Sozusagen als "Gastgeber im Team" begrüße ich ganz besonders
die Vertreter des Deutschen Bundestages, Frau Steinke und Herr Selle
aus dem Thüringer Landtag Frau Marx und Herrn Scherer,
für alle Verwaltungen, stellvertretend den Bürgermeister der Kreisstadt, Herrn Joachim Kreyer,
alle Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte,
ganz besonders alle Vertreter der Wirtschaft, der Kirchen, Verbände und Vereine,.
Besonders freue ich mich wieder über die Teilnahme des 1. Kreisbeigeordneten des Schwalm-Eder-Kreises, Herrn Kossak. Schön, dass Sie Herr Oberst Kohl mit ihrer Gattin heute noch nicht im Urlaub sind, sondern mit uns auf das Neue Jahr anstoßen wollen.
Lassen sie mich zu Beginn meiner kleinen Ansprache Verse des Dichters Friedrich Rückert, er lebte von 1788 bis 1866, zitieren:
"Licht
Nun ist das Licht im Steigen,
es geht ins neue Jahr.
Laß Deinen Mut nicht neigen,
es bleibt nicht wie es war.
So schwer zu sein ist eigen
dem Anfang immerdar,
am Ende wird sich's zeigen
wozu das Ganze war,
nicht zage gleich den Feigen
und klag' in der Gefahr!
Schwing auf zum Sonnenreigen
dich schweigend wie der Aar!
Und wenn du kannst nicht schweigen,
so klage schön und klar!"
Meine Damen und Herren,
das Licht ist im Steigen, die Tage werden wieder länger und wir haben vor 3 Wochen den Start in dieses neue Jahr 2011 vollzogen. Ich hoffe und wünsche, dass Sie alle einen harmonischen Jahreswechsel im Kreise lieber Menschen, oder, falls allein, dann doch zufrieden und mit sich im Reinen, erlebt haben.
"Laß Deinen Mut nicht neigen" sagt uns der Dichter und ich denke, diese Aufforderung trifft im Kyffhäuserkreis genau ins "Schwarze". Mutlosigkeit wäre das letzte, was wir gebrauchen können, und wir haben auch gar keinen Anlass dazu!
Von Arthur Schopenhauer stammt der Satz: "Wir denken selten an das, was wir haben, sondern immer nur an das, was uns fehlt" - ich glaube, wir sind alle selbstkritisch genug zu wissen, dass diese Kritik sehr wohl berechtigt ist.
Und so steht es uns gut zu Gesicht, wenn wir auch einmal "Danke" sagen, für das, was gut gelungen ist in unserem Kreis, in unseren Städten und Gemeinden und im Freistaat. Als Deutsche sind wir in der Mehrheit oft eher pessimistisch als optimistisch und überlassen das Lob deutscher Zustände im Zweifel lieber dem Ausland.
Italiener preisen die deutschen Krankenhäuser und die perfekte Müllentsorgung, Franzosen die Tarifpartnerschaft, Amerikaner bewundern den Nahverkehr, deutsches Bier und unseren Riesling, Engländer das öffentliche Schulsystem und den Zustand von Wasser- und Stromversorgung, Spanier die Flexibilität des Arbeitsmarktes und die unzähligen Wurstsorten - und alle zusammen staunen darüber, das die Deutschen gern während der vergangen Jahrzehnte geworden sind, was sie selbst oft nicht glauben wollen, nämlich eine gefestigte weltweit geachtete Demokratie, deren Bürger sogar ein wenig dabei sind, ihre untergründige Nervosität abzulegen.
Weltwirtschaftskrise und Terrordrohungen haben sie beinahe stoisch vorüberziehen lassen und nicht einmal das monatelange mediale Krisengewitter hat die Grundlagen dieses neuen "coolen" Selbstbewusstseins erschüttern können. Und das alles trotz "alarmierender Umfragen" und erschreckender Studien.
In den Augen der Welt gibt es das Vorbild Deutschland. Und wir sind damit nur ein Wimpernschlag entfernt vom "Modell Deutschland" dem legendären Motto der Bundestagswahlkampagne von Helmut Schmidt 1976.
Ihnen allen gebührt nicht nur heute unser Dank. Dies alles sind Pfunde, mit denen man wuchern kann. "Nicht zage gleich den Feigen" mahnt uns Dichter Rückert und angesichts dieser von mir eben beschriebenen Vielfalt an Stärken wäre Verzagtheit auch wirklich fehl am Platz.
