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Mo, 07:13 Uhr
21.03.2011

nnz-Forum: Toter Knut und Jodtabletten

Es ist zugegebener Maßen schwer, sich im heutigen Informationsdschungel zurechtzufinden, und zu einer bestimmten Thematik die stichhaltigste und seriöseste Nachricht zu finden. Und in einer freien Gesellschaft bleibt es jedem Mitbürger freigestellt, welche Information er für richtig hält. Ein Statement von nnz-Leser Bodo Schwarzberg...


Der Mündigkeit im Umgang mit den Medien, die an uns Ostdeutschen durch die Wende herangetragen wurde und um die wir gekämpft haben, ist jedoch für viele Menschen oft nur schwer nachzukommen, wenn die übelsten und verkehrtesten, oft tränenreich oder rosarot verpackten Falschmeldungen über die Bildschirme flimmern. Wie leicht sich die Menschen heute durch diese und andere Äußerlichkeiten verführen, betrügen und verdummen lassen, sehen wir tagtäglich in unseren Supermärkten, sofern wir es sehen und wissen wollen: Haben Sie schon einmal bemerkt, dass in manchen Märkten oft Waren mit der niedrigsten Preisangabe deklariert werden, obwohl sie diesen gar nicht verdient haben? Aber erst der nur ganz klein gedruckte Kilogramm- oder 100-Gramm-Preis der jeweiligen Ware offenbart dem kritischen Kunden dessen gewollte Verdummung.

Wussten Sie, dass man Ihnen auch mit langsamen Takten aus den Lautsprechern von Aldi, Edeka, Lidl und Co. nicht etwa etwas Gutes tun möchte? Nur die Tatsache dass ein besonders langsamer Takt aus den Lautsprechern die Verweildauer der Kundschaft vor den Regalen erhöht, ist der Hintergrund der Schmachtmusik.

Ganz zu schweigen vom offiziellen Betrug bei den Verpackungsgrößen: 450 Gramm Inhalt für (natürlich NUR 3,70, statt 500 Gramm Inhalt für NUR 3,70 noch im vergangenen Jahr – natürlich bei weitestgehend gleicher Packungsgröße. Übrigens sind die Böden der Supermarktkarren nur deswegen in unsere Richtung geneigt, weil die Waren, die wir bereits hineingelegt haben, so nach hinten rutschen und so aus unserem Blickfeld verschwinden. Dies soll uns, ebenso wie die heute kubikmetergroßen Karren ein schlechtes Gewissen geben: „Du hast so wenig im Korb! So kannst Du unmöglich hier rausgehen!“

Volksverdummung ist immer Psychologie. Das wurde in jeder Gesellschaft, besonders von den Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts ausgenutzt, wenngleich dies in der DDR nicht so „effektiv“ geklappt hat, wie während der Nazibarbarei. Heute wird den Menschen das Gehirn softig, bunt und schrill aus dem Kopf gezogen, was für die Einschätzung von wahren Bedrohungen für unsere Gesundheit und für den Bestand dieses Planeten oft genug gefährlich ist:

Wenn etwa in zahlreichen Internetforen und Online-Zeitungen auf die positiven Wirkungen von Jodtabletten angesichts einer eventuellen Kontamination mit dem kurzlebigen Radionuklid Jod 131 aus dem 10.000 km entfernten Japan verwiesen wird und die Schreiber unterlassen es, darauf zu verweisen, dass die Einnahme solcher Präparate in unseren Breiten vollkommen hirnrissig, ja medizinisch gefährlich ist, dann haben wir es vielleicht sogar schon mit Straftatbeständen zu tun.

Oder doch nicht? Müsste nicht jeder heute mündige Bürger sich verpflichtet fühlen, derartige Ratschläge nicht ungeprüft anzunehmen? Nun gut, die heutigen Medien tun verbreitet ihr bestes, damit der Bürger das Nachdenken verlernt. Denn schließlich bekommt er ja genau deswegen alles so fertig und so gestylt wie irgend möglich vorgesetzt. Nachdenken und Sinnieren ist nicht erwünscht in einer Konsumgesellschaft. Schließlich möchte die Pharmabranche ja auch mal die Jodtabletten-Regale in den Apotheken neu bestücken. Da kommt doch die Reaktorkatastrophe in Fukushima gerade recht. Ein profitabler Räumungsverkauf in den Apotheken bei Jodtabletten, das ist doch was. Fukushima - Gott sei Dank.

