So, 12:09 Uhr
30.01.2011
Bundeswehr zum Nulltarif?
Auch wenn es jetzt nicht viel Schnee gibt, erinnern Sie sich noch an die letzten schneereichen Tag? Da ertönte öfter mal der Ruf, warum setzt keiner die Bundeswehr ein? Wie könnte so etwas gehen? Am Freitag sprach kn mit jemanden, der sich auskennt...
Auch wenn der Standortälteste der Bundeswehrkaserne Sondershausen, Oberstleutnant Klaus Glaab, nicht viel Zeit hat, er kam gerade aus dem Feldlager zurück, für diese Sache hatte er sich Zeit genommen.
Auch wenn es eigentlich bloß ein normaler Winter war, der nur mal etwas zeitiger begann, die Schneemassen ließen bei vielen Bürgern den Ruf nach dem Einsatz der Bundeswehr laut werden lassen. Das merkte man bei vielen Gesprächen und auch auf Einwohnerversammlungen, die Bundeswehr sollte beim Schneechaos eingesetzt werden. Doch unter welchen Bedingungen geht das eigentlich?
Bei überregionalen Katastrophen muss sich der Kommandeur vor Ort nicht viel Gedanken machen. Bei solchen Ereignissen, wie zum z.B. dem Oderhochwasser oder ähnlichen Ereignissen wird der Einsatz der Bundeswehr zentral über das jeweilige Wehrbereichskommando gesteuert und es gibt eine klare Befehlskette.
Bei regional begrenzten Ereignissen besteht jedoch die Möglichkeit für Kommune, Landkreis oder Land einen Antrag auf Amtshilfe zu stellen. Der Antrag wird dann von der Bundeswehr geprüft (für den Standort Sondershausen in Hannover) und gegebenenfalls genehmigt. Bei Gefahr im Verzug kann ich auch eigenständig entscheiden, so Glaab im Gespräch, wenn der Antrag ausreichend begründet ist, denn auch in so einem Fall muss nachträglich die Genehmigung eingeholt werden. Dann kann die Bundeswehr auch die entsprechende Hilfeleistung erbringen.
Was in der Bevölkerung vielleicht nicht so bekannt ist:
Diese Leistung wird dem Antragsteller in Rechnung gestellt!
Der Einsatz der Bundeswehr wird per Bundesgesetz geregelt.
Bei den knappen Kassen von Stadt und Landkreis kann man sich ausrechnen, dass sich Bürgermeister oder Landrat mehr als ein Mal überlegen werden, die Bundeswehr um Hilfe zu bitten. Bloß mal ein paar Parkplätze von Schnee räumen zu lassen wäre ein sehr teure Alternative zu THW, Feuerwehr oder auch einer privaten Firma.
Und eines stellte Oberstleutnant Glaab auch klar, bei aller Verbundenheit mit der Region, aber die Bundeswehr ist kein Selbstbedienungsladen für kommunale Aufgabenstellungen. Schwerpunkt ist nun mal die Erfüllung der Landesverteidigung im weitesten Sinne, was auch den vom Bundestag bestimmten Einsatz in Afghanistan einschließt. Und dass man in der Karl-Günther-Kaserne mit der Region verbunden ist, zeigen nicht nur die vielen Benefizveranstaltungen, über die kn bereits berichtete.
Aber nicht nur kosten- und politische Aufgaben begrenzen einen Bundeswehreinsatz zum Schneeräumen. Es mag komisch klingen, aber so gut ist die Bundeswehr für die Aufgabe des Schneeräumens gar nicht ausgerüstet. Das Schiebeschild so eines Bergepanzers (im Bild ein Bergepanzer 3 EHS auf Fahrgestell Leopard1 ist nicht hoch genug zum Schneeräumen und es gibt für den harten Stahl keine Gummilippe, um die Straße zu schützen.
Ein bisschen geschoben und schon liegt der Schnee hinter dem Schiebeschild und man hat nicht gekonnt. Und eine weitere Gefahr droht. Mit seinen 55 Tonnen und der Kraft von fast 900 PS würden wir wahrscheinlich beim Schneeschieben mehr Schaden anrichten, als Nutzen bringen, so Oberstleutnant Glaab. Die kleinste Unebenheit in der Straße, ob Pflastersteinkante oder etwas höher stehender Gullydeckel, würde beseitigt werden, worüber sich die Kommune nicht freuen würde. Die Straße wäre hinterher wahrscheinlich ein kompletter Sanierungsfall. Der Bergepanzer eignet sich nun mal mehr zum Beseitigen von Sperren und Verhauen, als für Schnee.