Als eine besonders eindrucksvolle Stärke unserer Region hat sich seit der Wende unsere Kyffhäusersparkasse etabliert. Man glaubt es kaum, doch das Sparkassenwesen hat in unserer Region eine 175jährige Tradition. 1836 gab es eine erste Schwarzburger Sparkasse hier vor Ort. Fürst Günther nannte sie damals eine höchst heilsame Einrichtung.
Die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts waren auch bei uns geprägt von großer Armut und Hungersnöten. Sparkassen waren für einfache Menschen die erste Möglichkeit, eine Form der Altersvorsorge zu betreiben. Seither hat das "besondere Geschäftsmodell" der Sparkassen einen Triumphzug gefeiert. Gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde deutlich, dass Sparkassen wirklich "gut für die Region" und anders als die Glücksritter sind, die sich von enormen Renditeversprechen blenden lassen und uns so in die immer noch nicht ganz überstandene Finanz- und Wirtschaftskrise manövriert haben.
Unsere jetzige Kyffhäusersparkasse hat in den Jahren ihres Bestehens eine solide wirtschaftliche Entwicklung genommen und erfüllt mit ihrer Eigenkapitalabsicherung höchste Stabilitätskriterien. Das hilft nicht nur den Kreditkunden, sondern auch der Allgemeinheit, werden doch zahlreiche Vereine und Initiativen immer wieder finanziell gefördert, ich erinnere nur an das Regionalmuseum Bad Frankenhausen oder mittlerweile deutschlandweit renommierte Leichtathletik-Meeting, um nur zwei Leuchttürme zu nennen.
Vielen Dank an dieser Stelle auch an unseren langjährigen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Langhorst, der fast 20 von den 175 Jahren gemeinsam mit dem jetzigen Vorstand gestaltet hat. Ich wünsche dem Vorstand, dem Verwaltungsrat, allen Mitarbeitern und Kunden der Sparkasse eine weitere gedeihliche Entwicklung, nicht im Schatten, sondern als gesunde Alternative zu den Großbanken. Bleiben Sie so bodenständig wie sie sind!
Meine Damen und Herren,
das zurückliegende Jahr 2010 brachte uns nicht nur eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch die lang erwartete berechtigte Hoffnung, einmal einen Großinvestor für unseren Kreis gewinnen zu können. Die LEG Thüringen ist beauftragt, die Industriegroßfläche Artern Realität werden zu lassen. Große Teile des Grund und Bodens sind bereits verkauft. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ebenso dankbar bin ich für die Unterstützung des Bundes und des Freistaates durch die finanziellen Mittel des Konjunkturpaketes 2, die den Landkreis endlich einmal wieder in die Lage versetzte, im nennenswerten Umfang in öffentliche Schulen zu investieren.
Um die Lernbedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen zu verbessern, sollten wir jede Möglichkeit nutzen.
Doch auch hier können nicht alle Wünsche erfüllt werden. Der Bevölkerungsrückgang zwingt uns, in die Zukunft zu schauen und sehr genau zu überlegen, welche Ressourcen wir noch aufrechterhalten können. Wir müssen - wie viele andere Regionen Deutschlands übrigens auch - akzeptieren, dass eine Bevölkerungswanderung in die Ballungsräume stattfindet.
Gleichwohl ist das Motto "Der letzte macht das Licht aus" grundfalsch. Mit Fleiß und gesundem Selbstbewusstsein dürfen wir nicht müde werden, auch in der mitteldeutschen Provinz ein lebenswertes Leben anzubieten. Unsere landschaftlichen Schönheiten, unsere reiche Kulturtradition sprechen für sich. Wir müssen uns nicht verstecken.
Uns "Kaputtzusparen" durch unbedachte Kürzungen bei Schulstandorten, Theater und Orchester, Museen oder dem öffentlichen Nahverkehr wäre dumm und verhängnisvoll. Ein "Minus" an öffentlichen Angeboten hat immer auch ein "Minus" an Lebensqualität zur Folge und die Gefahr besteht, dass dieses "Minus" an Lebensqualität letztendlich das Zünglein an der Waage ist, das zur Abwanderung führt.
Ich bin zuversichtlich, dass die Verantwortungsträger in Stadt- und Gemeinderäten und im Kreistag diese Zusammenhänge erkennen und finanzpolitische Entscheidungen mit Augenmaß treffen werden.