Nicht einmal die mir als Biologen besonders am Herzen liegende Ökologie bleibt von der Volksverdummung verschont: Seit seiner Geburt am 6.12.2006 muss der arme Berliner Eisbär Knut für einen ganz besonderen und eigentümlichen Medienhype herhalten. Hoffentlich hat er in seinem kurzen Leben davon nicht allzu viel mitbekommen. Stigmatisiert als Vertreter einer vom Klimawandel ganz besonders schwer betroffenen Spezies, und das Ganze noch forciert durch sein zugegeben niedliches Erscheinungsbild entsprechend dem wohl jedem unter die Haut gehenden Kindchenschema, wollten Zehntausende noch einmal in ihrem Leben einen Eisbär sehen.

Diesen Eisbär! Laut der Tierschutzorganisation PETA haben sich selbst Forscher der Lügerei bedient, wohl um die Kassen in Berliner Zoo noch etwas lauter klingeln zu lassen: Die Lüge: Angeblich sei der Weltbestand der Eisbären auf vielleicht noch 10.000 bis 11.000 Tiere geschrumpft. Warum sind derartige Äußerungen in Deutschland nicht strafbar? Laut PETA leben in freier Wildbahn tatsächlich noch etwa 25.000 Eisbären, und damit so viele wie seit den 60-er Jahren nicht, wo ihr Bestand durch Wilderei auf unter 6.000 Exemplare gesunken war. Quelle: IUCN, die internationale UN-Naturschutzorganisation und PETA.

Unbestritten und erwiesen ist, dass der Rückgang des Meereises infolge des Klimawandels zu Verlusten bei den Eisbärpopulationen führt. Da die Tiere auf Robben spezialisiert sind, und sie diese ausschließlich vom Meereis aus fangen, bedroht sie die Abnahme des Meereises langfristig tatsächlich. Aber die ökologische Gesamtsituation unseres Planeten ist viel zu ernst, als dass sie mit dem Ziel der Profitsteigerung für zoologische Gärten instrumentalisiert werden sollte.

Statt die Leute, die angesichts von Knuts Ableben in Hysterie fallen, über die künftig drohenden Gefahren für die Eisbären aufzuklären und auf die vielen Tiere zu verweisen, die in der Arktis angesichts des zurückgehenden Meereises verhungern oder ertrinken (leider zu wenig im Blickpunkt stehen z.B. die Karibus!), wird ihre Trauer auf Knut fixiert. Es geht um Knut oder um den Kraken Paul als gewinnträchtiger Werbeträger, nicht aber um die Vermittlung ökologische Wahrheiten und Zusammenhänge. Oder?

Und Fukushima?

Volksverdummung natürlich auch dort und nach der Katastrophe gewiss mehr denn je: Der japanische Anti-AKW-Aktivist Philipp White gab taz.de am 13.3. ein Interview, in dem er wörtlich sagte: „Verschiedene historische Faktoren haben dazu geführt, dass viele Menschen hier (in Japan – B.S.) glauben, Atomwaffen sind schlecht und Atomkraftwerke gut. Die Atomlobby hat es erfolgreich geschafft, diese beiden Themen in der öffentlichen Wahrnehmung voneinander zu trennen. …Inzwischen ist Japan abhängig von der Atomenergie, und viele sind nicht bereit, die Quellen ihrer Energie zu hinterfragen.“ (Ende des Zitats)

Die Atomlobby hat also über Jahre hinweg im Verein mit den Regierenden dafür gesorgt, dass sie Menschen überhaupt nicht wahrnehmen, auf was für einem Pulverfass sie in Japan tatsächlich sitzen. – Dutzende Meiler auf dem „asiatischen Feuerring“, also auf einer der seismisch aktivsten Strukturen der Erde zu bauen, und die Menschen durch Lüge und Halbwahrheiten, Technikgläubigkeit und Druck gegen kritische Akteure im Unklaren zu lassen, das gibt es tatsächlich in einer Demokratie.

Und so wird sich das unheilige Konglomerat aus Konzernen und Politik zumindest zwischen den Zeilen auch nach Fukushima anschicken, die mögliche Verhinderung eines Supergaus in Japan noch als Beispiel für die Beherrschbarkeit der Kernenergie zu feiern – während eines der am höchsten entwickelten Länder der Welt kaum in der Lage ist, den vom Tsunami Betroffenen Wasser, Energie und Reis zukommen zu lassen. Statt Demuth und Innehalten werden wir ein „Weiter so“ aus Japan zu hören bekommen.

Anzeichen für diese Vermutung zeigen sich bereits am Horizont: So schreibt „Die Presse“ in ihrem Online-Liveticker vom 20.03. um 16:17: „Die Lage dort (n den Abklingbecken, B.S.) sei unter Kontrolle. Bei den anderen Reaktoren wird mit Hochdruck an der Kühlung gearbeitet. Die Temperatur in allen Abklingbecken fällt.“ – Das klingt in meinen Ohren wie die Erfolgsmeldungen zur Erfüllung der Fünfjahrespläne in der DDR.

