kn-Forum: Krieg in Libyen (2)
Zu den Bombardierungen in Libyen gibt es eine weitere Wortmeldung bei nnz/kn. Hier der Wortlaut...
Weiß eigentlich jemand, wer von den Libyern gegen Gaddafi kämpft? War es das ganze libysche Volk, wie man uns anlügt??, oder sind es nicht doch nur einzelne Stämme, die unter Gaddafi nicht an die Öl-Tröge kamen und benachteiligt wurden? Ging es den Libyern nicht insgesamt viel besser als ihren Nachbarn?
Wer ist in der Mehrheit, die Gegner oder Anhänger des Despoten? Wie kommt man dazu, ein souveränes Land anzugreifen? Nur weil Gaddafi eine große Lippe riskierte? Wieso unterstützt man eventuell eine Minderheit gegen eine Mehrheit?
Wer genau greift eigentlich Gaddafi an? Die Welt? Eine Staatengemeinschaft”? Eine Koalition der Willigen”? Die UNO? Die NATO? Die EU? Das Trio USA, Großbritannien und Frankreich? Nach welchem Recht? Wer hat den Befehl? Sarkozy allein? Wieso muss zur Einhaltung einer Flugverbotszone gebombt werden? Wer hat welchem Staat wann erlaubt, Libyen zu beschießen? Was ist nun die Strategie? Soll Tripolis niedergewalzt werden, damit Bengasi siegt? Wie lange soll gebombt werden? Warum werden Libyer gekillt, um Libyer zu retten”? Was werden die Sieger mit den Besiegten machen?
Fragen über Fragen und keine Antwort!. Sowohl in Jugoslawien als auch im Irak gingen den Bomben monatelange Verhandlungen aller Art voraus. Im Falle Libyen ballert man einfach drauflos, weil es klar ist, dass Gaddafi weg muss!
Der Rest wird sich dann schon finden oder wie?
20% der islamischen Dschihadisten im Irak usw. stammen vorwiegend aus Ostlibyen!
Und die bombt man an die Macht!
In ein paar Monaten regiert ein neuer Gaddafi, und dann ist alles besser?
D. Bohlien
Ebeleben
Autor: khh
Anmerkung der Redaktion:
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Kommentare
Retupmoc
23.03.2011, 08:06 Uhr
Nein,
aber wir Deutschen haben uns an den Waffenlieferungen wieder dumm und dämlich verdient. Das bringt die Wirtschaft in Schwung und senkt die Arbeitslosenzahlen. Das ist doch auch was.
I.H.
23.03.2011, 09:30 Uhr
Tja, lesen bildet.
Hätte der geistig verwirrte lybische Zauselkopf weniger in seinem grünen Buch gemalt und mehr bei Wilhelm Busch gelesen, wäre ihm der kleine Napoleon aus Paris nich aufs Dach gestiegen. Der Zausel musste ja unbedingt mit seinen geklauten Petrodollars minderwertigen russischen - und alten französischen Schrott kaufen. Mit anständiger deutscher Wertarbeit ausgerüstet, müsste der Zausel nu nich ständig seine Jurte wechseln.
"BEWAFFNETER FRIEDE
Ganz unverhofft, an einem Hügel,
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen Seiner Majestät
Geh her und übergib dein Fell.
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Laß dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und alsogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld."*
*Wilhelm Busch
Friedensforscher - Jupp
Bodo Schwarzberg
23.03.2011, 18:38 Uhr
Krieg bedeutet Profit
Zu DDR-Zeiten lernten wir etwas über den so genannten "militärisch-industriellen Komplex", wenn es um die Begründung dafür ging, warum das westliche Staatensystem unter Führung der USA mit einer recht niedrigen Hemmschwelle gegen andere Staaten Krieg führt. Sicherlich spielten früher auch ideolgische Interessen und Machtinteressen der UdSSR eine Rolle bei Waffenlieferungen an die von den "Ketten der imperialistischen Kolonisierung" befreiten Staaten Afrikas, die jungen afrikanischen Nationalstaaten genannt.
Ob in Äthiopien, Angola oder Mosambique, Afghanistan und Kuba: auch die SU war militärisch nicht untätig. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die Aggressivität des Ostens geringer war, als die der USA und ihrer Verbündeten. Der Abwurf der Atombomben auf Japan zur Demonstration der militärischen Stärke und zu "Testzwecken", der Vietnamkrieg, die Interventionen in Grenada, Nicaragua, der Briten auf den Flaklandinseln und natürlich im Irak und Kuweit, es klebt sehr viel Blut auch an unserem System.