Bei all unseren kleinen und großen Problemen dürfen wir nicht vergessen, dass es in unserer globalisierten Welt Krisengebiete gibt, in denen Gewalt, Terror, Not und Unterdrückung herrschen. Unsere Grundrechte, die wir gern und häufig in Anspruch nehmen, sind nicht überall auf der Welt selbstverständlich.
Wir durften im vergangenen Jahr den 20. Jahrestag der deutschen Einheit feiern. Zahlreiche Rückblicke und Dokumentationen in Wort und Bild haben uns in Erinnerung gerufen, dass das Leben in der Diktatur bis 1989 ein grundlegend anderes war: klein, begrenzt, abgeschottet und weltfremd sagen die einen, sozial abgesichert nennen es manch andere.
"Zufriedene Sklaven sind die schlechtesten Demokraten", sagte einmal ein unbekannter Verfasser und darin steckt viel Wahrheit.
Zufrieden waren die Menschen in der ehemaligen DDR jedoch beileibe nicht, das habe ich - und mit mir sicher noch manch anderer - gut in Erinnerung. Wir sollten uns hüten, unser damaliges Leben im Rückblick rosa einzufärben und stattdessen anerkennen, dass unser grundgesetzlich verankerter Sozialstaat es in 60 Jahren Bundesrepublik wirksam geschafft hat, dem Kapitalismus Zügel anzulegen.
Wir haben ein hervorragendes Netz medizinischer und sozialer Einrichtungen und Dienste, die kranken und behinderten Menschen helfen. Wir haben Rechtsansprüche auf soziale Sicherung, die jedem ein menschenwürdiges Existenzminimum sichern.
Darauf dürfen wir stolz sein und dafür müssen wir bereit sein, Steuern und Abgaben zu zahlen.
Ich kann es nicht verstehen, wenn Gutverdienende Geld am Fiskus vorbeischleusen und dann auch noch stolz auf ihren vermeintlichen cleveren Schachzug sind. Vielleicht brauchen gerade diese Menschen einmal einen Heimplatz für einen behinderten oder pflegebedürftigen Angehörigen, dann werden sie sicher auch laut nach dem Staat rufen.
Meine Damen und Herren,
ein amerikanischer Schriftsteller hat einmal geschrieben: "Der Optimist bleibt an Silvester bis Mitternacht wach, um das neue Jahr zu begrüßen. Der Pessimist bleibt wach, um sicher zu sein, dass das alte Jahr geht." Ich hoffe, dass sie alle Optimisten sind und das neue Jahr freudig begrüßt haben.
Wagen wir es gemeinsam, die vor uns liegenden Aufgaben anzupacken. Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Angehörigen ein gesundes, glückliches und gesegnetes Jahr 2011. Bleiben Sie dem Kyffhäuserkreis verbunden und verleben Sie mit uns heute hier einige angenehme Stunden bei interessanten Gesprächen.
Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft zu Gunsten unserer heutigen Empfänger Kreisverkehrswacht, Behindertenverband und Musikschule.
Im Anschluss werden Sie Kinder erleben, die durch Ihre Unterstützung kostenlos 2 Jahre zusätzlich Musikunterricht bekommen und Ihnen hier und heute ihre ersten Erfolge darbieten.
Ich bedanke mich bei allen ganz herzlich, die zum Gelingen des heutigen Festes beigetragen haben.
Vielen Dank und einen schönen Abend!
Autor: khhMeine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,
mit unserem Neujahrsempfang, zu dem ich Sie herzlich begrüße, pflegen wir eine schöne Tradition, und dies seit Bestehen des Kyffhäuserkreises nun schon zum 17. Mal.
Deshalb freue ich mich sehr, dass Sie heute hier sind. Mit mir freuen sich, dies nun auch schon traditionell, der Vorstand unserer Kyffhäusersparkasse, Herr Heilmann und Herr Warnecke sowie Oberstleutnant Klaus Glaab als Chef des hiesigen Bundeswehrstandortes. Sozusagen als "Gastgeber im Team" begrüße ich ganz besonders
die Vertreter des Deutschen Bundestages, Frau Steinke und Herr Selle
aus dem Thüringer Landtag Frau Marx und Herrn Scherer,
für alle Verwaltungen, stellvertretend den Bürgermeister der Kreisstadt, Herrn Joachim Kreyer,
alle Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte,
ganz besonders alle Vertreter der Wirtschaft, der Kirchen, Verbände und Vereine,.