Solche, im Wortlaut möglicherweise sogar korrekten Meldungen erzeugen bei vielen Zeitgenossen zunächst ein Gefühl des Aufatmens und der Befreiung. Ganz nach dem Motto: Es ist ja alles noch einmal gut gegangen und unsere AKWs überstehen sogar ein Beben der Stärke 9 gerade noch einmal.“ – Außerdem sind zurzeit so viele Japaner mit dem Tsunamitrauma und mit Hamsterkäufen beschäftigt, als dass sie sich Gedanken über die Zukunft der Kernkraft in ihrem Land oder gar in der Welt machen werden.

Welch ein Glück ist das für Politik und Energiekonzerne! Ein hungriger Bauch denkt in erster Linie nur bis zum nächsten Essen! Eine willkommene Chance also für die japanische Regierung und den Konzern Tepco, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: „Na Leute, so schlimm war doch das alles gar nicht. Jod 131 hat eine Halbwertszeit von 8 Tagen und von der Wirkung des Cäsiums 137 mit seinen 30 Jahren Halbwertszeit merken wir vorerst sowie so nichts.

Wird in zehn Jahren in Fukushima ein Kind ohne Arme und Beine geboren, dann soll die Mutter doch erst einmal nachweisen, dass dafür die Atomkatastrophe vom März 2011 die Verantwortung trägt. Das einwertige Cäsium 137, welches sich im Körper wie Kalium verhält, spielt der Vergesslichkeit von Staats wegen in die Hände. - Kernkraft ist doch gar nicht so schlimm. Wir haben doch aus Tschernobyl, wie man gerade sieht, gelernt, denn wir haben keinen Super-Gau. Und wie man sieht, bereiten manche Medien bereits den Weg für derartige Äußerungen.

Wenn wir uns in Deutschland und Europa ebenso einlullen lassen, werden wir unsere AKWs noch in 100 Jahren haben, falls wir dann noch als Art existieren. Frau Merkel hat mit ihrem so genannten Moratorium von der japanischen Atomlobby gelernt. Lieber ein Run auf Jodtabletten, als ein echtes Abschalten der Meiler.

Die Wende 1989 konnte nur vollzogen werden, weil die Menschen damals konsequent und nachhaltig für ihre Überzeugung eingetreten sind. Daran sollten wir uns trotz des oft schwer zu durchschauenden Fahrwassers der psychologischen Beeinflussung durch Politik- und bestimmte Wirtschaftskreise, stets erinnern.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Retupmoc
21.03.2011, 08:00 Uhr
Toter Knut,
Sehr geehrter Herr Schwarzberg, alles aber auch alles was Sie in Ihrer Kolummne ist wahr und trifft den Kern. Eine Frage haben Sie allerdings vergessen: Warum wehren sich die Bürger nicht endlich gegen diese Obrigkeit? Warum wie gestern wieder geschehen wählen noch 33 Prozent diese Partei, die das alles zulässt.

Die Antwort liegt bei Knut. Wie sie gestern alle in dem Zoo Krokodilstränen vergossen haben, der Direktor und seine Angestellten. Ein Eisbär gehört nicht in einen Zoo. Der arme Knut wurde gedisst, verlor seine Bezugsperson und wurde als Schauobjekt ausgestellt. Viel lieber würden ER und seine Artgenossen dort rumtollen, wo ein Eisbär normalerweise lebt. Den Menschen fehlt halt jegliches Verständnis für andere Lebewesen ( nicht allen, aber vielen ). Sonst wäre auch nicht zu erklären, warum man Beifall klatscht wenn Amis und Franzuskis hinterhältig aus der Luft oder von schwimmenden Kriegsdampfern mal ein paar Raketen auf Menschen schiessen.

Ein lybischer Soldat hat dummerweise auch Frauen und Kinder und die Zivilbevölkerung erwischt es auch. Wenn Frau Merkel nicht Wahlkampf hätte, würden unsere jungen Menschen auch schon auf dem Weg an die Front sein. Angeblich geht es gegen den bösen Gaddafi und schon wieder belügt man die Menschen in den eigenen Ländern. Es geht einzig und allein nur um das Öl.