Als wir 1989 für dieses System kämpften wussten wir, dass wir eine profitorientierte Gesellschaft bekommen, die nicht nur zur Not bereit ist, über Leichen zu gehen, wenn es die Sicherung wirtschaftlicher Interessen und von Einflusssphären "verlangt". Marx hatte mehr als recht mit seinen Einschätzungen.
Lybien hat einen Anteil von 12 % an der Weltförderung von Öl. Öl wird immer knapper und die Aggressivität des Westens entsprechend größer. Als DDR-Kind weiß man um diese Zusammenhänge, auch, wenn man kein SED-Parteigänger war. Sie sind richtig und unzweifelhaft. Allerdings haben wir im Gegensatz zu früher eine Verfassung, die es den Menschen erlaubt, gegen Interventionen zu protestieren.
Leider nur protestiert immer nur eine Minderheit, worauf die Kriegstreiber sich ebenso leider verlassen können. Zu wichtig ist den Bürgern ihr eigenes Fortkommen, ihre eigene Sicherheit, ihr eigener Wohlstand und ihr eigenes Ansehen. Vietnam war weit weg, der Irak ebenso und Lybien ist ebenso weit von uns entfernt wie Marx und das dialektische Denken. Das Leid anderer interessiert die Mehrheit nur insoweit, wie der eigene Wohlstand betroffen ist.
Und so müssen auch wir wohl mit der Schuld leben, nichts gegen Morde unter dem Deckmäntelchen der Menschenrechte unternommen zu haben. Übrigens bin ich mir sicher, dass die deutsche Enthaltung bezüglich des Militäreinsatzes in Libyen, ebenso wie das AKW-Moratorium wahltaktisch bedingt ist.
Wenn Diejenigen, die sich jetzt über den Einsatz beschweren auf dei Straße gehen würden, wäre das besser, als hier Kommentare zu schreiben. Aber wer tut es?
Die meisten Leute kaufen auch lieber Jodtabletten, als sich mit den Wurzeln der
Fukushima-Katastrophe zu beschäftigen, oder zu demonsntrieren, geschweige denn diese Wurzeln überhaupt zu erkennen.Vielen sind die geistigen Voraussetzung für solche komplizierten Denkprozesse angesichts des Primats der leichten, von den Boulvardmedien servierten Fertigkost längst abhanden gekommen. Die geringe Zahl der Kommentare zu dem leidigen Thema spricht Bände.
Und so haben die Konzerne, die Politiker, die wir wählen und die Lobbyisten leichtes Spiel. Auch weiterhin. Unser System ist erprobt und auf den Menschen, so wie er nun einmal ist, zugeschnitten.
Real Human
24.03.2011, 11:32 Uhr
Antiwestliche Reflexe und geschichtliches Halbwissen
Eigentlich habe ich zurzeit privat wichtigere Probleme zu lösen, wenn ich aber die derzeitigen Äußerungen der Friedenstauben lese, so drängt es mich doch sehr stark, das geschichtliche Halbwissen und die manchmal blödsinnige Polemik einiger Populisten zu kritisieren.
Auffällig ist, wie von Artikelschreibern und den meisten Kommentatoren weltgeschichtliche Ereignisse zu einem antiwestlichen Einheitsbrei zusammen gerührt werden. Wie Antikommunisten – und Stiere in der Arena – auf das rote Tuch losgehen, so schießen sich simple Friedenskämpfer zur Zeit reflexhaft auf das Sternenbanner, den Union Jack und die Trikolore ein.
Da gibt es dann Formulierungen wie Gadaffi ist ein Mörder, Obama und Sarkozy sind nichts anderes. Schön,Herr rwe62, Obama und Sarkozy sind also vom Volk gewählte Mörder? Es fehlt nur noch, dass ein paar linke Friedenstauben, wie die Demagogen um Sarah Palin, ausgerechnet Obama ein Hitlerbärtchen unter die Nase malen.
Natürlich geht es den im Hintergrund agierenden kapitalistischen Strippenziehern eigentlich nur um das libysche Öl. Das sollte aber gerade für Antikapitalisten noch lange kein Grund dafür sein, arabischen Freiheitskämpfern in den Rücken zu fallen, indem man über die Luftschläge der Alliierten gegen den Gaddafi-Clan herzieht.