Besonders freue ich mich wieder über die Teilnahme des 1. Kreisbeigeordneten des Schwalm-Eder-Kreises, Herrn Kossak. Schön, dass Sie Herr Oberst Kohl mit ihrer Gattin heute noch nicht im Urlaub sind, sondern mit uns auf das Neue Jahr anstoßen wollen.
Lassen sie mich zu Beginn meiner kleinen Ansprache Verse des Dichters Friedrich Rückert, er lebte von 1788 bis 1866, zitieren:
"Licht
Nun ist das Licht im Steigen,
es geht ins neue Jahr.
Laß Deinen Mut nicht neigen,
es bleibt nicht wie es war.
So schwer zu sein ist eigen
dem Anfang immerdar,
am Ende wird sich's zeigen
wozu das Ganze war,
nicht zage gleich den Feigen
und klag' in der Gefahr!
Schwing auf zum Sonnenreigen
dich schweigend wie der Aar!
Und wenn du kannst nicht schweigen,
so klage schön und klar!"
Meine Damen und Herren,
das Licht ist im Steigen, die Tage werden wieder länger und wir haben vor 3 Wochen den Start in dieses neue Jahr 2011 vollzogen. Ich hoffe und wünsche, dass Sie alle einen harmonischen Jahreswechsel im Kreise lieber Menschen, oder, falls allein, dann doch zufrieden und mit sich im Reinen, erlebt haben.
"Laß Deinen Mut nicht neigen" sagt uns der Dichter und ich denke, diese Aufforderung trifft im Kyffhäuserkreis genau ins "Schwarze". Mutlosigkeit wäre das letzte, was wir gebrauchen können, und wir haben auch gar keinen Anlass dazu!
Von Arthur Schopenhauer stammt der Satz: "Wir denken selten an das, was wir haben, sondern immer nur an das, was uns fehlt" - ich glaube, wir sind alle selbstkritisch genug zu wissen, dass diese Kritik sehr wohl berechtigt ist.
Und so steht es uns gut zu Gesicht, wenn wir auch einmal "Danke" sagen, für das, was gut gelungen ist in unserem Kreis, in unseren Städten und Gemeinden und im Freistaat. Als Deutsche sind wir in der Mehrheit oft eher pessimistisch als optimistisch und überlassen das Lob deutscher Zustände im Zweifel lieber dem Ausland.
Italiener preisen die deutschen Krankenhäuser und die perfekte Müllentsorgung, Franzosen die Tarifpartnerschaft, Amerikaner bewundern den Nahverkehr, deutsches Bier und unseren Riesling, Engländer das öffentliche Schulsystem und den Zustand von Wasser- und Stromversorgung, Spanier die Flexibilität des Arbeitsmarktes und die unzähligen Wurstsorten - und alle zusammen staunen darüber, das die Deutschen gern während der vergangen Jahrzehnte geworden sind, was sie selbst oft nicht glauben wollen, nämlich eine gefestigte weltweit geachtete Demokratie, deren Bürger sogar ein wenig dabei sind, ihre untergründige Nervosität abzulegen.
Weltwirtschaftskrise und Terrordrohungen haben sie beinahe stoisch vorüberziehen lassen und nicht einmal das monatelange mediale Krisengewitter hat die Grundlagen dieses neuen "coolen" Selbstbewusstseins erschüttern können. Und das alles trotz "alarmierender Umfragen" und erschreckender Studien.
In den Augen der Welt gibt es das Vorbild Deutschland. Und wir sind damit nur ein Wimpernschlag entfernt vom "Modell Deutschland" dem legendären Motto der Bundestagswahlkampagne von Helmut Schmidt 1976.
- Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihr Handwerk verstehen, sind kluge Rechner. Sie haben die Wirtschaftskrise gemeistert und die Arbeitslosigkeit gesenkt und sie geben jungen Menschen eine Zukunftschance durch Ausbildungsplätze in der Region.
- Unsere Mitarbeiter in den Unternehmen, Institutionen und öffentlichen Verwaltungen arbeiten gewissenhaft und fleißig und sind somit Vorbilder.
- Unsere Kameradinnen und Kameraden bei Feuerwehr, THW oder Rettungsdienst helfen ehrenamtlich und selbstlos anderen.