Und wer denkt, mit den Panzerketten fährt es sich doch besonders sicher, der sollte mal unbedingt in das Video schauen, da können Sie hören, warum es sich wie auf Schmierseife fährt und so schon aus dem Grund ein Bergepanzer nicht zum Schneeräumen geeignet ist. Haupteinsatzgebiet so eines Bergepanzers wäre mehr, wenn es gilt mit Hilfe der Seilwinde festsitzende Fahrzeuge aus Schnee und Schlamm zu ziehen.
Zwar gibt es Schneegreifer aus Gusseisen, die für das Fahren auf Schnee angebracht werden können, aber mit diesen Spikes eine Straße befahren würde die Straße zum Sanierungsfall machen. Deshalb dürfen diese Dinger nur auf Befehl im Gelände eingesetzt werden.
Und bloß die Bundeswehr zu bemühen, um mit einem LKW Schnee wegzufahren, dass sollte man sich wohl schwer über legen. Da gibt es mit Sicherheit bessere Alternativen und das Geld bleibt vor Ort in der Region, wenn Firmen beauftragt werden, oder der THW zum Einsatz kommt. Wie gut das mit mit dem THW klappt, sah man am Freiräumen des Lohplatzes, kan berichtete (Platz für neuen Schnee).
Der Kommandant des Bergepanzer 3 EHS schildert sehr anschaulich die Besonderheiten des Bergepanzers, wenn es ums Thema Schneeräumen geht.
Bergepanzer zum Schneeräumen?
Der Einblick zum Thema Schneeräumen war aus Sicht kn sicher sehr nützlich hilft hoffentlich, zu informieren, unter welchen Bedingungen die Soldaten der Bundeswehr zum Einsatz kommen können. Und eines stellte Oberstleutnant Glaab auch noch einmal klar, wir haben in der Kaserne Kriegsgerät und für Kampfeinsätze muss unsere Technik geeignet sein, weniger für kommunale Aufgaben. Der Dank von kn gilt anschließend der Besatzung des Bergepanzer 3 EHS für die anschaulichen Erläuterungen.
Autor: khhAuch wenn der Standortälteste der Bundeswehrkaserne Sondershausen, Oberstleutnant Klaus Glaab, nicht viel Zeit hat, er kam gerade aus dem Feldlager zurück, für diese Sache hatte er sich Zeit genommen.
Auch wenn es eigentlich bloß ein normaler Winter war, der nur mal etwas zeitiger begann, die Schneemassen ließen bei vielen Bürgern den Ruf nach dem Einsatz der Bundeswehr laut werden lassen. Das merkte man bei vielen Gesprächen und auch auf Einwohnerversammlungen, die Bundeswehr sollte beim Schneechaos eingesetzt werden. Doch unter welchen Bedingungen geht das eigentlich?
Bei überregionalen Katastrophen muss sich der Kommandeur vor Ort nicht viel Gedanken machen. Bei solchen Ereignissen, wie zum z.B. dem Oderhochwasser oder ähnlichen Ereignissen wird der Einsatz der Bundeswehr zentral über das jeweilige Wehrbereichskommando gesteuert und es gibt eine klare Befehlskette.
Bei regional begrenzten Ereignissen besteht jedoch die Möglichkeit für Kommune, Landkreis oder Land einen Antrag auf Amtshilfe zu stellen. Der Antrag wird dann von der Bundeswehr geprüft (für den Standort Sondershausen in Hannover) und gegebenenfalls genehmigt. Bei Gefahr im Verzug kann ich auch eigenständig entscheiden, so Glaab im Gespräch, wenn der Antrag ausreichend begründet ist, denn auch in so einem Fall muss nachträglich die Genehmigung eingeholt werden. Dann kann die Bundeswehr auch die entsprechende Hilfeleistung erbringen.
Was in der Bevölkerung vielleicht nicht so bekannt ist:
Diese Leistung wird dem Antragsteller in Rechnung gestellt!
Der Einsatz der Bundeswehr wird per Bundesgesetz geregelt.