Niemand weiß zwar, ob Libyen nach einem Sieg der Rebellen sich nicht ähnlich entwickelt wie der Iran nach dem Sturz des Schahs, es gibt aber deutliche Hinweise darauf, dass islamistische Fundamentalisten unter der arabischen Jugend nicht mehr den Ton angeben, sondern dass letztere eine westliche Lebensweise anstreben. Das würde dann zwar die Etablierung einer kapitalistischen Demokratie bedeuten, die sollte aber gegenüber einer wie auch immer gearteten Diktatur auch von Pazifisten und Linken für besser als das bisherige Regime befunden werden. Oder gibt es etwa unter Gaddafi eine Kommunistische Partei?
Und mir fällt noch etwas auf:
Es sind oft die gleichen Leute, die den Luftkrieg gegen den Gaddafi-Clan wegen der unvermeidlichen Kollateralschäden verurteilen, den Luftkrieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung aber als das kleinere Übel gegenüber dem Faschismus rechtfertigen.
Am 3. und 4. April wird in Nordhausen wieder der Bombardierung der Stadt gedacht werden. Ein schon total geschlagenes Drittes Reich wurde im Frühjahr weiterhin mit Flächenbombardements belegt, welche die deutsche Zivilbevölkerung terrorisieren sollten. Auch der tausendfache Tod von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen wurde zumindest in Kauf genommen.
Leon E. Halkin, ehemaliger Dora-Häftling Nr. 110 259 war Augenzeuge (und Betroffener) der Bombardierung des Dora-Außenlagers Boelcke-Kaserne. Er berichtet u.a.:
Das Bild gleicht dem eines Schlachtfeldes, mit den Freunden und Feinden vereint im Tode liegen auf dem Boden zerhackte Leichen, zerrissene Kleider, Trümmerstücke aller Art verstreut. Das Feuer leckt an den Ruinen. Das Lager selbst scheint tot. Die Deutschen sind auf der Flucht. Die Kapos sind verschwunden. 1 200 Gefangene werden die bevorstehende Befreiung, die nahe ist, nicht mehr erleben. (aus Walter Geiger, Nordhausen im Bombervisier Seite 318)
Trotzdem begrüßten die meisten Häftlinge den Luftkrieg der Alliierten, denn er trug wesentlich zum schnelleren Ende der Nazidiktatur bei.
Was hat der Luftkrieg der Willigen gegen Muammar al Gaddafi oder Saddam Hussein mit dem Luftkrieg der Alliierten gegen Hitler zu tun? Vergleiche ich da nicht Äpfel mit Birnen? – Ja, aber beide sind genetisch eng miteinander verwandtes Kernobst!
Beide – Gaddafi und Hitler – waren oder sind Diktatoren, die jegliche Opposition grausam verfolgt haben.
In beiden Fällen ging es auch um Rohstoffe. Auch deshalb hat Gaddafi Krieg gegen den Tschad geführt. Es ging dabei zum Beispiel um das Uran in einem 100 km breiten Libysch/Tschadischen Grenzstreifen. Seit Jahren strebt Gaddafi den Besitz von Atomwaffen an. Auch das Dritte Reich hatte bekanntlich ein Kernwaffen-Programm!
Aber, stellen oder stellten Saddam Hussein und Gaddafi für andere Völker eine gleich große Gefahr wie Hitler dar? Ich denke ja! Man braucht heute für die Produktion von Massenvernichtungswaffen nicht unbedingt mehr Uran oder Plutonium. (Nähere Ausführungen will ich wegen der Brisanz des Themas nicht machen.) Entscheidend sind lediglich der skrupellose Wille zur Macht, genügende Geldressourcen und die Tolerierung durch die mächtigen Staaten der Welt.
Gerade heute ist also wegen der neuen technologischen Möglichkeiten eine Beseitigung grausamer und paranoider Terrorregime wie in Nordkorea und Libyen dringend geboten – bei jeder günstigen Gelegenheit. Der Kapitalismus, dessen Einführung einer solchen Aktion geradezu unvermeidlich folgt, ist zwar eine (selbst verschuldete) Geißel der Menschheit und wird langfristig auch eine ökologische Katastrophe herbeiführen; aber gründen sie mal in Nordkorea oder in Libyen eine Ökopartei!
Retupmoc
24.03.2011, 13:47 Uhr
Es geht nur um das Öl,
@ Posthumanist... denn sonst müsste die Koalition der Willigen ganz schnell mal in China anfangen und die Menschenrechte der Bevölkerung einbomben.
Dieser Krieg in Lybien bringt nichts weiter als Gewinne für die Rüstungsindustrie, Tote Zivilisten und Gegenmaßnahmen von ernannten Märtyrern. Auf das alles kann ich verzichten.
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