- Unsere Vereine und Verbände, die auf sozialem, sportlichem oder kulturellem Gebiet das Gemeinschaftsgefühl stärken, machen unsere Städte und Gemeinden lebenswert.
Ihnen allen gebührt nicht nur heute unser Dank. Dies alles sind Pfunde, mit denen man wuchern kann. "Nicht zage gleich den Feigen" mahnt uns Dichter Rückert und angesichts dieser von mir eben beschriebenen Vielfalt an Stärken wäre Verzagtheit auch wirklich fehl am Platz.
Als eine besonders eindrucksvolle Stärke unserer Region hat sich seit der Wende unsere Kyffhäusersparkasse etabliert. Man glaubt es kaum, doch das Sparkassenwesen hat in unserer Region eine 175jährige Tradition. 1836 gab es eine erste Schwarzburger Sparkasse hier vor Ort. Fürst Günther nannte sie damals eine höchst heilsame Einrichtung.
Die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts waren auch bei uns geprägt von großer Armut und Hungersnöten. Sparkassen waren für einfache Menschen die erste Möglichkeit, eine Form der Altersvorsorge zu betreiben. Seither hat das "besondere Geschäftsmodell" der Sparkassen einen Triumphzug gefeiert. Gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde deutlich, dass Sparkassen wirklich "gut für die Region" und anders als die Glücksritter sind, die sich von enormen Renditeversprechen blenden lassen und uns so in die immer noch nicht ganz überstandene Finanz- und Wirtschaftskrise manövriert haben.
Unsere jetzige Kyffhäusersparkasse hat in den Jahren ihres Bestehens eine solide wirtschaftliche Entwicklung genommen und erfüllt mit ihrer Eigenkapitalabsicherung höchste Stabilitätskriterien. Das hilft nicht nur den Kreditkunden, sondern auch der Allgemeinheit, werden doch zahlreiche Vereine und Initiativen immer wieder finanziell gefördert, ich erinnere nur an das Regionalmuseum Bad Frankenhausen oder mittlerweile deutschlandweit renommierte Leichtathletik-Meeting, um nur zwei Leuchttürme zu nennen.
Vielen Dank an dieser Stelle auch an unseren langjährigen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Langhorst, der fast 20 von den 175 Jahren gemeinsam mit dem jetzigen Vorstand gestaltet hat. Ich wünsche dem Vorstand, dem Verwaltungsrat, allen Mitarbeitern und Kunden der Sparkasse eine weitere gedeihliche Entwicklung, nicht im Schatten, sondern als gesunde Alternative zu den Großbanken. Bleiben Sie so bodenständig wie sie sind!
Meine Damen und Herren,
das zurückliegende Jahr 2010 brachte uns nicht nur eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch die lang erwartete berechtigte Hoffnung, einmal einen Großinvestor für unseren Kreis gewinnen zu können. Die LEG Thüringen ist beauftragt, die Industriegroßfläche Artern Realität werden zu lassen. Große Teile des Grund und Bodens sind bereits verkauft. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ebenso dankbar bin ich für die Unterstützung des Bundes und des Freistaates durch die finanziellen Mittel des Konjunkturpaketes 2, die den Landkreis endlich einmal wieder in die Lage versetzte, im nennenswerten Umfang in öffentliche Schulen zu investieren.
Um die Lernbedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen zu verbessern, sollten wir jede Möglichkeit nutzen.
Doch auch hier können nicht alle Wünsche erfüllt werden. Der Bevölkerungsrückgang zwingt uns, in die Zukunft zu schauen und sehr genau zu überlegen, welche Ressourcen wir noch aufrechterhalten können. Wir müssen - wie viele andere Regionen Deutschlands übrigens auch - akzeptieren, dass eine Bevölkerungswanderung in die Ballungsräume stattfindet.
Gleichwohl ist das Motto "Der letzte macht das Licht aus" grundfalsch. Mit Fleiß und gesundem Selbstbewusstsein dürfen wir nicht müde werden, auch in der mitteldeutschen Provinz ein lebenswertes Leben anzubieten. Unsere landschaftlichen Schönheiten, unsere reiche Kulturtradition sprechen für sich. Wir müssen uns nicht verstecken.
Uns "Kaputtzusparen" durch unbedachte Kürzungen bei Schulstandorten, Theater und Orchester, Museen oder dem öffentlichen Nahverkehr wäre dumm und verhängnisvoll. Ein "Minus" an öffentlichen Angeboten hat immer auch ein "Minus" an Lebensqualität zur Folge und die Gefahr besteht, dass dieses "Minus" an Lebensqualität letztendlich das Zünglein an der Waage ist, das zur Abwanderung führt.