Bei den knappen Kassen von Stadt und Landkreis kann man sich ausrechnen, dass sich Bürgermeister oder Landrat mehr als ein Mal überlegen werden, die Bundeswehr um Hilfe zu bitten. Bloß mal ein paar Parkplätze von Schnee räumen zu lassen wäre ein sehr teure Alternative zu THW, Feuerwehr oder auch einer privaten Firma.
Und eines stellte Oberstleutnant Glaab auch klar, bei aller Verbundenheit mit der Region, aber die Bundeswehr ist kein Selbstbedienungsladen für kommunale Aufgabenstellungen. Schwerpunkt ist nun mal die Erfüllung der Landesverteidigung im weitesten Sinne, was auch den vom Bundestag bestimmten Einsatz in Afghanistan einschließt. Und dass man in der Karl-Günther-Kaserne mit der Region verbunden ist, zeigen nicht nur die vielen Benefizveranstaltungen, über die kn bereits berichtete.
Aber nicht nur kosten- und politische Aufgaben begrenzen einen Bundeswehreinsatz zum Schneeräumen. Es mag komisch klingen, aber so gut ist die Bundeswehr für die Aufgabe des Schneeräumens gar nicht ausgerüstet. Das Schiebeschild so eines Bergepanzers (im Bild ein Bergepanzer 3 EHS auf Fahrgestell Leopard1 ist nicht hoch genug zum Schneeräumen und es gibt für den harten Stahl keine Gummilippe, um die Straße zu schützen.
Ein bisschen geschoben und schon liegt der Schnee hinter dem Schiebeschild und man hat nicht gekonnt. Und eine weitere Gefahr droht. Mit seinen 55 Tonnen und der Kraft von fast 900 PS würden wir wahrscheinlich beim Schneeschieben mehr Schaden anrichten, als Nutzen bringen, so Oberstleutnant Glaab. Die kleinste Unebenheit in der Straße, ob Pflastersteinkante oder etwas höher stehender Gullydeckel, würde beseitigt werden, worüber sich die Kommune nicht freuen würde. Die Straße wäre hinterher wahrscheinlich ein kompletter Sanierungsfall. Der Bergepanzer eignet sich nun mal mehr zum Beseitigen von Sperren und Verhauen, als für Schnee.
Und wer denkt, mit den Panzerketten fährt es sich doch besonders sicher, der sollte mal unbedingt in das Video schauen, da können Sie hören, warum es sich wie auf Schmierseife fährt und so schon aus dem Grund ein Bergepanzer nicht zum Schneeräumen geeignet ist. Haupteinsatzgebiet so eines Bergepanzers wäre mehr, wenn es gilt mit Hilfe der Seilwinde festsitzende Fahrzeuge aus Schnee und Schlamm zu ziehen.
Zwar gibt es Schneegreifer aus Gusseisen, die für das Fahren auf Schnee angebracht werden können, aber mit diesen Spikes eine Straße befahren würde die Straße zum Sanierungsfall machen. Deshalb dürfen diese Dinger nur auf Befehl im Gelände eingesetzt werden.
Und bloß die Bundeswehr zu bemühen, um mit einem LKW Schnee wegzufahren, dass sollte man sich wohl schwer über legen. Da gibt es mit Sicherheit bessere Alternativen und das Geld bleibt vor Ort in der Region, wenn Firmen beauftragt werden, oder der THW zum Einsatz kommt. Wie gut das mit mit dem THW klappt, sah man am Freiräumen des Lohplatzes, kan berichtete (Platz für neuen Schnee).
Der Kommandant des Bergepanzer 3 EHS schildert sehr anschaulich die Besonderheiten des Bergepanzers, wenn es ums Thema Schneeräumen geht.
Bergepanzer zum Schneeräumen?
Der Einblick zum Thema Schneeräumen war aus Sicht kn sicher sehr nützlich hilft hoffentlich, zu informieren, unter welchen Bedingungen die Soldaten der Bundeswehr zum Einsatz kommen können. Und eines stellte Oberstleutnant Glaab auch noch einmal klar, wir haben in der Kaserne Kriegsgerät und für Kampfeinsätze muss unsere Technik geeignet sein, weniger für kommunale Aufgaben. Der Dank von kn gilt anschließend der Besatzung des Bergepanzer 3 EHS für die anschaulichen Erläuterungen.