Warum sonst schiesst die Vereinigung der willigen Dummbacken sonst nicht Raketen auf die Despoten in Nordkorea oder China? Die sind viel schlimmer als diese Witzfigur von Gaddafi. Antwort: Die können sich wehren!
Wolfi65
21.03.2011, 08:19 Uhr
Zu schwer
Der Verfasser des Artikels macht es sich viel zu schwer. Probleme die der Bürger nicht ändern kann sind es nicht wert, darüber zu diskutieren. Man kann die Eisschmelze am Nordpol und das Unglück im AKW Fukushima, den Tod von Knut im Berliner Zoo nicht ändern.

Daß Eisbären nicht mehr wissen wohin, wenn das Eis am Nordpol komplett verschwunden sein sollte, ist nicht erwiesen, denn gerade Tiere sind es, welche Umweltveränderungen schneller wahrnehmen und darauf reagieren.

Die Eisbären werden dann wieder auf das Festland gehen und sich ihre Nahrung dort holen, denn das ist im Laufe der Erdgeschichte alles schon mal dagewesen.
Panikmache ist auch eine Form der psychologischen Beeinflussung des Menschen, genau wie die softe Musik im Supermarkt.

Als letztes sei bei der Beeinflussung des Menschen das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt genannt. Es hat den Anschein, daß alle Wähler ihren Willen eingebracht haben. Dem ist aber nicht so, denn das Heer der Nichtwähler, wird bei dem ganzen Medienrummel nur ganz am Rande erwähnt, obwohl dieser Umstand einen erheblichen Einfluss auf das amtliche Endergebnis hat.
arixtra
21.03.2011, 17:10 Uhr
Gehirnwäsche
"Heute wird den Menschen das Gehirn softig, bunt und schrill aus dem Kopf gezogen.."

dem ist nichts hinzuzufügen! wohl dem, der es merkt!!
-Insider-
21.03.2011, 18:04 Uhr
wer
sich ein klein wenig tiefer mit der aktuellen lage beschäftigt als nur mittels bild, rtl, n-tv und co. muss (!) feststellen, dass diese welt tag für tag in ihren grundfesten erschüttert wird.

da führt der kleine napoleon mit dem messias aus amerika im rücken einen angriffskrieg gegen lybien. wieso? öl. geld. macht. machterhalt. andere beweggründe kennt die Elite der Welt heute nicht mehr. ginge es um die befreiung des volkes, warum sieht man dann keine alliierten in schwarzafrika wo dikatoren ihre untertanen abschlachten wie vieh? keine wirtschaftliche perspektive wie öl? so ein mist aber auch...

man kann nur hoffen, dass diesen überfliegern die flügel gestutzt werden und da kann man seine hoffnung nur noch in die Hände des Fernen Osten legen. Die gelbe Gefahr von gestern kann nur noch der Retter von morgen sein, so bescheuert wie es klingen mag. irgendwer muss diesen westlichen angriffskriegen (irak, afghanistan, lybien und morgen syrien, iran und co.) paorlie bieten.

herr schwarzberg spricht in seinem artikel aber nicht nur dieses thema an, sondern er schneidet auch japan an - das land der untergehenden sonne. ich möchte wirklich JEDEN bitten, der ein klein wenig grips hat - schaut hinter die fassaden dieses "erdbebens". das was ihr sehen werdet ist erschütternd.

japan ist im übrigen eine gute überleitung zu dem, was der kern des artikels ist. der mensch von heute nimmt alles hin, was man ihm sagt...Die Obrigkeit ruft den "menschenbedingten Klimawandel" aus und das volk antwortet "ja, melkt uns...aber bitte kräftig", es wird von frieden und einer welt gesprochen und wie das auszusehen hat demonstriert der westen zur zeit in lybien.

man kann eig. nur wiederholt darum bitten: Jeder der es kann, der möge denken, sehen und erkennen.

Ein zutiefst erschütterter (und da gehört schon einiges dazu) -Insider-
Herr Taft
22.03.2011, 11:10 Uhr
Ja was denn nun...
die DDR war nicht richtig, das gegenwärtige System ist auch nicht genehm. Eine böse übermächtige Klicke von machthungrigen Potentaten nutzen Millionen von nicht-denkenden Menschen aus zu ihrer eigenen Bereicherung...

*Zynismus an*
Wann begreifen wir endlich, dass der Mensch (egoistisch, neidisch und in höchstem Maße unsozial) die Wurzel allen Übels ist. Befreien wir doch diesen wunderbaren Planeten endlich...
*Zynismus aus*

Es ist nunmal nicht möglich kompromisslos sozial und ökologisch zu sein und dabei auch noch ökonomisch sinnvoll zu handeln. Es ist der klassische Zielkonflikt, der in jeder Form des menschlichen Zusammenlebens zwangsläufig auftreten muss.
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