Ich bin zuversichtlich, dass die Verantwortungsträger in Stadt- und Gemeinderäten und im Kreistag diese Zusammenhänge erkennen und finanzpolitische Entscheidungen mit Augenmaß treffen werden.
Bei all unseren kleinen und großen Problemen dürfen wir nicht vergessen, dass es in unserer globalisierten Welt Krisengebiete gibt, in denen Gewalt, Terror, Not und Unterdrückung herrschen. Unsere Grundrechte, die wir gern und häufig in Anspruch nehmen, sind nicht überall auf der Welt selbstverständlich.
Wir durften im vergangenen Jahr den 20. Jahrestag der deutschen Einheit feiern. Zahlreiche Rückblicke und Dokumentationen in Wort und Bild haben uns in Erinnerung gerufen, dass das Leben in der Diktatur bis 1989 ein grundlegend anderes war: klein, begrenzt, abgeschottet und weltfremd sagen die einen, sozial abgesichert nennen es manch andere.
"Zufriedene Sklaven sind die schlechtesten Demokraten", sagte einmal ein unbekannter Verfasser und darin steckt viel Wahrheit.
Zufrieden waren die Menschen in der ehemaligen DDR jedoch beileibe nicht, das habe ich - und mit mir sicher noch manch anderer - gut in Erinnerung. Wir sollten uns hüten, unser damaliges Leben im Rückblick rosa einzufärben und stattdessen anerkennen, dass unser grundgesetzlich verankerter Sozialstaat es in 60 Jahren Bundesrepublik wirksam geschafft hat, dem Kapitalismus Zügel anzulegen.
Wir haben ein hervorragendes Netz medizinischer und sozialer Einrichtungen und Dienste, die kranken und behinderten Menschen helfen. Wir haben Rechtsansprüche auf soziale Sicherung, die jedem ein menschenwürdiges Existenzminimum sichern.
Darauf dürfen wir stolz sein und dafür müssen wir bereit sein, Steuern und Abgaben zu zahlen.
Ich kann es nicht verstehen, wenn Gutverdienende Geld am Fiskus vorbeischleusen und dann auch noch stolz auf ihren vermeintlichen cleveren Schachzug sind. Vielleicht brauchen gerade diese Menschen einmal einen Heimplatz für einen behinderten oder pflegebedürftigen Angehörigen, dann werden sie sicher auch laut nach dem Staat rufen.
Meine Damen und Herren,
ein amerikanischer Schriftsteller hat einmal geschrieben: "Der Optimist bleibt an Silvester bis Mitternacht wach, um das neue Jahr zu begrüßen. Der Pessimist bleibt wach, um sicher zu sein, dass das alte Jahr geht." Ich hoffe, dass sie alle Optimisten sind und das neue Jahr freudig begrüßt haben.
Wagen wir es gemeinsam, die vor uns liegenden Aufgaben anzupacken. Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Angehörigen ein gesundes, glückliches und gesegnetes Jahr 2011. Bleiben Sie dem Kyffhäuserkreis verbunden und verleben Sie mit uns heute hier einige angenehme Stunden bei interessanten Gesprächen.
Herzlichen Dank für Ihre Spendenbereitschaft zu Gunsten unserer heutigen Empfänger Kreisverkehrswacht, Behindertenverband und Musikschule.
Im Anschluss werden Sie Kinder erleben, die durch Ihre Unterstützung kostenlos 2 Jahre zusätzlich Musikunterricht bekommen und Ihnen hier und heute ihre ersten Erfolge darbieten.
Ich bedanke mich bei allen ganz herzlich, die zum Gelingen des heutigen Festes beigetragen haben.
- den Musikern des Loh-Orchesters unter Leitung von Generalmusikdirektor Frank für ihren phantastischen Einsatz.
- Ich bedanke mich auch bei der Little Big Band unserer Kreismusikschule unter der Leitung von Matthias Deichstetter, die wir später hören und sehen werden.
- Ich bedanke mich bei allen, die uns heute alle kulinarisch verwöhnen sowie bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sparkasse, des Landratsamtes und der Bundeswehr für ihren unermüdlichen Einsatz.
Vielen Dank und einen schönen Abend!
